Wo ist Ilse Gugg? Social Media Kampagne mit bitterem Nachgeschmack

1. Oktober 2010Gestern früh bekam ich einen Anruf. Die Dame sprach so schnell, dass ich auch nach zweimaligem Nachfragen weder ihren Namen noch den Namen des Unternehmens verstand. Sie freue sich über …


Gestern früh bekam ich einen Anruf. Die Dame sprach so schnell, dass ich auch nach zweimaligem Nachfragen weder ihren Namen noch den Namen des Unternehmens verstand. Sie freue sich über meine Berichterstattung am Blog zur ÖBB Social Media Kampagne auf Facebook "Wo ist Ilse Gugg", wolle jedoch, dass ich das gerippte Video von meinen YouTube Kanal und damit auch von meinem Blog nehme. Ich bat darum, das schriftlich zu bekommen und erzielt nach ein paar Stunden elektronische Post. Darin wurde ich aufgefordert, das gerippte Video auf YouTube zu löschen (mittlerweile geschehen) und es auch vom Blog zu nehmen (ebenfalls geschehen).

Die Schauspielerin (zur Info: Das Gesicht der Kampagne, Ilse Gugg, ist eine fiktive Person bzw. wird von einer Darstellerin verkörpert) sei schrecklich erzürnt über die unauthorisierte Verwendung des Videos auf YouTube und droht mir rechtliche Schritte an. Ich habe jetzt einen Workaround gefunden, von dem ich hoffe, dass er den handelnden Personen besser passt. Ein Screenshot des Videos wurde verlinkt auf die Facebook Fanpage auf der das Video liegt. Nutzer müssen nun halt zweimal klicken um das Video zu starten. Die übereinstimmende Rechtsmeinung ist jedoch die, dass das Rippen des Videos und seine Veröffentlichung auf YouTube rechtlich nicht gehen. Das weiß ich jetzt.

Ich möchte hier aber auch klarstellen, worum es mir bei meinem Blogpost ging. Das Ed Wohlfahrt Blog beschäftigt sich mit Online-PR und anderen Social Media Fragestellungen. Es wird nicht deshalb betrieben, um großen Unternehmen und deren Agenturen ans Bein zu pinkeln. Das tu ich nicht. Kontrovers zu sein ist etwas anderes. Und das bin ich gerne. Etwa dann, wenn es darum geht, Social Media Kampagnen unter die Lupe zu nehmen, zu zeigen was mir persönlich daran gefällt und was man hätte besser machen können. Das ist mein großes Interesse und nebenbei auch mein Beruf als Berater für Soziale Medien. Ich habe absolut kein Interesse daran, Dinge schlecht zu reden und den Ruf von Unternehmen zu schaden. Warum sollte ich? Würde ich mich so verhalten, wäre mein Ruf schneller im Eimer als ich denken kann. Was tat ich statt dessen? Ich lobte die Kampagne, das Video und wie sympathisch Ilse Gugg rüber kommt… hier nachzulesen!

Ich möchte das Urteil darüber, ob das, was BBDO tut oder nicht, angemessen ist oder nicht, anderen überlassen. Etwas wundern muss ich mich lediglich darüber, dass ich am Corporate Blog der ÖBB folgenden Satz gelesen habe "Wer unsere Ilse Gugg ist, stand auch schon im Mittelpunkt des Blogger-Interesses" + Screenshot eines Facebook Dialoges, an dem ich teilgenommen habe. Ein gewisses Interesse am Teilen von Inhalten und dem daran anschließenden Dialog dürfte die Kampagne also doch haben. Ich würde vom Blog hier normalerweise einen Screenshot machen. Muss aber ehrlich gestehen, dass ich mich das nicht traue.

Wenn ich ganz ehrlich bin, dann fühle ich mich eingeschüchtert. Durch ein E-Mail der BBDO (die mir lediglich empfehlen aber natürlich niemals drohen würden…), durch Sue Holzer (die mir die Sache ebenfalls bloß erklären möchte…), eine Schauspielerin die sich Ilse Gugg nennt (die mir angeblich mit Klage droht) und natürlich auch von den ÖBB, die die Facebook Kampagne und alle daran beteiligten Agenturen und Personen letztlich bezahlen. Und das macht die ganze Sache für mich persönlich etwas bitter.

 

14 Gedanken zu “Wo ist Ilse Gugg? Social Media Kampagne mit bitterem Nachgeschmack

  1. Was soll man da sagen ? Mit der Jugend vielleicht: Chilled mal, Leute ! Da stellt ein Unternehmen eine Social Media Kampagne ins Netz und fordert dazu auf, sie zu verbreiten … was ja wohl auch zumindest EIN, wenn nicht DER Sinn der Kampagne ist. Dann geschieht das auch, und man hat nichts anderes zu tun, als jemanden, der das sehr sachlich und augenzwinkernd verbreitet, abzumahnen ? Und anschließen werden Rechtfertigungen von Seiten ÖBB und Agentur per Kommentar veröffentlicht: Muss man da auch fragen, ob sie veröffentlicht werden dürfen ? Damit alles in die „richtige“ Richtung geht ? Ich dachte immer , Social Media soll dazu beitragen, gerade solche Grenzen (im Kopf) zu überwinden. Wer dazu nicht bereit ist, sollte die Finger davon lassen. Natürlich gelten auch hier die Grenzen der Persönlichkeitsrechte und des guten Geschmacks. Wer aber meint, eine Social Media Kampagne bis ins letzte i-Tüpfelchen steuern zu können, der sollte besser weiter bei der Illusion bleiben, dass ein Flyer in einem Bahnabteil etwas bewirkt. Der wird nämlich weggeworfen und nicht sachlich verbreitet, wie z.B. durch das Einbinden eines Videos in ein Blog.

  2. @ Michael Schacherhofer, ja die Wogen gingen hoch. Entschuldigung gerne angenommen, weil es zu keinem Zeitpunkt meine Intention war, irgendjemandem zu schaden. @ Creative Commons: Tolle Idee das so zu lösen um möglichen Problemen gleich von vorne herein aus dem Weg zu gehen.

  3. Hallo Herr Schacherhofer, finde ich toll, dass Sie hier so rasch Stellung nehmen. Das ist ja einer der Hauptvorteile an diesem Dialog-Zeugs, man kann Missverständnisse sehr schnell ausräumen :-)
    schönes Wochenende,
    Ritchie Pettauer

  4. @ Ed: Zu Beginn möchte ich mich bei Ihnen für Ihr erstes Posting zu unserer Kampagne bedanken. Wie Sie richtig schreiben, ist die Verbreitung von Content eine der Grundideen des Social Webs. Daher bin ich als Social Media Verantwortlicher sehr daran interessiert, dass Blogger wie Sie unseren Auftritt thematisieren und auch kritisieren. Konstruktive Kritik ist uns wichtig und wir haben Ihre Ideen bereits aufgenommen und intern besprochen.
    Leider sind die Wogen zuletzt sehr hoch gegangen, dafür will ich mich bei Ihnen im Namen der ÖBB entschuldigen. Es ist nicht in unserem Interesse einen Blogger, der über unsere Kampagne schreibt, mit einer Klage zu bedrohen. Die rechtliche Seite will ich hier mal außen vor lassen, denn dazu haben Sie und Herr Pettauer bereits Stellung genommen und dem habe ich nichts hinzuzufügen.
    Eine Web 2.0 Kampagne ist jedenfalls dazu da um verbreitet zu werden, ansonsten müssten und dürften wir sie nicht über diesen Kanal betreiben. Auch hier habe ich den Kritikpunkt aufgenommen, wir werden in Zukunft als Auftraggeber den Rechteeinkauf besser kontrollieren. Ein Teil unseres Contents ist bereits jetzt unter Creative Commons lizenziert und wir bemühen uns, dieses Lizenzmodell auf möglichst alle unsere Aktivitäten im Web 2.0 auszuweiten.
    lg Michael Schacherhofer

  5. Die ÖBB, ihr Social Media Missverständnis und eine erzürnte Ilse Gugg

    Wenn einer eine Reise mit der ÖBB tut, dann kann er was erle­ben. Und wenn er ein Werbevideo der ÖBB in sein Blog ein­bin­det, eben­falls — wie Ed Wohlfahrt diese Woche gemerkt hat….

  6. Herr ÖBB Vorstand, wirf Hirn vom Bahnhimmel!
    Wir leben in Zeit des „Reverse Charge“, nicht nur was Steuern betrifft. Corps dürfen observieren, penetrieren, zielgruppengerecht viralisieren – nur der Rezipient hat gefälligst das Maul zu halten und „danke“ zu sagen. iPuke.
    @Sue: ich dachte, wir bloggen alle nur, um uns gegenseitig einzuschüchtern?
    Herzlichst, Ihr Content-Bot:
    http://blog.datenschmutz.net/2010-10/die-oebb-ihr-social-media-missverstaendnis-und-eine-erzuernte-ilse-gugg/

  7. Ich muss zunächst sagen, dass ich das Thema nicht in allen Facetten verstehe. Aber spontan habe ich die Assoziation: Da möchte ein großer Konzern Social Media mit den Vorstellungen von Old Media machen.

  8. @sue – den „Einschüchterungsunterschied“ zwischen Klagsdrohung und kritischem Diskurs möchte ich Klavier spielen können …

  9. @markus wie schon gerade geschrieben. sind wir dafür nicht verantwortlich und ich habe daher nicht aus agentursicht einfluss auf die kommunikation genommen, weil das auch die kompetenzen in dem projekt überschreiten würde. wir waren hier die technischen umsetzer.
    @jana ich stimme dir da grundsätzlich auch zu.

  10. was ich mit einschüchterung deinerseits meine, ist, dass du gerne auf deinem blog kontrovers schreibst und dementsprechend, gewollt oder nicht, andere leute einschüchterst. genauso wie mich, mit der erwähnung in diesem beitrag und diesem kommentar. soviel dazu und zur hin und her einschüchterei.
    was meine „seite“ angeht. wir haben für die öbb bereits ein anderes projekt umgesetzt und haben auch diese gewinnspiel-applikation umgesetzt – die du ja gelobt hast – danke dafür. that’s it. daher auch das grundsätzliche interesse an der diskussion. mit dem video und der schauspielerin etc. haben wir nichts zu tun, das ist die pkp bbdo. von allem was zwischen dir und der werbeagentur vorgefallen ist, habe ich auf deinem blog bzw. in deinen anderen social network auftritten gelesen und bin sonst von niemanden darüber informiert worden. (also keinen panischen anrufe a la „omg was machen wir jetzt. könntest du da nicht bitte was kommentieren“) und das schreiben, dass du veröffentlicht hast, habe ich mir einfach genauer durchgelesen als wohl die meisten mit dem hintergrund, dass ich die leute bei der werbeagentur kenne und ich mir nicht vorstellen konnte, dass die klagen würden. again, that’s it. ich persönlich finde es nämlich immer wichtig, auch wenn ich über andere kampagnen schreibe auf unserem blog, dass wenn ich schon jemanden ankreide, ich darauf achte, dass der richtige sachverhalt dargestellt wird – zumindest versuche ich es. immer ist das ohnehin nicht möglich, da man nicht alle informationen haben kann. da ist es dann eben wichtig, dass man kommentare von anderen bekommt. aber da du ja bei meinen kommentaren irgendeinen geschäftlichen nutzen (der ist für uns bereits abgeschlossen und die sache mit der klage betrifft uns ja nicht) zu wittern scheinst, werde ich mich aus dieser diskussion nun endgültig raushalten, denn ich bin auch nicht dafür verantwortlich für die ganze angelegenheit und lasse es so stehen. vielleicht wollen ja die öbb oder die pkp bbdo noch was dazu sagen. ich denke aber wohl eher nicht.
    was das gefühl der einschüchterung angeht und meine nicht so ernsthafte herangehensweise daran, so war für mich nicht klar, dass kommentare von mir vom einschüchterungsfaktor tatsächlich den selben wert haben wie anrufe der werbeagentur und einer klagsandrohung. dachte mir, dass du das sicher nicht ernst meinst bzw. überhaupt der letzte absatz eher scherzhaft gemeint war. aber da scheine ich mich geirrt zu haben.

  11. Gut, auch wenn die Rechtslage im Fall, wie er vorliegt, klar ist:
    Wenn jemand eine Social Media Kampagne starten möchte, bei der man ja auf Interaktion der UserInnen mit den Inhalten setzt, solllte man dann nicht alle Inhalte nach Möglichkeit unter Creative Commons Lizenz veröffentlichen, so dass die Weiterveröffentlichung auf anderen Plattformen kein Problem stellt, und die beteiligten Personen (wie z.B. gebuchte SchauspielerInnen) davon unterrichten, ihnen erklären, wieso man das macht und wieso etwas anderes bei einer Social Media Kampagne wenig sinnvoll erscheint?
    Langer Satz um die Frage zu umreißen, die die ich mir gerade stelle – auch wenn die für diesen Fall natürlich zu spät kommt.

  12. @sue – wie seltsam ist das denn? Aus meiner Sicht ist die Sache klar: Ed hat nach Aufforderung die inkriminierten Ripps entfernt und seine Beweggründe klargelegt hat, ist der Braten gegessen. Alles, was jetzt passiert, kann die Reputation der Auftraggeberin und der beauftragten Dienstleister beschädigen. Wenn ich merke, dass einer meiner Kunden Gefahr läuft, durch ungeschicktes Verhalten in Social Networks sein Image zu ramponieren, dann werde ich tunlichst alles in Bewegung setzen, um das zu verhindern. D.h. ich werde mich nicht auf den Standpunkt zurückziehen, „auf keiner Seite“ zu stehen. Und in diesem Fall kann das nur bedeuten, den Beteiligten klar zu machen, dass sie mit einer Klage nicht nur keinen Blumentopf gewinnen, sondern sich selber massiv schaden. Das sollte einer SM-Beraterin klar sein.

  13. also so lustig wie du das ganze siehst, stellt es sich für mich nicht mehr dar Susanne. Außerdem würde mich interessieren wie du das meinst mit „normalerweise geht das bei dir ja eher andersrum“. Meinst du damit etwa, dass ICH Leute einschüchtere? Wenn dem so ist, dann bitte um Beispiele oder erklärende Worte.
    Danke auch liebe Susanne, dass du mithilfst meine (sic!) Kontroverse in die richtige Richtung gehen zu lassen. Dass du so stark betonst auf keiner Seite zu stehen, ist mir gleich schleierhaft wie deine Rolle im Rahmen der „Wer ist Ilse Gugg“-Kampagne insgesamt. Nimmst du / die Agentur bei bzw. für die du tätig bist nun Geld von den ÖBB ja oder nein? Wenn ich nämlich auf eure sehr beeindruckende Kundenliste sehe http://liechtenecker.at/kunden/ stehen dort unter anderem die ÖBB. Und du stehst wirklich auf gar keiner Seite? Wenn dem so ist, warum beteiligst du dich dann so hegend, pflegend und erklärend an der Diskussion. Warum ist es dir dann so wichtig, dass sie in die richtige Richtung geht? Und was ist deiner Meinung nach „die richtige Richtung“ überhaupt? Bitte hier mehr Absenderklarheit walten zu lasssen.
    Und bezüglich einschüchtern würde ich vorschlagen, dass du den Kasperl mal in der Kiste lässt. Wer sich wann und durch wen eingeschüchtert fühlt, dass überlasse doch gerne dem, den es betrifft oder der sich so fühlt. So lächerlich dir das auch immer erscheinen mag.

  14. hehe…du fühlst dich von mir eingeschüchtert? :)) hätt ich nicht gedacht, dass sich sowas schaffe. normalerweise geht das bei dir ja eher andersrum. mir gings nur um die richtigstellung des sachverhaltes, damit deine kontroverse in die richtige richtung geht, egal wer oder ob mist gebaut hat/wurde. man beachte: es gibt immer 2 seiten einer geschichte – auch wenn ich auf keiner seite stehe. und jemand der einen blog öffentlich schreibt und auch auf anderen netzwerken öffentlich schreibt, der freut sich doch über feedback und meinungen dazu. that’s all. aber hey, diese erklärung soll dich nicht einschüchtern. :) (sorry, aber das musste jetzt sein.*g*)