Schmierenkomödie: Facebooks PR Firma greift ins Klo

13. Mai 2011Jetzt ist es draußen. Facebook ist also der Kunde, den Burson-Marsteller, die PR-Agentur des Jahres 2010 in den USA, nicht nennen wollte. Mitarbeiter des PR-Unternehmens hatten einen US-Blogger mit Informationen …


Jetzt ist es draußen. Facebook ist also der Kunde, den Burson-Marsteller, die PR-Agentur des Jahres 2010 in den USA, nicht nennen wollte. Mitarbeiter des PR-Unternehmens hatten einen US-Blogger mit Informationen kontaktiert, die belegen, dass Googles über sein E-Mail Programm die Privatsphäre seiner Nutzer ausspäht. Konkret geht es um ein Stück Software namens Social Circle, das Google in GMail gepackt hat.

Nachdem Christopher Soghoian, so der Name des Bloggers wissen wollte, wer hinter der Aktion steckte, sein PR-Kontakt jedoch keine Anstalten machte, mit der Info herauszurücken, stellte Seghoian den gesamten E-Mail Verkehr kurzerhand offen. Das hier sichtbar werdende Sittenbild ist schon einigermaßen bezeichnend. Was wollte Burson-Marsteller? Berichterstattung in einem angesehenen Blog. In weiterer Folge dann, dass die hier publizierten Inhalte auch in Mainsteam Medien getragen bzw. gezielt lanciert werden.

I’m happy to help place the op-ed and assist in the drafting, if needed. For media targets, I was thinking about the Washington Post, Politico, The Hill, Roll Call or the Huffington Post.

Ist diese Zielsetzung aus PR-Sicht legitim. Ich würde sagen ja. Mehr noch. Wahrscheinlich ist das sogar gängige Praxis. Aber eben nur dann, wenn mit offenen Karten gespielt wurde und beide Seiten wissen, wer hinter der Aktion steht. Das war in diesem Fall jedoch nicht gegeben. Auf die völlig auf der Hand lie

genden Frage des Bloggers

Who is paying for this? (not paying me, but paying you)

gibt es mal eine sehr ausweichende Antwort:

Thanks for the prompt reply. I’m afraid I can’t disclose my client yet. But all the information included in this email is publicly available. Any interest in pursuing this?

Wird das Ansinnen der Agentur dadurch besser, dass die Infos öffentlich verfügbar sind? Wohl kaum, würde ich sagen. Noch dazu platzte mitten in die Geheimiskrämerei ein Artikel von US-Today, der die Burson-Marsteller Flüsterkampagne thematisierte und die Spekulationen massiv anfachte. Spätestens ab diesem Zeitpunkt konnte es nur noch Verlierer geben.

Die hier gewählte Vorgangsweise wirft aber auch einen Schatten auf das Nervenkostüm von Facebook. Als Nicht-Techniker weiß ich natürlich nicht, wie kritisch das Vorgehen Googles einzuschätzen ist. Aber davon abgesehen: Wie steht die Kommunikation, wie steht Facebook als Marke jetzt da? Als Schmierenkomödianten. Nicht mehr und nicht weniger. Kann sich das Facebook leisten? Kann sich das irgendein Unternehmen leisten? Bestimmt nicht. Aber es ist längst zu spät. Das Beast hat zugeschlagen, hat alle Namen und Auftraggeber öffentlich gemacht und der Schaden ist angerichtet.

Fazit: Ein schönes Beispiel dafür, wie stark und mit welch perfiden Mitteln die Giganten des Internets gegeneinander antreten. Ein schönes Beispiel aber auch, wie Pressearbeit im digitalen Zeitalter komplett daneben gehen kann. Ein schöner Reminder aber auch für alle PR-Treibenden, sich in ihrem Herangehen an Blogger und Journalisten, hinsichtlich der Formulierung ihrer E-Mails zu hinterfragen. Im schlimmsten Fall nämlich stehen sie am nächsten Tag in der Zeitung. Und letztlich auch eine Erinnerung dafür, tunlichst die Finger von solcherlei Kampagnen zu lassen. Ist der eigene Ruf mal ruiniert, nützt auch das viele Geld nicht, das man über solcherlei Services verdienen kann.

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