Achtsame Kommunikation: Experten-Interview mit Lisa Illichmann

14. Mai 2014Gar nicht so leicht zu beschreiben wer mein heutiger Interviewpartner ist. Lisa ist viel. Unter anderem Performance-Coach, Autorin und erfolgreiche Beraterin.


Während der vergangenen Jahr beschäftigte sich die passionierte Reiterin zudem mit Psychologie, Storytelling und dem Thema Ethik. Bei einem Treffen neulich berichtete sie mir von ihrem Workshop „Achtsame Kommunikation“ (23./24.5. St. Georgen am Längsee) und willigte ein, mir ein paar Fragen zum Thema kommunikative Achtsamkeit zu beantworten.

Lisa Illichmann, Expertin für Achtsame Kommunikation im Interview

Ed Wohlfahrt: Lisa, was ist achtsame Kommunikation oder, anders gefragt, das unterscheidet achtsame Kommunikation von nicht achtsamer?

Lisa Illichmann: Bei Achtsamer Kommunikation geht es um die Wahrnehmung der Beziehungsqualität (= in welcher Beziehung stehen die Gesprächspartner zueinander). Achtsame Kommunikation beschäftigt sich mit dem Zustand (emotionell) der Gesprächspartner und geht davon aus, dass das, was wir sagen, beim Gegenüber nicht ankommt, wenn diese/r nicht aufnahmebereit ist. Es ist wichtig zu erkennen, in welchem Zustand der Beteiligten sich befinden, damit wir wissen, wann wir reden sollen und wann nicht. Manchmal bewährt es sich eben zu Schweigen statt weiter zu reden (oder überhaupt anzufangen zu reden) um größere bzw. bleibende Schäden in der Beziehung zu vermeiden. Mit diesem Grundgedanken, schaffen wir eine wertschätzende langfristige Basis für die Beziehung und daher auch für die Kommunikation.

EW: Worin liegen die Vorteile, wenn z.B. in einer Abteilung achtsam miteinander kommuniziert wird?

LI: Die beteiligten Gesprächspartner fühlen sich wohler, weil sie authentischer und ehrlicher sind. Konflikte werden reduziert und die Beziehungsqualität wird widerstandsfähiger. Wir können Emotionen nie aus dem Spiel nehmen – auch nicht im Büroalltag (auch wenn wir es manchmal so gerne täten, und auch versuchen es zu tun). Emotionen beeinflussen wie wir unserer Umwelt gegenüber stehen und haben zusätzlich natürlich einen starken Einfluss auf unsere Botschaften – wie wir sie senden und wie wir sie empfangen. Also statt uns immer nur auf unsere Worte zu konzentrieren (oder die Botschaften, die wir senden möchten), können wir lernen uns auf die Emotionen zu konzentrieren und dadurch die jeweiligen Bedürfnisse der Beteiligten zu erkennen. Dies hilft uns feinfühliger, authentischer und offener zu sein. Emotionen zu erkennen und sein zu lassen, gibt uns Raum und Platz einfach zu sein und andere und uns selbst besser kennen zu lernen. Dieses “achten” auf das emotionale Umfeld macht es uns leichter auch die “richtigen” Worte zu finden, weil wir besser sehen können, wie die Situation für alle wirklich aussieht.

EW: Wo fängt Achtsamkeit im Unternehmenskontext an und wo hört sie auf?

LI: Sie beginnt bei jedem einzelnen. Achtsamkeit beeinflusst unsere Haltung und hinterfragt unsere Werte. Dies betrifft mein Handeln und führt somit zu einem besseren Ergebnis. Achtsamkeit ist die Basis jeder ethischen Haltung und dass muss eigentlich zentral sein sowohl im Unternehmenskontext, als natürlich auch im Kontext des gesamten Lebens. Achtsamkeit meint eine Art Respekt. Ich respektiere dich genug um achtsam zu sein wenn wir kommunizieren. Ich höre nicht nur auf deine Worte, sondern auf dich als Person. Ich bin nicht nur mit dem Gehirn sondern auch mit dem Geist dabei. Ich höre mit Herz, Geist und Seele zu. Es hat mit Spiritualität nichts zu tun, es hat mit Respekt, Ethik und Wertschätzung zu tun.

EW: Kommunikation soll wertschätzend, professionell, achtsam und noch vieles andere mehr sein. Packen wir hier nicht zu viel rein in das Thema?

LI: Achtsam zu sein hat mit Aufmerksamkeit und Ethik zu tun. Was wir tun, sollte bewusst geschehen, unabhängig von der Anzahl und Aussagekraft beschreibender Adjektive. Ich kann nur wiederholen: Achtsamkeit ist eine Art Respekt und Wertschätzung Ich respektiere den anderen genug um achtsam zu sein wenn wir kommunizieren. Ich höre zu und ich erwarte, dass der andere ebenfalls zuhört. Ich höre nicht nur auf den anderen, sondern auch auf mich selbst, damit ich mich vielleicht erstmals überhaupt wirklich kennen lernen kann – und dadurch auch authentischer sein kann. Ich höre nicht nur auf die Worte, sondern auf alle Botschaften, die geschickt werden. Ich höre auf die Emotionen, die involviert sind und lasse ihnen Raum.

EW: Lisa, wie sieht dein persönlicher Weg aus und wie bist du auf das Thema Achtsamkeit gekommen?

LI: Das Thema Achtsamkeit hat meine Haltung verändert. Sie erinnert mich immer wieder ins Jetzt zurückzukehren. Durch sie schaffe ich eine positive Lebensqualität. Durch Achtsamkeit habe ich mich selbst besser kennengelernt und habe die Geduld gefunden, auch andere besser kennenzulernen. Achtsame Kommunikation unterrichte ich jetzt als respektvoller Umgang mit sich selbst und anderen und diese Haltung hat mein Leben wesentlich interessanter und vielfältiger gemacht. Mein Weg geht weiter in diese Richtung.

EW: Danke Lisa für deinen Input und alles Gute!

==> zum Workshop „Achtsame Kommunikation“

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