Fans kaufen aber richtig!

31. Juli 2012Dass es nichts bringt, Fans zu kaufen, ist common Sense. Dennoch können Unternehmen dem Reiz vieler Fans auf Facebook, GooglePlus oder Twitter oft nicht widerstehen. Sie haben keine Zeit, müssen …


Dass es nichts bringt, Fans zu kaufen, ist common Sense. Dennoch können Unternehmen dem Reiz vieler Fans auf Facebook, GooglePlus oder Twitter oft nicht widerstehen. Sie haben keine Zeit, müssen Zahlen vorweilsen, den Launch der Seite künstlich anschieben, wollen Breite, verwechseln Social Media mit Push-Kommunikation, warum auch immer.

Was also tun, wenn der Chef Zahlen sehen will, die sich über die normale und fotgeschrittene Nutzung sozialer Medien nicht erreichen lassen? Und was tun, wenn im Unternehmen die Entscheidung bereits gefallen ist, Fans zu kaufen? Dieser Post soll für diesen Fall eine Handlungsanleitung bzw. Diskussionsgrundlage darstellen. Ich bin jedoch wie wahrscheinlich viele andere gegen das Kaufen von Fans und habe es Kunden weder empfohlen noch jemals persönlich getan.

Welche Anbieter gibt es
Grob eingeteilt zwei Arten von „Dienstleistern“. Typ eins verkauft Facebook- oder Twitter-Fans z.b. pro 1.000 Stück um 20, 30 oder 70 Euro. Je nach dem. Der Interessent nennt die URL der Fanpage, überweist zumeist via PayPal auf ein Konto und während der nächsten Tage und Wochen schnellt die Zahl der Fans wie von Zauberhand in die Höhe. Vielerorts sind die Herausgabe der Nutzerdaten bzw. das Zurückfolgen (auf Twitter) nicht mehr nötig. Die Facebook- oder Twitter-Nutzer sind Fakes, sprich künsltlich angelegte Nutzer, die dann auf Kommando liken.

Der andere Typ Anbieter arbeitet mit persönlichen Profilen oder Gruppen. Diese werden angelegt und frienden dann wahllos andere Nutzer. Das sind dann z.B. Facebook-Nutzer die dann 4000 Freunde haben oder mehr jedoch nur zwei Updates haben. Sobald das Profil dann mit genügend Nutzern gefüllt ist, werden Links gepostet, wird die Person dann zum Admin einer x-beliebigen Fanpage und lädt alle ihre Kontakte dazu ein die Seite zu liken. Solches Tun bleibt Facebook nicht verborgen. Die sperren dann den Account und wollen einen Ausweis sehen, um so zu wissen, dass es sich dabei um Personen aus Fleisch und Blut handelt. Aber die „geschickten“ Dienstleister haben auch daran gedacht. Sie haben sich die Identität einfach ausgeborgt und haben somit auch den Personalausweis parat. Wer sich als Unternehmen zu solchen Praktiken entscheidet, geht ein hohes Risiko, das er selbst (!) zu tragen hat. Sich im Falle einer Sperre des Accounts durch Facebook oder Twitter an den Dienstleister zu melden hat zumeist wenig Sinn bzw. führt zu Streitereien, während der Schaden eh schon passiert ist.

Sichern Sie sich unbedingt ab
Machen Sie ihre Chefs und Vorgesetzten darauf aufmerksam, dass die Anbieter Tricks verwenden, die den AGB’s von Facebook, Twitter & Co zum Teil massiv widersprechen. Die Folgen, die solche Verstöße mit sich bringen können reichen von Verwarnungen bis hin zur Sperre von Benutzern oder Seiten. Kaufen Sie Fans wenn überhaupt nur dann, wenn Sie jemanden haben, der dafür im Unternehmen den Kopf hinhält, sprich die Verantwortung trägt. Klar und deutlich und von vorne herein. Gibt es diesen jemanden nicht, weigern Sie sich hartnäckig und sprechen Sie die zahlreichen Beispiele an, in denen Fakes aufgeflogen sind.

Vermeiden Sie extreme Sprünge
Vor allem bei Twitter ist es irrsinnig leicht, sich das Fanwachstum anzusehen. Tools wie Twittercounter oder AllFacebook Stats liefern ein recht eindeutiges Bild. Aus diesem Grund gilt es extreme Sprünge unbedingt zu vermeiden wenn Sie als Marke unter dem Radar bleiben wollen. Zu Beginn ist es besser, wenig Fans auf einmal zu ordern. Zwar liken diese Ihre Seite oder Ihren Account erst im Verlauf von einigen Tagen. Dennoch ist es besser hier nicht zu gierig zu sein und Fans zu tausenden auf einmal zu kaufen.

Vorbereitung ist alles
Nichts bleibt verborgen. Und eine große Anzahl indischer, pakistanischer oder chinesischer Fans wirft bei fortgeschritteneren Social Media Nutzern Fragen auf. Wie kommt es zu diesen Fragen? Wenn jemand der z.B ein paar Tausend echte Verbindungen auf Facebook hat eine Facebook-Page mit ebenfalls ein paar Tausend Fans likt, ist die Möglichkeit groß, dass es auch schon andere Personen aus dem eigenen Freundeskreis gibt, denen diese Seite gefällt. Wenn jedoch niemand diese Seite gelikt hat und damit niemand im Feld „Freunde denen das gefällt“ auftaucht fragt man sich schon, womit dies zu tun haben könnte. Auch könnte ein extremes Mißverhältnis zwischen der Anzahl der Fans einer Seite und der Zahl der Personen die darüber sprechen, ein Indiz darstellen, dass hier nicht alles mit rechten Dingen zugeht. Vorsicht ist also geboten.

Reaktion im Krisenfall muss „sitzen“
Sie sind enttarnt. Blogger XY deckt den Fall auf. Online Medien reagieren und schon steht das Unternehmen in der Zeitung. Dumm gelaufen! Wenn es im Unternehmen jedoch eine strategische Entscheidung für den Kauf von Fans gegeben hat (siehe „Sichern Sie  sich unbedingt ab“) dann muss es für den Fall des Entdeckt-Werdens auch einen Plan B, sprich, eine vorbereitete Antwort, eine Argumentation oder dergleichen geben. Wenn nicht, dann wird es jetzt haarig und wohl auch peinlich. Ich empfehle, dass Community-Manager, Marketing- und Kommunikationsabteilung von Anfang an in die Kaufabsicht eingeweiht und für den D-Day, spricht den Tag, an dem die ganze Sache auffliegt, vorbereitet sein müssen. Es muss sichergestellt sein, dass es dann kein Wegducken oder Durchtauchen geben kann, sondern dass es eine geordnete und (im Vorfeld) durchdachte Krisenkommunikation geben muss.

Erwarten Sie sich nichts!
Erwarten Sie sich von gekauften Fake-Fans auf keinen Fall zu viel!. Stellen Sie diesen Umstand bei den Vorgesetzten klar, sodass ausgeschlossen werden kann, dass man sich von mehr Fans auch mehr Engagement oder die Erreichung anderer qualitativer oder quantitativer Parameter (KPI’s) erwartet. Das sollten Sie nämlich nicht tun. Fake Accounts interagieren mit der Page nun mal nicht. Außerdem: Für 30 Euro sollte man sich wirklich auch nicht zu viel erwarten!

Reputationsschaden einkalkulieren
Bedenken Sie unbedingt auch, was das Auffliegen für die Reputation des Unternehmens bedeuten könnte. Ist es von seinem Image her stabil aufgestellt oder könnte ein Facebook-Flop einen mortalen Vertrauensverlust bedeuten? In letzterem Fall absolut Hände weg von gekauften Fans oder falschen Freunden!

Aber nochmal: Die vorangegangenen Punkte sind nur dann anzuwenden, wenn die (falsche) Entscheidung für den Zukauf von Fake-Fans bereits gefallen ist. Immer besser fahren Unternehmen und Marken dann, wenn Sie ihre Online Kommunikation langfristig planen und umsetzen. Solche Unternehmen entwickeln erfahrungsgemäß auch nur sehr selten Begehrlichkeiten in Richtung kauf von Fans.

Weitere interessante Artikel zum Thema:
Facebook-Fans kaufen bringt nichts!
Should you buy Facebook Fans? Maybe not…

 

12 Gedanken zu “Fans kaufen aber richtig!

  1. Herr Detlef, wie sind Ihre längerfristigen Erfahrungen damit? In deutschsprachigen Börsen halten sich ja angeblich nur sehr wenige Nutzer auf. Mir hat jemand addmefast empfohlen – http://bit.ly/10FlCjR

    Dort herrscht angeblich sehr viel Aktivität und Lokalisierung ist möglich – aber mich würd interessieren, wieviele deutschsprachige Nutzer sich dort aufhalten?

  2. Hallo! Also ich persönlich halte nicht viel vom Fankauf … für mein kleines Webprojekt habe ich kostenlose alternativen wie zum Beispiel http://www.fanswap.de genutzt. Das reicht völlig aus um einen gewissen Grundstock an Fans aufzubauen und um danach mit der natürlichen Fangenerierung mit Gewinnspielen auf der eigenen Facebookseite usw. durchzustarten!
    lg
    Detlef

  3. Der Artikel liest sich so, als wurde EdgeRank überhaupt nicht verstanden. Das ist schlecht und schädlich.

    Wenn Fans kaufen nicht schädlich wäre, könnte man das vielleicht so stehen lassen. Es schadet aber nicht nur der Reputation, sondern ganz konkret der Reichweite (man erreicht auch die echten Fans danach schlechter).

    Man muss dem Chef in erster Linie erklären, dass er mit dem Kauf von Fans seinen EdgeRank in Facebook (beispielsweise) absterben lässt. Somit auch die Reichweite der Fanseite. Obwohl man viele Fans hat, wird die Fanseite wirkungslos sein, weil Facebook abbremst (weil die Fans nicht genug interagieren).

    • Hallo Herr Steiner, ich gönne mir mit diesem Blog die Freiheit nicht alles verstehen zu müssen bin aber gerne bereit dazu zu lernen (Edgerank) und nehme Ihren Hinweis „Fans kaufen schadet der Reichweite“ dankend auf. Ich habe das noch nie im Zusammenhang gesehen und bin jetzt klüger. Was schlecht und was schädlich ist, das ist subjektiv und liegt im Auge des Betrachters. Ihren Tweet https://twitter.com/samsteiner/statuses/233932320632090625 insbesondere den abschätzigen Hinweise „PR-Mensch halt“ finde ich entbehrlich, da er eine ganze Branche verunglimpft. Ich sehe unsere Unterhaltung positiv und kann mich jetzt ein wenig tiefergehend mit dem Thema Edgerank auseinandersetzen. Zweifellos auch für PR-Treibende ein interessantes Feld!

      • Ich habe in meiner Tätigkeit oft Überschneidungen, mit PR-Agenturen, die sich als Social Media affin geben wollen (gegenüber ihren Kunden) und verstehen dann das zentrale Grundprinzip hinter der Reichweite in Facebook nicht, den EdgeRank.

        Nach dem ersten Satz „Dass es nichts bringt, Fans zu kaufen, ist common Sense.“ müsste dringend stehen: „Dass es Ihrer Reichweite Schaden zufügt, ist vielen Unternehmen nicht bekannt“.

        Mein „PR Mensch halt“ ist vielleicht etwas provokant (sorry), bezieht sich aber auf die, die sich im Thema Social Web aufspielen – und ihren Kunden somit schaden.

        EdgeRank ist in Facebook das, was vor jedem Schritt eines Unternehmens auf der Plattform verstanden sein muss. Ohne diese Basis kann eine „Facebook-Strategie“ nur im Glücksfall funktionieren. Meistens ist das gezogene Fazit aber: „Facebook funktioniert in unserer Branche nicht“ und Potential wird dann an die Konkurrenz abgegeben (die es oft aus Unwissen zurzeit auch nicht besser macht).

        Das Grundprinzip von EdgeRank ist: Facebook misst die Interaktionsraten, um zu bestimmen, ob man eine höhere oder tiefere Reichweite erhält. Kauft man Fans, interagieren diese nicht oder nicht auf natürliche Weise. Facebook wird darauf basierend diese Fanseite als tendenziell uninteressant einstufen und die Beiträge immer weniger der Fans anzeigen.

        Ich hatte mal einen Versuch gewagt, EdgeRank möglichst kurz zu erklären (ist vielleicht zu kurz geraten): http://webwirksam.ch/edgerank-kurz-erklart–1509/

        (dass man nicht Inhalte von allen Freunden und „befanten“ Firmen angezeigt kriegt in Facebook, müsste inzwischen bekannt sein)

  4. Pingback: Social Curation :: B2B Social Media :: August 2012 1.0 | DoSchu.Com

  5. Bin etwas überrascht. So insgesamt liest sich dieser Beitrag so, als würdest du das Kaufen von Fans durchaus empfehlen. „Es gibt zwar einige Risiken, aber wenn man gut vorbereitet ist, dann ist das kein Problem“.

    Bleibt aber immer noch die Frage, was es bringt. Die Fake Fans werden weder etwas kaufen noch werden Sie zur Reputation beitragen.

    • Hallo Martin, das tu ich natürlich nicht und das sage ich auch an mehreren Stellen. Aber du hast nicht ganz unrecht. Ein wenig Augenzwinkern ist schon dabei wenn ich auf der einen Seite sage Fans kaufen ist pfui und auf der anderen Seite Anleitungen gebe, wie man es macht (wenn man dazu gezwungen wird). Fans zu kaufen ist einfach doof und nicht nachhaltig. Ich hatte jedoch einen konkreten Fall, wo jemand dazu förmlich gezwungen wurde und sehe das Gesagte/Geschriebene vor diesem Hintergrund. Danke dafür, dass du mein Blog liest!

  6. Guter Beitrag. Die Zahlenfixiertheit der Menschen führt zum Highscore-Denken – und das wiederum führt dazu, dass Quantität immer wichtiger empfunden wird (da messbar) als Qualität.

    Das sind heute die Spielregeln, leider.

    • Danke Alexander. Wobei ich sagen würde dass sich auch Qualität ordentlich und sauber messen lässt. Bloß ist es leichter nur quantitativ zu messen. Kostet auch viel weniger als das mühsame Ausleuchten von Key Performance Indikatoren. Und, fast vergessen: Das Messen ist auch wieder mit Kosten verbunden. Dieses Geld steckt aber meist zu 100% in der Kampagne bzw. den einzelnen SoMe Maßnahmen. Dann bleibt kein Geld mehr über für aussagekräftigere (qualiative) Messmethoden und wir messen halt wieder nur quantitativ…

      • Schon klar – da widerspreche ich nicht, dass man Qualität messen kann. Machen aber nicht so viele 😉

        Vor einigen Wochen haben mir über dasselbe Thema in Bezug auf Krankenhäuser gesprochen. War über die Aussage des Experten fast nicht überrascht:

        Je größer eine Abteilung, d.h. je mehr Betten, desto erfolgreicher wird der Primar gesehen. Die Qualität der Betreuung ist als Erfolgsmerkmal weit unwesentlicher.

        Quantität vor Qualität.

  7. Mehr Qualität statt Quantität – das sollte in jedem Marketingbereich die Devise sein. Eine sehr gute und kritische Zusammenfassung!