Visual Storytelling in 10 Schritten

10. April 2013Wenn PR-Agenturen Infografiken versenden, wenn sich Facebook eine neue Timeline verpasst und Bildern darin höchsten Stellenwert einräumt. Wenn Bildplattformen wie Pinterest oder Instagram zu neuen Höhenflügen ansetzen. Dann, ja dann ist es höchste Zeit, sich mit dem Thema Visueller Kommunikation auseinanderzusetzen.


Aber visuelle Kommunikation ist hier weniger das Thema. Wir sparen uns das und gehen weiter zu einem Thema, das ungleich lohnender ist. Wenn sich nämlich visuell kommunizieren lässt, so sollte es doch auch möglich sein, visuell Geschichten zu erzählen. Und wir sind mit einem Schlag drin, mitten im digitalen Erzählen von Geschichten mit der Hilfe von Bildern, egal ob mit Fotos, Videos oder Infografiken.

Angestoßen durch die zu erwartenden Design-Änderungen auf Facebook habe ich mich mit dem Thema „Visual Storytelling“ eingehend auseinandergesetzt und fühle mich fit genug, hier meine Erfahrungen und Sichtweisen zu teilen. Dass Unternehmen nicht nur dann mehr Gewicht auf ihre visuelle Kommunikation legen sollten, wenn sie eine Facebook-Page betreiben, liegt auf der Hand. Ebenso liegt auf der Hand, dass sich über Geschichten Zusammenhänge, Wissen, Werte, etc. besser vermitteln lassen, als über alle Powerpoint-Folien der Welt. Warum also nicht Bilder und Storytelling zu Visual Storytelling verbinden?!

Wenn Sie Betreiber einer Facebook-Seite sind, wenn Sie darüber hinaus ein Blog betreiben und oder Google Plus nutzen, dann kommen Sie weder an guten Bildern noch am Thema Storytelling vorbei. Hier einige Tipps, wie Sie von dort, wo Sie jetzt stehen, zu (hoffentlich) neuen Höhenflügen ansetzen und zwar nicht nur im Storytelling und der visuellen Kommunikation sondern in der Kombination beider Bereiche, dem Visual Storytelling. Nachfolgende Tipps erheben natürlich keinen Anspruch auf Vollständigkeit UND ich würde mich sehr darüber freuen, würden andere den Ball aufnehmen und Ihrerseits Tipps für gelungenes Storytelling mittels Bildern beisteuern.

1. Out of the Box denken
Storytelling will zuerst überhaupt erst einmal „visuell“ gedacht sein. Was heißt das? Dort wo Storytelling als Methode im Unternehmen bereits Eingang findet, wird es auf vielfältige Art eingesetzt (besseres Verständnis, Leaving Expertes, Wissensvermittlung, Learning Curve, Wertevermittlung, etc.). Die Bilder, über die viele dieser Unternehmen kommunizieren, verfügen jedoch nur selten über eine strategische Aufhängung an das Thema Storytelling. Hier wird visuelles Storytelling als Methodik weit unter ihrem Wert geschlagen, und das ist schade.

2. Den Status Quo festlegen
Hier geht es um die Frage, wo steht unser Unternehmen, unsere Marke im Bereich Visual Storytelling überhaupt? Haben wir hierüber bereits nachgedacht und / oder entstehen Bilder im Kopf, wenn wir an unser Unternehmen, unsere Marke denken? Man könnte sich hier auch die eigenen Social Media Seiten ansehen und hinsichtlich der verwendeten Bilder kritisch hinterfragen. Wie gut liegen wir hier, was könnte man verbessern, etc.

3. Das Ziel des visuellen Storytellings festlegen
Das Ziel einfach damit festzulegen, die eigene Unternehmensgeschichte anhand von Bildern zu erzählen, greift entscheidend zu kurz. Alternativ könnte man sich fragen: Wohin wollen wir? Warum gibt es uns oder wen würden wir abgehen, würde es uns nicht (mehr) geben? Die Antwort könnte hier etwa lauten: Wir wollen im Rahmen unseres Storytellings visuell auflösen, wie wir das Leben unserer Kunden durch unsere Lösungen bereichern, verschönern, verbessern helfen. Ein Beispiel: In einer Besprechung mit einem Kunden ging es um ein bestimmtes Foto. Es zeigte eine Frau vor einem Tisch-Drucker. Die Frau lächelte zufrieden, weil das Ding endlich wieder problemlos funktionierte. Meine Kunde sagte zu dem Bild sinngemäß: „Schau Ed, genau das sind wir“. Ich fragte: Was meinst du? und bekam als Antwort: Wir sind für das Lächeln dieser Frau hier zuständig…

4. Die Core-Story entwickeln
Es ist nicht so einfach, das Konzept der Core-Story in wenigen Worten exakt auf den Punkt zu bringen (wird wohl ein weiterer Blogpost werden). Die Core Story eines Unternehmens muss nicht zwingend eine Geschichte im herkömmlichen Sinn sein (kann es aber). Sie umfasst im optimalen Fall das Mindset der Zielgruppe, transportiert den USP der Marke bzw. den Mehrwert, den das Unternehmen leistet und steht sozusagen synonym für die Werte, für die wiederum das Unternehmen steht. Die Core Story von Nike etwa geht so, dass der Gründer viel erreicht hat, weil er nicht aufgegeben hat oder anders ausgedrückt: Das Ziel der Marke Nike liegt darin, Sportlern dabei zu helfen, zu gewinnen.

6. Die Core-Story umsetzen
Dies geschieht nun aber nicht dadurch, dass man ein und die selbe Geschichte bzw. ein und den selben Zusammenhang wieder und wieder bildlich darstellt. Die Core-Story kann in visueller Hinsicht vielmehr durch Bilder ausgedrückt werden, die allesamt die Aussage der Story stützen bzw. absichern. Hier ist die Summe mehr als die einzelnen Teile bzw. die Facebook-Seite des Unternehmens in visueller Hinsicht etwa mehr als die Summe von aneinander gereihten Bildern. Jedes Bild bekommt dadurch eine Funktion und einen Sinn. Dieser Sinn liegt darin, dass jedes einzelne Bild einen kleinen oder größeren Beitrag zur Erklärung der Core-Story leistet und somit zum Teil einer Strategie wird.

7. Klotzen statt kleckern
Gute Bilder sind etwas wert. Sie müssen einfach etwas wert sein! Es gibt Blogger, die nur selbst erstelltes Bildmaterial verwenden. Gleiches gilt für Unternehmen, die auf ihrer Facebook-Seite jedem lizenzrechtlichen Ungemach dadurch aus dem Weg gehen, dass sie zu 100% eigenes Bildmaterial verwenden. Speziell dann, wenn es um Storytelling mit Bilder geht, zahlt sich diese Vorgangsweise absolut aus. Bekennen Sie sich zu gutem Bildmaterial und kämpfen Sie dies notwendigen Falles auch gegenüber Ihrem Chef durch. Wer sich angesichts der Bedeutung, die Facebook & Co Bildern derzeit beimisst, weigert, in gutes Bildmaterial zu investieren, der versteht die (Marketing-) Welt nicht mehr.

8 ) Geld in die Hand nehmen!
Natürlich kosten Bilder Geld. Aber es ist immer besser, Bilder zu verwenden, die mir oder dem Unternehmen selbst gehören, als solche, die zwar gratis sind, dem Unternehmen im Falle einer Abmahnung aber wirklich viel Geld kosten können. Wenn Sie sich zu digitalem Storytelling mit bzw. über Bilder entschlossen haben, nehmen Sie diese Entscheidung und die daran anschließenden Kosten in Ihr Marketingbudget auf. Und dies auch dann, wenn es nur für die Anschaffung einer eigenen Kamera reicht!

9) Mit Profis arbeiten
Ich durfte im Rahmen eines Projektes mit einem Profifotografen zusammenarbeiten. Das Facebook-Projekt (über das ich hier aufgrund einer Verschwiegenheitsklausel nicht sprechen darf) entwickelt sich hervorragend und dies nicht nur deshalb, weil der Fotograf top war. Er war zudem facebook-affin und von Anfang an in die Entwicklung der Core-Story eingebunden. Dies hatte unter anderem zur Folge, dass er Teile der Handlung vorgab, indem er einfach gute, sprich passende Bilder, beisteuerte. Dies jedoch natürlich im Rahmen der vorgegebenen Core-Story. Es war ein Gedicht mit diesem Fotografen zu arbeiten weil er nicht nur aktiv an der Story mitwirkte, sondern auch das Auge für die umzusetzende Story mitbrachte.

10) Flickr, Pinterest, Vine oder Instagram nutzen
Zum Schluss was Praktisches! Ich persönlich habe Pinterest vor langer Zeit getestet, nur zum Teil verstanden und dann wieder weggelegt. Mit Instagram ging es mir ähnlich. Dem Hype folgte der Katzenjammer. Durch die Bedeutung, die Facebook und auch GooglePlus  neuerdings Bildern einräumen, sind die erwähnten Plattformen jedoch auch hierzulande keine Eintagsfliegen mehr. Und dies aus gutem Grund: Facebook wird im Newsfeed geteilte Links ebenso aufwerten (d.h. prominenter darstellen) wie über Pinterest oder Instagram angelegte Alben. All das spricht dafür, dass man sich Bildplattformen wie Pinterest oder Instragram noch mal genauer ansehen sollte. Ein kleiner Tipp dazu: Pinterest zu tracken ist mit einem Dienst namens Reachli ein Kinderspiel.

So. Das waren mal meine 2 Cents in Sachen visuelles Storytelling. Ich hoffe inständig auf Input von außen. Ich denke, dass diese Auflistung erst dann echten Sinn macht, wenn sie durch Feedback ergänzt und angereichert wird. Also lasst mich bitte nicht hängen!
Ich wünsche viel Erfolg beim visuellen Storytelling ob auf Facebook, am eigenen Blog oder auf Google Plus!

 

6 Gedanken zu “Visual Storytelling in 10 Schritten

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  4. Danke Ed!
    @Martin joe&sally waren zu intellektuell, ohne Gebrauchsanweisung nicht zu verstehen. Gutes Fotostorytelling hätte das übernehmen können, wurde aber nicht gemacht.

  5. Hi Martin, schön dich hier zu lesen :) Joe und Sally erzählten eine tolle Geschichte, leider waren aber einige Touristiker damit überfordert und schossen dagegen. Was der ganzen Geschichte dann aber durchaus auch zusätzlichen Drive geben kann (Konflikt). Lg!

  6. Sehr am Punkt wie immer. Fakt ist aber – kaum jemand denkt in Bildgeschichten, so wie früher in der Schule Bildchen von Matrizen unsere Füllfeder in Gang setzten. Eine der genialsten Bildgeschichten kamen von Joe und Sally, den beiden (ehemaligen) Testimonials der Österreich Werbung. Aber nicht von der nationalen Tourismuswerbeorhanisation selbst – vielmehr waren sie das Ergebnis eines Kunstprojektes, initiiert von Willi Puchner. Dieser österr. Künstler zog mit den beiden Polysterpinguinen im Gepäck durch die ganze Welt und lichtete deren Momente auf der chin. Mauer, vor der Sydney Oper, am Broadway und in der Antarktis mit seiner Kultkamera ab. Das war die perfekte Bildgeschichte – 2 Königspinguine auf ihrer Reise um die Welt. Dies machte sich die Österr. Werbung anschließend zu Nutze und schickte Joe & Sally ans Ziel ihrer Träume – auf Dauerurlaub. Endlich. Österreich.