Online PR: Wer schläft verliert!

10. November 2010Wer bremst verliert, kann man auf der Heckscheibe aufgemotzter Autos gerne mal lesen. Hm… Halt auch eine Frage der Lebenserwartung. Im Bereich der Online-PR wird das Thema Speed auch immer …


Wer bremst verliert, kann man auf der Heckscheibe aufgemotzter Autos gerne mal lesen. Hm… Halt auch eine Frage der Lebenserwartung. Im Bereich der Online-PR wird das Thema Speed auch immer wichtiger. Wenn Leute zu mir kommen und sagen, ich habe gegoogelt und dieses vier Wochen alte Kommentar gefunden, was soll ich tun, rate ich meist dazu, dennoch zu reagieren. Ich meine, die Sachen liegen im Web ja bekanntlich gut ab. Schon alleine deshalb sollte ein Unternehmen – sofern das Gesagte relevant ist – dazu etwas sagen, es einfach nicht so stehen lassen. Schlanken Fuß macht das jedoch keinen wenn man Reaktionszeiten hat, die im Bereich eine Woche und aufwärts liegen. Wenn die Anrainer des Flughafens protestieren kann ich auch nicht sagen, danke, wir werden uns in drei Wochen darum kümmern. Kommunikatives Nogo sozusagen… Wie relevant es ist, mit seiner(hoffentlich richtigen…) Reaktion möglichst zeitnah zur Stelle zu sein, zeigt folgendes Beispiel.

Bildschirmfoto 2010-11-10 um 11.03.51

Vor ein paar Wochen wurde die Bilanzpressekonferenz eines deutschen weltweit tätigen Konzerns mittels Echtzeit-Monitoring beobachtet. Wichtig anzumerken ist, dass es seitens des Unternehmens vorab keinerlei Infos gab. Diese wurden erst zum Start des Pressegesprächs an die anwesenden Journalisten verteilt. In Print-Form wohlgemerkt. Das Echtzeit-Monitoring zeigte, dass der Twitter Traffic mit Beginn der Pressekonferenz stark anstieg. Ein Teil der anwesenden Medienvertreter nutzten nämlich Twitter als Teaser für die Veröffentlichung bereits vorbereiteter (!) Texte, die in Redaktionsblogs und Zeitungshomepages auf die Veröffentlichung warteten.

Auf Basis des Handouts wurden die vorbereiteten Texte lediglich gegengecheckt / ergänzt und dann – noch aus der Pressekonferenz heraus – freigeschaltet. Die Echtzeit-Sause ging aber noch weiter. Als man entdeckte, dass einige der veröffentlichten Berichte inhaltlich fehlerhaft waren, wurde dies dem Vorstand mittels Zettelchen mitgeteilt. Damit war er in der komfortablen Situation, die Dinge noch vom Podium der laufenden Presseveranstaltung herunter richtig stellen zu können. Wow. Da werden wohl die feuchten Träume jedes Unternehmenssprechers wahr…

Das Beispiel zeigt deutlich, wie sich Journalismus durch Twitter & Co verändert hat. Es zeigt aber auch, wie clever sich Unternehmen bereits anstellen, um am Meinungsmarkt entsprechend punkten zu können. 

Klar ist, dass sich derlei Aufwand nur dann lohnt, wenn das betreffende Unternehmen medial für einen entsprechenden Widerhall sorgen kann. Die Pressekonferenz von Landesrat XY wird sich dafür kaum eignen. Ach ja, und man benötigt dazu auch noch eine PR-Agentur, die weiß, dass es derlei Möglichkeiten gibt und dazu in der Lage ist, den Kunden von den Vorteilen zu überzeugen. Das geht natürlich nur sehr schwer, wenn ich von Social Media so überhaupt keine Ahnung hab'.Früher als ich Pressesprecher war, war SMS der Kommunikationskanal schlechthin. Natürlich nur für einen Teil der versammelten Medienvertreter. Manche gingen während der PK auch vor die Türe und gaben die wichtigsten Infos an die Kolleginnen am PC weiter. Mit vorbereiteten Texten die notfalls vom Laptop aus freigeschaltet werden können, mit Instant Messaging und Twitter läuft die Sache heute jedoch wesentlich geschmierter, wie sich zeigt. Und für PR-Treibende heißt das vor allem eines: Angeschnallt bleiben!

2 Gedanken zu “Online PR: Wer schläft verliert!

  1. Danke für den Kommentar. Ja, diese Gefahr besteht natürlich. Ich denke es kommt auf den Inhalt des länger zurückliegenden Kommentars / Postings an wie und ob überhaupt man darauf reagiert. Dazu, derlei Inhalte grundsätzlich immer unkommentiert stehen zu lassen, würde ich nicht raten. Das Distributionspotential (schönes Wort übrigens) muss in der Bewertung immer ein zentraler Parameter sein.

  2. Bei den „verspäteten“ Antworten auf Kommentare habe ich die Erfahrung gemacht, dass es oftmals zur „Erweckung“ schlafender Hunde kommt. Daher rate ich eher dazu, das Distributionspotential eines negativ Sentiments zu beobachten, anstelle einer unmittelbar verspäteten Reaktion.
    Zum Beispiel Twitter / PK: eindrucksvoller showcase mit Lernpotential für alle PR-ladies/PR-men 😉