Olympia 2012: Social Media Maulkorb für alle

12. Juli 2012Nicht mehr lange und das olympische Feuer wird entuzündet. Sportler aus der ganzen Welt werden sich in London versammeln und unter dem Motto citius, altius, fortius in fairen Wettkämpfen gegeneinander …


Nicht mehr lange und das olympische Feuer wird entuzündet. Sportler aus der ganzen Welt werden sich in London versammeln und unter dem Motto citius, altius, fortius in fairen Wettkämpfen gegeneinander antreten. Strahlende Gewinner und begeisterte Besucher in den Stadien sind vorprogrammiert. Aber Vorsicht! Zu sehr sollten Athleten und Zuseher ihrer Begeisterung dann doch nicht nachgeben.

Und dies schon gar nicht in sozialen Medien. Die Social Media Guidelines (pdf.) die das Olympische Komitee hierfür ausgegeben hat sind nicht nur haarsträubend und widersprechen der olympischen Idee. Sie stehen synonym für den aussichtslosen Kampf etablierter Intitutionen und vor alle der Werbewirtschaft, die sich 2012 in einem neuen Kommunikationsraum zurechtfinden müssen und dafür Regeln aus dem vorigen Jahrhundert verwenden. Ein Beispiel:

Athlet A darf, sofern ich richtig verstehe, auf seinem Blog nicht sagen. „Ich sitzen hier mit Athlet B und esse gerade eine Pizza“.

Unser Athlet A darf also keine Bilder von Wettkämpfen auf seine persönlichen Social Media Seiten stellen.

Video und Audio wird wie Fotomaterial behandelt. Nix geht. Soviel mal zu den Athleten. Aber die sollen eh nicht mit ihren iPhones rumspielen sondern Medaillien nach Hause holen, ihr Land stolz machen und all das. Konzentration meine Damen und Herren!
Wie aber sieht es mit den Besucher der Olympischen Spiele aus? Ganz schlecht. Mit dem Erwerb eines Tickets haben sie sich unter anderem hiermit einverstanden erklärt:

“Images, video and sound recordings of the Games taken by a Ticket Holder cannot be used for any purpose other than for private and domestic purposes and a Ticket Holder may not license, broadcast or publish video and/or sound recordings, including on social networking websites and the internet more generally, and may not exploit images, video and/or sound recordings for commercial purposes under any circumstances, whether on the internet or otherwise, or make them available to third parties for commercial purposes.”

Es steht die Befürchtung im Raum, dass es sehr still werden könnte um die Olympischen Spiele in London. Warum? Na weil sowohl Sportler als auch Zuseher einen Maulkorb verpasst bekommen. Während vorangegangener Spiele war das Thema Social Sharing noch kein sonderlich großes. Jetzt ist es andes und es winkt die ganz große Kohle. Andererseits wollen auch Sponsoren etwas für ihr Geld. Ist klar. Dennoch wundere ich mich darüber, dass Unternehmen, die sich in sozialen Medien so kommunikativ zeigen, ihren Fans hier auf Augenhöhe und zuhörend begegnen solchen Regeln des IOC ihre Zustimmung erteilt haben. Wir reden hier etwa von Procter&Gamble, Samsung, Visa, Adidas, BMW oder British Petrol. Wobei BP die Freude an ihrem Olympia Engagement nach diesem üblen Scherz ohnehin schon vergangen sein dürfte…

Was ich schade finde, ist die rüde Art, mit der das IOC hier vorgeht. Dass sich Facebook, Twitter und die Fernsehanstalten nach der kommerziellen Decke strecken wundert mich wenig. Hier werden unter Hinweis auf Sponsoreninteressen Regeln aufgstellt, die einfach nicht mehr zeitgemäß sind. Man möchte über das ganze Thema so viel Kontrolle wie möglich. Also bitte in den Olympic Hub marschieren und hier zentral die Info konsumieren die das offizielle Olympia bzw. der einzelne Athlet bereitstellt… Wie viel Kontrolle ist hier dann überhaupt noch möglich?!

Menschen haben die Werzeuge über die sie sich mitteilen, über die sie Inhalte jeder Art teilen können und wollen. Die Politik die hier seitens des IOC eingeschlagen wird verkennt diese Realität oder – noch schlimmer – nimmt sie nicht ausreichend wahr.

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4 Gedanken zu “Olympia 2012: Social Media Maulkorb für alle

  1. Die Frage, die sich mir hier stellt – wie will das IOC der Flut von Fotos und Videos von den Spielen, die es so oder so geben wird mit diesen Guidelines begegnen? Jeden abmahnen, der etwas Online stellt? Na viel Spaß!

    Das kommt mir wie ein zahnloser Hund vor, der viel kläfft, ansonsten aber nichts tut 😉

    • Die Exekution dürfte wahrlich ein Thema sein. Was man so hört haben die jedoch Heerscharen von Juristen genau für diesen Zweck eingesetzt. Vor allem um die Spielstätten herum weden die Trittbrettfahrern auf die Finger klopfen. In den Ländern sind die Nationalen Olympischen Komitees zuständig Rechtsverstö0e zu ahnden. Sachen wie diese hier stellen imho aber schon einen Regelverstoß dar https://www.facebook.com/Suedtirolympia2012

  2. Bei Veranstaltungen kommt es ja zu immer unverschämteren Regeln, denen man sich unterwirft – so darf man selbst kein Foto machen, der Veranstalter darf vom Publikum sehr wohl Aufnahmen machen und diese kommerziell verwenden. Und dafür bezahlt man auch noch Eintrittsgeld!