Eventkommunikation: Wie wichtig ist Twitter?

23. November 2011Musthave, Linkschleuder oder notwendiges Übel? Twitter kann so vieles sein und bedeuten. Kann im Rahmen von Kampagen oder einer laufenden Online-PR von Unternehmen so viel bewirken und wirft dennoch Fragen …


Musthave, Linkschleuder oder notwendiges Übel? Twitter kann so vieles sein und bedeuten. Kann im Rahmen von Kampagen oder einer laufenden Online-PR von Unternehmen so viel bewirken und wirft dennoch Fragen auf, die sich nicht immer ganz einfach beantworten lassen. So viele kennen sich so gut aus und schreiten weiter richtung Enterprise 2.0, Measurement und social Commerce. Grundsätzliche Fragen wie die eingangs aufgeworfene „Wie umgehen mit Twitter“ werden dabei aber gerne mal umgangen oder fallen gelassen. Wir machen das und hinterfragen es nicht.

Dass ich mich hier mit Twitter auseinander setze hat damit zu tun, dass ich für einen Kunden während der letzten Wochen einen Twitter-Account hochgezogen und diesen während des Events betreut habe. Die Erfahrungen möchte ich hier teilen.

Zum Ausgangspunkt. Die Zeit war sehr knapp bemessen. Der Twitter-Account startete am 21. September 2011. Die darüber zu kommunizierende Veranstaltung, der Innovationskongress 2011, fand bereits am 17. und 18. November 2011 statt. Nicht viel Zeit also. Wie bin ich es angegangen?

#1 Ich habe mir mit Time.ly ein Tool gesucht, dass mich bei der Betreuung des Accounts optimal unterstützt. Das war extrem wichtig, da es mit einer Fanpage und einem Blog auch noch andere Kanäle gab, die betreut werden wollten. Mit Timely ist es möglich, Tweets im Voraus zu produzieren. Timely schaut sich dann die Follower an und errechnet den besten Zeiptunkt für das Versenden der im Voraus produzierten Tweets. Auch extem brauchbar an Timely ist die wöchentliche Auswertung per E-Mail.

#2 Neben den automatisch versendeten Tweets (ich weiß dass darüber einige die Nase rümpfen werden…) setzte ich mir auf Tweedeck einige Suchanfragen, die mir Tweets zu Begriffen wie „Innovationskultur“ oder „OpenInnovation“ lieferten. So gab es genügend Möglichkeiten gute Follower zu erkennen, hochwertige Inhalte über den eigenen Account weiterzutragen (Re-Tweets) und nebstbei auch Content für das Blog zu generieren. Dieses Kuratieren von Inhalten kann extrem spannend und lehrreich sein. Was es aber auf jeden Fall ist, es ist extrem zeitaufwändig. Einen Aspekt, den man bei der Betreuung von Twitter-Accounts bzw. natürich in der Angebotslegung niemals außer Acht lassen darf. Einen Twitter-Account wirklich mit guten Inhalten zu versorgen, das kostet massig Zeit. Das will kalkuliert sein!

#3 Die Inhalte. Wenn man sich die Twitter-Accounts von Veranstaltungen oder Firmen ansieht, dann haben sie zumeist die Funktion auf die Homepage hinzuweisen. Auf Presseaussendungen oder Artikel im Newsbereich zum Beispiel. Oder über das Unternehmen wird irgendwo im Internet etwas gesagt und der Twitter-Handle setzt dann einen Link dorthin. Am Twitter-Kanal vom Innovationskongress ging ich einen anderen Weg. Ich versuchte an die Community, an die ja bereits laufenden Diskussionen zu Innovationsthemen anzudocken. So komisch wie das klingt, ich versuchte meinen wenigen Zuhörern Nutzen zu stiften, ihnen Inhalte zu liefern, die im Weitesten mit Themen zu tun haben, die im Rahmen des Innovationskongresses behandelt wurden. Allgemeinen Innovations-Themen sozusagen. Lediglich ganz selten, insgesamt vielleicht zehn Mal, setzte ich Links auf die Veranstaltunshomepage oder sprach davon, dass es noch Restkarten gibt, etc. So werblich wollte ich nur selten sein und hatte vom Auftraggeber auch das OK dazu. Ein übrigens ganz wichtiger Punkt!

Welche Learings habe ich nun erzielen können?

a) Twitter ist für den Verkauf von Tickets für eine Veranstaltung nur sehr bedingt einsetzbar. Gleiches gilt für Twitter als Traffic-Bringer für die Homepage. Klar hätte man inhaltlich anders vorgehen können, was ich bewusst nicht getan habe. Aber in Summe kamen über Twitter lediglich sieben Besucherinnen auf die Homepage. Relaiv wenig. Bewertet man Twitter also ausschließlich aus dieser Perspektive, sollte man wohl die Finger davon lassen.

b) Twitter brachte der OnlinePR der Veranstaltung im Vorfeld vor allem guten Content. Wo sonst hätte ich auch nur annähernd so wertvolle Inhalte für die anderen Social Media Kanäle herbekommen können? Andererseits, um diese Quellen anzuzapfen hätte es nicht unbedingt einen eigenen Twitter-Account benötigt…

c) Vernetzung und der Aufbau von Online Reputation über Twitter brauchen Zeit. Zum gegenwärtigen Zeitpunkt verfügt der Twitter-Account über 99 Follower. Einige unserer Zuhörer sind hier ganz sicher falsch, andere jedoch gehören exakt jener Klientel an, mit der sich langfristige Dialogbeziehungen auszahlen. An diesen Dialogbeziehungen heißt es nun weiterbauen, diese zu vertiefen, etc.

d) Veranstaltungskommunikation ohne Twitter ist nicht mehr denkbar. Wir verzeichneten während der zwei Tage dauernden Veranstaltung ein starkes Anwachsen der Tweets. Wenn social Media gestützte Unternahltungen zu einer Veranstaltung stattfinden, dann auf Twitter. Das was wir versucht haben war, einen Hashtag einzuführen um die Diskussion zur bzw. rund um die Veranstaltung möglichst auf einen Platz verfügbar zu halten bzw. damit auch besser monitoren zu können. Die Aufgabenstellung von mir während der Veranstaltung hat einfach darin bestanden, über Twitter relevante Inhalte zu re-Tweeten bzw. den anwesenden Twitterati bei Fragen zur Verfügung zu stehen. Ebenfalls boten die vielen Tweets die Gelegenheit, sich mit Twitterati aus der Innovation-Community zu vernetzen. Es gelang mir ein paar Mal, Leute abzuholen oder ihre Fragen zu beantworten. Und dies ist eine große Stärke von Twitter bzw. kann eine sein.

e)Eine Twitter-Wall ist nicht zwingend erforderlich. Obwohl von mir angedacht gab es keine Twitterwall. Wir hätten das wenn, dann sauber machen wollen, was bedeutet hätte, dass wir es jedem Referenten frei stellen, ob während seiner Keynote hinter oder neben ihm eine Live-Twitterwall angezeigt wird. Das ging sich dann leider nicht mehr aus. So verlief die Diskussion ausschließlich auf Twitter und wurde den KonferenzteilnehmerInnen nicht angezeigt. Nachträglich betrachtet kein großes Drama. Was ich mich jedoch frage, ist, ob die Tweets eine andere Qualität bekommen hätten, wären sie öffentlich bzw. für alle der 900 im Saal versammelten KongressteilnehmerInnen live einsehbar gewesen. Weiters frage ich mich, ob Twitter dann zum Stellen von Fragen verwendet worden wäre.

f) Spontane Twitter-Meetings klappen nicht. Von ca. 15 – 20 anwesenden Twitterati kam nur einer zum vereinbarten Treffpunkt. Das Twittagessen, eine spontane Idee, die ich während der Twitter-Diskussionen aufwarf, kam nicht gut an. Vielleicht war es zu kurzfristig, vielleicht der falsche Event oder die falsche Ansprache

g) Ohne laufendes Monitoring geht gar nichts. Egal ob dieses über Tweetdeck, andere frei verfügbare Tools oder – wie bei mir – über die Engagement Console von Radian 6 gemacht wird. Auf Twitter tut sich in kürzester Zeit so viel an Inhalt, dass man eine Lösung braucht, die maximalen Überblick bietet. Man darf schießlich auch die anderen Kanäle wie Facebook, Blogs oder Mainstream-Medien während einer Veranstaltung nicht außer acht lassen. Das kann ganz schnell ins Auge gehn! Ich benutzte Radian6 und war dadurch alle 30 Sekunden über neue Meldungen informiert. Natürlich de luxe (aber als exklusiver Radian6 Partner sag ich das natürlich gerne ;))

Wie also umgehen mit Twitter? Als Linkschleuder ist es Twitter definitiv zu schade. Als Traffic-Lieferant wirkt es zumindest im vorliegenden Praxisbeispiel kaum. Dies inbesondere auch vor dem Hintergrund der gewählten Contentstrategie, die ja betont zurückhaltent war, was werbliche Inhalte anlangt. Ich tendiere dazu, zu sagen, dass Twitter für Veranstaltungen ab einer bestimmten Größe zum Standard-Repertoire gehört. Auch Veranstaltungen sollen ansprechbar sein, sollten zuhören, was, wer, wo über sie sagt. Twitter bietet darüber hinaus aber vor allem auch eine gute Möglichkeit, Inhalte einer Veranstaltung (Audio, Video, Slides, Texte) direkt ins Herz der Community zu bringen. Vorausgesetzt man verfügt über eine solche, sprich, hat sich im Vorfeld damit beschäftigt, Verbindungen zu relevanten Berührungsgruppen auf Twitter herzustellen.

Wer hat ähnliche / gerne auch andere Erfahrungen mit Twitter gemacht?

6 Gedanken zu “Eventkommunikation: Wie wichtig ist Twitter?

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  2. danke Alexander! Den letzten Absatz verstehe ich hoffentlich richtig wenn ich sage ja! der einzelne hat zweifellos was davon, sich mit anderen zu vernetzen und dadurch neine neue Inhalte rein zu bekommen. Davon habe zweifellos auch ich profitiert, wenngleich meine Privat-Accounts jetzt quantitativ nicht explodiert sind. Frage beantwortet?

  3. Gute Zusammenfassung, interessante Lessons Learned.

    Ich finde, Du hast die Social-Media-Begleitung der Veranstaltung sehr umfassend durchgeführt, d.h. auch mit anderen Inhalten wie eine Blogparade. Außerdem hast Du auch selbst bei einer Blogparade mitgemacht (wissenswert – wenn ich mich richtig erinnere).

    Ein Learning, das ich auf jeden Fall bei der Begleitung einer Veranstaltung noch sehe, ist der Nutzen, der für den Blogger/Microblogger für sich selbst in der Vernetzung entsteht. Vielleicht kannst Du ja hierzu noch einige Zeilen schreiben 😉

    LG aus Graz, Alexander

  4. Ich habe nun schon einige Kongresse/Veranstaltungen mit Twitter begleitet. Es hat sich bewährt, schon im Vorfeld ein paar Leute zu organisieren, die

    1) auf das Event gehen
    2) ein Smartphone haben
    3) wissen, wie man einen Akku desselben auflädt
    4) fachlich halbwegs in der Materie sind
    5) ein Gespür dafür haben, *was* man aus einem Vortrag oder Diskussion rausholt – gar nicht so leicht in nur 140 Zeichen.

    Ohne solche Vorbereitungsarbeit tritt exakt der von dir beschriebene Effekt ein, dass der eigene Eventaccount zu „schwach“ ist. Eine gute Agentur zeichnet sich halt unter anderem dadurch aus, dass sie bereits gute Kontakte in die Twitteria hat und so auch eine virale Verbreitung über Leute, die selbst gar nicht live dabei sind (RTs), anstupsen können.

    • hm… danke für deinen Input Thomas! Der Reihe nach. Punkt 1) die kommen sowieso, wir in villach z.B. hatten 900 Leute Punkt 2) das Smartphone haben sie ohnehin mit, darauf brauch ich gar nicht erst zu achten 😉 3) … ich denke das wissen die schon ganz gut 4) fachlich in der Materie bzw. eine gewisse Affinität zum Thema haben die sowieso, warum sonst sollten sie sich die Veranstaltung ansehen? 5) geb ich dir recht.
      Zum Thema Agentur und Viralität: Intressant ist ja, dass die Gespräche auf einem Event stattfinden, ob die Organisation das jetzt aktiv unterstützt, haben will oder nicht, zuhört oder nicht, ist mal ganz egal.