Abgespeist! Die Milchschnitte im Online-Gespräch

6. Mai 2011Manchmal hab ich drei auf einen Sitz. Manchmal beiße ich zuerst den Rand weg. Der stört doch nur… um mir dann den weichen weißen Innenteil vorzunehmen. Die Rede ist von …


Manchmal hab ich drei auf einen Sitz. Manchmal beiße ich zuerst den Rand weg. Der stört doch nur… um mir dann den weichen weißen Innenteil vorzunehmen. Die Rede ist von der Kinder Milchschnitte aus dem Hause Ferrero. Vielleicht liegt es ja auch daran, dass meine Badehosenfigur noch immer auf sich warten lässt. Die NGO Foodwatch, selbsternannte „Essensretter“ haben jetzt Ferrero am Kieker und prangern an, was im Grunde jeder weiß. Nämlich dass das Zeug süß ist und weich und damit fett macht. Ich schau mir die gezielte Aktion der Essensretter kurz mal näher an. Aus Social Media Pespektive, wie immer.

Am 29. April 2011 geht auf der Homepage von Foodwatch ein Artikel online. Noch am selben Tag veröffentlicht die Welt Online einen Artikel zum Thema „Foodwatch nimmt sich die Milchschnitte vor„andere Online Medien wie die Österreichische NEWS ziehen nach. Foodwatch hat sich die Aktion natürlich gut überlegt. Kampagnenplanung nennt man das. Auf der Kampagnenseite lautend auf abgespeist.de finden sich allerlei Infos zum Download und ein Formular, mit dem man sich an die Verantwortlichen bei Ferrero wenden kann. Auch an den Werbeträgern reibt sich Foodwatch. So sind auf der Seite gleich auch die E-Mail Adressen der beiden Kletterlegenden Alexander und Thomas Huber aka Huaberbuarm verzeichnet. Wenn die jetzt mit Protest E-Mail zugeschüttet werden, verlangen die bei den nächsten Sponsorenverhandlungen sicher noch mehr :)

Ab der Berichterstattung in der Welt Online geht es Schlag auf Schlag und verbreitet sich die Info via Share-Buttons kreuz und quer im Netz. Die Peak am 29. April bzw. am 3. April zeigen dies eindrucksvoll. Alleine an diesen beiden Tagen finden auf die vergangenen drei Monate gerechnet 175 Nennungen des Begriffes „Milchschnitte“ statt. Auch die Tags zum Peak am 29. April sprechen laut Radian6 eine eindeutige Sprache.

Begriffe wie „Verbrauchertäuschung“, „irreführende“ oder „etikettenschwindel“ sind bestimmt nicht nach dem Geschmack von Ferrero. Soviel zu den Mainstream Medien.

Was tut sich im Bereich User generierter Inhalte. Nur ganz kurz: Eine Gruppe lautend auf „Ich ess lieber Schokoladesahnetorte als Milchschnitte“ wird auf Facebook gegründet und steigert dank einiger Tweets ihre Mitgliederzahlen von 39 (vor ca. einer Stunde) auf nunmehr (110). Der Gründer dieser Gruppe schreibt, „Die gruppe habe ich privat gemacht, jedoch mit foodwatch rücksprache genommen.“ Bin mir jetzt nicht ganz klar, was das heißt. Ich gehe dem aber nach und liefere hier Infos dazu. Foodwatch greift die Gruppe auf, passt schließlich gut in die Kampagne, und postet das auf der eigenen Facebook-Page.

Jetzt heißt es mal warten. Warten auf weitere Rückmeldung des Gründers der Gruppe. Warten auf einen Rückruf vom Ferrero-Marketing. Was hinter den Ferrero-Kulissen läuft, weiß man nicht. Vielleicht bereits eine ganze Menge. Die offiziellen Kanäle (owned media), und hier fällt auf, das Ferrero insbesonders auf Facebook setzt, werden noch nicht genutzt. Bleibt es dabei, so würde dies meine These, Unternehmen nutzten Facebook-Pages vor allem zum Zweck der Sonnenscheinkommunikation weiter stärken. Mal sehn. Derzeit ist es nur Foodwatch, das seine Comunity mobilisiert, einspannt für die laufende Kampagne gegen Ferrero.

Fazit: Im Grunde genommen ist es wieder mal einer dieser Social-Media Nicht-Aufreger, die einem jedoch trotzdem zu denken geben sollten und v.a. zur entsprechenden Vorbereitung mahnen. Mehr dazu bald! Andererseits wundert es mich auch ein wenig, dass Ferrero hierzu noch nichts auf die Straße gebracht hat, die eigenen Social Media Kanäle so ungenutzt lässt. Hätte mir schon gedacht, dass es social Media technisch seit Weg mit Cevin – das war übrigens 2006 – einige Learnigs gegeben hat. Aber in wenigen Tagen wissen wir mehr.

Nachtrag: Gestern, Montag, den 9. Mai 2011 bekam ich einen Anruf von der Abteilung Presse- und Öffentlichkeitsarbeit bei Ferrero. Der Vollständigkeit halber hier das offizielle Statement, das ich zugeschickt bekommen habe:

Wir vertreten schon immer die Meinung, dass Ernährung und Bewegung zusammen gehören. Um das zum Ausdruck zu bringen, nutzen wir Sport-Testimonials wie Susi Kentikian und die Huberbuam. Prinzipiell widerspricht der Konsum einer Milch-Schnitte als Zwischenmahlzeit auch nicht einem ausgewogenen, sportlichen Lebensstil. Grundsätzlich kann kein einzelnes Lebensmittel alles leisten, was von einer ausgewogenen, abwechslungsreichen Ernährung erwartet wird. Entsprechend hat auch Milch-Schnitte diesen Anspruch nicht. Ausgewogen kann nur die gesamte Ernährung über einen längeren Zeitraum sein. Für einen ausgewogenen Lebensstil kommt es zudem nicht nur auf die Ernährung an, sondern auch auf eine angemessene Bewegung. Und genau für diesen Lebensstil stehen die Milch-Schnitte Testimonials wie Susi Kentikian oder die Huberbuam. Darüber hinaus ist Milch-Schnitte lediglich eine von vielen Möglichkeiten, eine Zwischenmahlzeit zu sich zu nehmen. Der herangezogene Vergleich mit der Schokoladensahnetorte ist unangebracht, da er nicht die tatsächlichen Portionsgrößen berücksichtigt.

Ein Gedanke zu “Abgespeist! Die Milchschnitte im Online-Gespräch

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