Facebook neu: Rendezvous im „Following“-Feed

12. März 2013Facebook räumt mächtig auf. Alles wird angeblich klarer, größer und übersichtlicher. Der User bekommt die Möglichkeit, mehr von dem zu sehen, was ihm wirklich gefällt und content-spezifische Rubriken (Feeds) zu wählen, in denen er z.B. nur die Inhalte von Freunden oder nur Bilder oder nur das sieht, was die Seiten sagen, denen er folgt.


Schön ist es geworden, das neue Facebook. Obwohl es schon noch ein wenig dauern könnte, bis Zuckerberg das Redesign auch in unseren Breiten ausliefert: Man darf gespannt sein. Was aber heißt das neue Design, was bedeuten die neuen Funktionalitäten nun für Unternehmen und ihr tägliches Tun auf der größten und gleichzeitig wichtigsten Social Media Plattform?

Das neue Facebook kommt noch aufgeräumter daher

Facebook strukturiert den Newsfeed um - Für den User bedeutet dies eine annähernd gleiche Experience auf allen zur Verfügung stehenden Endgeräten aber auch mehr Einfluss darauf, welche Inhalte er sehen will.

Eines gleich mal vorweg: Wenn die angezeigten Inhalte auf Facebook besser d.h. prominenter platziert werden, so gilt dies natürlich auch für die Facebook-Werbung. Werbekunden, die also wirklich etwas herzuzeigen haben, sprich, die über exzellentes Bildmaterial verfügen, können sich fortan über größere Werbeanzeigen wie etwa gesponserte Meldungen noch besser ins rechte Licht rücken.

Unternehmen müssen draußen bleiben

Hier denkt man unweigerlich an die „Ich darf hier nicht hinein“-Schilder im Eingangsbereich von Supermärkten. Das neue Facebook wird Nutzern die Möglichkeit geben, Facebook-Inhalte nach Quelle (Freund, Unternehmen) und Inhaltstyp (Bilder, Video, Musik) zu filtern und separat anzuzeigen. Dieser Umstand hat für Unternehmen Vorteile aber auch Nachteile. Zuerst die Vorteile: Der Nutzer bekommt unter „Following“ wirklich alles angezeigt, was der Star oder das Unternehmen über seine Seite veröffentlicht. Leute, die also gierig auf das nächste Update ihrer Love-Brand warten, werden hier optimal und vollinhaltlich bedient.

Nicht im Feed? Nicht existent!

Aber auch die Nachteile dieser inhaltlichen Segmentierung sollten angesprochen sein: Nutzen Facebook-User fortan nur noch den „Enge Freunde“-Feed, gehen die Inhalte der von ihnen gelikten Brands ins Leere. Facebook-Nutzer können sich mit Firmen natürlich immer noch verbinden wie bisher und ihren Freunden zeigen was sie mögen. Ob sie deren organische Inhalte dann aber auch wirklich angezeigt bekommen oder nicht, hängt einzig und allein davon ab, ob sie diese im betreffenden Feed („following“) auch aktiv nachfragen, also anklicken. Einen Zwang dazu gibt es nicht. Von Werbung einmal abgesehen. Ob das ein geschickter Schachzug von Facebook ist, um so noch mehr Unternehmen für Facebook-Werbung zu begeistern..?

Visuelle Kommunikation

Was bislang ein Trend war, wird jetzt zum absoluten Muss. Dass hochwertige Bilder oder wunderschön gemachte Infografiken bei Social Media und Facebook-Nutzern schon bisher hoch im Kurs standen, ist kein Geheimnis. Das Facebook-Redesign jedoch bewertet Bilder so stark (größeres Format und eigener Bilder-Feed), dass Unternehmen hier noch viel stärker in Bildern denken und kommunizieren müssen, ob es ihnen passt oder nicht. Mir ist völlig klar, wie aufwändig und schwierig es ist, entsprechend hochwertiges Bild- und Grafikmaterial zu bekommen. Im neuen Facebook wird es aber genau um diese Frage gehen.

Content reduced to the max

Facebook wird also noch visueller, bunter, reduzierter und klarer. Was bedeutet dieser Umstand für die über Facebook laufende Unternehmenskommunikation? Das Bild muss optimal passen, klar. Der Text noch kürzer als bisher? Kommt darauf an, wie elegisch das betreffende Unternehmen bisher getextet hat. Fest steht: Um Romane zu lesen kommt wohl niemand auf Facebook. Dennoch geht es ja auch im neuen Facebook immer noch darum, Engagement auszulösen, die Fans also zur Interaktion zu bekommen, sie über einen „Call to Action“ abzuholen, und dies wird sich mit schönen Bildern alleine wohl kaum bewerkstelligen lassen. Also doch Text, aber wie viel? So viel wie nötig und so wenig wie irgendwie möglich, würde ich mal sagen. Außerdem sollte das Bild durch den (kurzen) Text optimal ergänzt bzw. unterstützt werden. Ein Workaround wäre dann die häufig gewählte Möglichkeit, einen Text ins Bild zu stellen. Ganz ohne Text würde ich aber auch solche Text-Bilder nicht empfehlen.

Mehr Raum für Pinterest, Quora & Co

Die Bilderpattform Pinterest, aber auch Quora, eine Plattform, auf der User Fragen stellen können, werden von Facebook im neuen Newsfeed wesentlich prominenter platziert als bisher. Das wird v.a. jene Unternehmen freuen, die Pinterest schon auf dem Radar haben und aktiv beackern. Auch eingefügte Links werden im neuen Facebook besser, sprich prominenter dargestellt. Schön für alle, die über eigenen hochwertigen Content verfügen. Weniger gut für die, die immer nur auf fremde Inhalte verweisen müssen.

Zusammenfassend ist zu sagen, dass Unternehmen durch das Re-Design durchaus profitieren können. Und dies nicht nur, weil das neue Design auch größere Werbeflächen bringt. Wie schon bisher, stehen Unternehmen vor der großen Herausforderung, ihre Fans mit Inhalten zu versorgen, die für die wirklich brauchbar, ja in Wirklichkeit unverzichtbar sind. Eine schöne Challenge, würde ich mal sagen! Content, insbesondere gute Bilder werden noch wichtiger und ebenfalls noch wichtiger, ist das Händchen des Community-Managers, das er braucht, gute Bilder und gute, kurze Texte miteinander zu verbinden bzw. optimal aufeinander abzustimmen. Und obwohl ich hier eigentlich schon abschließen möchte, will ich einen Punkt ganz besonders herausstreichen, nämlich Digital Storytelling.

Digitales Brand- und Storytelling

Ich weiß, dass es manche schon nicht mehr hören können und ich weiß, dass mit diesem Begriff immer wieder mal arges Schindluder getrieben wird. Dennoch sehe ich in Facebook eine Möglichkeit, Geschichten zu erzählen. Dies bedeutet aber, dass man über seine Brand-Story nicht nur nachgedacht hat, sondern auch dazu bereit ist, über die Facebook-Page als Aneinanderreihung einzelner, voneinander getrennt funktionierender Status-Updates (Stories genannt) hinauszugehen. Das ist sozusagen die 500 Liter-Klasse, das ist die Nordwand, die für viele von uns nicht machbar ist, der ganz schwierige Weg also. Ich denke aber, dass wir uns auf diesen Weg machen können, ja müssen, um über soziale Medien Menschen anzusprechen, die begierig auf unser nächstes Update warten und die deshalb auf den neuen „following“-Feed, nie und nimmer verzichten werden.

Wenn es Unternehmen also gelingt, über ihre Social Media Kanäle und damit natürlich auch auf ihrer Facebook-Seite eine konsistente und glaubwürdige Geschichte zu entwickeln und zu erzählen, dann verlieren die neuen Facebook-Features ihren möglichen Schrecken und werden zur großen Chance.

Ein Gedanke zu “Facebook neu: Rendezvous im „Following“-Feed

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