Blogger-Relations – oder die Kunst lustvoll zu scheitern

29. November 2011Ich hatte in letzter Zeit einige Learnings in Sachen Online- bzw. Blogger Relations. Die Frage die sich Unternehmen hier stellt ist, wie geht man heran an die Berührungsgruppen, an die …


Ich hatte in letzter Zeit einige Learnings in Sachen Online- bzw. Blogger Relations. Die Frage die sich Unternehmen hier stellt ist, wie geht man heran an die Berührungsgruppen, an die Evangelisten und sozial media vernetzten Communities? Ist es einfach nur der stets auf dem neuesten Stand befindliche Verteiler, über den man ab und an News oder Probepackungen verschickt oder geht es um mehr? Hier ein paar pesönliche Insights dazu, was funktioniert und was (noch) nicht.

Für den Innovationskongress 2011 war ich für die Online Kommunikation zuständig. Als es auf mein Bestreben hin dann doch ein Innovation-Blog gab, stellte sich die Frage des gezielten Aufbaus von Netzwerkbeziehungen und Links. Gesagt getan. Eine Blog-Parade zu machen kam für mich irgendwie nicht in Frage. Obwohl ich seit vielen Jahren privat und beruflich blogge, sah ich in Blog-Carnevals, -Paraden und dem Stöckchenwerfen, wie es oft genannt und an mich herangetragen wurde, wenig Sinn. Ich tat mir schwer dabei, fühlte mich als Hündchen, ich weiß nicht. Ein paar Mal machte ich wohl mit, ließ es dann aber sein und hatte die Maßnahem auch nicht mehr in meiner gedanklichen Toolbox. Das war ein Fehler!

Der Blog-Carneval entwickelte sich für den Innovationskongress irrsinnig gut. Zuerst wurden Blogs / Blogger definiert, dann per E-Mail kontaktiert. Heraus kamen zehn Blogposts ganz unterschiedlicher Qualität die jedoch allesamt entweder das Innovationsblog oder die Veranstaltung transportieren halfen. Und zwar nicht irgendwo, sondern eben genau in jener Community bzw. Leserschaft, für die Innovationsthemen eine Rolle spielen. Super Sache, da kaum Streuverlust, gegenseitige Wertschätzung, Aufbau von Reputation (für die Veranstaltungsarke), etc. Ein wichtiger Punkt war meiner Einschätzung nach aber auch die Tatsache, dass sich das Mitmachen an der Blogparade lohnte. Schließlich ging es um drei Tickets, die unter allen TeilneherInnen ausgespielt wurden. Regulärer Preis: Über 500 Euro. Ich denke das kann schon motivieren.

Beispiel zwei eines, das aktueller nicht sein könnte. Eine Agentur trat an mich heran und fragte mich, ob ich Social Media Marketing machen könnte für ein spezielles Produkt. Ich sah es mir mal an und sagte schließlich zu. Es geht um ein Kästchen, genauer gesagt ein Lifestyle-Möbel speziell für Teenager. Man kann es für seinen persönlichen Schnickschnack oder auch als „Badezimmerschrank“ verwenden, in dem die Schminksachen Platz haben. Hier ein Video dazu (Zur Info: Video und YouTube Kanal stammen nicht aus meiner Feder).

[youtube=http://www.youtube.com/watch?v=C1cuprkFBI0&w=560&h=315]

Die Agentur dachte ganz schnell über eine Facebook Page nach (und tut es immer noch). Bislang konnte ich sie erfolgreich davon abhalten. Ich schlug eine Influencer-Kampagne vor, recherchierte in einem mir völlig unbekannten Feld (Schminken, Lipgloss, Hello Kitty…), definierte Bloggerinnen und trat via E-Mail (hier die Textbeispiele) an sie heran. Ziel des ganzen war oder besser ist, der Transport des Videos und das Generieren positiver Berichterstattung in den definierten Blogs.

Reaktion bis dato. Gering. Eine Bloggerin meldete sich per Twitter an mich persönlich. Sie hat mich falsch verstanden und reagierte auf meine Antwort nicht mehr. Ich meine was nicht ist, kann ja noch werden. Dennoch habe ich ein paar Fragen, die mir im Kopf herum geistern.

a) kann oder besser darf ich überhaupt zum Thema Beauty, Lipgloss und Kajal sprechen? Oder anders, bin ich ein glaubwürdiger Gesprächspartner für Menschen aus der Zielgruppe 15 bis 25? Ich blaube nicht.

b) Mein Kunde kann das Produkt nicht einfach verschenken. Es kostet über 600 Euro, da es sehr aufwändig produziert ist. Hier gehts übrigens zur Homepage. Es für Testzwecke nach Dortmund zu schicken und zurück, schlägt mit 90 Euro Porto zu Buche. Worauf ich hinaus will: Wie weit kann, soll oder darf man als Hersteller bei Blogger-Relations in Vorkasse gehen? Eine Frage die übrigens auch für den Social Media Berater relevant ist. Inwieweit ist es geschickt, Kunden vorzuschlagen, Dinge zu verschenken? Ist das bei Blogger-Relations ein Muss oder geht es auch anders?

c) Wäre es glaubwürdiger gewesen, sich ein paar Mädels aus der Zielgruppe zu holen und sie vor den Karren zu spannen? Sie womöglich gefakte Kommentare und Bewertungen schreiben lasse oder auf ihren Facebook-Accounts Jubelmeldungen und dafür mit Peanuts zu bezahlen? Dagegen verwehre ich mich. Außerdem ist diese Vorgangsweise zig Male am Online-Pranger gestanden.

d) Was wäre gewesen, hätte ich mich selbst als Teenager, als 15 jähriges Girlie ausgegeben? Nicht sinnvoll und aus ethischen Gesichtspunkten strikt abzulehnen. Siehe Punkt c!

Wie sehen nun meine (vorläufigen) Learnings aus:

1) Blogger-Relations funktionieren gut, wenn man in der Materie drinnen ist, wenn es schon vor der Kampagne Dialogbeziehungen gibt. Das habe ich zwar auch schon auf den Teenie- und Schminkblogs, den dazugehörenden Twitter- und Facebook-Pages gemacht, die Frage ist nur, ob ich hier glaubwürdig bin und genau das glaube ich nicht. bei Innovationsthemen oder meinetwegen im Bereich der OnlinePR bin ich trittsicher und manchem sogar bekannt. Auf Beauty-Blogs hingegen bin ich ein niemand.

2) Blogger-Relations sind pull, niemals push-Aktionen. Dialogpartner können mitunter sehr verschnupft reagieren, wenn sie das Gefühl haben, jemand will ihnen einfach nur etwas verkaufen und sie sagen das dann auch sehr klar. Mit diesem Feedback heißt es gut umzugehen und zu lernen, richtig zu reagieren und die passenden Schlüsse daraus zu ziehen. Ein „Danke wir haben ihr Feedback erhalten…“-E-Mail ist bestenfalls ein Beginn.

3) Glaubwürdigkeit ist bei Blogger-Relations mehr als nur Pflicht, sie ist unabdingbar. Die Frag ist jetzt natürlich, woraus sich meine Glaubwürdigkeit zusammesetzt. Ich denke das ist von Fall zu Fall, von einem Dialogpartner zum nächsten neu zu bewerten. Klar geht immer noch mehr. Jedoch ist mein Track-Record als Berater nicht der schlechteste. Interessiert das aber eine 18 Jährige Beauty-Evangelistin, die heute Probepackungen von Douglas und morgen von DM erhält (hier mal ein YouTube-Beispiel zur Einstimmung auf die Zielgruppe)? Nein, das interessiert sie mit Sicherheit nicht. Für sie setzt sich die Glaubwürdigkeit ihrer Gesprächspartner ganz anders zusammen. Vielleicht ist meine relative Glaubwürdigkeit als Berater genau der Punkt, der mich für sie komplett unglaubwüdig weden lässt. Denkbar wär’s zumindest!

4) Über Blogger-Relations Bescheid zu wissen bedeutet noch lange nicht gute Blogger-Relations machen zu können. Ich denke für mich ein ganz zentraler Aspekt. Das hängt jetzt ein wenig mit Punkt 3) zusammen. Gute und schlechte Beispiele zu kennen und die wichtigen Fallstricke umgehen zu können (z. B. Fakes), das ist die eine Sache. Die andere, im Dialog dann auch wirklich gut zu performen, ernst genommen zu werden, zur vertrauenswürdigen Quelle geadelt zu werden, etc. Und dazu ist mehr nötig, als bloß über die Do’s and Dont’s von Blogger-Relations informiert zu sein.

Mein Fazit. Ich sehe es mal als vorläufig weil sicher noch das eine oder andere Learning hinzukommen wird: Ich kann und sollte zu Themen sprechen, in denen ich zu Hause bin. Hierzu gibt es einige. Darüber hinaus kann ich Unternehmen, Agenturen, etc. beraten, wie sie es tun könnten. Selbst mit Teenagern und Styly-Queens zu kommunizieren, das sollte ich in Zukunft aber besser lassen!

5 Gedanken zu “Blogger-Relations – oder die Kunst lustvoll zu scheitern

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  4. Hallo Maik, danke für den Input. Kontakte sind definitiv ein Thema aber das ganze muss natürlich auch thematisch passen. Was nützen mir z.B. tolle Kontakte zu Technologie-Bloggern mit Schwerpunkt Mobiltelefonie wenn ich Mountainbike-Blogger ansprechen will :) Der Preis ist sicher ein Thema. Ich bin in all diese Dinge nicht eingebunden gewesen, leite das aber gerne weiter.

  5. Haha, ich finde schon ziemlich interessant, dass man eine Zielgruppe um 15 bis 25 definiert, für ein Produkt, welches mit mehr als 500€ zu Buche schlägt. Ich weiß nicht, welche Aussichten damit hat.

    Blogger als Sprachrohr zu nutzen ist definitv eine gute Sache, vorausgesetzt man kennt die Größen der einzelnen Szenen. In der Zeit, wo Blogs in 5 Minuten Ready2Go sind, ist es schwer eben authentische Personen zu finden, welche auch ein authentisches Publikum haben. Ich denke, dass auch hier Kontakte, wie in allen Lebenslagen, das Mittel für Erfolg sind.