Storytelling: Renault setzt auf Nostalgie

11. Juli 2012Wir lieben Geschichten. War so und wird wohl auch immer so sein. Unternehmen die Geschichten erzählen bzw. Unternehmen, für die Geschichten und damit Storytelling ein Fundament ihrer Kommunikation darstellt, sind …


Wir lieben Geschichten. War so und wird wohl auch immer so sein. Unternehmen die Geschichten erzählen bzw. Unternehmen, für die Geschichten und damit Storytelling ein Fundament ihrer Kommunikation darstellt, sind gefordert, diese Geschichten auch in die neuen „social“ Kanäle hineinzutragen. Hier gibt es jedoch ein paar Probleme.

a) Wer liest heute noch Blogs? Klar eignen sich Blogs gut zum Erzählen von Brand Stories. Wer aber quält sich durch lange Texte und ringt sich unten dann noch ein Kommentar ab? Heute spielt die Musik doch auf Facebook!

b) Facebook Nutzer wollen es kurz und knapp. Wenn die Musik angeblich auf Facebook spielt (und hier nicht auf der Fanpage sondern in den Fleckerlteppich-Streams der Fans, in denen Marken mit Babybildern und Urlaubsfotos konkurrieren) stellt sich die Frage wie man zusammenängende Geschichten hier unterbringen kann. Hier kommt die Medien Bild und Bewegtbild ins Spiel und stellen schon mal eine ganz gute Lösung dar. Bewegtbild vor allem eignet sich besonders gut zum Erzählen von Geschichten.

c) Gutes Bewegtbild kostet Geld. Ja klar. Und wenn man nicht das Glück hat eine Videoagentur an der Hand zu haben, die etwas mit dem Begriff Storytelling anfangen kann, ist man aufgeschmissen. Klar gehört eine Story in jedes gute 2 Minuten Youtube-Drehbuch. Vielen Unternehmen bzw. ihren Video-Dienstleistern gelingt diese aber trotzdem nicht. Geschichten müssen dazu in der Lage sein, Envolvement, also persönliche Berührtheit auszulösen, müssen den Konsumenten hineinziehen in die Handlung, ja mehr noch, ihn dazu befähgien, selbst Teil der Handlung zu werden oder sich zumindest so zu fühlen. Das ist ganz schön viel.

Gut gelöst hat viele dieser Fragen Renault Niederlande. Jaja das sind die Leute, die auf der Großglockner-Hochalmstraße vier Meter zurückrollen und so Auffahrunfälle verursachen, weil sie im Österreich-Urlaub das erste mal die Handbremse benützen müssen ; ) sorry, ist mir dummerweise genau so passiert. Aber zurück zum Thema!

Die Geschichte geht so: Oma Hilda hat einen alten Renault 4. Ein sowas von schnuckeliges Auto, mein verstorbener Onkel hatte so eines in Weinrot… Das mein‘ ich übgrigens mit Envolvement. Der Zuhörer beginnt unweigerlich damit, eigene Geschichten abzurufen. Und jeder hat bekanntlich Geschichten. Und wenn sie nur so lautet, dass man den alten Renault ganz schnuckelig findet… Das macht gute Geschichten aus, dass der Zuhörer hineingezogen, Teil der Handlung wird, die Synapsen einfach zu zucken beginnen. Das Unternehmen stellt sozusagen nur den Stimulus bereit und die (persönliche) Geschichte nimmt ihren Lauf… Wieder zurück!

Da Oma Hilda schon ziemlich betagt ist, verschenkt sie die Karre. Problem: Die findet die Schlüssel nicht mehr. Aufgabe für die Facebook-Gemeinde: Schlüssel suchen und finden. Das wurde über Tagging gelöst. User konnten in Omas Küche und Garage Markierungen anbringen, wo sie die Schlüssel vermuteten. Schließlich gab es einen Gewinner. Auf Facebook wurde das ganze zwischen 11. und 30 April mit Videos begleitet und wurde von den Fans begeistert angenommen.

Ich finde die Aktion umgesetzt übrigens von Dorst&Lesser sehr gelungen. Die Story ist einfach, erklärt sich von selbst und ist damit einfach teilbar. Auch abseits von Likes und Shares. Die spielt auch an auf nostalgische Gefühle jedes einzelnen Betrachters, ähnlich wie es die Getränkemarke Radlberger „Ein Sommer wie damals“ tut.

Im Zentrum der Renault-Story steht eine Heldin, die zwar nicht mehr fahren kann aber immerhin etwas zu verschenken hat. Jetzt ist Envolvement bzw. aktives Engagement gefragt, Mitmachen, jetzt! und patsch, ist der passive Betrachter über die Story aktiviert.

Storytelling ist schon länger auf meinen Radar. Doch erst durch ein paar Bücher und Slideshare-Folien wurde ich in den letzten Wochen entgültig sensibilisiert. Ich habe für mich eine nach oben offene Ed-Skala entwickelt. Wenn ich Storys, vornehmlich Videos, sehe, bei denen ich stellenweise aus dem Stand losheulen könnte, dann ist das für mich ein Zeichen dafür, dass die Macher hinter der Geschichte storytelling-technisch einen perfekten Job gemacht haben. Mir fallen hier immer die Worte ein, die ich leider nicht mehr zuordnen kann. Sie lautet schlicht und ergreifend MAKE ME CARE. Das sagt im Grunde alles. Und diesen Ansrpuch sollte jeder Geschichtenerzähler, jeder Storyteller ob im corporate Umfeld, am Stammtisch oder privat zu Hause berücksichtigen. Wenn er oder sie das tut, liegt die Latte schon mal extrem hoch. Die gute Story wird folgen.

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