Ich blogge, also bin ich

6. Juni 2013Ich will schon seit längerer Zeit über das Bloggen schreiben. Da kommt mir dieses Stöckchen dazwischen und ich nehme es gerne auf. Stöckchen-Werfen, auch Blog-Karneval genannt, funktioniert so, dass ein Blogger sich ein Thema vorknöpft oder Fragen stellt (wie im vorliegenden Fall), diese beantwortet, um den Ball oder das Stöckchen dann an einen anderen (Blogger) weiter zu geben. Der Sinn des Ganzen: Backlinks.


Backlings jedoch sind eine Form der Anerkennung und damit gegenseitiger Wertschätzung. Wenn Ritchie Pettauer und Martin Bredl auf mich verlinken, dann ist das mehr als nur ein Impuls für Google, das dann erkennt, dass wir „irgendwie“ zusammenhängen. Backlinks dieser Art und Qualität sind viel mehr als das.

Den Richard Pettauer kenne und schätze ich seit langer langer Zeit. Er ist nicht einer jener „Social Media Experten“, die die Sau erst seit einigen Jahren vor sich her treiben. Ritchie war von Anfang an mit dabei und kennt sich aus. Und noch viel wichtiger. Er teilt sein Wissen und zwar aus Prinzip. Aus diesem Grund ist er für mich nicht nur Vorbild, sondern immer wieder auch Ansporn, raus zu gehen aus der Komfort-Zone, zu teilen, sich zu interessieren und sich nicht zu erheben über andere, die thematisch vielleicht anders gelagert sind, von einer Sache vielleicht weniger verstehen als andere.

Bleibt noch Martin Bredl. Martin war einst Präsident des Österreichischen PR-Clubs (PRVA). Abgesehen davon ist er ein profunder Kenner der Materie Kommunikation und hat nach seiner Tätigkeit als PR-Chef der Österreichischen Telekom den mutigen Schritt in die Selbstständigkeit getan. Zudem ist er ein Treiber, wenn es darum geht, die Bereiche Online, PR und Content miteinander zu verbinden. Ich schätze Martin Bredl einfach sehr. Als Blogger und PR-Auskenner einerseits, aber vor allem auch als Mensch, der mein Blog, und damit mich selbst, schon seit geraumer Zeit wohlwollend begleitet. Danke dafür!

Soviel zum Thema Menschen. Sie stehen für mich hinter den Blogs, die ich lese. Ihre Blogs geben mir Eintritt in ihre Gedankenwelten. Es geht mir bei Blogs immer um den Menschen dahinter. Um die geht es mir. Weniger darum, wie die Marken oder Unternehmen heißen, für die sie meinetwegen sprechen. Blogs sind für mich das Paradebeispiel „sozialer“ Medien. Blogs werden von Menschen für Menschen gemacht und wenn sie von der namenlosen Content-Engine für ein Unternehmen gemacht werden oder gemacht werden müssen, dann klingen sie schieße und erreichen ihre Ziele nur in den seltensten Fällen. Soviel zum Thema Blog-Karneval oder Stöckchenwerfen. Und hier die Fragen. Sie haben allesamt mit meiner Art zu bloggen zu tun.

BLOGGER-TYP?
Zuerst mal rein geschäftlich, wobei sich das, was ich hier sozusagen geschäftlich mache, von dem, was ich denke und woran ich auch privat glaube, nicht trennen lässt. Insofern blogge ich über „Geschäftliches“ aus subjektiv-privater Sicht (oder so).

GERÄTSCHAFTEN DIGI­TAL?
iMac, iPhone älteres Modell von dem ich so ziemlich alles, was „social“ ist, herunter gegeben habe. Es wird imho viel zu viel geteilt, viel zu wenig gelesen und kaum noch was verstanden. Wir geben einander in sozialen Medien einen Beat vor, den kaum noch jemand verträgt. Das gilt für Facebook und Twitter. Insofern ist für mich mein Blog Wohltat und Entspannung. Er hilft mir dabei, meinen Kopf zusammen zu räumen und Gedanken zu bündeln. Für mich enorm wichtig. Geht natürlich nur dann, wenn man „in the mood“ ist. Leider zu selten der Fall.

GERÄTSCHAFTEN ANA­LOG?
Mein Cannondale Caad 9 (Rennrad). Eine wichtige Gerätschaft, die mir dabei hilft, den Kopf frei zu bekommen, was wiederum unweigerlich zum nächsten Blogpost führt.

ARBEITSWEISE
Je nach Auftragslage 😉 Nein, im Ernst: Ich brauche den klaren Kopf. Strategien und Kommunikationslösungen abseits eingetretener Pfade bringe ich nur dann hin, wenn ich in die Zeit dazu habe, in die Schuhe meiner Kunden zu schlüpfen. Dies wiederum geht nur dann, wenn ich die Zeit und auch den Freiraum habe, in die Schuhe der Kunden meiner Kunden zu schlüpfen, mich einzufühlen und einzustimmen in deren Problemlagen. Klingt super-komplex und ist es auch. Wenn ich aber einen klaren Gedanken habe, geht es mir der Umsetzung schnell. Genauso ist es mit dem Thema Bloggen.

WELCHE TOOLS NUTZT DU ZUM BLOGGEN, RECHERCHIEREN UND BOOKMARK-VERWALTUNG?
Wordpress, Storify, Scoop.it sind hier die Tools meiner Wahl. Ja und vielleicht noch manchmal Feedly. Austo-Posting-Tools wie Buffer, Hootsuite oder Time.ly habe ich abgeschworen. Sie entsprechen meinem Mindset nicht mehr.

WO SAM­MELST DU DEINE BLOGIDEEN?
Ebenfalls auf WordPress. Das sind dann die vielen Entwürfe…

WAS IST DEIN BES­TER ZEITSPAR-TRICK/SHORTCUT FÜRS BLOGGEN/IM INTERNET?
Bloggen und Zeitsparen, das passt meiner Meinung nach nicht zusammen. Bloggen braucht Zeit, Recherche, Lesen, Nachdenken. All das lässt sich weder durch Tricks, noch durch Shortcuts umgehen oder beschleunigen.

BENUTZT DU EINE TO-DO-LIST-APP?
Nein. Ich habe einen Ordner am Schreibtisch. Er nennt sich „2Blog“. Das ist alles.

GIBT ES NEBEN TELEFON UND COMPUTER EIN GERÄT, OHNE DAS DU NICHT LEBEN KANNST?
Nein. All das sind Werkzeuge, die ich brauche. Aber ich bestimme über sie – nie sie über mich!

GIBT ES ETWAS, DAS DU BES­SER KANNST ALS ANDERE?
Nein. Ich versuche wertschätzend zu kommunizieren und scheitere damit auf hohem Niveau. Solange sich dieses Niveau nach oben verändert, bin ich zufrieden, weil ich weiß, dass etwas (mit mir) weiter geht.

WAS BEGLEI­TET DICH MUSI­KA­LISCH BEIM BLOGGEN?
Gar nichts. Beim Bloggen lerne ich extrem viel, bin angespannt und deshalb voll konzentriert. Musik wäre für mich nur hinderlich. Bin nämlich jemand, der, hört er Musik, sehr bewusst Musik hört. Prince Roger Nelson (Lotus Flowers) gibt es höchstens nach vollendetem Blogpost. Sozusagen als Belohnung.

WIE IST DEIN SCHLAFRHYTHMUS – EULE ODER NACHTIGALL ODER LERCHE?
Unterschiedlich und damit wohl typisch für Selbstständige. Bloggen kann ich dann am besten, wenn es mich überkommt. Nur dann hab‘ ich wirklich was zu sagen. Nur dann, sprudelt es förmlich aus mir heraus und ich getrau mich, mit Gedanken, Überzeugungen und Worten vor den Vorhang, die ganz tief drinnen sind in mir. Diese Ich-muss-heute-bloggen-weil-Freitag-ist-Posts fand ich damals schon an mir selbst zum Kotzen!

EHER INTRO­VER­TIERT ODER EXTROVERTIERT?
Keine Ahnung! Ein wenig wohl von beiden. Kenne da allerdings Leute, die sagen, jeder der bloggt sei eine Rampensau und damit extrovertiert.

WER SOLLTE DIESE FRAGEN AUCH BEANTWORTEN?
Georg Holzer
Anne Breitner
Reinhard Lanner

DER BESTE RAT, DEN DU JE BEKOM­MEN HAST?
Das ist Empathie und so kannst du damit arbeiten.

NOCH IRGEND­WAS WICHTIGES?
Storytelling ist mir wichtig. Gewaltfreie Kommunikation ebenfalls. Wenn du das eine tust,  ergibt sich das andere wie von selbst.

6 Gedanken zu “Ich blogge, also bin ich

  1. Hi Ritchie, gern. Übrigens alles Gute für den Hafen der Ehe…Zeit is eh schon wordn… :)

  2. Menschen, Zeit, Empathie und Storytelling – das sind die Kernbegriffe aus diesem Beitrag. In ihrer Bedeutung unterscheiden sich Blogs und Dienste wie Facebook & Co erheblich. Menschen sind in letzteren oft nur „Masse“, lieber soundsovieltausend Fans oder Follower als eine begrenzte Zahl wirklich interessierter Leser. Zeit braucht es, um gute Blogbeiträge nicht nur einmal zu lesen, während es gerade bei Twitter ja beim Schreiben und Lesen schnell gehen muss.
    Empathie in 140 Zeichen halte ich nur für sehr bedingt möglich, in einem Blogbeitrag mit Text und Bild aber sehr gut. Ja, und für Storytelling sind Blogs auch prädestiniert. Aber diejenigen, die das wirklich verstehen und ihr Herzblut dafür geben, sind dünn gesäht. Und wenn sie in Corporate Blogs schreiben, werden sie oft von der „PR-Maschinerie“ ausgebremst, die noch immer meinen, mit ihren auf Hochglanz polierten 1:n-Botschaften gehöre ihnen die Welt. Also bleibt diese Kunst nur den Selbständigen und privaten Blogs. Mögen Sie auf diesem Weg weiter wandeln! Mir macht jedenfalls beides Spaß, gute Beiträge zu lesen und zu schreiben.