Tipps zum Social Media Exit

18. Februar 2011„Wenn wir das machen, dann machen wir es ordentlich. Und wenn wir es ordentlich machen, dann müssen wir uns auch über ein Exit-Szenario klar werden“. So die Worte meines Gesprächspartners …


„Wenn wir das machen, dann machen wir es ordentlich. Und wenn wir es ordentlich machen, dann müssen wir uns auch über ein Exit-Szenario klar werden“. So die Worte meines Gesprächspartners (danke ans WIFI Oberösterreich!). Diese Worte hallen nach. Länger als die Fahrt von Linz nach Klagenfurt dauert. Immer noch, sozusagen.

Wie sieht der Social Media Exit aus?

flickr.com / Oliver Biederbeck

Geht es um Social Media, so setzt, ich glaube nicht nur bei mir, ein gewisser Automatismus ein. Rasch denkt man an mögliche Anwendungsszenarien, die Nutzer, die in den Unternehmen bestehenden Ressourcen und andere Aspekte. Man denkt also an das „Strukturierte Hinein“ (Hin-Zu, wie es die Psychologen so schön benennen). Wie jedoch schaut es mit dem „Weg von“ also mit dem „Strukturierten Hinaus“ aus? Zugegeben: In keiner der bislang von mir erarbeiteten Social Media Strategien steht auch nur ein Sterbenswörtchen von diesem Rückzug drinnen. Das wird sich mit dem nächsten Konzept ändern.

Nun ist es ein Leichtes, den privaten Facebook-Account, das private Online-Tagebuch oder den unter Ausschluss der Öffentlichkeit stattfindenden Flickr-Steam stillzulegen. Klammheimlich und ohne großes Tamtam. Hat schließlich bislang auch kaum jemanden interessiert. Wie aber verhalten sich Unternehmen, wenn sie intern übereinkommen, dass ihr Engagement hier warum auch immer nicht fruchtet? Kann man einfach den Stecker raus ziehen? Die Antwort ist ja. Darf man das? Wieder ja. Die Antwort auf die Frage, ist dies klug oder nicht, möchte ich hier weder stellen noch beantworten. Andere Baustelle. Die Frage, der ich hier nachgehen will, lautet, wie setzte ich das um? Wie gehe ich es konkret an und mit welchen Situationen habe ich zu rechnen?

Wie setzt man den Social Media Rückzug nun konkret um?
Da ich es noch nie gemacht habe, möchte ich hier einige Dinge auflisten, die mir auf die Schnelle einfallen würden.  Schön wäre es, würden sich hier Leute melden, denen andere Punkte einfallen bzw. die einen Exit bereits „erfolgreich“ umgesetzt haben. Ich würde mir

1. für meine Fans, Follower, LeserInnen, AbonnentInnen eine Rechtfertigung überlegen. Ich würde ihnen einen konkreten und möglichst verständlichen Grund liefern, warum ich mich als Unternehmen zurückziehe / zurückziehen werde. Zu diesem Zeitpunkt sollte der Social Media Auftritt noch erreichbar sein. Alle Beteiligten sollten sinnvollerweise mit der selben Sprache sprechen wofür es sinnvoll sein könnte, die Gründe für das Aus intern zu erarbeiten sodass es dann nicht „von oben“ entschieden wird, sondern auf einer möglichst breiten Basis steht. Die Gründe für das Aus in Form eines eigenen Postings darzulegen und entsprechend zu diskutieren, ist ebenfalls klar.

2. Auf die Fehleinschätzungen im Zusammenhang mit dem eigenen Social Media Engagement eingehen. In welchen Bereichen diese Fehleinschätzung nun immer liegt. Ich würde versuchen, möglichst offen zu sein, um es anderen zu ermöglichen, aus meinen Fehlern zu lernen.

3. Ich würde – die Entscheidung ist ja unverrückbar – irgendwo gut auf der Seite sichtbar eine Info platzieren. Diese informiert einerseits über das nahende Ende des betreffenden Kanals und gibt zweitens Auskunft, zu welchem Zeitpunkt die Löschung erfolgen wird. Drittens nennt sie die neue (alte) Dependance im Internet, die Homepage, über die das Unternehmen ja nach wie vor erreichbar ist.

4. Angebot alternativer Kanäle um an das Unternehmen heranzutreten. Wir sprechen hier ja von dem Fall, dass ein Unternehmen all seine Social Media Kanäle schließen will. Insofern kann damit auch auf keine anderen Orte des Social Web „ausgewichen“ werden. Es gibt aber noch die gute alte Homepage, es gibt Telefon, Fax, E-Mail (!) und damit eine Reihe von Angeboten, die man seinen Fans und Followern gegenüber nun aktiv anbieten könnte. Ich würde hier möglichst glaubhaft versuchen, Nutzern der betreffenden Social Media Plattform(en) zu sagen, dass man  mit ihnen weiterhin im Gespräch bleiben möchte, ihr Feedback geschätzt hat und gerne weiter erhalten würde, nur jetzt halt über andere Kanäle. Um diesen Aspekt noch weiter zu verstärken, könnte ich mir eine

5. Persönliche Kontaktaufnahme wie etwa durch Direct Messages auf Twitter, Nachrichten auf Facebook (Settings!) E-Mails an Blog-Nutzer, etc. vorstellen. Um zu verhindern, dass sich Nutzer durch das Zusperren über die Jahre hinweg entwickelter Social Media Kanäle vor den Kopf gestoßen fühlen, könnte ich mir darüber hinaus vorstellen, die bestehende Homepage nicht nur durch entsprechend partizipative Elemente (Voring-Funktion, Kommentare, Feedback-Angebote, etc.) aufzuwerten, sondern darüber hinaus auch mit Inhalten zu bestücken, die auf das Aus der Social Media Kanäle und das Warum dahinter abzielen. Zumindest für die erste Zeit. Ein Video vom CIO zum Beispiel könnte hier eine Idee sein.

Soweit meine Vorschläge. Was jedoch bedeutet das Social Media Aus eines x-beliebigen Unternehmens für deren Fans / Follower / Abonnenten? Keine einfach zu beantwortende Frage. Hier geht es schließlich darum, wie stark ihr Envolvement mit dem Unternehmen über den betreffenden (zu schließenden) Social Media Kanal aussah und last but not least um den Zeitpunkt, in dem das Unternehmen den Social Media Stecker zieht. Geschieht dies nämlich in Zeiten der Krise (Nestle & British Petrol lassen grüßen), macht das keinen schlanken Fuss bzw. verlagert sich ganz einfach auf andere Plätze des Social Web. Unter Punkt 5. wurde auf die Möglichkeit einer Kontaktaufnahme mit den Usern bereits hingewiesen. Vielleicht nicht für alle NutzerInnen eines Social Media Angebots sinnvoll, für Super-User aber sehr wohl. Und die sollte man eigentlich kennen.

Welche Möglichkeiten für einen geordneten Rückzug aus Social Media gibt es noch? Welche habe ich vergessen? Wünsche, Beschwerden, Anregungen?!

3 Gedanken zu “Tipps zum Social Media Exit

  1. Danke für deinen Artikel!

    Mich würde interessieren, ob es Unternehmen gibt, die sich tatsächlich wieder vollkommen aus Social Media zurückgezogen haben? Und wenn ja, warum?

    Kennst du vielleicht Beispiele?

  2. Pingback: Pharma auf Facebook: Zur Kommunikation verdammt | edRelations