Corporate Social Media: Damit Mitarbeiter nicht verstummen

12. März 2012Kennen Sie folgende Situation? Kollegen unterhalten sich angeregt in der Teeküche. Es wird geschwerzt und vielleicht sogar gelacht. Dann öffnet sich die Türe und ein Vorgesetzter holt sich ein Glas …



Gerade noch hat das Web 2.0 Spaß gemacht. Gerade noch war es so selbstverständlich, sich über die Nachrichtenfunktion auszutauschen, Anfragen zu beantworten und das alles. Plötzlich aber ist es eine lästige Plicht und, noch schlimmer, es handelt sich nicht mehr um die persönlichen Freunde sondern um ihrgendwelche Leute, die Fan oder Follower des eigenen Arbeitgebers geworden sind. „Igitt, was soll ich mit denen denn reden?!“, denkt sich der Mitarbeiter und verstummt. Natürlich ist gänzliches Verstummen nicht machbar und deshalb ringt sich der Mitarbeiter von Zeit zu Zeit irgendwelche Status-Updates ab, von denen er selbst nicht überzeugt ist und die sich komisch-fremd anfühlen.

Der Sprung von der privaten Nutzung sozialer Medien dazu, diese für das Unternehmen zu bedienen ist heikel. In diesem Post gehe ich der Frage nach, was es braucht, damit Mitarbeiter diesen Sprung schaffen, sich bei ihrem Tun wohl fühlen können und das Social Media Engagement des betreffenden Unternehmens nicht zuletzt dadurch einen konkreten weil messbaren Mehrwert für das Unternehmen leisten kann. Was also braucht es, damit Mitarbeiter nicht verstummen sobald es um Corporate Social Media geht?

Social Media Guidelines geben Trittsicherheit
Wenn Mitarbeiter keinen Rahmen haben in dem sie sich bewegen können, ist alles was sie tun gleichermaßen richtig und falsch. Ohne Social Media Policy tasten oder besser lavieren sich Mitarbeiter durch die Social Media Kanäle des Unternehmen und müssen bei jedem Klick und jeder Message davon ausgehen, dass sie irgend etwas falsch gemacht haben. Und dann gibt’s natürlich gleich eins auf die Mütze und die Bereitschaft des Mitarbeiters stürzt ins Bodenlose. Je besser der Mitarbeiter weiß, wie sein Engagement auszusehen hat, was es zu erreichen gilt, welches online an den Tag gelegte Verhalten toleriert und welches geahndet wird, desto besser kann er seine Tätigkeit ausführen.

Mehr Wertschätzung für Social Media Verantwortliche
Wenn die Aufgabe an Praktikanten oder ans Backoffice vergeben, oder, noch treffender formuliert, diesem einfach „umgehängt“ wurde, ist ein wichtiger Grundstein für das Scheitern gelegt. Das was Mitarbeiter hier tun muss wertgeschätzt sein. Damit etwas wertgeschätzt werden kann braucht es Bewusstsein für die Bedeutung dessen für die Kommunikation oder das Marketing und damit für das ganze Unternehmen. Wenn das, was Mitarbeiter hier tun (Statusupdates posten etwa, Content zusammenstellen, hereinkommende Anfragen beantworten, etc.) wertgeschätzt wird, dann fühlt sich dieses Tun auch beim Mitarbeiter richtig an. Der denkt dann nicht „ich mach eh nichts Wichtiges“ oder „Mein Arbeitskollege und der Chef wissen eigentlich eh nicht was ich da genau mache und warum“, etc. Ein wichtiger Punkt für das Commitment in Sachen Corporate Social Media.

Denn wir wissen was wir tun – dank Social Media Strategie

Diesen Punkt will ich hier nur streifen aber natürlich hilft das Vorhandensein einer Strategie beim aufrechten Gang. Man kann dann etwa sagen „Ja ich weiß, Plattform XY ist jetzt neu und alle reden davon. Wir haben aber beschlossen dieses und jenes priorität zu behandeln und das tun wir jetzt auch“. Je klarer die Leitlinien des Corporate Social Media Engagements vorgegeben sind, je besser jeder weiß, wann und anhand welcher Parameter von wem gemessen wird, desto einfacher fällt dem Einzenen auch das fokussierte Arbeiten.

Zeitbudget für Betreuung Sozialer Medien
Es klingt banal. Aber wenn die Betreuung sozialer Medien nebenbei passieren soll, ist die Wertschätzung dem einzelnen Mitarbeiter für seine hier zu erledigenden Tätigkeiten nicht annähernd gegeben. Social Media geht nicht nebenbei! Wenn Kollege XY mit einem freundlich aber betimmten „Das geht erst morgen weil ich jetzt  über Facebook hereingekommene Anfragen beantworten muss“ auf Distanz gehalten werden kann, bekommt die Arbeit an den Kanälen des Unternehmens Gewicht. Und wenn sie dieses Gewicht erst einmal haben, ist es weniger wahrscheinlich, dass sie nebenbei betreut werden müssen. Je genauer Vorgesetzte und Chefs sich mit der Materie auseinandergesetzt haben, desto klarer sollte ihnen die Bedeutung dieses Punktes sein.

Chefs und Vorgesetzte gehen mit gutem Beispiel voran
Ich muss sagen, dass dieser Punkt zumindest für mich der wichtigste ist. Ich weiß schon, CEO’s müssen arbeiten, gehören nicht in die Kommuniation, müssen führen können und die Strukturen schaffen. Das alles ist richtig. Richtig ist aber auch, dass es viele viele Unternehmensführer gibt, die ihr eigenes Blog betreiben, an der Facebook-Page des Unternehmens mitarbeiten oder twittern. Ich kann mir nicht vorstellen, dass all die Personen faul, inkompetent oder profilierungssüchtig sind. Ganz und gar nicht! Je stärker sich Chefs, Teamleiter und Vorgesetzte auch selbst für die Erreichung von Social Media Zielsetzungen verantwortlich sehen, und zwar wirklich dadurch, dass man die Ärmel hochkrämpelt und anpackt, desto eher wird das Projekt erfolgreich sein. Deshalb Chefs und Marketing-Verantwortliche rein in den Social Media Workshop, und raus mit den angeblich dummen Fragen an jüngere Kollegen. Weil dadurch zwar niemand sein Gesicht verliert aber dafür alle gewinnen. Und das soll es schließlich sein.

Mir ist klar, dass dies nur einige Punkt sind, die ich während meiner eigenen Beratungstätkgeit so aufgesammelt habe. Es gibt natürlich noch viel mehr Dinge, die man anwenden kann und soll! damit Mitarbeiter nicht verstummen.

Was tut ihr damit sich Mitarbeiter an den Social Media Schalthebeln des Unternehmens wohl fühlen? Was habt Ihr getan, damit der Chef oder CMO auch mit im Boot ist und zu 100% hinter den Social Media Aktivitäten steht? Das wären interessante Learnings!

2 Gedanken zu “Corporate Social Media: Damit Mitarbeiter nicht verstummen

  1. Besonders schlimm ist, wenn der Mitarbeiter, der sich um die Social Media Aktivitäten kümmern soll, plötzlich keine Zeit mehr dafür hat 😉

  2. Besonders stimme ich dem Punkt zu, dass für Social Media Zeitressourcen zur Verfügung gestellt werden müssen. Oft wird erwartet, dass Social Media Aktivitäten. so wie im Privatleben, nebenbei erledigt werden. Das hat natürlich mit Wertschätzung von Social Media insgesamt zu tun.

    Sehr interessant in diesem Zusammenhang die Vorgangsweise der ÖBB bei ihrem Facebookaufttritt. Michael Schacherhofer hat erreicht, dass seine Anfragen um Information im Unternehmen den gleichen Stellenwert wie Anfragen vom Generaldirektor haben. Er braucht diesen Stellenwert um auch wirklich sicher zu stellen, dass er die Fragen auf Facebook wirklich zeitgerecht erledigen kann.