Der Kanzler als Pizzamann

20. April 2017Die nächsten Wahlen zum Österreichischen Nationalrat kommen bestimmt. Die Parteien bringen sich in Stellung und nutzen dafür natürlich auch Soziale Medien. SPÖ-Kanzler Christian Kern sorgt gerade mit einem unkonventionellen Video für Aufsehen.


Es ist schwer als Politiker. Was ich meine? Es ist schwer Dinge zu sagen und zu tun, die in sozialen Medien bestehen können. Dinge, die in Erinnerung bleiben, die möglicherweise berühren, mit denen man sich positiv abhebt, alle diese Sachen.

Politik ist nicht lustig. Politiker lachen selten, sind wenigen Leuten sympathisch. Es geht stets um die politische Sache, das politische Thema, den richtigen eigenen Standpunkt und natürlich um den falschen des Mitbewerbers. Politik bohrt dicke Bretter, und basta!

Politiker haben es schwer!

Ich möchte damit nicht sagen, dass mir Politiker leid tun. Zumindest solange man sie nicht auf Skiern die Piste hinunter schickt, wie geschehen im Präsidentschaftswahlkampf von Andreas Khol. Wir erinnern uns mit Schrecken. Aber schwer haben sie es dann schon wieder. Man traut ihnen nicht über den Weg und schätzt ihre Problemlösungskompetenz meist als niedrig bis sehr niedrig ein.

Wer vertraut Politikern?

Das Vertrauensbarometer für Politiker stark nach unten. Vor allem bei den Jüngeren ist es damit nicht allzu gut bestellt.

Die Kommunikation ist schuld, ausnahmslos immer

Und natürlich auch ihre Berater, Spindoktoren und Pressesprecher. Sie sollen müssen es dann richten. Im Wissen natürlich, dass die Kommunikation immer versagt, wenn es schlecht läuft. „Es ist uns nicht gelungen, den Leuten verständlich zu machen, dass…“ heißt es dann nach erfolglos geschlagener Wahl. Und dass natürlich die Kommunikation schlecht war… Ich warte jeden Wahlabend auf diese Wortspenden und sie kommen den Verlierern über die Lippen so wie das Amen im Gebet.

Politik tut sich schwer in sozialen Medien

Besonders schwierig für Politiker ist das Metier Sozialer Medien. Dass das aber nicht zwingend so sein muss, zeigt der amtierende Bundeskanzler Dr. Christian Kern.

Es geht darum, eine Kampagne, eine Bewegung zu starten, darum, mit den Menschen ins Gespräch zu kommen, ehrliche und authentische Bilder zu produzieren und zu vermarkten. Kern uns sein Team haben sich zu einen Zugang entschlossen, für den es vor allem drei Dinge braucht.

 

  • Mut bzw. die Fähigkeit über den Dingen zu stehen.
  • Die Fähigkeit, sich und das eigene Tun nicht zu ernst zu nehmen.
  • Hohe Frustrationstoleranz.

 

All diese Punkte bringen viele Politiker nicht mit. Leider. Vor diesem Hintergrund tun sie sich sehr schwer, wenn es darum geht, über Sozialen Medien zu kommunizieren und darin zu bestehen.

Kanzler Kern als Pizzamann

Was tut Kern? Sehen sie selbst! Er verkleidet sich einen Abend lang den Pizzaboten, kommt mit Menschen ins Gespräch und inszeniert sich damit als dialogbereit, sympathisch und offen. Nicht schlecht!

Verbreitet wird dieses Video über den Facebook Kanal des Kanzlers und den hauseigenen Kanal auf Youtube.

Natürlich ist das Berechnung! Natürlich geht es um die Bilder, den davon ausgehenden Buzz in Online Medien und Tageszeitungen. Und, ja klar, handelt es sich dabei um ein klassisches Pseudo-Ereignis. Andererseits, warum nicht!? Die anderen Politiker tun es schließlich auch oder werden sehr bald wieder damit beginnen. Babies küssen, Marktbesuche, Verteilaktionen. Man kennt das. Werden sie damit Online Gespräche auslösen können? Ich bin mir da nicht so sicher.

 

 

Kern löst eine ganze Menge dieser Online Gespräche aus. Nicht alle werden immer schmeichelhaft für ihn ausfallen. Aber das ist auch egal. Kern folgt seinen Beratern, er wagt sich hinaus auf dünnes Eis und er wird wohl auch das Durchhaltevermögen mitbringen, in seiner Online Kommunikation und dem daran anschließenden Transport social Media-gerechter Bilder weiter am Drücker zu bleiben.

Online Buzz als neue Währung?

Möglich auch, dass wir auch hierzulande sehr bald mehr von dieser Form politischer Kommunikation erleben werden. Mehr Inhalte also, die auf die Verbreitung in und über soziale Medien abzielen, die ganz bewusst für diesen Kanal ersonnen und umgesetzt wurden. Dass es dafür einen neuen Typus Politker braucht, der bereit ist, auch hier entsprechend mitzuspielen, sollte allen klar sein.

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