Online PR: In Zukunft wenig Neues

30. November 2012Ich klicke mich gerade durch die PR-Gateway-Studie “Zukunft der Unternehmenskommunikation” und sehe wenig wirklich neues. Alle Befragten, egal ob Pressesprecher in Unternehmen oder Kommunikatoren auf Agenturseite sehen Online-PR als etwas …

Es ist einerseits gut und richtig, wenn Agenturen andere Agenturen und Unternehmen fragen, wie wichtig sie das Thema X oder Y sehen, wie sie seine Bedeutung in Zukunft einschätzen, etc. und daraus Grafiken zu machen. Das ist löblich und ok. Nachfolgende Grafik hat also absolut ihre Berechtigung.

Wie schätzen Kommunikatoren die Bedeutung von Online-PR ein

PR-Gateway Studie "Zukunft Online-PR"

Für mich ist das aber bloß die halbe Miete. Warum? Weil mich interessiert, was Kunden bzw. potentielle Kunden unter “PR” und in weiterer Folge Netz-PR oder online PR verstehen bzw. verstehen wollen.

Ich habe Online-PR seit 2007 im Firmenwortlaut, hab zuvor mehrere Jahre als Pressesprecher und angestellter PR-Berater gearbeitet. Für mich ist der Begriff sehr relevant und aktueller denn je. Andererseits virtualisiert sich Kommunikation immer stärker, ist jede Frittenbude mittlerweile auf Facebook und Twitter und kommuniziert sowieso jeder mit jedem. Wer braucht also noch Online-PR oder was zum Teufel will und dieser Begriff denn sagen?

Strategie & Zielgruppe: Brauchen wir das jetzt echt?!

Meine persönliche Beobachtung ist, dass Unternehmen schnurz piep egal ist, was denn PR oder meinetwegen Online-PR sei. Sie wollen über das Web primär verkaufen, mehr Zuspruch und Verbreitung finden und vor allem andocken an die Netzwerke der Fans und Freunde und Follower. Den Rest der Zeit verbringen wir mit der Angst vor Widerspruch und dem nächsten negativen Kommentar (den wir dann schnell wieder wegmachen). Der Berg auf den wir also alle raufklettern, und – ach ja – dort noch ein paar sonnige Momente verbringen wollen, darf also im Gipfelbereich nicht allzu spitz sein. Am besten, dieser Berg verfügt über eine Aufstiegshilfe oder – noch besser – über eine asphaltierte Zufahrtsstraße. Hier sind wir dann. Gemeinsam mit allen anderen. Das ausführend, was alle anderen machen. Und wir sind irgendwie überhaupt nicht glücklich damit.

Hätte jedoch vorher jemand über Zielgruppen, Strategien, maßgeschneiderte Inhalte und Kommunikations-Controlling gesprochen, es hätte geheißen “brauchen wir das wirklich wenn uns die Agentur gerade eine so tolle App  präsentiert hat, die bloß 6.000 Euro kostet und dafür auf Smartphone und (!!) iPad läuft?!” Wir wollen keine spitzen Berge halten wir also die Bälle lieber mal flach.

Online-PR? Klar machen wir das auch!

Wir alle machen Online-PR. Irgendwie zumindest. Alle wollen wir zwischen uns (Organisation) und unseren Teilöffentlichkeiten (Zielgruppen klingt ja so schiach…) Beziehungen aufbauen und diese über die Strecke bringen. Die einen tun das auf Facebook und zweitverwerten hier mehrmals pro Woche die Presseaussendungen (die wir eh schon für die Journalisten erstellt haben…) die anderen penetrieren uns mit ihren Komm-und-kauf-tweets auf Twitter und wieder andere wählen den E-Mail Newsletter, den viele ihrer Adressaten längst schon wieder automatisiert in den Spam-Ordner wandern lassen. Ja, das ist vielerorts der Status Quo von Online-PR wie ich ihn erlebe und täglich sehe.

Online PR

Es gibt aber natürlich auch die andere Seite. Und das ist gut. Ich sage ja nicht, dass die einen Online-PR verstanden haben und die anderen nicht. Ich sage bloß, dass die einen Schritte und Maßnahmen im Bereich ihrer Online-Kommunikation setzen, die einen nachweislichen Mehrwert generieren und andere eben nicht. Die einen halten an einer Online-Kommunikation fest, die vor drei Jahren noch prima funktioniert hat und übersehen alle Zeichen an der Wand, die den seither geschehenden Wandel abbilden. Ja mei, was solls? Machen wir halt weiter wie bisher.

Online-PR oft einfacher als gedacht

Ich habe vor ein paar Monaten zufällig ein E-Mail in die Hand bekommen. Es wurde von einer Tierhilfsorganisation an eine Journalistin gesendet. Es war irrsinnig lang. Auf eine konkrete Anfrage (der Journalistin) hin, benötigt wurden Tiergeschichten und Tierfotos, enthielt das E-Mail tonnenweise Links zu Bildern, Bildstrecken wohlgemerkt (hochauflösend…), Verweise zu Youtube-Videos, auf die mit thematisch exakt passenden Inhalten gefüllte Homepage und und und. Was mir an dem E-Mail und an den weiterführenden Infos so besonders gut gefallen hat, war, dass sich hier offenbar jemand eine Stunde Zeit genommen hat, für seinen Dialogpartner einen bunten Strauß an Informationen (nicht die Presseaussendung von vor ein paar Wochen) zusammenzutragen bzw. aufzubereiten, ja zu kuratieren. Im Bereich Content-Curation liegt für die PR-Arbeit online wie offline irrsinniges Potential. Bislang leider weitgehend ungenutztes Potential. Dass die Tierschutzorganisation in ihren Videos, Texten und Bildstrecken massiv auf Storytelling setzte, sei nur nebenbei erwähnt. Und wiederum haben wir ein Issue für Online-PR, das die wenigsten Agenturen oder Organisationen auf dem Radar haben.

Solche Aspekte finden sich in kaum einer Studie. Etwa, welche Inhalte vermitteln sie eigentlich über Online-PR oder welche würden Sie darüber gerne vermitteln oder welche Dialogpartner stehen im Zentrum ihrer Online-PR Anstrengungen? Wie viel Zeit, die Sie für Online-PR aufwenden entfällt auf das Suchen und Erzählen von Geschichten, auf das Kuratieren von Inhalten, etc.? Das wäre mal eine echt interessante Studie. Wahrscheinlich mit vielen Nennungen im Bereich “keine Angabe”. Aber auch das wäre mal eine erfrischende Aussage für zwischendurch

Soviel dazu. Widerspruch jederzeit gerne. Zustimmung auch. Man sieht und liest sich!

Die PR-Gateway-Studie gibt es hier als Gratis-Download

2 Gedanken zu “Online PR: In Zukunft wenig Neues

  1. Klar und direkt wie immer.

    1.: ist die Studie nicht auch Online Pr? Der Agentur…

    2. Online PR = Reputation x Augenhöhe + Service / Marke Digital verteilen

    3. es wird Zeit für gemeinsame Projekte…

  2. Die Studie greift tatsächlich viel zu kurz, weil sie nicht berücksichtigen kann, wie sich die zwangsweise Öffnung der Unternehmen durch Social Media (Mitarbeiter spricht kontrolliert oder unkontrolliert übers Unternehmen) auswirken wird. Die wachsende Bedeutung der schnellen und zugleich tiefen, kontextuellen Kommunikation erfordert neue Strukturen (Newsrooms im Unternehmen) und wird vor allem dafür sorgen, dass Aufgaben wie interne Schulung und Übernahme von Marketing-Aktivitäten wesentlich mehr Bedeutung bekommen.