Bloggen bringt’s immer noch!

18. Januar 2011Es ist gar noch nicht lange her, da hatte ich den Blog Blues. Was bringt das alles, so viel Aufwand wenn man es wirklich gut machen will, so viel professionelle …


Es ist gar noch nicht lange her, da hatte ich den Blog Blues. Was bringt das alles, so viel Aufwand wenn man es wirklich gut machen will, so viel professionelle Blogs überall wo an hinschaut und so viel Sogwirkung durch Facebook. Aber ist es nicht so, dass man Dinge verlernt richtig zu schätzen, wenn man sie einfach als gegeben hinnimmt? Vor gar nicht so langer Zeit wurden Blogs dann als tot oder zumindest als mega-out erklärt. Und ich muss zugeben, dass ich dieser Einschätzung damals schon etwas abgewinnen konnte. Dennoch leben Totgesagte ja angeblich länger.

Seien wir uns mal ehrlich: Wie viele Blogs funktionieren wirklich? Ich weiß, eine ganze Menge natürlich. Andererseits lohnt ein zweiter Blick. Klar, dass es für jeden Blogger etwas anderes bedeutet, wenn es heißt, das sein Internet-Tagebuch „funktioniert“. Gehe ich jedoch ein wenig über die tollen Blogs von Social Media Experten hinaus, schaue ich nicht nur auf die großartigen Projekte von Mercedes Benz und anderen großen und nicht minder kapital- und personalstarken Marken, so sehe ich einiges, das die These Blogs wären out unterstützen könnte. Klar verändert sich alles, kommerzialisiert sich möglicherweise, konvergiert, etc. Was aber ist übrig geblieben vom (wenn man so möchte) „Konzept“ des Weblogs als Internettagebuch der Massen von vor sieben oder acht Jahren? Wie hat man damals gebloggt, wie sein „Tagebuch“ und sein eigenes Tun damals verstanden und wie sieht man es heute? Schwierig das ganze weil hochgradig subjektiv, ist schon klar. Aber für mich gewinnt das Thema Blogging – um jetzt nicht zu sagen „Corporate Blogging“ neue Relevanz. Vielleicht hat es aber auch nie aufgehört relevant zu sein, bloß habe ich nicht (mehr) richtig hingesehen weil ich mir mit vielen anderen Social Media Kanälen selbst (?) die Sicht verstellt habe? Keine Ahnung!

Die Facebook-Party ist ja noch lange nicht zu Ende. Und wenn man sich ansieht, wie viele Leute sich derzeit selbständig machen, in der Hoffnung, Facebook würde sie reich und schön machen, will ich hoffen, dass die Party auf ewig so weitergeht wie bisher. Aber wird sie das wirklich? Für Plattformen wie Flickr und eben auch Blogs gab und gibt es in diesem ganzen Facebook Trubel deutlich weniger Platz an der Sonne. Warum die Bilder noch auf Flickr hochladen wenn es doch viel einfacher auf Facebook geht? Noch dazu wenn sie hier von so viel mehr Menschen gesehen und kommentiert werden können? Dieser Gedanke ist mir weder fremd noch ist er völlig von der Hand zu weisen. Kommt schließlich einzig und alleine darauf an, was man mit seinem Content erreichen möchte. Was ich an mir während der letzten Monate jedoch bemerke ist eine leichte deutliche Abkehr von Facebook (genauer gesagt meinem Facebook-Profil). Im Umkehrschluss jedoch werden meine „alten“, schon länger sträflich vernachlässigten digitalen Weggefährten wieder interessant. Flickr, wie bereits angesprochen aber auch Twitter oder eben mein nunmehr neues Blog. Weniger ist auf einmal wieder mehr. Warum ein Foto, das mir etwas bedeutet, in einer tollen Gruppe auf Flickr einzustellen und dann zu sehen, wie es sich im wahrsten Sinn des Wortes dort entwickelt, das ist doch viel toller, gehaltvoller ja geiler, als dass mir meine 500 irgendwas Freunde auf Facebook dabei zusehen können, wie ich auf Eislaufschuhen über den gefrorenen See flitze. Dieses Bild auf Facebook mit Hinz und Kunz zu teilen, hätte für mich fast verschwenderische Züge. Ein gelungener Blogposts (sicher nicht dieser, der ist wieder mal drauf und dran superlang zu werden…) und noch gelungenere Kommentare von Menschen die ich vielleicht persönlich kenne und schätze, ist doch soviel mehr wert als ein Statusupdate, auf das dann viele mit irgendwelchen Einzeilern inklusive schwindeliger Emoticons replizieren und im Grunde doch bestenfalls „blubb“ sagen.

Dass von Weblogs aber auch für Unternehmen enormes Potential ausgeht, zeigt folgende Hubspot-Untersuchung. Hubspot hat im März 2010 1.400 klein und mittelständische Unternehmen unter die Lupe genommen und weist in dieser Studie nach, dass sich das Vorhandensein eines Corporate Blogs nicht nur auf die Anzahl der monatlichen Leads sehr positiv auswirkt.

Corporate Blogs, Leadgeneration

Darüber hinaus spielt auch die Größe des Blogs bzw. die Frequenz, mit der sich das Unternehmen hier zu Wort meldet eine Rolle. Auch Twitter übrigens hat enormen Einfluss auf die Marktchancen. Die Seiten neun und zehn wissen mehr dazu.

Blogs bringen Leads

Blogs vor diesem Hintergrund als anachronistisch oder zumindest als etwas verstaubt hinzustellen, erscheint mehr als kurzsichtig zu sein. Blogs sind und werden auch in Zukunft ihre Stärken ausspielen. Davon bin ich überzeugt. Allerdings gibt es zum Thema Corporate Blog auch eine Menge an Fallstricken und Bedingungen. Anders kann ich es nicht sagen. Werden diese nicht ausreichend berücksichtigt folgt die Bauchlandung stehenden Fußes. Und ich möchte mich hier auch hinstellen und sagen, dass es alles andere als einfach ist, ein Team und einen Workflow aufzusetzen, der ein funktionierendes Blog sicherstellt. Ich sehe das Thema aus heutiger Sicht klarer als je zuvor. Meine aber zu wissen wovon ich spreche, wenn ich sage, das es einigermaßen komplex ist (nicht sein kann, IST!) ein funktionierendes Corporate Blog umzusetzen und seinen erfolgreichen laufenden Betrieb sicherzustellen. Wobei natürlich wieder vortrefflich gestritten werden kann, darüber, was das denn eigentlich bedeutet…

5 Gedanken zu “Bloggen bringt’s immer noch!

  1. Hallo Eduard!

    Neues Jahr, neues Glück, in deinem Fall eine neue Webseite. Dies ist eine gute Nachricht, dass das Blog noch nicht tod ist. Selbst wenn es für alle anderen tod wäre, würde ich an meinen wöchentlichen Blogeinträgen festhalten. Das Schicksal der Blog gleicht ein wenig dem von mancher alter Bausubstanz, welche man einfach stehen gelassen hat, weil das Geld für den Abbruch gefehlt hat und heute ist man stolz darauf. Ich war nie auf Tweet, Facebook und Co., wohl aber begehe ich in Kürze meinen ACHTEN Bloggeburtstag.

    Gruss schlagloch.

  2. Ich lese Ihren Blog seit einigen Monaten mit Interesse. Was ich allerdings in diesen, wie auch an anderen Einträgen vermisse, ist ihre Vision! Was ist denn der Unterschied oder gar Vorteil eines Blogs gegenüber Facebook? Im Beispiel Flickr reißen Sie Ihre Sichtweise kurz an, führen den Gedanken aber nicht zu Ende. Verstehen Sie mich nicht falsch! Ich vermisse kein komplett durchdachtes und in allen Details ausgearbeitetes Exposé. Sie sollen schließlich auch noch Geld verdienen. Aber über ein wenig mehr Einsichten in Ihre Gedanken (und nicht nur Ihren Erkenntnissen), wie es anders laufen könnte würde ich mich als – einer von 10 bis 15 Lesern ihres Blogs – sehr freuen.

    • Zuerst mal danke für die Zeilen. Ich freue mich sehr darüber, da sie mir die Chance geben, ein wenig zu reflektieren über das was ich hier schreibe, über das wie ich hier schreibe. Die Vision. Hm. Ich hab keine. Oder vielleicht doch? Die jedes Mal exakt auf den Punkt zu bringen, das gestaltet sich jedoch schwierig. Das ist vielleicht wie mit einem Slalomfahrer, der seine Leistung im ersten Durchgang abrufen kann und im zweiten einfädelt. Was die Einsicht in meine Gedanken anlangt verhält es sich ähnlich. Sehr schwer, diese immer exakt auf den Punkt zu bringen. Noch schwerer, dies immer in verständlicher Form zu tun. Ich werde mich bemühen, ich versprech’s. Ich kann Ihnen aber versichern, dass ich noch nie zuvor offener geboggt habe wie seit Start dieses Blogs. Ich habe noch niemals zuvor tiefer blicken lassen in meine Sicht auf die Social Media / Online-PR Welt. Und ich werde das weiter so halten. Zumindest versuchen wede ich es. Vielleicht geben Sie mir ja in ein paar Wochen via Kommentar bescheid, wie es ihnen damit geht. Ob ich Sie nun besser abholen kann als vorher, etc. Es würde mich sehr freuen! Danke fürs Lesen meines Blogs.

  3. Danke Ed für diesen Artikel.
    Ich dachte schon ein Aussätziger zu sein, weil ich mit dem Facebook-Hype nix anfangen kann. Nachdem ich aber etlichen Bloggern auf den Fersen bin, fühle ich mich aber ein wenig bestätigt. Auch durch die von dir dargestellte Studie!

  4. Einen gut gemachtes Weblog verhält sich zu facebook mE wie die „Zeit“ zu der „Bild“. Die Frage ist doch: Will ich Information, Wissen, letztlich: Bildung oder will ich Gerüchte, Gebrabbel, Selbstdarstellung? Mich persönlich haben genau diese „blubb“-Statusupdates letztlich dazu bewogen, meinen fb-account, wie du ja weißt, zu deaktivieren. Verschwendete Lebenszeit. Anfangs hatte ich die Hoffnung, dass ich das Ding irgendwie beruflich gut gebrauchen könnte. Bis auf drei, vier Ausnahmen: Fehlanzeige – wobei ich durchaus einräume, dass das auch an mir liegen kann. Ist offensichtlich nicht „mein“ Medium.
    In Summe scheint mir facebook mehr und mehr zu einem Jahrmarkt der Eitelkeiten zu verkommen. Oder, hartes Wort, zum „Unterschichten-Internet“. Was meinst du?