Wandel verstehen, unterstützen und wertschätzen

1. Januar 2014Das hässliche Entlein wird zum Schwan, das Aschenputtel zur Frau des Königs. Geschichten handeln immer vom Wandel und von der Veränderung ihrer Protagonisten. Hier ein paar persönliche Gedanken zum Thema Wandel.


Mir wurde vor ein paar Wochen gesagt, ich befände mich ganz offensichtlich in einem Prozess des Wandels. Na gut, dachte ich mir. Derjenige würde schon wissen wovon er spricht. Innerlich jedoch rollte ich mit den Augen über so viel Weisheit.

Der Wandel, die Veränderung spielt in Geschichten eine wichtige Rolle. Wie geht es uns selbst mit dem Wandel in uns und rund um uns herum?

Neulich war ich in einem Atelier. Die Bilder waren definitiv zu teuer für mich, das Gespräch mit dem Künstler jedoch sehr anregend. Bei einem Bier mit einem Bekannten erfuhr ich ein paar Tage später, wer der Künstler eigentlich sei oder besser gesagt in seinem vorigen Leben war. „Das ist doch der Unternehmer mit dem fetten Konkurs. Der malt jetzt Bilder..?“ Dann gibt es noch den Literaten. Und wieder ein paar Wohlmeinende, die mich daran erinnern, dass dieser Literat ja wohl nicht ernst zu nehmen sei, zumal er vor wenigen Monaten noch eine Wiener Agentur geleitet hat, sich dann aber mit seinen Anteilpartnern überwarf und überhaupt und außerdem.

Was uns in der Welt der Sagen und Märchen (einer wahren Fundgrube für den Storytelling-Interessierten übrigens…) so leicht fällt, nämlich, den Wandel der Charaktere anzunehmen, geschehen zu lassen ohne daran herumkritteln, das fällt uns im täglichen Miteinander irrsinnig schwer. Ein Naturwissenschaftler erklärte mir vergangenen Sommer die Inkompetenz eines seiner Mitarbeiter wie folgt. „Der Herr Sowieso wird kommendes Jahr sein Bodenkultur-Studium abschließen. Fachlich ernst nehmen werde ich ihn aber auch dann nicht.“ Gerade sein Ätschi-bätschi ist mir damals noch abgegangen…

Alle drei dieser kurz erzählten Begebenheiten haben eines gemeinsam. Wir tun uns mit dem Wandel anderer Menschen enorm schwer. Mehr noch: Nicht selten billigen wir unseren Mitmenschen diesen Wandel gar nicht erst zu. Das ist mehr als nur kurzsichtig, es ist niederträchtig und gemein.

Mit Geschichten zu arbeiten hat mich nicht nur gelehrt, das Stilelement des Wandels gezielt herauszuarbeiten und einzusetzen, da es uns beim Verstehen und Weitertragen von Geschichten enorm hilft. Es hat mir auch vor Augen geführt, wie schwer wir uns alle mit dem Wandel und der Veränderung unserer Mitmenschen tun, wie wenig wir dazu bereit sind, diesen Wandel nachzuvollziehen, anzuerkennen und wertzuschätzen.

So leicht es uns fällt, den Wandel des Helden in unseren Geschichten zu verstehen, so schwer fällt es uns, Menschen rund um uns herum im Wandel zu erkennen und sie in ihrem Tun aktiv zu unterstützen. Hier ein besseres Sensorium an den Tag zu legen, könnte eine schöne Sache sein für das kommende Jahr. Ich glaube, davon würden wir alle profitieren.

2 Gedanken zu “Wandel verstehen, unterstützen und wertschätzen

  1. Guten Morgen Ed,

    Dank Dir für die „neuen Geschichten“ zum Wandel. Auch den Bildern, wie Unternehmer(innen) sich im Laufe der Zeit transformieren.

    Für den Fall, dass Du das Buch von H.P. Wallner (Das Innere Spiel) noch nicht kennst so empfehle ich es herzlich gern. Der Wandel/Transformation/Change in Unternehmen dort hat viele Symbole.

    Das welches ich niemals mehr vergesse ist der Löwenzahn. (siehe Rezension: http://www.networkfinder.cc/bloggen-und-buecher/rezension-das-innere-spiel-der-transformation-alltaeglich/ )

    LG aus Wien
    der MiSha

  2. Mit dem Wandel anderer tun sich viele Menschen auch deshalb so schwer, weil sie bei sich selber keine Änderung hinkriegen und den anderen gewissermaßen beneiden. Den Wandel des anderern anzuerkennen, bedeutet dann ja, sich ein schlechtes Zeugnis auszustellen, weil man es selber nicht hingekriegt hat. Das ist zwar dumm, und viel besser wäre es, sich von den anderen anspornen zu lassen. Aber die meisten Menschen bleiben halt lieber in ihrer Komfortzone und begnügen sich mit Jammern und Schimpfen. Dann können sie wenigstens nicht Scheitern oder gar Konkurs machen.
    Die Zukunft verlangt wandlungsfähige Typen. Hoffentlich setzen sie sich bald durch und ernten den Lohn für ihren Mut und Einsatz.