Aufmerksamkeit und Relevanz: Wohin geht Facebook?

20. Juni 2012Was ist mir wichtig? Wer ist mir wichtig? Was sind die wirklich guten Sachen für mich auf Facebook? Sind Facebook seine bald eine Milliarde Mitglieder noch wichtig? Neuerdings glaube ich …


Was ist mir wichtig? Wer ist mir wichtig? Was sind die wirklich guten Sachen für mich auf Facebook? Sind Facebook seine bald eine Milliarde Mitglieder noch wichtig? Neuerdings glaube ich das wieder stärker. Zumindest habe ich heute entdeckt, dass mich Facebook dazu einlädt, jene Freunde zu markieren, von denen ich nichts mehr verpassen möchte. Warum tut Facebook das und welche Überlegungen könnten Marken daraus ableiten?

Public Relations auf Facebook

Facebook gibt mir ein weiteres Werkzeug (neben Freundeslisten, der Möglichkeit Postings zu verbergen, Freunde auszuschließen, etc.), um mein persönliches Profil bzw. meinen Newsfeed so zu gestalten, dass mehr relevantere Dinge bei mir landen, dass ich mehr von dem erfahre, was wirklich wichtig für mich ist. Das ist genau das, was ich gemeint habe als ich sagte, es würde jetzt darauf ankommen was Facebook tut, in welche Richtung sich das Super-Network entwickelt.

Facebook Doppel-Strategie?

So wie ich das einschätze geht Facebook in zwei Richtungen gleichzeitig. Einerseits will es den großen Marken den perfekten Ort bieten hier zu werben bzw. in weiterer Folge Geld auszugeben. In diese Richtung geht was Facebook nach dem jüngst erfolgten Launch der Facebook-Pages Werbekunden in seinen Guides of Success in Aussicht stellt, nämlich

Your Facebook Page is now the richest, most customizable marketing canvas ever created and connects you with people in ways that matter to them.

Die zweite Richtung die Facebook einschlägt, ist jene, es seinen Nutzern noch einfacher zu machen in ihren Newsfeed Wichtiges von Unwichtigem zu unterscheiden. Und was könnte wichtiger sein als die Babyfotos, der Beziehungsstatus oder die Hochzeitsbilder der besten Freunde (die Facebook natürlich kennt)?!

Wohin entwickelt sich Facebook?

Alle Marken wollen in den Newsfeed möglichst vieler Fans. Am besten ohne Facebook bzw. seinen Aktionären gleich Kohle in den Rachen werfen zu müssen dafür. Was nun könnte die Folge dieses Endkampfes um die Aufmerksamkeit des Facebook-Nutzers sein? Hier einige Varianten natürich ohne dem Anspruch auf Vollständigkeit:

a) Facebook liefert das was die Fans wollen. Das Social Network findet also durch Funktionalitäten wie die oben beschriebene „Verpasse die guten Sachen nicht“-Funktion Mittel und Wege seinen Kunden wirklich das zu liefern was sie wollen. Relevante Inhalte nämlich. Alles kann so bleiben wie es ist.

b) Facebook bietet die Nichts-mehr-verpassen-Funktion auch für Brands an. Und die Fans machen davon Gebrauch weil sie es bereits von ihren wichtigsten Freunden her kennen von denen sie nichts verpassen wollen. Was können Marken tun um möglichst „am Fan“ zu bleiben? Mehr Kitt und Beziehungsqualität (Stichwort Online-PR) aufbauen durch relevantere, sich besser an der Lebenswelt und den Bedürfnissen der Kunden orientierende Inhalte.

c) Facebook User üben sich in einer neuen Zurückhaltung. Um den Feed „sauber“ bzw. relevanter zu halten lassen Facebook-Nutzer einfach nicht mehr jeden rein, klicken nicht mehr auf jedes x-beliebige Like, etc. Anzeichen für ein solches Verhalten gibt es in meinem persönlichen Freuneskreis bereits. Wer hat das an sich oder anderen noch beobachtet? Was können Marken tun? Wiederum in die Beziehungsqualität investieren, an ihren Content-Strategien feilen, sich als Social Business auch über diesen Kanal immer angreifbarer, transparenter und offener zeigen und diesen Umstand im daily business also entlang aller Touchpoints auch mit Leben zu erfüllen. Klingt nach Arbeit…

d) Die Apokalypse. Facebook findet das vom Fan gewünschte Gleichgewicht zwischen personal und branced Content nicht und knickt angesichts der immer heftiger geäußerten Wünsche seiner (zahlenden) Werbekunden ein. Facebook kommt Marken zu sehr entgegen die ihre Fans nach allen Regeln der Kuns penetrieren. Die Fans reagieren und wandern ab. Facebook stirbt oder wird von einem Netzwerk xy abgelöst.

Es gibt natürlich auch noch andere Optionen, Mischvormen und Zwischenstufen. Welche anderen Zukünfte zeichnen sich ab? Wo sehen die Leserinnen dieses Blogs Facebook – und damit wohl Soziale Medien generell hingehen, abbiegen und ankommen?

5 Gedanken zu “Aufmerksamkeit und Relevanz: Wohin geht Facebook?

  1. Ich finde a) ganz gut. Facebook und alle anderen großen Plattformen lernen laufend dazu. Bei Twitter lesen auch viele nur mehr die Listen.
    Was machen dann aber die Online Marketing Leute? Wie bekommen sie ein Sternchen oder wie kommen sie auf die Listen?
    Klar nur dadurch, dass sie etwas interessantes auf die Party mitbringen.

    • sehe ich auch so. aber was das anbelangt ist noch großer Lernbedarf da. Viele gehen auf diese Party mit den Worten „mir doch egal wie die mich finden“ oder „ich rede hier was ich will, irgendeiner wird mir schon zuhören“ : ) so in diese Richtung. Storytelling erscheint mir auch hier eine der zentralen Aufgabenstellungen im Bereich der Markenführung und -entwicklung zu sein. Wenn auf einer Party jemand sagt: „Ich muss euch jetzt erzählen was mir heute morgen passiert ist…“ hat er ungezeigte Aufmerksamkeit. Zumindest eine Zeitlang. Storytelling und Social Media ist noch ein ziemlich unbeackertes Feld wobei sich hier viele Fragen stellen, die das Storytelling im klassischen Sinn hier an seine Grenzen stoßen lassen. Neue Konzepte, Ideen und Vorschläge müssen her!

    • das kannte ich noch gar nicht zeigt aber dass auch Facebook die Zeichen an der Wand erkennt. Sieht interessant aus!

  2. Danke für den Beitrag! Der ursprünglicher Sinn und Zweck verliert an Aufmerksamkeit und dadurch leidet die Relevanz. Hoffentlich findet Facebook die Balance, sonst wäre das wahrscheinlich fatal LG