Zukunft Online-PR: Brauchen OnlinePR einen neuen Fokus?

12. August 2013Frau FH-Prof. Mag. Dr. Uta Rußmann und Mag. Peter Winkler von der Stiftungsprofessur für Strategisches Kommunikationsmanagement & Neue Medien der Stadt Wien haben mir dankenswerterweise eine Studie zur Social Media Nutzung der Top 500 Unternehmen Österreichs überlassen. Ich habe mir die Folien gerade durchgeblättert und bin bei dieser hier hängen geblieben.



Status Quo der ONLINE-PR in Österreich

Grundannahme von PR2.0 und die Realität - Die Österreichischen Top 500 Unternehmen und ihre Nutzung Sozialer Medien

Sie sagt für mich alles. Sie bildet eine Status Quo ab, der sich auch vor dem Hintergrund meiner persönlichen Erfahrung nicht wegdiskutieren lässt.

Aha. Das öffentlich zur Schau gestellte Vernetzungs- und Partizipationsverständnis bleibt also häufig Rhetorik… Interessant, dies hier zu lesen, und ein wenig sickern zu lassen. Aber es ist genau das, was ich oft sehe, beobachte und – ich gebe es zu – immer häufiger zur Kenntnis nehme. Ich nehme was zur Kenntnis? Na dass Partizipation und Vernetzung ausgelöst durch Soziale Medien zwar in Presseaussendungen einen schlanken Fuß machen, in der realen Unternehmenskommunikation 2.0 jedoch häufig unerreichbar sind. Ist das gut oder schlecht? Keine Ahnung. Und ich möchte mich nicht hinstellen müssen, und sagen, so ist es richtig und so ist es falsch. Ich beobachte, versuche zu verstehen und die Dinge so zu nehmen, wie sie sind. Dinge bzw. Sichtweisen, wie sie mir manchmal unterkommen.

Unser(e) Social Media Auftritte bereits machen uns zum „Sozialen“ Unternehmen. Wir sind auf Twitter und Facebook und dadurch (!) vernetzen wir uns, werden Teil der Community, machen Online-PR. Natürlich Blödsinn, da die Einrichtung eines Kanals alleine bestenfalls den ersten Schritt darstellt, das Vorhandensein z.B. einer Facebook-Seite alleine noch keine tragfähige Kommunikationsbeziehung ausmacht und das Versenden eines Tweets pro Tag noch keine wie immer geartete Partizipation beschreibt.

Was ich denke? Unternehmen haben vielfach anderes Sorgen! Ihre Probleme liegen nicht dort, wo sie Social Media Berater vielleicht vermuten, beispielsweise im Aufbau einer v.a. quantitativ ansehnlichen Schar an Fans und Followern, im Verkauf über Soziale Medien oder im Generieren von Traffic für die Homepage, um nur einige „Problembereiche“ aufzuzählen. Unternehmen denken und ticken anders. Sie müssen. Es geht um den täglichen Überlebenskampf und deshalb nicht bloß um Verkauf, Vermarktung und Verpackung. Klar können Soziale Medien Unternehmen auch hier einen entscheidenden Vorteil verschaffen. Aber eben nicht auf den ersten Blick vielleicht. Zumindest solange dieser erste Blick bei der Anzahl von Fans und Followern, bei der designtechnischen Ausgestaltung von GooglePlus und Youtube-Kanal hängen bleibt.

Soweit, so gut. Was soll aber zeitgemäße Online-PR tun, leisten, denken, wenn sie hinaus will über den symbolischen Akt, wenn sie mehr leisten will, als Vernetzungs- und Partizipations-Rhetorik..? Die Autoren der Studie schlagen eine Veränderung des Fokus von Online-PR vor:

Braucht PR20 einen neuen Fokus?

Die Zukunft der PR2.0 braucht einen alternativen Fokus.

Wenn ich meine eigene Tätigkeit reflektiere, wird mir schnell klar, wie stark der oben dargestellte „aktuelle Fokus“ auf mich zutrifft. Das ist nicht gut oder schlecht – es ist erst einmal. Warum es so ist, erklärt die Studie meiner Einschätzung nach aufschlussreich. Sie bildet den österreichischen Status Quo in Sozialen Medien ab und damit die Decke, nach der ich mich als Berater zu strecken habe. Mir stellen sich folgende Fragen

a) Wie kann die Online-PR den vorgeschlagenen alternativen Fokus setzen, wenn die Realität in heimischen Unternehmen so aussieht, wie sie (derzeit) ist?

b) Wie könnte das „Weg-von“ inhaltlichen Effekten bzw. das „Hin-zu“ den Dynamiken funktionieren, in einem Umfeld, das sich derzeit an den inhaltlichen Effekten des Social Webs abarbeitet bzw. abarbeiten muss?

c) Wie lässt sich die vorgeschlagene indirekte Einflussnahme (Governance) im Sinne von vermitteln „verkaufen“ und insbesondere messen und auf bestehende Kommunikations-Ziele so herunter brechen, sodass sie immer noch in die Job-Beschreibung eines Kommunikations- und/oder PR-Verantwortlichen passt?

Ich geb‘ zu, dass ich mehr Fragen als Antworten habe. Aber vielleicht sind sie ein erster Schritt. Vielleicht würde es auch Sinn machen, die Studien-Autoren zu einem Interview zu bitten und bezüglich der Zukünfte von Online-PR genauer nachzufragen? Vielleicht möchte den Ball jemand aufnehmen und mich das wissen lassen?

==> zur Studie Einsatz von Social Media in den Ö Top 500 – Status Quo und Herausforderungen der Zukunft. (pdf)

2 Gedanken zu “Zukunft Online-PR: Brauchen OnlinePR einen neuen Fokus?

  1. Mit diesen Vorschlägen eines alternativen Fokus kann ich in der Praxis wenig anfangen. Wie wärs damit: Statt Rhetorik nützliche Informationen für die Zielgruppen.

    • also der Zielgruppe nützliche Information zu servieren, kann ja schon mal nicht falsch sein! Schade, dass sich bislang die Autoren hier nicht zu Wort melden. Vielleicht können sie das ja noch tun und die Diskussion ein wenig in Gang setzen, ihre Thesen diskutieren, etc. Vielleicht fasse ich ja auch mal nach. Aber mir gehen derzeit ein paar andere Gedanken in Sachen Online-PR durch den Kopf die ich in den kommenden Tagen hier in Worte zu fassen versuchen werde. Danke Martin!