Lasst Faymanns Social Media Team arbeiten!

22. November 2011Wie war das damals alles. Als ich im Oktober 2000 in die Kärntner Landespolitik kam. Als Pressesprecher! Mann o Mann, war ich stolz. Mann o Mann war ich naiv. Aber …


Wie war das damals alles. Als ich im Oktober 2000 in die Kärntner Landespolitik kam. Als Pressesprecher! Mann o Mann, war ich stolz. Mann o Mann war ich naiv. Aber lassen wir das mal kurz. Ich habe mir jetzt eine halbe Stunde Zeit genommen, mir die Faymann / Failmann Story anzusehen. Kurzfassung: Kanlzler Faymann ist Social Media Spätzünder. Am vergangenen 26. Oktober, dem österreichischen Nationalfeiertag, ging er mit einer Facebook-Page und einem Twitter-Account online. Rechtsauseh hazeh-Strache hat in der Zwischenzeit schon über 100.000 Fans aber der darf das anscheinend tun, ohne dass bei anderen die Alarmglocken läuten. Faymann wird von zahlreichen Experten und einem ganzen Stab an Mitarbeitern social Media technisch betreut. Was ist dabei heraus gekommen? Fake-Accounts auf Twitter und Facebook (für die das Team ja nix kann) und eine Debatte um des Bundeskanzlers neue social Media Kleider die immer neue Facetten bekommt, die nicht mehr enden will und die keiner braucht. Schon gar nicht Faymann selbst. Ich meine, man hat als Politiker wahrlich andere Probleme als sich mit Social Media herum zu schlagen. Oder doch nicht?

Die Sache mit unserem Bundeskanzler in sozialen Medien hat einen Haken. Weil es da jemanden bzw. ein Team gibt, das schonungslos offen legt, was bei Bundeskanzler Feymann nicht klappt (Worthülsen, Performance, Rhetorik). Jetzt mal offline gesprochen nicht klappt. Wenn man sich die ganze Sache aber mal online ansieht, wird das Bild düster. Fragen die sich mir stellen sind folgende: Wenn es denn stimmt, dass für die Social Media Dinge des Kanzlers neun Leute zuständig sind. Wie kann das eigentlich sein? Gibt es eine Notbremse für sinnlos ausgegebenes Steuergeld? Warum stellt sich Angelika Feigl, sie ist für Faymanns Social Meida Auftritt verantwortlich, an, wie sie sich anstellt? Warum gibt man sich so verschnupft und der öffentlichen Diskussion so widerwillig? Warum gibt man Fehler nicht zu. Darf man das nicht? Machen Bundeskanzler in sozialen Medien keine Fehler? Dürfen die das nicht, warum nicht?

Was ich schon weiß, ist, dass ich diese meine Zeilen nicht als Hindreschen auf ein gerade angelaufendes Social Media Projekt verstanden haben will. Hindreschen ist leicht und von außen äußerst unfein. Schließlich weiß man über die Beweggründe der Kampagne wenig, kann vieles nur vermuten. Ich denke aber, dass es nicht im Sinne der Leute hinter der Kampagne sein kann, was derzeit passiert. Und ich denke, dass man sich der laufenden Debatte jetzt wesentlich aktiver stellen könnte, als die Leute dies derzeit tun. Die Kritik an Faymanns Facebook und Twitter Auftritt analysieren, sie zu verstehen und dann Punkt für Punkt abzuarbeiten, das stünde meiner Meinung nach jetzt an der Tagesordnung. Schonungslos Stellung zu beziehen, die eigene Geschichte und die eigene Sicht der Dinge einzubringen und sich der Debatte zu stellen. Ein Interview bei Armin Wolf in der Nachrichtensendung ZiB II wäre dazu ein willkommener Anlass. Hingeheh, Fehler eingestehen, lernen, neu durchstarten. Das ist mein Rat. Jetzt alles hinzuschmeißen wäre meiner Meinung nach ebenso hirnlos wie verschnupft zu reagieren und sich der Debatte nicht zu stellen.

Ich weiß aus eigener Erfahrung wie weh es tut, wenn der eigene Chef angefriffen, abgelehnt und mies gemacht wird. Ich kenne das und es tut weh. Persönlich weh tut es auch, sich eingestehen zu müssen, dass etwas nicht geklappt hat, dass man etwas nicht geschafft hat, wie man es sich ursprünglich vorgenommen hatte. In dieser Welt, in der immer alles perfekt und glossy zu sein hat. Das ist es aber nicht. Ich kann Gerhard Loub absolut nicht beipflichten, wenn er sagt, dass Social Media Trial and Error wäre. Herr Kollege, wir haben nicht mehr lange 2011 und schon bald 2012. Wir haben so dermaßen viele Politiker auf dieser Welt, die die Social Media Klaviatur so virtuos beherrschen, dass es eine wahre Freude ist ihnen zu folgen, zuzuhören, ach was sag ich, ihnen förmlich an den digitalen Lippen zu hängen. Die Zeiten von „probiermals mal“ sind auch in Social Media Bereich längst vorbei. Wenn aber trotzdem Fehler passieren, geht es imho darum, wie man damit umgeht.

Wenn was schief geht, wenn was nicht klappt, so kann man daraus lernen. Man hat diese Chance und niemand kann einem davon abhalten zu lernen. Eine Kampagne die das tut, die mit dem was sie jetzt erleidet, erlernt und hoffentlich verseht, die aktiv nach vorne schaut und umsetzt, eine solche Kampagne würde ich als gelungen betrachten. Vor diesem Hingergrund wünsche ich den Social Media Leuten im Kanzleramt zweierlei. Einerseits das Povoir, anstehende Fragen etwa zu den Kosten des ganzen lückenlos zu beantworten. Warum ich mir das wünsche? Weil Leute in verantwortlichen Stellen oft nicht so dürfen wie sie wollen. Ich hoffe, dass Feigl darf, wie sie will und vor allem kann. Andererseits wünsche ich dem Team aber auch, dass es aus den zweifellos gemachten Fehlern lernen darf. Das geht aber nicht, wenn dem ganzen jetzt voreilig der Stecker gezogen wird. Lasst also Faymann und sein Social Media Team (einige drängende Fragen beantworten) arbeiten!