Brandjacking 2.0: Das ZDF macht es richtig!

19. April 2011Stellen Sie sich vor, Sie haben einen Twitter-Account oder eine Fanpage auf Facebook. Das was sich hier tut gefällt Ihnen und was noch wichtiger ist: Das was sich hier tut …


Stellen Sie sich vor, Sie haben einen Twitter-Account oder eine Fanpage auf Facebook. Das was sich hier tut gefällt Ihnen und was noch wichtiger ist: Das was sich hier tut gefällt auch den Fans. Sie diskutieren, posten und interagieren wie verrückt. Kleiner Schönheitsfehler am Rande: Die Seite ist nicht von Ihnen. Sie ist nicht von einer PR-Abteilung gesteuert. Sie haben keine Schlüssel zu diesem, Ihrem schönen Haus. Frage: Wer hat eigentlich die Schlüssel zu Ihren Social Media Kanälen? Wer hat darauf Zugriff und wo sind sie abgespeichert? Toll, wenn man auf all diese Fragen eine Antwort hat.

Vielleicht passt es hier gerade, dass wir uns diesen Umstand mal genauer ansehen. Meine Vermutung lautet, dass genau dieser oben skizzierte Fall öfters auftreten wird in den kommenden Wochen und Monaten. Und wer immer dann am Tisch sitzt, sollte vorbereitet sein auf diesen Fall. Wie man es nicht macht, konnte man sich unlängst ja beim Museumsquartier Wien oder dem Tourismusverband Innsbruck erste Reihe fußfrei anschauen. In beiden Fällen mündete der Wunsch die Schlüssel für die „eigene Fanpage“ zurück zu bekommen mit einer Bruchlandung.

Andererseits schreiben wir den April 2011. Wie viele Beispiele hatten wir schon, die uns mehr oder weniger eindrucksvoll zeigen, dass der rechtliche Standpunkt (Stichwort: Recht an der eigenen Marke) einer ist, die Realität oder das subjektive Empfinden der Nutzer im Social Web, die sich freiwillig mit Unternehmen oder Marken verbinden jedoch ein anderes.

Was also tun mit Brand-Evangelisten, die ungefragt und unbezahlt Kanäle hochziehen, diese auch betreuen und hier für Unternehmen „sprechen“? Eine gute Antwort auf diese Frage – diese ist nicht in jedem Fall gleich zu beantworten bzw. hat einige Punkte die generell eigehalten werden sollten und andere, die flexibel d.h. von Fall zu Fall anders zu handhaben sind – hat jetzt das Zweite Deutsche Fernsehen (ZDF) gefunden. Wie ich am Gutjahr-Blog lese, sah sich das Unternehmen mit Marco Bereth (25) und Michael Umlandt (24) konfrontiert, die den Twitter-Kanal ZDFonline und den Kanal ZDFneo aus Spaß an der Freude betreuten. Privatpersonen ohne jegliche Verbindung zum Medienhaus. Und weil die beiden das einfach ausgezeichnet machen, haben beide Kanäle zusammen gerechnet über 50.000 Follower.

Was das ZDF nun tat? Zuerst mal nicht die „Wir sind im Recht“-Keule schwingen. Sehr gut und richtig. Um das ganze abzukürzen: Bereth und Umland bekamen einen Arbeitsvertrag angeboten. Das stelle man sich mal vor. Ein Riesen-Unternehmen mit einer ebenso großen Rechtsabteilung tut nicht das, was man sich von ihm erwarten würde, sondern geht nicht nur einen sondern mehrere Schritte auf Privatpersonen zu. Das ist gut. Das ist sehr gut und hat für den deutschsprachigen Raum das Zeug zum Best Practise Beispiel zu werden. Ähnlich wie das Verhalten von Coca Cola Dusty und Michael gegenüber, die in Heimarbeit die Fanpage von Cola Cola hochgezogen hatten. Auch sie bekamen die Möglichkeit, eine Sache, die sie nachweislich gut konnten, weiter zu führen. Auch ihnen gegenüber zeigte sich ein Unternehmen generös, brachte ihnen entsprechende Wertschätzung gegenüber und suchte nach Wegen, sie einzubinden.

Berater, Auskenner, Unternehmensberater, „Experten für sowieso eh alles“, alle sind gefordert sich auf derlei Kommunikationsfälle vorzubereiten. Es kann nicht sein, dass die Basics, der gesunde Social Media Hausverstand über Bord geworfen werden, eine E-Mail an Facebook (oder sonst wohin) geschickt wird und Unternehmen wie betreuende Agentur dann auf Tauchstation gehen. Solange, bis sich der Shitstorm dann gelegt hat und man dann wieder Sonnenschein-Kommunikation machen kann. Genau diese Art der Kommunikation lässt sich nämlich prima auslagern. Geht es dann ans Eingemachte, taucht man ab, so einfach ist das. Scherz beiseite! Die Fälle freundlicher Übernahmen nehmen zu. Hier sauber und nachhaltig zu arbeiten schützt einen nicht nur vor wütenden Fans sondern birgt auch die Chance, social media technisch auf die Straße zu bringen, was in all den g’scheiden Social Media Büchern steht. Und wollen wir das nicht alle?

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  1. Pingback: mahrko – co2-neutral durchs web » Zwei Jungs — zwei Twitter-Accounts — eine Geschichte.