Die Unternehmensgeschichte als Living-Paper

12. Oktober 2012Das Storycamp Salzburg am 23. November 2012 naht. Viele meiner Gespräche derzeit haben deshalb mit Storytelling zu tun. Dabei kam mir jetzt ein Aspekt unter, den ich hier kurz besprechen möchte. Was kann getan werden, damit Mitarbeiter die Unternehmensgeschichte nicht nur kennen, sondern diese auch aktiv kommunizieren? Und zwar egal ob in beruflichen oder privaten Kontexten.


Was nämlich hilft die beste Firmengeschichte, wenn sie im Eingangsbereich der Firma hinter Glas hängen muss? Was, wenn sie sich auf der Wikipedia-Page der Seite oder auf einem Blog des Unternehmens befindet, jedoch bereits von so viel anderen Einträgen überlagert wurde, dass sich niemand mehr daran erinnert? Wie also die Geschichten, die jedes Unternehmen hat, laufend an der „Oberfläche“ des Unternehmens bzw. im Blickfeld all seiner Mitarbeiter behalten? Wie den Stories so viel Leben einhauchen, dass sie für die Mitarbeiter abrufbar und damit erzählbar sind und bleiben?

Mitarbeiter als Teil der Unternehmensgeschichte

Nur wenn Mitarbeiter die Geschichte(n) des Unternehmens (z.B. Gründungsgeschichte) kennen und somit abrufbar haben, können sie diese auch einsetzen. Ist dieser Idealfall gegeben, befeuern diese Geschichten nicht nur Marketing und Werbung des Unternehmens, nein! Sie helfen dem Unternehmen auch dabei, über das „Warum“ zu sprechen. Dieses „warum“ produziert ihr eigentlich Flilter? Wie ist es dazu gekommen? Warum gibt es eure Firma überhaupt, wie seid ihr denn auf die Idee gekommen Filter zu produzieren, etc. All das sind Fragen, deren Antworten Menschen oft mehr interessieren als Technik, Strukturen oder Prozesse.

Storytelling: Zuhörer andocken lassen

Gute Geschichtenerzähler bieten ihren Zuhörern nicht selten die Möglichkeit, Teil der Handlung zu werden. Einfache Fragen des Storytellers wie „was meint ihr, werden die Freunde dem Mädchen ein drittes Mal helfen?“ oder „was würdet ihr jetzt tun…?“ führen die Zuhörer noch näher an die Story heran und bieten ihnen die Möglichkeit, Teil der Handlung zu werden, ja mehr noch, ihren weiteren Verlauf sogar mitzugestalten. Was heißt das nun umgelegt auf die Unternehmensgeschichte?

Die Firmengeschichte schreiben alle!

Gelingt es Unternehmen, ihrem Mitarbeitern glaubhaft zu vermitteln, dass sie täglich mitschreiben an der Geschichte des Unternehmens, dass sie den Verlauf oder Ausgang der Geschichte durch ihr tägliches Tun und Handeln entscheidend mitbestimmen, so kann dies positive Folgen für die Brand-Story bzw. die Unternehmensgeschichte als Gesamtheit haben. Unternehmen, denen es gelingt, Geschichten hervorzubringen, die die Vorstellungen ihrer Mitarbeiter über ihre eigene Zukunft bzw. die Zukunft des Unternehmens antizipieren oder zumindest reflektieren helfen, schaffen jene Verbundenheit aber auch jenes Vertrauen, das den Unterschied macht.

Das Resultat sind nicht nur „starke“ Marken und Unternehmensnamen mit einer Geschichte. Das Resultat sind insbesondere Marken und Namen, die auf gemeinsamen und lebendige Geschichte(n) und Werten aufbauen. Die Unternehmensgeschichte wird lebendig weil an ihr sozusagen täglich weitergeschrieben wird. Die Unternehmensgeschichte wird damit zum Living-Paper.

2 Gedanken zu “Die Unternehmensgeschichte als Living-Paper

  1. Hallo Martin, du spielst auf einige zentrale Punkte an. Das Mindset der Führungspersonen bzw. des Chefs in Unternehmen einerseits, die Fehlerkultur andererseits. Und auch dass Geschichten immer erzählt werden stimmt voll und ganz. Die Frag ist halt immer, wie bewusst dies geschieht bzw. wie ihre Bedeutung aus Perspektive der Kommunikation gesehen / eingeschätzt wird. Arbeitest du auch mit Geschichten? Wenn ja, wie setzt du sie ein und hast du eine auf Lager, die du hier erzählen könntest. Ich antworte spontan mit einer meiner Geschichten :) Liebe Grüße nach Wien!

  2. Ich denke, dass in Unternehmen immer Stories erzählt werden. Das passiert ohne, dass jemand etwas tun muss. Menschen erzählen sich Geschichten. Die Frage ist aber, was kann ein Unternehmen tun, damit Geschichten erzählt werden, die das Unternehmen weiter bringen?

    Das hat sicher sehr viel mit der Kultur eines Unternehmens zu tun. Heldengeschichten entstehen nur dort, wo Helden tatsächlich zugelassen werden. In einem Unternehmen, das jedes Risiko und jedes Scheitern vermeidet tun sich Helden schwer.

    Es kommt sicher auch sehr Führungskräfte an ob Stories entstehen, die anderen Kraft geben, oder ob Stories sich durchsetzen, die alle runter ziehen.