USA: Fake-Kampagne heizt Kohle-Konzern ein

13. Mai 2011Peabody Energy ist der größte Betreiber von Kohlekraftwerken in den USA. Und wurde nun von einer groß angelegten Desinformations-Kampagne aufs Glatteis geführt. Die Hände mit im Spiel hatten auch die …


Peabody Energy ist der größte Betreiber von Kohlekraftwerken in den USA. Und wurde nun von einer groß angelegten Desinformations-Kampagne aufs Glatteis geführt. Die Hände mit im Spiel hatten auch die Yes Men, eine kongeniales Duo, das sich auf strategische Desinformation spezialisiert hat. Mehr zu den Yes Man und ihrem internationalen Wirken auf Wikipedia.

Worum gehts? Um zu thematisieren, dass Kohlekraftwerke die Umwelt verpesten und eine Gefahr für Leib und Leben darstellen, wurde eine CoalCares-Kampagne nachgebaut, die gleichermaßen genial wie (aus Sicht von Pearbody) perfide ist. Twitter-Kanal inklusive, soll schließlich alles echt aussehen. Absolut genial dabei. Via Twitter wurden Medienberichte über die Fake-Kampagne wiederum verteufelt und die Kommunikation weiter angefacht wie dieses Beispiel zeigt. Absolut sortenrein durchgezogen das ganze. Live ging die Kampagne am 10. Mai 2011.

Nachgebaut wurde im Grunde nur eine Webseite, die gut und gerne auch vom Unternehmen selbst hätte sein können. Tat sie aber nicht. Medien sonder Zahl sind auf die Aktion hereingefallen und haben die vermeintlich ernst gemeinten Aussagen des Unternehmens vollinhaltlich übernommen. Ein durchschlagender Erfolg für die Medienguerillia, der es primär um den kreativen Missbrauch etablierter Kommunikationsstrukturen aller Art geht, wie ich auf Wikipedia lese.

Ein zentraler Hebel dabei ist die Überidentifikation, indem also beispielsweise mehr Krieg gefordert oder Kohle als besonders sicher

, nachhaltig oder grün gepriesen wird.

Nachdem Kohlekraftwerke aber insbesondere die Gesundheit von Kindern schädigen, fokussierte die Kampagne voll und ganz auf junge Menschen. Asthmatische Kinder würden ihn ihren Schule ausgelacht, wenn sie sich mit ihren Inhalatoren Erleichterung verschaffen würden. Aus diesem Grund würde das Unternehmen behübschte und damit „voll coole“ Inhaltatoren zur Verfügung stellen.

Ach ja, und einen Teil der Arztkosten übernehme, die für die Behandlung von Patienten anfallen würden, die im Umfeld von Kohlekraftwerken leben würden. Das ganze klang so schlüssig und gut, dass sich die Meldung wie ein Lauffeuer verbreitete. Jetzt rudert der Konzern bis auf die Knochen blamiert zurück und versucht die Kommunikationshoheit wieder zu erlangen. Seit 10. Mai, dem Start der Kampagne, findet man aber schon keine geeignete Antwort (keine Ahnung wie diese aussehen könnte…). Zumindest im Pressebereich des Konzern findet sich bislang keine Meldung zur CoalCares-Hoax.

Interessantes Learing am Rande: Negative Usermeinungen und -Kommentare sind heute längst nicht mehr die einzige Bedrohung. Internetaktivisten finden längst alle Möglichkeiten vor, Unternehmen über kreativere Wege am Zeug zu flicken. Augen auf!

Weiterführende Infos zur Story z. B. auf Wired ‘Coal Cares’ Hoax Website Backed by Science'

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