Das Social Web ist auch nur ein Mensch

14. März 2011Sam Steiner hat diesen wunderbaren Satz geschrieben. Mehr beiläufig in seinem Blogposts Bing im Twitter-Schlamssel wegen Japan-Tweet und aus dem Zusammenhang gerissen habe ich das ganze natürlich auch noch. Der …


Sam Steiner hat diesen wunderbaren Satz geschrieben. Mehr beiläufig in seinem Blogposts Bing im Twitter-Schlamssel wegen Japan-Tweet und aus dem Zusammenhang gerissen habe ich das ganze natürlich auch noch. Der ganze Satz lautet:

Ich will nicht allzu sehr auf Bing herumdreschen – es gibt auch andere Beispiele. Die Quintessenz der Geschichte ist die: das Social Web ist auch nur ein Mensch. Oder eine Ansammlung davon. Jeder will möglichst viele Retweets. Man sollte aber darauf achten, welche Situationen man für Retweet-Aktionen nutzt.

Warum mir der Satz – und für mich ist nur mal sein erster Teil wichtig – so gefällt, ist, weil er so verkürzt wie richtig ist. Oft ist vom Social Web, von Twitter, Facebook und anderen ach so wichtigen, hochgelobten, gehypten, abgeschriebenen oder totgesagten Plattformen die Rede, dass man ganz vergisst, dass es sich bei alledem doch nur um eines handelt: Um ein Gespräch zwischen zwei oder mehreren Menschen. Meine Vermutung: Dieser Umstand wird nicht nur vergessen. Er wird in den Social Media und sonstigen Konzepten bewusst totgeschwiegen, weil Social Media für viele halt nur dann ausreichend Sinn machen wenn sie sich ins Korsett des one to many pressen lassen. Egal wie. Many to many-Kommunikation, also das Gespräch der vielen, zu den sie interessierenden Themen mit oder ohne Teilnahme von Unternehmen und Marken, das flutscht schon viel weniger gut. Das heißt Arbeit. Das führt uns weg von der Denke, man buche sich irgendwo ein Kontingent, drücke auf irgendwelche Knöpfe und die willfährigen Kunden trotten dann von alleine zur Türe rein. Gerade deshalb war für mich der Satz „Das Social Web ist auch nur ein Mensch“ so gut, so passend.

Treten auf Twitter oder zum Beispiel Facebook Marken auf, so wird der Umstand, dass Social Media von Menschen getragen werden leicht verwischt. Ob bewusst oder unbewusst sei hier mal dahin gestellt. In meinen eigenen Projekten achte ich pingelig genau darauf, dass Gesprächspartner die Info vorfinden können, wer hinter dem Logo steht und spricht. Absenderklarheit heißt die Devise. Facebook z. B. hat hier gerade erst die Möglichkeit geschaffen, die Seitenbetreiber von Pages auf allen Tabs ersichtlich zu machen. Wie das geht ist hier in einem Manual dargestellt => edRelation News#1

Schnell wird so klar, ok, ich spreche hier zwar mit Unternehmen xy aber die Leute hier haben Namen, Profile, und sind für mich auch über diesen Weg „greifbar“. Das ist wichtig. Weil mich Gespräche mit Marken nicht die Bohne interessieren. Mich interessiert vielmehr der Absender. Und dem möchte ich verdammt noch mal in die Augen seines Profilbildes blicken dürfen! By the way: Können Marken überhaupt sprechen? Ich denke nicht. Menschen sprechen für sie. Und warum diese Menschen nicht sichtbar machen?

Der Anlass für Sam Steiners Blogposts war ein Tweet von Microsoft’s Suchmaschine Bing. Die Macher dahinter twitterten über ihren Kanal, dass sie für jeden Re-Tweet einen Dollar nach Japan überweisen. Damit das ganze nicht komplett aus dem Ruder läuft, wurde der Betrag mit 100.000 Dollar gedeckelt.

 

 

 

 

 

Bing handelte sich für dieses Vorgehen viel Kritik ein und ruderte spät nächtens mit diesem Tweet zurück. Warum waren die Leute sauer? Weil das ganze mit dieser Deckelung sehr stark nach Marketing-Maßnahmen riecht. Also nach dem Motto „Trägt mal schön unsere Aktion weiter – aber nur 100.00 Mal, dann ist Schluss, weil wir uns die Aktion einfach nicht mehr kosten lassen wollen“. Oder so ähnlich. Es ist nicht das erste Mal, dass ich während der vergangenen Tage Tweets zum Erdbeben in Japan lese, die komplett verrückt sind. Da geht es z.B. um ein Video der Monsterwelle, die in den dazu lautenden Tweets mit allen möglichen Superlativen beschrieben wird. Mich kotzt es an, sich am Leid anderer um die Vergabe von Re-Tweets anzustellen. Genauso, wie es mich ankotzt, wenn die Leute auf der Autobahn plötzlich Schrittempo fahren, nur um den Rettungskräften auf der Gegenfahrbahn beim Reanimieren zusehen zu können. Fuck you!

Um das ganze noch mal abzurunden. Das Social Web sind auch nur Menschen. Marken die sich hier betätigen sollten dies entsprechend mitdenken. Im eigenen Interesse sogar. Meiner Meinung lassen sich die Positiva, die Social Media für ihre Anwender bereithalten, nämlich nur dann voll ausschöpfen, wenn wir das Visier hochklappen, uns von einer menschlichen Seite und damit auch an-greifbar zeigen.

2 Gedanken zu “Das Social Web ist auch nur ein Mensch

  1. Hallo und vielen Dank für die Erwähnung, das mein menschliches Herz natürlich erfreut.

    Sich bewusst angreifbar machen, wie du sagst, ist das Gegenteil von „Paranoia wegen Kontrollverlust“. Quasi den Kontrollverlust feiern, weil es Nähe zu den Kunden bringt und die Möglichkeit, sich ins Gespräch zu bringen – im wahrsten Sinne des Wortes.