Wie umgehen mit Chefs in Social Networks?

17. Februar 2012Bei Natascha Ljubic fand ich gerade folgende Grafik aus einer aktuellen Bitkom-Erhebung. Es geht darin um das Thema wie Community-Mitglieder ihre Freunde auswählen bzw. mit wem sie Verbindungen eingehen. Keine …


Bei Natascha Ljubic fand ich gerade folgende Grafik aus einer aktuellen Bitkom-Erhebung. Es geht darin um das Thema wie Community-Mitglieder ihre Freunde auswählen bzw. mit wem sie Verbindungen eingehen.

Keine Freundschaftsanfragen von Fremden, Politikern und flüchtig Bekannten anzunehmen ist ziemlich einleuchtend, wenngleich es nicht alle so handhaben. Hier möchte ich kurz auf BZÖ (Bündnis Zukunft Österreich)-Obmann Josef Pucher hinweisen, der bzw. dessen Social Media Gurus das Kunstück zuwege brachten, mich auf Facebook ganze drei Mal erfolglos zu frienden…

Heikel wird es dann, wenn Vorgesetzte, Teamführer oder gar CEOs via Social Networks anklopfen und um eine Verbindung ersuchen. Oder auch im umgekehrten Fall, nämlich dann, wenn Mitarbeiter ihrerseits Vorgesetzte „frienden“ wie es neudeutsch so schön heißt. Was tun? Wie wir sehen lehnen es 33% der Befragten ab, Chefs oder Vorgesetzte als „Freunde“ zu akzeptieren. Und haben dafür wohl auch gute Gründe.

Ich habe während der letzten Wochen die Mögichkeit genutzt, mir Unternehmen und deren Art intern mit Freundschaftsanfragen über Social Networks umzugehen anzusehen, habe ein paar Gesäche geführt und interessane Dinge gelernt. Eines gleich vorweg: Für alle Beteiligten ist es ein heikles Thema, das das Potential hat, zu Unsicherheiten, manchmal sogar zu Verstimmungen zu führen. Nachfolgend klassifiziere ich sechs Cheftypen, die ich mir hinsichtlich ihres Verhaltens in sozialen Netzwerken bzw. ihrem Zugang zum Thema Social Networking im Allgemeinen angeschaut habe.

Der Freundliche
Diesen Chef-Typus findet man insbesondere in kleineren Unternehmen. Der Chef ist stets präsent und ansprechbar. Er (natürlich immer auch sie…) nutzt soziale Medien mehr oder weniger intensiv, findet jedoch nichts dabei, wenn ihn Mitarbeiter adden und macht in sozialen Netzwerken auch schon mal selbst den ersten Schritt. Er macht keinen Unterschied ob es jemand „vom Band“ oder jemand aus dem Marketing ist. Er hat sozusagen alle seine Kollegen gleichermaßen lieb, fühlt sich als primus inter pares und zeigt dies auch in Social Networks.

Der freundlich Bestimmte
Dieser Typ Chef lässt sich nicht von jedem seiner Mitarbeiter frienden. Die eine oder andere Freundschaftsanfrage blieb auch schon mal unbeantwortet. Ein Umstand der via Flurfunk bereits die Runde macht. Freundschaftsanfragen von Untergebenen bleiben ab diesem Zeitpunkt meist ohnehin aus. Der Typ freudlich-bestimmt friendet seinerseits Leute aus dem mittleren und oberen Management bei kleineren Unternehmen dann halt Leute wie den Vertriebschef oder die Prokuristin. Zu allen anderen wird meist Abstand gehalten.

Der zurückhaltend Reservierte
Der Typ freundlich-bestimmt und der zurückhaltend-reservierte Typ Chef haben einiges gemeinsam. Der zurückhaltend Reservierte geht mit Freundschaftsanfragen aus dem Unternehmen generell sehr vorsichtig um und wählt sehr genau aus. Wenn überhaupt, so akzeptiert dieser Typ Chef nur noch Leute, die in der Karriereleiter ebenso oder annähernd so hoch gestiegen sind wie er oder sie selbst. Es kommt selten vor, dass dieser Typ in sozialen Netzwerken von sich aus tätig wird. Ist dies doch der Fall, so geht es wieder nur um einige wenige Auserwählte, die der zurückhaltend Reservierte Typ via Social Networks friendet.

Der Unnahbare
Für diesen Typ Chef sollten Soziale Medien oder Social Networking Seiten eigentlich tabu sein, möchte man meinen. Dennoch haben auch solche Chef-Persönlichkeiten Accounts auf Xing, Linkedin oder Facebook.  Chef-Typen dieser Art sind bei der flüchtigen Begegnung im Aufzug ebenso reserviert wie in sozialen Netzwerken. Die wenigen eingegangenen Verbindungen betreffen meist Personen außerhalb des Unternehmens. Freundschaftsanfragen von Mitarbeitern bekommt dieser Typ Chef meist gar nicht erst. Und wenn, er oder sie würde nicht im Traum daran denken diese auch positiv zu beantworten.

Der Neugierige
Eine überaus interessante Spezies Chef in sozialen Netzwerken ist der Neugierige. Cheftypen dieser Art sehen in sozialen Medien eine willkommene Möglichkeit mehr zu erfahren oder besser herauszufinden über Mitarbeiter egal welcher Hierarchiestufe des Unternehmens. Demensprechend häufig sprechen sie Einladungen in sozialen Netzwerken aus und akzeptieren diese auch. Das hier gewonnene Wissen wird gesammelt und auf unterschiedliche Art verwendet. Die Neugier des Chefs in sozialen Netzwerken muss dem einzelnen Mitarbeiter jedoch nicht per se zum Nachteil gereichen. Es kann auch sein, dass Chefs die über diesen Weg gefundene Informationen dazu verwenden, besser auf den Einzelnen einzugehen, ihn zu fördern, näher kennen und verstehen zu lernen.

Der Kontroll-Freak
Jede Verbindung, jede Freundschaft die der Kontroll-Freak innerhalb des Unternehmens eingeht, sichert ihm mehr – erraten – Kontrolle. Um genau die geht es ihm. Deswegen ist es Kontroll-Freaks weitgehend egal, aus welchen Hierarchiestufen des Unternehmens heraus sie gefriendet werden und sie frienden auch aktiv selbst. Dass der Kontroll-Freak die in den Social Networks über seine Mitarbeiter gesammelten Infos dann auch im (Mitarbeiter-) Gespräch einsetzt, hat sich im Unternehmen nicht selten schon herumgesprochen. Mitarbeiter die den Kontroll-Feak bereits zu ihren Kontakten zählen  passen ihre Privacy-Settings mit der Zeit entsprechend an und feilen an ihrer digitalen Reputation, schließlich liest „Feind“ ja mit. Kontroll-Freaks laufen dadurch gerfahr immer weniger und weniger zu erfahren obowhl sie ja mit vielen aus dem Unternehmen verbunden sind. Die vom Kontroll-Feak verschickten Freundschaftsanfragen bleiben meist lange unbeantwortet bzw. werden von Mitarbeitern auf die Lange Bank geschoben. Ausreden wie „Passwort vergessen“ oder „ich bin da so selten, bitte entschuldigen Sie…“ bekommen Kontroll-Freaks immer mal wieder zu hören.

Fakt ist: Soziale Netzwerke bilden die Hierarchie eines Unternehmens nur unzureichend ab. Diesen Umstand sollte sich jeder Chef vor Augen führen wenn er oder sie daran denkt in sozialen Netzwerken ein eigenes Profil anzulegen. Wenn Probleme sozusagen vorprogrammiert sind, würde ich eher dazu tendieren, die Finger vom Social Networking zu lassen. Umgekehrt sind auch Mitarbeiter gut beraten, sich zu überlegen, ob sie Vorgesetzte oder Chefs aktiv frienden bzw. von ihnen eintreffende Anfragen positiv beantworten wollen oder nicht.

Interessant ist auch folgender Punkt: Mir ist bislang kein einziges Unternehmen untergekommen, das Regeln hat oder seinen Mitarbeitern vorschreibt, wen sie zu frienden haben oder ob sie Chefs und Vorgesetzte hinzufügen müssen oder nicht. Ich möchte solchen Regel auch überhaupt nicht das Wort reden, da sie einer Bevormundung des Mitarbeiters und wohl auch einem Eingriff in seine Persönlichkeitsrechte darstellen, der abzulehnen ist. Mitarbeiter sollten sich auf jeden Fall überlegen, welchen Typ Chef sie haben und ob sie diesen zu ihren Verbindungen zählen wollen oder nicht. Ein freundlich „Ach wissen Sie, ich verwende Facebook ausschließlich um mit meiner Verwandschaft in den USA in Verbindung zu bleiben… ich habe gesehen Sie sind auf Xing, wollen wir uns hier verbinden?“ wirkt manchmal Wunder.

5 Gedanken zu “Wie umgehen mit Chefs in Social Networks?

  1. Pingback: Chefs in Social Networks, Zahlen zu Xing, betalab.at [Podcast] - TheAngryTeddy - Social Media, Podcast, Marketing & Beratung

  2. Danke für die Erwähnung, lieber Ed! Finde ich schön, dass du in meine Blogartikeln stöberst du dir neue Ideen für deinen Blog dabei einfallen. Ich blogge am Freitag zu: „22 Wege um Contentideen zu generieren“.

  3. Gute Chef-Einteilung.
    Beim Kontrollfreak fällt mir noch ein, dass diese gerne einmal kontrollieren („monitoren“), ob ihre Mitarbeiter nicht doch einmal in der Arbeitszeit einen Facebook-Eintrag schreiben (habe ich auf diversen CIO Veranstaltungen schon von einigen Chefs als Argument gehört).