Warum mich Facebook unendlich nervt

29. Oktober 2010Durchschnaufen! Ok. Ich wollte das schon die längste Zeit mal loswerden. Aber wie mit so vielen anderen Dingen musste auch dieses Thema erst richtig abliegen in meinem Kopf. Ich war …


Durchschnaufen! Ok. Ich wollte das schon die längste Zeit mal loswerden. Aber wie mit so vielen anderen Dingen musste auch dieses Thema erst richtig abliegen in meinem Kopf. Ich war in letzter Zeit viel unterwegs und mir ist aufgefallen, wie stark sich das Social Network Facebook mittlerweile in den Köpfen von prospektiven Kunden, Workshopteilnehern und ganz normalen Personen auf der Straße festgesetzt festgekrallt hat. Für mich heißt das unter anderem, dass in einigen Workshops über Social Media, Online PR, etc. über gar nichts anderes mehr gesprochen wird / werden kann, als Facebook. Und das finde ich unendlich schade, versperrt es uns doch den Blick auf das (doch um einige größere) Ganze.

Vorab: Ja, Facebook ist relevant. Sieht man sich die Durchdringung an, so wird schnell klar, dass man an diesem Thema schwer vorbeikommt. Noch dazu wenn das, was man herstellt / verkauft sich über diesen Kanal transportieren lässt. Von Fans, Freunden, etc. Nicht mehr das Unternehmen sagt über sich es ist toll sondern plötzlich seine Fans und Evangelisten. Wie lange kennen wir das nicht schon? Aber es ist sehr ok, dass nicht mehr nur Fußballclubs Fans haben sondern auch der Frisörladen um die Ecke.

Unternehmen laden mich ein und irgendwann stellt sich die Frage "sprechen wir hier über Social Media im größeren Kontext oder sprechen wir über Facebook?) Ja das kommt vor! Es gibt Termine der Art "Wir wollen was im Social Web tun" und die drehen sich dann ausschließlich um Facebook. Die Frage nach Strategien, Ressurcen, Kommunikationsmix, Zielgruppen ist bestenfalls nachrangig. Alles was zählt sind Ergebnisse. Aber stop! Von welchen Ergebnissen sprechen wir überhaupt?!

Ähnliches zeigt sich im Bereich Monitoring. Ich habe hier am Blog bereits erwähnt, dass ich Partner der deutschen Mindlab GmbH bin, die für D-A-CH die Lizenz des Monitoring-Tools Radian6 hält. Ich arbeite mit dem Tool und entdeckte darüber das breite Feld Social Media Monitoring und vor allem Messbarkeit von Social Media. Es ist irrsinnig breit und bietet enormen Raum um zu entdecken und zu lernen. Aber Social Media ohne Zielsetzung und Messung hat sich für mich mittlerweile erledigt. Zurück zum Thema! Wenn ich von Unternehmen gefragt werde, welche Bereiche des Internets Radian6 abgreift, dann interessieren Blogs, Foren oder die Pages von Mainstream Medien kaum. Alles was zählt ist Facebook. Kann das Tool also auch Facebook..? Ja es kann (sofern die Seiten öffentlich public sind).

Eine weitere Facette des grassierenden Facebook Wahns – kommt eigentlich noch irgendein Popel-Radiosender ohne Facebook aus..? – sind die Agenturen. Sie haben bislang Werbung gemacht, Feste und "Events" organisiert, Homepages gebaut, etc. Jetzt machen sie Web 2.0 – also im Grunde Facebook. Und wie sie das machen! Da werden für Unternehmen Profile angelegt und andere Schritte gesetzt, die Facebook in seinen AGB's dezidiert ausschließt. Es ist aber völlig egal. Die Kohle ist geflossen und damit basta.

Ich finde es überhaupt nicht schlecht, dass sich die Agenturen des Themas annehmen. Ganz im Gegenteil. Ich frage mich jedoch oft, wo diese Agenturen vor zwei, drei oder fünf Jahren waren? Für Sie – und leider einen großen Teil ihrer Kunden – ist das Thema Web 2.0 (um bei diesem unseligen Terminus zu bleiben) längst Geschichte. Alles was nun interessiert ist Facebook.

Ich gehe davon aus, dass Dinge wachsen müssen. Es braucht tieferes Verständnis von sozialen Medien, den Dingen die sich hier tun, denen doch so offensichtlich eine stärkere kulturelle Konnotation innewohnt (Stichwort: Autorenkultur) also es auf den ersten, flüchtigen Blick erscheinen mag. Und dieses Wachsen im Thema, dieses schrittweise Erweitern des eigenen Mindset im Umgang mit bzw. der Nutzung sozialer Medien wird durch den Facebook-Hype von vielen einfach übersprungen. So ähnlich wie Wunderkinder nach der zweiten Klasse Volksschule sofort an die Uni gehen. Ja das gibt es, es ist halt nur nicht die Regel.

6 Gedanken zu “Warum mich Facebook unendlich nervt

  1. danke für den Kommentag Takate. Die Links sind von mir gewollt, also einerseits auf mein Facebook-Profil, andererseits auf meine Fanpage. Auch den Like-Button am Ende jedes Beitrages halte ich für die LeserInnen des Blogs für nützlich. Dass ich damit aber auch ein wenig Wasser predige und Wein trinke, lässt sich nicht abstreiten. Was ich mit meinem Posting aber sagen wollte, ist nicht, dass ich Facebook genuin ablehne, sondern vielmehr, dass mich der blindwütige Run auf die Plattform, vielfach ohne rechts und links zu blicken, nachdenklich stimmt, ja gelegentlich sogar wütend macht.

  2. Schon witzig. Da schreiben Sie über Facebook und seine Schattenseiten und Ihre ganze Webseite glänzt mit Facebook-Verlinkungen.
    Sind das Ihre geplanten Links oder ist es (wie wahrscheinlich überall) die unbekannt eingekauften Werbepakete irgendwelcher Internet-Werbe-Agenturen, die Ihre Seite dann mit Facebook verlinken, ohne dass sie darauf Einfluss nehmen können/wollen?
    Viele Grüße,
    Takate

  3. Danke für den Artikel. Ich denke, der Effekt ist von Google schon bekannt: mit wachsender Marktmacht eines Anbieters und der Quasi-Standardisierung von Erfolgskonzepten konnte sich eine Heerschar von Beratern mit mehr oder weniger effizienten Optimierungskonzepten um Budgets bemühen.
    Ich habe mir erlaubt, den Artikel als Diskussionsanregung auch in unserem Blog unter http://blog.pdflash.de/2010/11/wie-stark-integrieren-sich-kommunikationsprofis-in-facebook-und-twitter/ zu verlinken.

  4. also Facebook zu erklären ist schon eine ziemliche Aufgabe. Es kommt darauf an in welcher Zeit und mit welcher Tiefe. Ich sehe oft, dass Menschen sich einen Account anlegen, damit aber überhaupt nicht zurecht kommen, mit MafiaWar Anfragen und ähnlichen Krimskrams bombardiert werden und nach kurzer Zeit frustriert aufgeben. Es kommt halt immer darauf an, wie eine Agentur Facebook „erklärt“ ob sie es hypt und sagt das ist jetzt das Ding oder ob sie dazu in der Lage ist, ein wenig hintergründiger an das Thema heran zu gehen…

  5. Absolut richtig. Mittlerweile verfestigt sich auf Konferenzen zu Social Media, bei angeblich spezialisierten Agenturen und auch auf Kundenseite die fixe Idee Social Media = Facebook. Das ist eine unglaubliche Verkürzung des Long Tails. Da werden so ziemlich alle Vorteile und Chancen von Social Media außer Acht gelassen. Schade!