CEO Kommunikation: In Blogs we trust

28. Juni 2012„Wenn es für das Unternehmen gut ist und etwas bringt, dann werde ich dazu die Zeit finden, dann werde ich es tun“, sagte ein CEO neulich in die Runde. Warum …


„Wenn es für das Unternehmen gut ist und etwas bringt, dann werde ich dazu die Zeit finden, dann werde ich es tun“, sagte ein CEO neulich in die Runde. Warum bloggen? Fragt man sich unweigerlich. Warum dieses scheinbar verstaubte Instument aus der Social Media Mottenkiste holen, warum es ins Zentrum einer Social Media Strategie stellen? Und warum es dem am schwersten arbeitendsten Menschen des Unternehmens, dem CEO, umhängen, wo der doch wirklich Wichtigeres zu tun hat? Fragen über Fragen. Ich habe gestern bei Brandfrog eine CEO-Studie gefunden, die Antworten liefert und auch Blog-Kritiker nachdenklich stimmen könnte.

Vorweg vielleicht eine Grafik aus dem aktuellen Edelman Trust Barometer 2012. Es hat sich wieder mal angesehen, wem genau wir vertrauen und warum. Ein zentrales Erkenntnis daraus:

Der CEO rutscht als vertrauenswürdige Auskunftsquelle eines Unternehmens ab. Aber ist das nicht völlig egal? Muss ein Manager wirklich Vertrauen aufbauen können oder geht es nicht vielmehr darum, dass die Zahlen stimmen und alles möglichst überschaubar und schlank bleibt? Ich denke nicht. Man braucht nur die Glotze aufzudrehen und man hört von Euro-Rettungsschirmen und in einem der nächsten Sätze heißt es dann auch schon „… nicht sicher ob durch die Finanzspritze das Vertrauen in die Märkte wiederhergestellt werden kann…“, etc. Vertrauen ist so allgegenwärtig wie nie zuvor.

Vertrauensökonomie: Wer vertraut wem und warum?

Vertraut mir mein Partner noch, mein Investor, meine Anleger, mein Büropartner? Und in weiterer Folge: Was kann icht tun um Verttauen herzustellen, aufzubauen zu kapitalisieren? Wer genauer hinsieht, erkennt: Vertrauen ist überall. Es fungiert als Kitt wenn es darum geht, Sicherheit zu haben oder eben nicht. Und hier spielt auch der CEO und sein vorhandenes oder eben nicht vorhandenes Kapital an Vertrauen eine Rolle. Hat er dieses Vertrauen, so wird es ihm oder ihr leichter fallen, MitarbeiterInnen mitzunehmen durch den Wandel, in dem sich Unternehmen nun mal dauerhaft befinden. Hat er es nicht, so ist er ein schwacher Chef. Man folgt ihm nicht, man versteht ihm nicht und vertrauen kann man ihm schon überhaupt nicht. Aber nun zurück zur Studie und ihren Aussagen hinsichtlich des Einsatzes Sozialer Medien in den Chefetagen dieser Welt.

Wer will ihn nicht haben, diesen „highly connected“-Typen als Chef. Der gut ankommt hier und gut kann mit dem? Der sozusagen Türen aufmachen kann, der gleich verstanden wird, dem man gerne folgt und leicht vertraut? Nach Meinung der Studienteilnehmer sind Chefs die Social Media nutzen dazu in er Lage einfachere und bessere Verbindungen zu Konsumenten, Angestellten und Investoren herzustellen als solche CEO’s, die diese Werkzeuge nicht verwenden, darüber nicht angesprochen oder wahrgenommen werden können.

Interessant auch die Auswirkungen die die Nutzung sozialer Medien für den CEO haben soll: Für 78% kommunizieren Chefs besser, für 64% stellen sie so mehr Transparenz her, für 45% führen sie sogar besser. Wo sind die Leute die jetzt aufscheien. Wo sind die „Hääääää??!“-Sager die ins Treffen führen, dass diese Outcomes im „harten Wirtschaftsleben von heute“ doch gar keine Platz haben dürfen, ein Synonym sind für schwache Chefs? Ich kann sie hören!

Andererseits höre ich auch die neue Workforce. Leute, die lange Ausbildungszeiten hinter sich gebracht haben, die sich als Wissensarbeiter verstehen, die sich ihre Jobs vielleicht sogar aussuchen können, die über große soziale Netzerke verfügen. Und wenn man diese Leute fragt, sie sagen einem immer das gleiche. Ihnen gehts um Transparenz, um das Thema Unternehmenskultur, um Werte, um eine gute interne Kommunikation, um das Klima. Klar ist Geld auch ein Thema. Aber aben bei weitem nicht das Wichtigste. Was beispielsweise hilft mir diese Kohle, wenn ich in einem Unternehmen arbeite, das mich geistig unterfordert und dessen Führung reflexartig jedem um sich herum mit einem Maulkorb ausstaffiert, weil die Crew Angst vor Widersrpuch und Ablehnung hat? Solche Unternehmen mit einer richtig schönen Kultur des Misstrauens werden es bald sehr schwer haben, gute Leute zu finden und an sich zu binden.

Nach außen zu kommunizieren ist leicht!

Die Chefs an der Spitze solcher Unternehmen (schönes Bild übrigens) werden sich ohnehin schwer tun mit dem Teilen von Information, mit dem Plaudern ber das „warum“ des Unternehmens und seiner Werte. Nach innen und außen gleichermaßen. Wobei… nach außen zu kommunizieren ist doch immer noch super einfach, oder?!

Nein! Nach außen zu Kommunizieren ist nur dann leicht, wenn es Unternehmen im Grunde genommen egal ist, ob es die Bedrüfnisse seiner Kunden, Fans, Follower, Aktionäre, wie immer gearteten Dialogpartner trifft oder nicht. Und weißte was? Genau so läuft es. Genau das sagt die oben gezeigte Grafik.

Nach außen zu kommunizieren ist schwer!

Unternehmen und da schließe ich die UnternehmER (weiblich/männlich) mit ein, haben sich mittlerweile daran gewöhnt, zwischen dem, was sie nach außen sagen, und dem, was draußen ankommt, eine satte Kluft zu haben. Es ist mehr oder weniger Common Sense, die Bedürfnisse der Dialogpartner nicht zu treffen und dies nicht nur in Ausnahmefällen sondern im Regelbetrieb! Ist das gut? Ist das normal? Ist das heute einfach so? Oder könnte es auch anders laufen, nämlich so, dass die Erwartungen an das Unternehmen von diesem übertroffen werden?

Der Clou: Erwartungshaltungen überfüllen!

Das wäre doch mal was! Aber wie geht das? Durch aktives Zuhören alleine? Durch Bloggen? Wohl kaum. Wenngleich ein bloggender, ein twitternder CEO bzw. ein CEO, der über diese Kanäle a) erreichbar und b) ansprechbar ist, schon auch ein schönes Zeichen sein kann, das auf eine entsprechende Unternehmenskultur schließen lässt.

Gehen wir einen Schritt weiter. Für 82% der Befragten ist es wahrscheinlicher bzw. wesentlich wahrscheinlicher einem Unternehmen zu vertrauen, dessen Führungsriege über soziale Medien über ihre Aufgaben, Ziele und Werte spricht. Nicht in Form eines Mission-Statement im Intranet ausgearbeitet von der neuen PR-Agentur! In Form eines Living-Papers, in Form eines Blogposts mit geöffneter Kommentarfunktion!

Warum sind gute Blogs aus dem C-Level so selten?

Ich mach hier mal stopp. Ich denke, dass ein gute geführtes CEO-Blog in Österreich oder Deutschland noch immer die große Ausnahme ist. Ich frage mich warum und auch wie lange dies noch der Fall sein wird. Ich frage mich ferner, wie lange der Run von Unternehmen in die Quantität (Facebook-Fans, Likes, Kommentare) noch anhalten kann, bevor es zur großen Rückbesinnung kommen wird. Haben Leute aus der C-Suite einfach zu viel um die Ohren, erachten sie das Thema einfach nicht als wichtig genug weil so viel andere Dinge ebenfalls wichtig sind? Nehmen CEO’s ihre Vorbildwirkung etwa subjektiv ganz anders wahr als Personen von außen? Kann sein. Welche weiteren Gründe sind schuld daran, dass so wenige Chefs die Chancen ergreifen, die Soziale Medien bieten?

Vor ein paar Jahren hat es geheißen, Blogs fühlten sich an wie 1999. Ja vielleicht. Ein gutes verstandenes und noch besser geführtes Corporate Blog bzw. CEO Blog kann meiner Meinung nach die Türen zu einem nachhaltigen Change aufstoßen und für CEO’s ein mächtiges Werkzeug sein, dass ihnen dabei hilft, besser zu verstehen, besser zu kommunizieren und den Wandel aktiv zu unterstützen.

 

 

 

3 Gedanken zu “CEO Kommunikation: In Blogs we trust

  1. Pingback: punktefrau » Blog Archive » Perlen der Woche (weekly) » punktefrau

  2. Das ist eine sehr hilfreiche und differenzierte Reflexion über die Bedeutung von CEO-Blogs, aber auch über den Wert guter, authentischer CEO-Kommunikation generell. Warum diese Themen im Top-Management heute oft unterschätzt werden, hat aus meiner Sicht teils infrastrukturelle, teils politische Gründe. Wenn man überlegt, wie ein CEO zum CEO wird, so stehen die Werte wie Glaubwürdigkeit, Transparenz, Authentizität, aber auch die persönliche Markenstärke durch Kompetenez und interessante Themen – sprich: all das, worauf ein CEO-Blog einzahlt – nicht im Vordergrund. Wenn man überlegt, wie ein CEO CEO bleibt, dann sollte erlebbare Kommunikationsstärke, beispielsweise durch einen CEO-Blog, an Gewicht gewinnen. Ich vermute, dass sich CEOs künftig intensiver um ihre Kommunikationsfähigkeit und -akzeptanz kümmern werden. Damit werden vermutlich auch CEO-Blogs neu betrachtet werden.

    • danke für den tollen Input. CEO werden ist das eine, CEO bleiben das andere. Da hast du wohl absolut recht. Andererseits ist das Umschalten „jetzt bin ich CEO und muss auch Kommunikationsstärke beweisen“ schwer sein dürfte wenn es bislang kein sonderlich wichtiges Thema dargestellt hat. Auch glaube ich, dass es unter Managern aus dem C-Level häufig noch zu wenig Bewusstsein in Richtung Kommunikation gibt. Kommunikationsfähigkeit und Akzeptanz einerseits vor allem aber auch das Thema der CEO als Kommunikator. Dieses Thema ist leicht an die PR-Abteilung delegiert und der Chef hat die Hände frei für die wirklich wichtigen Dinge. Wenn ich über Strategie nachdenke frage ich nach den Digen, über die man sich (von anderen CEO’s oder dem Mitbewerb) abheben kann. Und hier glaub‘ ich einfach, dass ein vernetzter, sprechender, ansprechbarer CEO einen solchen Wettbewerbsvorteil darstellen bzw. für sein Unternehmen herausholen kann.