Social Business heißt zu vertrauen

29. August 2011Es hat mich immer schon befremdet zu hören, dass Ministerien, Landesregierungen, Behörden, ja ganze Firmen, ihren MitarbeiterInnen nicht erlauben, soziale Netzwerke zu benutzen. So habe ich z. B. gehört, dass …


Es hat mich immer schon befremdet zu hören, dass Ministerien, Landesregierungen, Behörden, ja ganze Firmen, ihren MitarbeiterInnen nicht erlauben, soziale Netzwerke zu benutzen. So habe ich z. B. gehört, dass das Amt der Kärntner Landesregierung einmal im Monat an jeden Mitarbeiter im Netzwerk eine Info verschickt, aus der hervorgeht, wo er sich mit seinem Online-Konsum im Vergleich zu anderen befindet. Da weiß man dann, man ist auf Nummer 43 und das ist eigentlich schon uiuiui… weil ganz schön viel. Und dann wissen die anderen oder zumindest der Netzwerk-Admin, dass ich ganz schön viel online war im vergangenen Monat und wer weiß, vielleicht kennt der Vorgesetzte des Admins, den dieser in der Rauchpause trifft ja den Vorgesetzten meines Vorgesetzten und der konfrontiert mich im genau dann damit, wenn ich das nächste Mal früher nach Hause gehen will…

Das hier skizzierte Kopfkino, ich kann mir gut vorstellen, dass es ziemlich nahe an der Realität liegt, ist typisch für eine Organisationsstruktur, in der es eines nicht gibt, und das ist Vertrauen. Die Entwicklung hin zu einer Vertrauensorganisation ist jedoch nicht nur die Voraussetzung für das Teilen von Wissen, es ist mehr als das. Ein Unternehmen, in dem die Unternehmensführung seinen Mitarbeitern misstraut, ist eines, dass kreative Prozesse und Selbstorganisation im Keim erstickt, weil diese an den Machtgefügen kratzen. Es sind Unternehmen, denen früher oder später das Humankapital abhanden kommen wird, die unattraktiv sein werden für die viel beschworenen „besten Köpfe“. Ein Unternehmen, das seinen Mitarbeitern misstraut, ist darüber hinaus eine Organisation, die von Sozialen Medien tunlichst die Finger lassen sollte. In jeder Form. Sei es nun in der Kommunikation nach außen oder nach innen. Social Media sollten für ein Unternehmen dieser Art einfach tabu sein. Ist ok. Was aber ist die Folge daraus?

Wird Wissen innerhalb eines Unternehmens nicht geteilt, wie kann sich dieses Unternehmen an neue Entwicklungen, Trends, Anspruchshaltungen seiner Kunden oder Partner anpassen? Will es dieses Anpassen überhaupt oder hat es sich längst abgekoppelt vom Rest der Welt? Wie lange kann es ein Unternehmen sich leisten, sich bewusst nic

ht zu bewegen oder anzupassen, bis es sich einmal nicht mehr anzupassen braucht, weil es kein Business mehr gibt? Andererseits weiß jedes Kind: Wissen ist Macht. Also nur ja nicht zuviel preis geben, teilen und offen sein. Das wird am Ende des Tages doch wieder nur gegen mich verwendet. Genau hier aber muss Führung ansetzen! Sie muss einen Rahmen schaffen, in dem Vertrauen gelebt werden kann, in dem es für Offenheit bei der nächsten Gelegenheit nicht eines auf den Deckel gibt. Das bedeutet jedoch nicht die Abwesenheit von Kontrolle oder Leistungsprinzip! Selbstorganisation mit oder ohne Einsatz von Social Software wird so überhaupt erst möglich. Das geht aber natürlich nur dann, wenn die Führungsetage eines Unternehmens das Entstehen von selbst organisierenden Einheiten, Dialog auf Augenhöhe oder die Einbindung von MitarbeiterInnen in Entscheidungsprozesse nicht als Machtverlust interpretiert. Aber das ist eine Sache der Wahrnehmung.

Und wie kommt das alles jetzt beim einzelnen Mitarbeiter an, der soziale Medien während seines Studiums als Werkzeug benutzt hatte, um mit Menschen aus seinem Netzwerk in Verbindung zu bleiben, Kontakte aufzubauen, Wissen mit anderen zu teilen, oder dafür, Problemstellungen in sich wandelnden Netzwerken zu lösen? Jetzt kommt dieser in eine Organisation, in der diese Kulturtechnik des Teilens maximal noch vom privaten Laptop aus gestattet ist, und das auch nur dann, wenn der Chef gerade auf Dienstreise ist.

Quelle: Business Insider: Why IBM Represents The Future Of Social Business

Schon klar, dass die Landesregierung XY nicht IBM ist. Dennoch lohnt ein Blick auf dieses Unternehmen. Es zeigt nicht nur auf, was es Unternehmen bringen kann, wenn seine MitarbeiterInnen Informationen teilen (dürfen). Es zeigt auch, dass man seinen Mitarbeitern vertrauen, soll, kann und letztlich sogar darf. Es sei denn, man reduziert die Mitarbeiter frei nach Taylor auf ihre physische Funktion bzw. Anwesenheit und Mitarbeiterführung auf Kontrolle. Die negativen Konsequenzen dieses Tuns werden jedoch nicht lange auf sich warten lassen.

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2 Gedanken zu “Social Business heißt zu vertrauen

  1. Eine Frage, die mir zunächst durch den Kopf ging:

    – Warum sollte ich Geschäfte mit Menschen machen, denen die eigenen Unternehmen nicht vertrauen?

    Doch dann kamen mir diese Frage in den Sinn:

    – Warum sollte ich Geschäfte mit Unternehmen machen, die ihren eigenen Mitarbeitern nicht vertrauen?
    – Warum haben diese Unternehmen ihre Mitarbeiter überhaupt eingestellt, wenn sie ihnen überhaupt nicht vertrauen?