GooglePlus: Verloren im Datenstrom

16. Mai 2013Google Plus zeigt sich in neuem Gewand und überfordert mich massiv. Was ich brauche ist weniger. Was ich mir wünsche ist Klarheit. Was ich ablehne ist eine zunehmende Datenflut, der ich mich immer weniger gewachsen sehe.


Das Telefonat heute morgen war noch gar nicht beendet. Trotzdem klickte ich schon auf meinen Browser und weiter auf meine Google Plus Seite. Google Plus wird für mich immer wichtiger und ich habe neben dem persönlichen Profil auch die Community Storytelling Austria und eine Unternehmensseite edRelations – Wertschätzende Online Kommunikation aufgezogen. Google Plus sieht ab heute ein wenig anders aus. Vielleicht auch schon seit gestern, jedoch war ich gestern nicht online.

Google Plus sieht jetzt nicht nur anders aus, es überfordert mich. Es kommt in einem Gewand daher, das ich von Pinterest oder Rebelmouse kenne, mir persönlich jedoch nicht zusagt. Warum? Weil ich überflutet werde mit Informationen, Bildern und Videosequenzen und es so noch schwieriger für mich ist, ruhig und fokussiert zu bleiben, brauchbare Information aufzunehmen und ihnen die Zeit zu geben die sie brauchen. Google Plus macht meine User-Erfahrung noch fragmentierter, noch hektischer und schneller. Und das finde ist überaus schade.

Die Filter Lüge

It’s Not Information Overload. It’s Filter Failure. Oh wie gut das klingt! Man ginge nicht unter in Informationen, solange man nur die Filter richtig setzt. Alle Information kommt jetzt also durch meinen sozialen Filter. Also ist der soziale Filter, spricht, die Verbindungen, die mich in sozialen Medien umgeben, gut. Wirklich relevante Information also wird mich schon finden, so die sinnige Annahme. Das einzige Problem: Die Annahme stimmt nicht. Ob auf Google Plus, Twitter, Facebook oder Pinterest: Es ist in erster Linie Schrott, der daher kommt. Und es wird immer mehr! Schrott seitens meiner persönlichen Verbindungen. Schrott und Irrelevantes von Unternehmen, denen ich folge. Kaum jemand ist sich darüber in klaren, das er Teil meines sozialen Filters ist, und ergo gut ist bzw. eine wichtige Funktion erfüllt. Wenn dies meinen privaten Verbindungen nicht klar ist, naja, drücken wir mal ein Auge zu, aber was, wenn es sich dabei um Unternehmen handelt, die keine Sekunde ihrer (online-) Zeit darauf verschwenden, was für mich nützlich oder relevant sein könnte?

Bin ich am Ende selber schuld?

Aber hallo! Ich selbst bin doch für meinen eigenen Schrott verantwortlich, oder? Schließlich war ich es ja, der sich von Google dazu hat verleiten lassen, seine Dienste in Anspruch zu nehmen (die vorher ganz anders ausgesehen haben und mich nicht annähernd so vielen Informationen auf einmal ausgesetzt haben wie jetzt…), schließlich habe ich mich selbst dazu entschlossen, alle anderen Dienste rundherum zu nutzen. Ich war es, der sie zugelassen hat. Ich habe ihnen auf meinem Desktop, in meinem Browser und letztlich in meinem Kopf jenen Raum gegeben, den sie jetzt num mal haben. Also worüber rege ich mich auf?!

Es geht mir darum, festzuhalten, dass wir in all dieser Content- und Bilderflut untergehen. Dass wir kaum noch dazu in der Lage sind, klar und konzentriert bei der Sache zu sein und mit dem Füttern unserer Feeds und Streams (über die wir nicht selten belangloses Zeug verbreiten) nicht mehr nachkommen. Wir haben uns kleine Monster geschaffen und dabei völlig vergessen, wie unsere eigenen Bedürfnisse und Strategien aussehen, vergessen, was wir eigentlich wollen und hier in Sozialen Medien tun.

Wir kommen also mit dem Füttern nicht mehr nach und nutzen deshalb Maschinen die uns dabei helfen, den zusammengetragenen Twitter- und Facebook-Content auch an Sonn- und Feiertagen unter die Leute zu bringen. Wertschätzung in unserer Online Kommunikation? Geschenkt! Zuhören, Leute abholen? Naja, wenn’s was bringt. Customer Care? Na klar doch, solange sich unsere Fans gegenseitig helfen und wir uns dadurch Kosten sparen.

Aber schneller und schneller dreht sich die Content-Maschine. Dabei haben wir gerade erst gelernt, wie wir die Überschriften unserer Kurz-Texte (Social Objects) nun verfassen müssen (kurz und mega-knackig) damit sie am Desktop ebenso „funktionieren“ wie am mobilen Endgerät und da stellt Google schon wieder seinen Algorithmus um und alles ist wieder umsonst. Egal! Schnell weiter im Programm. Schnell noch ein paar Videos, ein paar Fotos und Tweets in den virtuellen Stream geschoben. Raus damit! Schließlich wollen unsere kleinen Monster gefüttert sein. Wir haben aufgehört, dieses Tun zu hinterfragen, und das ist gut so. Oder doch nicht?

Weniger ist noch immer mehr

Ab dem Zeitpunkt, wo du erkennt, dass nicht alles zu schaffen ist, geht es leichter. Umgemünzt auf Social Media bedeutet das für mich ein radikales Umdenken. Ja, ich muss mitspielen und ja, ich entschließe mich jeden Tag aufs Neue dazu, Soziale Medien für meinen Geschäftserfolg zu nutzen. Aber. Ja aber. Um genau dieses Aber geht es mir.

Ich bestimme, wann ich poste, welchen Informationen und Feeds ich mich aussetze und wozu ich etwas sage. Ich selbst bestimme, ob meine Online Kommunikation an 24 Stunden des Tages läuft und an sieben Tagen der Woche. Ich habe es in der Hand, zu sagen, ich blogge, poste oder like jetzt mal drei Wochen gar nichts, weil ich die Zeit brauche um damit klar zu kommen um das zu verstehen, was ist. Und letztlich habe es auch ich in der Hand, zu sagen, heute geht gar nichts und ich werde mich erst recht nicht dazu zwingen (lassen).

Wenn wir nicht klar sehen – und genau das lässt mich Google Plus in dieser seiner derzeitigen Forum und Fassung leider nicht (mehr), dann wird es auch mit dem Verstehen schwierig. Wenn wir nicht mehr ausreichend verstehen, dann müssen wir uns wieder auf die Suche nach Klarheit begeben. Müssen reduzieren, weglassen, uns von Dingen, Diensten und Gesprächspartnern trennen, die wir nicht (mehr) verstehen, die uns unserer Sicht und Klarheit berauben. Genau dorthin geht mein Weg und er wird mit jedem Schritt klarer.

Nachtrag:
So bekommen Sie den Pinterest-Look von Google-Plus wieder weg!

Wer im Google Plus Profil ganz oben rechts auf „Mehr“ klickt, der kann das Stream Layout von GooglePlus wieder auf die ursprüngliche Form zurücksetzen.

Die Objekte im Stream werden dann wieder untereinander angeführt.

Google Plus Settings

M´it rechts und links „meterweise“ Platz dann, aber bitte…

4 Gedanken zu “GooglePlus: Verloren im Datenstrom

  1. Heute das erste mal wirklich nachgeschaut und bin sehr verwirrt. Meine Augen wissen gar nicht mehr wohin ich schauen soll. Nach gut 5 Minuten musste ich abschalten, weil sich alles im Kopf drehte.

    Da lobe ich mir die One-Stream iPhone App. Allerdings bei aller technischer Neuerung. Es sind zu wenige Menschen, mit denen ich dort eine ‚Beziehung‘ halten kann, als dass ich mehr Zeit aufbringen könnte.

    Bei GooglePlus bleibt für mich das Hauptargument. Aus SEO Gründen (soweit für Kunden relevant) kommt man nicht daran vorbei. Aber für Communications & Relations gibt es in DACH weiterhin geeignetere Orte. My2Cts

    • Hi Michael, danke für deinen Input. Ich finde gut was du zu G+ sagst. Mir ging es genauso. Bloß ist das Umstellen auf Single-View auch keine rechte Hilfe gewesen und ich „sehe“ GooglePlus jetzt erstmal so, wie sie wollen, dass ich es sehen 😉 Was du hinsichtlich Gespräch / Dialog sagst stimmt natürlich auch. Es ist ein kleiner Kreis, der sich derzeit auf G+ trifft und interagiert, es sei denn du bist ein großer Verlag oder ein Brand mit entsprechender Strahlkraft auch hier. Jedes Like oder eben Plus, jeder Kommentar und jeder Dialog zählen für mich auf Google+ deshalb doppelt als z.B. auf Facebook. Alle die in GooglePlus jetzt investieren sind früh dran. Ich sehe es mir jetzt mal an und habe verschiedene SERPS im Auge. Jene auf meinen Namen natürlich, jedoch auch „Storytelling“ oder andere für mich wichtige Begriffe.

  2. Hallo Ed,

    Dein Artikel klingt kritisch, aber lesenswert. Selbst schrieb ich einen Artikel über das Redesign von Google+. Was mir auffällt ist das Tempo, mit dem Google+ seine Redesigns „unter das Volk“ bringt.

    So lange wir alle auf Zahlen statt auf gelebte Beziehungen schauen, so lange werden wir auch in Social Media „an den Karren“ gehalten.

    Wohin wird die Reise mit Google+ und Google gehen?

    Viele Grüße, Ralph

    • ich weiß es nicht, wohin die Reise gehen wird. Deinen Satz zu den Zahlen anstatt gelebte Beziehung möchte ich doppelt unterstreichen, weil ich ihn für zentral erachte. danke!