Storytelling Workshop Lessons Learned

23. September 2014Vor einigen Tagen hielt ich für die bit Group GmbH in Klagenfurt einen Tagesworkshop mit dem Titel "Wer erzählt gewinnt - Mit Geschichten zu mehr Aufmerksamkeit und Weiterempfehlungen". Ich möchte hier ein wenig über das Thema sprechen und Erfahrungen teilen.


Möglicherweise kann der eine oder andere mit diesen Folien oder meinen Lessons Learned arbeiten, will sich darüber austauschen und das Thema Storytelling damit einem breiteren Publikum zugänglich machen. Wer weiß.

 

Das Zielpublikum des Workshops bestand in Gründerinnen und Gründern bzw. Jungunternehmern, die allesamt vor der Herausforderung stehen, Aufmerksamkeit auf sich und ihre Produkte und Dienstleistungen zu lenken. Keine leichte Sache. Das weiß ich aus eigener Erfahrung!

Im Rahmen des Workshops wunderte ich mich sehr über den Umstand, dass es nicht lange dauerte und jeder Teilnehmer hatte seine eigene Geschichte gefunden. Allein diesen Umstand fand ich interessant, da ich dachte, dass dieser Prozess wesentlich mehr Zeit in Anspruch nehmen würde.

Ohne Wertschätzung kein Storytelling
Eine Herausforderung für mich als Vortragender bestand darin, den Teilnehmern mit größte möglicher Wertschätzung zu begegnen. Dies natürlich auch dann, wenn die erzählten Geschichten weder von Aufbau, Dramaturgie oder Struktur in mein „erlerntes“ Storytelling-Muster oder zu den in den Folien enthaltenen „Bauplänen“ passten. Das ist aber auch völlig egal! Schließlich ging es im Rahmen des Workshops ja auch nicht darum, zu erfahren, wie man „richtig“ Geschichten erzählt sondern erstmal darum, mit dem Erzählen überhaupt erst zu beginnen. Je mehr ich mich selbst zurücknahm und aufhörte darauf zu pochen, dass es in Geschichten (damit das Publikum aufmerksam ist und bleibt) gewisse Elemente und Strukturen braucht, desto leichter machte ich es den Teilnehmern (und wohl auch mir selbst), eigene Geschichten zu entwickeln.

Storytelling-Theorie killt Storytelling-Flow
Klar gab es ein Angebot in Form von Folien, das die einzelnen Wege in die jeweiligen Geschichten hinein darlegte und Aufschluss darüber gab, wie eine Story aussehen könnte. Aber es ist eben „kann“ und nicht „sollte“ oder gar „muss“. Stories müssen letztlich gar nichts. Wenn Sie für uns funktionieren, weil sie eben genau zu einem bestimmten Thema perfekt passen, anschlussfähig sind, etc., dann tun sie das vielleicht auch dann, wenn der Konflikt nicht sonderlich klar herausgearbeitet wurde, vielleicht zu viel auf einmal erzählt wurde oder etwa im Zuge einer Heldengeschichte der Aspekt der Veränderung / Verwandlung nicht klar genug herauskommt. Meine diesbezügliche Erfahrung war, dass es mit zunehmender Storytelling-Theorie für viele immer schwieriger wird, ihre Geschichten natürlich zu entwickeln und zu erzählen.

Geschichten werden verteidigt
Ein weiteres Learning aus dem Workshop bestand für mich darin, dass es schwierig ist, sich von eingeschlagenen Story-Pfaden wieder zu verabschieden. So entwickelten die TeilnehmerInnen des Workshops meist ihre erste bzw. eingangs gewählte Geschichte weiter. Zum Teil war dies natürlich auch von mir so gewollt. Andererseits wurde selbst dann weiterentwickelt, wenn die eine oder andere Geschichte – vom Storytelling-Lehrbuch aus betrachtet – nicht viel hergab, also subjektiv betrachtet nicht das nötige Potential hatte. Für mich war es interessant zu sehen, wie sehr die Teilnehmer an dieser einen Geschichte hingen und nicht mehr davon lassen wollten.

Naturtalente abholen leicht gemacht
Abschließend noch einen weiteren, für mich wichtigen Aspekt. Er handelt davon, entweder recht haben zu wollen oder aber einen erfolgreichen Workshop abzuliefern. Es liegt in der Natur der Sache, dass es unter den TeilnehmerInnen eines Workshops introvertierte und extrovertierte Menschen gibt. Umgelegt auf das Thema Storytelling bedeutet dies, dass es TeilnehmerInnen gibt, die laut eigenen Angaben sehr einfach, leicht und oft Geschichten erzählen. Mit solchen Naturtalenten zu arbeiten kann durchaus herausfordernd sein. Einerseits geht es darum, ihre Geschichten und ihre große Bereitschaft, diese auch zu erzählen, wertzuschätzen (siehe oben!). Anderseits geht es aber auch darum, sie dafür zu gewinnen, an bestehenden, guten Geschichten zu feilen, um sie dadurch noch besser zu machen, auf ein bestimmtes Ziel oder die zu vermittelnde Botschaft hin zu schärfen, sie etwa darauf aufmerksam zu machen, dass es in der jeweiligen Erzählung am Konflikt (dem Salz in der Suppe…) fehlt, etc.

Sich als Vortragender hier zurückzunehmen bzw. möglichst nicht darauf zu bestehen, eine Geschichte nach diesem oder jenem Konzept, nach dieser oder jener Storytelling-Schule zu erzählen, ist für mich der richtige Weg. Letztlich sind es schließlich die Teilnehmer selbst, die mit ihren Geschichten in der Praxis erfolgreich sein müssen, egal ob so, so oder so erzählt.

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