Facebook Landingtab ja oder nein?

25. August 2010Für einen Kunden behirne ich gerade Möglichkeiten eines Facebook Engagements. Dabei stellt sich natürlich auch die Frage, ob und wenn ja ab welchem Zeitpunkt eine Landingpage Sinn macht. Bekanntlich lässt …


Für einen Kunden behirne ich gerade Möglichkeiten eines Facebook Engagements. Dabei stellt sich natürlich auch die Frage, ob und wenn ja ab welchem Zeitpunkt eine Landingpage Sinn macht. Bekanntlich lässt sich die User-Experience auf Facebook dahingehend lenken, dass man neue Besucher, sprich (noch) Nicht-Fans auf einen speziellen Reiter schickt. Der Benutzer lernt die Marke so nicht über die Wall kennen, sondern findet eine – auf seine Bedürfnisse hoffentlich gut zugeschnittene – Landebahn vor. 

Unternehmen können ganz schön kreativ sein, wenn es um Landingpages geht. Manche gehen dabei klassisch vor. Mit klassisch meine ich, dem Benutzer hier maximal an die Hand zu nehmen, sprich, ihm nicht zu viele Entscheidungs- bzw. Klickmöglichkeiten einzuräumen. Sehr namhafte Unternehmen und Marken gehen davon jedoch ab und präsentieren sich tech- und insbesondere content-savvy Ende nie. Hier wird aus vollen Rohren geschossen, fahren zahlreiche Boxen, Banner und Videos auf, die Benutzer nicht selten gleich wieder wegführen von der Facebook-Site. Natürlich auch eine nicht ganz ungeschickte Vorgangsweise, für die es auch eine reihe von Beispielen gibt. 

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Häufig werden Landingpages auch dafür angewendet, Nutzer, die über einen Banner, das Suchfeld oder von der corporate Site auf den Facebook Kanal kommen, auf schnellstem Weg zu Fans zu machen. Auch hier zählt wieder die Einfachheit. Auch der dümmste FB Nutzer soll sehen, was die Brand von ihm verlangt. Nach dem Motto: "Klick den Like-Button und alles wird gut! 

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Für diese Variante bietet sich dann noch die verschärfte Version an. Davon spreche ich dann, wenn wir das ganze ein wenig garnieren und die Landingpage in ein "Forced-Viral" umbaue. Auch das macht natürlich Sinn. Warum sonst spielen viele Radiosender die Hits kurz an, bevor der Werbeblock kommt. Auch hierfür gibt es wie gesagt Beispiele. Schöne und weniger schöne. Ich finde Zwang im Web generell ja nicht so toll. Egal, Microsoft macht das und hängt mir die Karotte hin. Wenn ich exklusive Angebote will, dann muss ich Windows7 liken.

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Die Anzahl der Facebook Fans zu steigern, reden wir hier mal nicht um den heißen Brei herum, ist für den Großteil der zahlenden Kundschaft die Messlatte schlechthin. Aus diesem Grund stellt sich die Frage, ob und wann ja ab wann eine Landingpage Sinn macht. Ich habe dazu eine Umfrage erstellt, an der sich bislang 29 Personen beteiligt haben. Danke dafür! Momentaufnahme, eh klar. Wer sich daran noch beteiligen möchte kann dies auf TWTPoll noch bis 30. August 2010 tun. Die mehrheitliche Meinung der Nutzer kommt derzeit noch nicht klar zum Ausdruck.

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Interessantes Feedback habe ich jedoch von @profireiser und @BenjaminBuhl erhalten. Laut Profireiser machen Landingpages überhaupt nur dann Sinn, wenn sie teil einer Kampagne sind. Sein im Tweet enthaltener Hashtag #zweckorientiert gefällt mir gut, da er imho auch impliziert, dass der Benutzer von der Landingpage entsprechend profitieren können muss. Eine Page zum Selbstzweck oder zum reinen Sammeln von Nutzern alleine ist sicher zu wenig. Aber auch dafür gibt es sehr prominente Ausnahmen wie zb Red Bull. 

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Benjamin Buhl argumentiert ähnlich, indem er sagt, Landingpages haben nur zu bestimmten Zwecken Sinn weil die Zahl der Likies (sic!) Quatsch ist. Schöne Sichtweise, die ich gerne unterschreibe. Wichtig ist dann halt bloß, dass der Auftraggeber die Sache auch in der Lage ist qualitativ zu betrachten. WebGuerilliero Jo Wedenig @jowedenigg wiederum meint, dass es auf die Frage Landingpage Ja oder nein überhaupt keine endgültige Antwort geben kann weil es eben ganz darauf ankommt, was man über einen Landing-Tab bewirken, auslösen, transportieren möchte. Wie wahr! Das Thema ist jedenfalls spannend und wird es wohl auch bleiben. Ausnahmen bestätigen die Regel(n), heißt es. Und das Thema Landingpages scheint das wirklich auch zuzutreffen.

Hints: Hier eine Top-Präsentation zum Thema Landing Pages, auf die mich Profireiser aufmerksam gemacht hat. Danke!

10 Gedanken zu “Facebook Landingtab ja oder nein?

  1. Hallo Ed, vielen Dank für den Artikel, das hast du wirklich sehr gut recherciert und aufbereitet. – Danke und alles Gute Thomas

  2. Gegenentwurf: Wenn überhaupt, finde ich eine Landing-Page BIS 100 oder BIS 1000 Fans sinnvoll, nicht AB. Sobald eine Seite etabliert ist, sollte genug Leben auf ihr stattfinden, dass sie ein Gesicht bekommt – ohne eines mit FBML & Co basteln zu müssen. Ob das ab 100 oder ab 1000 Fans der Fall ist, hängt von der eigenen Zielsetzung ab. Eine Facebook-Page sollte im Idealfall keine Microsite sein, die nun mal bei Facebook gehostet ist, da dort auch viele potentielle Besucher unterwegs sind.
    Eine FB-Page lebt von Kommunikation und Interaktion. Ein neuer Besucher sollte diese als erstes mitbekommen, sprich: die Wall. Wenn ich aber so wenig Fans habe, dass hier noch nicht wirklich etwas zu sehen ist, was die Page und die Idee dahinter repräsentieren kann, dann kann man Besuchern auf einer Landing-Page kurz und knapp Idee und Konzept nahe legen und sie davon überzeugen die Page zu liken. Eine gut funktionierende Page braucht das nicht (mehr). Kampagnenorientierte Landing-Pages mit sinnvollen Funktionen sind da eine Ausnahme.

  3. @Kai: nicht alles, was sich geschrieben habe bezieht sich auf jetzt. Aber auf die nahe Zukunft. Und ich glaube, wir alle wissen, wie schnell diese Gegenwart ist.
    Ich gebe Dir recht, dass der Mainstream die SoMe (noch) anders nutzt als vielleicht wir. Aber einer Anleitung Likie zu werden bedürfen sie definitiv nicht – never ever! Das hat inzwischen jeder noch so Newbie innerhalb 3 Stunden FB-Nutzung raus, was das heißt. Und noch was: Ja, mich persönlich stören manche Landingtabs. Und deshalb klicke ich bei manchen Pages nicht „Gefällt mir“ – weil ich nach dem Scannen der Landingtab schon gar keine regelmäßigen Infos mehr bekommen möchte von dem Unternehmen/Produkt/… #sorry

  4. Generell gebe ich Sebastian Schwerk & BenjaminBuhl Recht:
    Landingpages sind eine „Einstiegshürde“ für die Beschaffung von Informationen und so eher hinderlich als dienlich.
    ABER:
    Oftmals wird vergessen, dass die „Experten“ (zu denen ich mich genauso zähle…) die sozialen Medien und vorallem facebook anders nutzen als die breite Masse, die nicht derart SoMe-affin ist.
    Mit diesem Hintergrund ist das „Betteln um Likes“ wie es hier genannt wurde, eher eine Anleitung für wenig affine Nutzer. Somit hat eine solche Landingpage in meinen Augen absolut seine Berechtigung.
    Denn es wäre doch grob fahrlässig eine Anfrage (nichts anderes ist der erstmalige Besuch einer Fanseite) aufgrund „technischer Hürden“ nicht ordentlich verarbeiten zu können…
    Und stört eine solche vorgeschaltete Seite die Heavy-User?
    Ich denke nicht, denn wie BenjaminBuhl aufzeigte, schauen „wir“ sowieso stärker auf die Inhalte bevor wir „Likie“ werden.
    Demzufolge ist eine solche Vorgehensweise durchaus als #ziel(gruppen)orientiert zu bewerten.. 😉

  5. Schöner Beitrag, Ed – und danke für die positive Erwähnung.
    Vielleicht noch als Ergänzung: Ich glaube nicht, dass sich langfristig Landingpages durchsetzen, auch nicht eine wie Red Bull. Denn im Prinzip machen diese gar keinen Sinn – entscheidend sind die Beiträge der Seite und die Leute, die bereits Likies (@Michael: ehemals Fans ;)) sind. Denn das ist die Community. Und da will ich auf den ersten Blick sehen, ob diese zu mir oder ich zu denen passe. Weil wenn das nicht so ist, werde ich auch kein „Gefällt mir“ klicken. Schöne und einfallsreiche Landingpage hin oder her – wie oft geh ich denn genau auf diese? Nach iLike eher selten, weil dann werde ich beliefert (die Infos kommen zum User). doch wenn da nicht das kommt, was ich erwarte ist der erste Schritt „verbergen“. Und das ist doch viel schlimmer, als gar kein Likie zu werden, zumindest aus Unternehmenssicht. Weil, was bringt es mir denn 1000 Likies mehr zu haben, von denen 900 gar nicht mitbekommen was passiert?
    Meiner Meinung nach gibt es sehr sehr wenige Ausnahmen, wann eine Landingpage Sinn macht. Zum Beispiel dann, wenn ich etwas neues rausbringe, das so gut wie keiner kennt (aber auch nur bedingt, keine pauschale Aussage). Dann kann ich gezielt informieren was es damit auf sich hat und dann den User entscheiden lassen, ob er Teil der Community wird oder nicht. Sicher jedoch nicht nach der „Friss-Oder-Stirb-Methode“, bei der ich plakativ schreibe „hier klicken“. Denn die User sind nicht doof. Die wissen schon, dass „Gefällt mir“ auch „Gefällt mir“ heißt. Da bedarf es keiner Anleitung.
    Und langfristig werden eh nur die Pages „gewinnen“, die das richtige Gespür für Mehrwerte, den nötigen Charme, ein bisschen Pfiff und auch ein ordentliches Produkt im Hintergrund haben. Sicher nicht die mit der aufwändigsten Landingpage. Und mein Produkt kann ich zwar durch SoMe anpassen und optimieren – am und mit dem Kunden – jedoch wenn es grundsätzlich mangelhaft ist, reißt es keine SoMe-Aktivität raus. Und eben auch keine schicke Landingpage. Ich würde deshalb fast behaupten, dass 80% der Landingpages einfach mal nicht #zweckorientiert sind und weiter noch: #überflüssig.
    Noch eins zum Thema Brand und Marken. Auch hier wird sich einiges ändern. Denn es ist nicht richtig zu sagen „Wie führe ich meine Marke ins Social Web“. Denn da ist es keine Marke. Die kann es aber werden. Und zwar einzig und allein durch Kommunikation. Wer nicht kommuniziert und über den nicht kommuniziert wird, der existiert nicht. Und nur die Summe aller Gespräche stellen eine Marke dar. Somit geht es viel mehr um Communit-Management, aus dem dann eine Markenführung im Social Web entstehen kann. Und natürlich haben es da etablierte Unternehmen leichter, mit angesagten Produkten, weil über und mit diesen sehr viel mehr und sehr viel schneller kommuniziert wird. Doch streng genommen sind es keine Marken. Das hört sich jetzt vielleicht noch etwas suspekt an (zugegeben), doch ich bin überzeugt, dass es in wenigen Jahren ganz anders aussieht. Denn andersrum: Was ist denn die Marke? Die Summe der Gespräche, das hatten wir ja schon. Aber: was wird denn gesprochen? Ist das positiv oder negativ? Welches soziale Milieu spricht da und über was eigentlich? Das ist die Marke – und nicht ein Eintrag beim Patentamt und das, was ich gerne hätte, was die Marke ist und was ich mir dick und fett in ein internes Handbuch schreibe. Und klar kann ich das als Unternehmen in gewisser Weise beeinflussen, aber nur wenn ich in Prozessen denke, weil die Marke ändert sich auch mit dem Laufe der Zeit. Dynamisch. Und da muss ich mitgehen. Nicht tun sondern sein…

  6. Vor allem Entscheider, die Facebook selber nicht nutzen, werden grelle, bunte Landingbrandings lieben! Als Agentur empfiehlt es sich, solche Kunden zu identifizieren und denen unbedingt mindestens drei vrrückte Anwendungen plus Landingpage zu verkaufen mit dem Ziel, dass der Kunde die Seite nicht mehr alleine geregelt bekommt (500 Kontakte nach 6 Monaten sinddas Topargument, Facebook an einen Praktikanten zu übergeben).
    Im Zweifel sind es übrigens genau die selben Entscheider, die heute noch unbedingt ein animiertes Intro vor der Website verlangen, weil diese nur geil aussehen muss (Infos holt man sich ja aus der Zeitung).
    Für den user sind Landingpages im Gegenastz zu Intros dagegen schnurze! Der Weg zum Ziel (Info) ist wesentlich schneller als im Web1.0! Zack und am Ziel…
    Ich würde gerne mal eine Umfrage machen, was die User besser finden:
    A: Standardmäßig nur die Statusmeldung der Seite oder B: Seite und Alle
    Wollen wir uns in die Umfrage reinteilen?

  7. Ich habe bei der Abstimmung nicht mitgemacht, weil ich keinen Punkt für mich zutreffend finde. Eine Landingpage von Fans abhängig zu machen, ist quatsch. Wichtig ist doch, was will ich damit erreichen, wen will ich ansprechen. Ich persönlich finde, es gibt gut gemachte und weniger gut gemachte Landingpages. Manche finde ich einfach nur „schön“ und lasse mich davon begeistern, andere helfen mir weiter, mich zurecht zu finden. Ich habe seit gestern auch eine eigene Landingpage gebastelt. Einfach weil ich es technisch ausprobieren wollte und zum anderen, weil ich sie als gestalterisches Mittel sehe um Menschen mit dem gleichen Hobby anzusprechen, die meinen Blog noch nicht kennen.
    Im übrigen habe ich festgestellt, dass diese Umfragen gar nichts bringen. Ich habe vor einem halben Jahr auch in meinem Blog gefragt, ob ich denn eine Fanpage haben sollte und die Mehrheit meinte, ich bräuchte das überhaupt nicht. Nun, seitdem ich sie habe, konnte ich auch zum größtenteils die Personen als Fan begeistern, die vorher meinten, das bräuchte ich nicht und habe ganz andere Menschen ansprechen können, die über Facebook und nicht über meinen Blog kommen.
    Mein Fazit: einfach ausprobieren und gucken was passiert und nicht von vornherein sagen, dass man es nicht braucht.

  8. „Zweckorientiert“ trifft es in der Tat sehr gut. Nur wenn es für Fans der Seite (ja, ich weiß, die heißen nicht mehr „Fans“, aber „Gefallenfinder“ klingt ziemlich beknackt) nach dem Klick auf den Like-Button tatsächlich etwas besonderes gibt, finde ich eine solche Landingpage Pflicht. Denn im normalen Stream der Pinnwand geht sowas unter. Und auch ein Skyscraper-Format-Profilbild kann nur eine begrenzte Menge an Informationen transportieren.
    Reines Gefällt-Button-Anklick-Betteln halte ich dagegen für sinnfrei. Aber Marketingmenschen lieben schließlich aussagelose Kennzahlen. Und sobald die Fan-Anzahl den homöopathischen Bereich übersteigt, kann man das Facebook-Engagement unternehmensintern immerhin als Erfolg verkaufen. Also wird gebettelt, was das Zeug hält. Wobei die selbstironische Red-Bull-Klick-Bettel-Landingpage eine witzige Ausnahme ist. Die dürfen das 😉

  9. Ein toller Artikel!
    Ich finde, dass man nicht pauschal sagen kann, dass man eine Landingpage braucht oder besser doch nicht. In jedem Fall ist es oftmals der erste Eindruck, den ein Kunde (Fan) online oder zumindest auf Facebook von einem Unternehmen bekommt. Durch eine tolle Landingpage kann man sich hier schnell abheben. Und sein Unternehmen weiter emotionalisieren.
    Ein toller Hinweis in dem Artikel ist, eine Landingpage einer Kampagne anzupassen. Das finde ich richtig.