5 Wege aus der Facebook-Sackgasse

11. Dezember 2014Facebook will Kohle. So einfach ist das. Wollen Unternehmen mit ihrem Gedöns in die Breite, müssen sie dafür immer tiefer in die Tasche greifen. Ich versuche hier der Frage nachzugehen, ob sich Facebook noch lohnt. Und wenn ja, für wen und wie lange noch.

Dass es mit der organischen, also der natürlichen, kostenlosen Reichweite für Facebook-Seiten so gut wie vorbei ist, hat sich in der Branche herumgesprochen. So postete Ogilvy bereits im heurigen Frühjahr nachfolgende Grafik, die bei vielen Marken- und Kommunikationsverantwortlichen wohl für einen kalten Schauer gesorgt haben dürfte.

Reichweite von Facebook Seiten

Die Organische Reichweite von Facebook-Seiten befindet sich im Sturzflug. Dies aber nicht erst seit gestern.

Wie findet dieses Wissen nun seinen Niederschlag in der Praxis? Auf jeden Fall zu wenig, finde ich. Wie läuft es mit Facebook nun wirklich? Nun, man nimmt ordentlich Geld in die Hand und pusht dann den eigenen, für die Fans meist unterdurchschnittlich relevanten Content, so lange in lichte Höhen, bis das Geld eben aufgezehrt ist. Was dabei heraus kommt, sind überaus schöne Zahlen und Grafiken (bereitgestellt von Facebook…), die man dann seinem glücklichen Geschäftsführer, CEO oder CMO unter die Nase halten kann und – ein wenig Glück oder besser Unwissen vorausgesetzt – ungeschoren davon kommt.

Organische Reichweite vs. bezahlte Reichweite

So manches Unternehmen gibt auf Facebook Unsummen aus. Nachdenken über Alternativen ist ausdrücklich verboten, weil man ja bereits viel Geld in Berater, den Aufbau von Strukturen, Schulungen, Software-Tools und eben Facebook Werbung investiert hat.

Facebook will Kohle..
Ich gehöre Facebook betreffend sicher nicht zum erlauchten Kreis der allwissenden Müllhalden, da gibt es weiß Gott andere! Jedoch halte ich einen Cost Per Click auf Facebook von einem Dollar und mehr für absolut grenzwertig! Ich frage mich, warum 20.000 Personen den Post XY eines Unternehmen sehen müssen, damit dieses (nicht verkaufende) Posting dann 50 Likes und vielleicht zehn Kommentare erhält. Das ganze dann zum Preis von 500 Euro (!).

… und liefert Grafiken
Ihr meint, solche Kosten für einen Klick oder ein einziges “Engagement” wären aus der Luft gegriffen? Das sind sie nicht, weil ebeb noch zu viele diese Grafiken oder vermeintlich 20.000, 30.000 oder 70.000 Reichweite sehen wollen. Und Facebook macht gutes Geld, mir Leuten, denen genau dieser Umstand nicht ausreichend bewusst ist, dass sie hier meist zu viel für zu wenig bezahlen!

Was tun, wenn die Facebook Werbung ins eigene Marketing-Budget ein immer größeres Loch brennt?

Was tun, wenn die Facebook Werbung ins eigene Marketing-Budget ein immer größeres Loch brennt?

 

Wege raus aus der Facebook-Sackgasse
Nun, wie könnten sie aussehen, mögliche Lösungen? Hier mal eine Liste ohne Anspruch auf Vollständigkeit. Würde mich brennend interessieren, welche Strategien hier andere sehen.

Möglichkeit #1. Weiter wie bisher aber anders
Bleiben Sie auf Facebook und hoffen auf bessere Zeiten. Wer weiß, vielleicht hat das Netzwerk mal genug Geld eingesammelt und schraubt die gratis zu erzielende Reichweite wieder nach oben. Dies lässt sich zumindest nicht vollends ausschließen. Wenn Sie sich vorerst dazu entschließen, nix zu tun, beobachten Sie in Zukunft genauer, was Ihnen Facebook für Ihr gutes (Werbe)Geld liefert. Aber Achtung, zu werblich sollten Ihre Facebook-Postings (egal ob sponsored oder nicht…) dann auch nicht sein. Das wünscht sich zumindest Facebook. Und die bestimmen auf ihrem Netzwerk natürlich, was gesendet wird und was nicht. Anregungen, wie Sie aus ihren Facebook-Ads mehr herausholen, finden Sie etwa bei Jon Loomer. Kalkulieren und rechnen Sie. Es ist letztlich Ihr Geld und wenn Sie damit immer weniger Leads erzielen, so führt dies unweigerlich zum nächsten Schritt.

Möglichkeit #2. Facebook verlassen
Ich weiß, reichlich kontrovers dieser Vorschlag bei näherem Hinsehen jedoch durchaus eine Überlegung wert. Setzen Sie auf andere, bisher stiefmütterlich behandelte Kanäle wie das gute alte E-Mail, den Newsletter oder Soziale Netzwerke, auf denen hinsichtlich Interaktion jetzt zwar nicht die Post abgeht, deren Verwendung Ihnen und Ihrer Marke jedoch immerhin Relevanz auf Google bringt. Ein Zwischenschritt, sozusagen Möglichkeit 2a, bestünde darin, das eigene Facebook-Angebot kontrolliert auf Sparflamme zu nehmen. Sie sind dann zwar immer noch auf Facebook vertreten, jedoch nicht mehr mit dem Einsatz, der vor allem Facebook Geld (und unbezahlte Werbung in Form Ihrer Print-Anzeigen mit Facebook-Logo…) in die Kassen spült.

Möglichkeit #3. E-Mail Newsletter exhumieren
Natürlich verwenden Unternehmen einen Mix bestehend aus Homepage, E-Mail Newsletter und Social. Dennoch fiel mir während der vergangenen Zeit immer häufiger auf, wie wenig Aufmerksamkeit auf das Thema Newsletter gelegt wurde. Ich spreche jetzt nur mal von der Aufmachung, spricht Optik und noch gar nicht so sehr vom Inhalt. Hier anzusetzen und seinen Kunden, Fans, Freunden relevante, gut aufbereitete Informationen zukommen zu lassen, ist nicht das Schlechteste. Vor allem dann, wenn Sie diese Maßnahme mit der Performanz vergleichen, die Ihre nicht-beworbenen Posts derzeit auf Facebook haben… Und inhaltlich kann man hier auch in die Vollen hauen. Erzählen sie Geschichten, bringen Sie Videos und schnüren Sie einen Newsletter, auf den an bereits sehnlich wartet. Sidestep: Warum Facebook verwenden zum Verschenken irgendwelcher Goodies, wenn ich dies z.B. auch über die eigene Webseite, den eigenen Newsletter tun kann..?

Möglichkeit #4. Alternative Kanäle wählen
Eine vor dem Hintergrund der Entwicklung von Facebook spannende Alternative scheinen Brand Communities zu sein. Viele Unternehmen haben diese bereits vor Jahren hochgezogen und verstärken ihr Engagement 2015 maßgeblich. Communities dieser Art sind auf solidem, eigenem Boden gebaut und hängen nicht vom Gutdünken anderer ab. Sie müssen jedoch nicht BMW, Cola-Cola oder Ikea heißen. Klein zu beginnen und das Augenmerk auf den Nutzen für den Kunden zu legen, ist hier alles andere als kurzsichtig. Im Rahmen einer solchen Community helfen sich Kunden gegenseitig, kommunizieren Sie ohne Streuverlust und vor allem ohne dass irgendjemand von Ihnen plötzlich Geld sehen will. An einer schönen und und vom Nutzwert her hoch einzuschätzenden Brand Community, sie nennen diese selbst Support Community, werkt der Österreichische Mobilfunkanbieter A1 seit längerer Zeit. Aber es ist dieser lange Atem, der sich dann auch entsprechend niederschlägt. Übrigens, auch ein Blog kann gleichzeitig Marketing-Tool, Brand Community und damit perfekter Facebook-Ersatz sein…

Brand Communities, die sich Social Content auf die eigene Webseite holen scheinen derzeit der letzte Schrei zu sein

Brand Communities, die sich Social Content auf die eigene Webseite holen scheinen derzeit der letzte Schrei zu sein (Quelle: Playstation Greatness Awaits)

Möglichkeit #5. Social Tools einsetzen
Liken, kommentieren, weiterleiten, voten. All diese Features wurden von Facebook auf genial einfache Weise zentral gebündelt und stehen uns hier “gratis” zur Verfügung. Wir haben sozusagen Interaktions-Möglichkeiten, ja mehr noch, die Interaktion, den Dialog, all das, an Facebook ausgelagert. Wie freigiebig?! In Zukunft könnte es so laufen, dass sich Webseiten-Betreiber dieser Features wieder mehr und mehr “zurückholen” bzw. diese auf die eigene Web- oder Mikroseiten packen. Auch dies wiederum vor dem Hintergrund der Notwendigkeit, ein Stück weit unabhängiger und freier agieren zu können, als man dies auf Facebook tun kann.

Weiterführende Blog-Literatur:
Brands are wasting Time and Money on Facebook and Twitter, Report says
Facebook Has Finally Killed Organic Reach. What Should Marketers Do Next?

 

Blogparade #Stateofstorytelling: Weniger ist mehr!

27. November 2014Vor ein paar Wochen startete ich die Blogparade Stateofstorytelling. Ich hatte große Erwartungen und sie erfüllten sich nur zum Teil. Warum das wiederum gut sein könnte, möchte ich hier kurz ausführen.

Zuerst die gute Nachricht: Acht Blogger haben sich – exklusive mir selbst – mit ihren Beiträgen an der Blogparade beteiligt. Es sind ein paar wirklich tolle Beiträge darunter, die ich Storytelling-Interessierten nur wärmstens ans Herz legen möchte. Ich liste sie hier allesamt noch einmal auf.

E-Travel Vordenker Günter Exel etwa publizierte am Tourismus-Blog von Tourismuszukunft einen tollen Beitrag, den sich nicht nur Touristiker durchlesen sollten. Dass Content immer rechtzeitiger werden und welche Konsequenzen sich daraus ableiten, ist wirklich gut erklärt worden. Auch Alexander Stocker beteiligte sich an der Blogparade und diskutierte narrative Methoden in der Einführung bzw. im Umgang mit Web 2.0 Anwendungen im unternehmerischen Kontext, also Corporate Social Software.

Michael Stocker

Warum mir dieser Beitrag besonders wichtig war, ist einfach erklärt. Er geht über Storytelling im Marketing-Context weit hinaus und beleuchtet die Methodik aus einem wohltuend anderen Blickwinkel. Wertvolle Beiträge kamen zudem vom Online-PR-Blog von PR-Gateway in Form des Interviews mit Storytelling-Experten Björn Eichstädt von Storymaker, einer PR-Agentur übrigens, die sich auf die Arbeit mit Geschichten spezialisiert hat sowie einem Post, der sich mit dem Thema Storytelling und Content Marketing beschäftigt.

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Zwei weitere Einreichungen zur Blogparade möchte ich gesondert hervorheben. Einerseits den von Cyquest-Geschäftsführer Jo Diercks vom Recutainment-Blog, andererseits jenen von Michael Geerdts. Diercks Beitrag ist ein besonders schöner, da er darin auf die vielfältigen Einsatzmöglichkeiten von Geschichten im Employer Branding zu sprechen kommt und damit – zumindest für mich – auf Facetten des Storytellings hinweist, die im lauten Geschrei  oft untergehen. Last but not least möchte ich auf Michael Geerdts Post lautend auf “Ein Geheimnis für gutes Storytelling” zu sprechen kommen. Geerdts beschäftigt sich mit Präsentationstechniken und hatte gleich ein paar ganz konkrete Tipps für das tägliche Arbeiten mit Geschichten parat. Gerade diesen Input sehe ich als besonders wertvoll an, da er uns hilft, bestehende Techniken noch weiter zu verfeinern. Und genau darum geht es meiner Meinung nach auch.

Shame on me! Vergessen hier aufzuzählen habe ich vor allem einen guten alten Bekannten aus meinen Tagen an der Uni Salzburg, Thomas Hunter. Er war schon während meiner Zeit in Salzburg immer einer, dem ich gerne und vertrauensvoll zuhören konnte, wenn er über Public Relations sprach. Er war damals Tutor eines gewissen Benno Signitzer. Lang lang ists her ;) Aber sein Beitrag zur Blogparade Keine Märchenstunde: Storytelling darf hier nicht der guten alten Zeiten wegen nicht unerwähnt bleiben, sondern deshalb, weil er aufzeigt, wie Geschichten in der Kommunikations-Praxis Eingang finden können und sollen. Thomas zeigt aber auch einen wichtigen Umstand auf, der zentral ist, wenn er schreibt

Nicht alles kann über Geschichten vermittelt werden. Sie sollen dort eingesetzt werden, wo sie einen sinnvollen Beitrag zur Zielerreichung leisten.

Ich denke, das sollten wir uns alle hinter die Ohren schreiben. Dieses Zitat rückt die Thematik wohltuend zurecht, in Zeiten wie diesen, in denen viele Storytelling als neue “Super-Methode” durch’s Dorf treiben so wie damals Al Gore das Internet ;) Mir gefällt diese professionelle Unaufgeregtheit überaus gut. Danke dafür nach Salzburg!

So, jetzt habe ich den Focus mal ganz stark auf die Positiva gelegt. Und wisst ihr was? Ich hab für das vielleicht Negative dieser Blogparade gar keine Tinte mehr : ) Klar hätte vielleicht es mehr Einrichtungen geben können (vielleicht kommt bis zum 30. November 2014 ja auch noch was dazu?), aber wie immer geht es auch hier nicht um Masse sondern um Klasse. Und die war zweifellos gegeben. Und mal ganz im Ernst: Vielleicht lässt die nicht sonderlich starke Teilnehme an dieser Blogparade ja auch den Schluss zu, dass sich nicht (mehr) jeder zu Wort melden kann oder will, wenn er “Storytelling” nur hört. Ich hatte neulich auf einem Congress so jemanden gesehen, der sich zu Wort gemeldet hat, und es meiner Meinung nach besser gelassen hätte.

Ich sage Danke für alle Einreichungen und im Voraus Danke für die, die sich vielleicht noch einstellen werden. Lasst uns die Methodik Storytelling weiter bearbeiten und sie von möglichst vielen unterschiedlichen Perspektiven aus gemeinsam betrachten. Das wünsche ich mir!

Storyteling auf Facebook (Teil 1)

12. November 2014Facebook ist derzeit (November 2014) sicher die bestimmende Social Media Plattform. Rein mal zahlenmäßig gesehen. Weil Facebook aber auch für Storytelling ein geeigneter Rahmen sein kann, beschäftige ich mich in dieser Blog-Serie mit Storytelling auf Facebook.

Mit der Einschätzung, dass Facebook für Storyteling ein geeigneter Rahmen sein kann, widerspreche ich mir gleich mal. Im Blogbeitrag Storytelling: Twitter, Google+ oder doch Facebook? aus 2012 fragte ichn mich, ob Unternehmen

(…)  nicht sprichwörtlich Perlen vor die Säue werfen, indem sie gute Geschichten in die Streams ihrer Fans spielen, wo sie zwischen Posts der Marke “Ich esse gerade ein Steak mit 240 Gramm Einwaage” oder “Mann ist mein neuer BMW aber klasse” zu stehen kommen?

Mir wurde teilweise kopfschüttelnd widersprochen, zeigt mir ein Blick in die Kommentare. Naja, das sehe ich mittlerweise differenzierter. Möglicherweise auch deshalb, weil Unternehmen auf Facebook heute wesentlich besser und auch öfter Geschichten erzählen, als sie es noch vor einigen Jahren getan haben. Auch das Thema selbst und der Zugang dazu haben sich gemausert. Und zwar gewaltig. So ist Storytelling in all seinen begrifflichen Ausprägungen ein wirklich großes Thema geworden. Vor allem dann, wenn es um Online- bzw. Content-Marketing geht, kann es sich kein Kongress, keine Webseite und kein Marketeer mehr leisten, zum Thema Storytelling nicht zu sagen. Viele haben das Thema jetzt also auf dem Radar und bekommen von Facebook auch nicht zuletzt deshalb einen optimalen Rahmen, ihre Geschichten loszuwerden.

Facebook hat Geschichten in seiner DNA
Wer sich Facebook genauer ansieht, erkennt schnell, auf welch vielfältige Art uns die Marke selbst Geschichten erzählt. Aber nicht etwa von sich selbst, das erledigen schon andere, und stärken über diese Mystifizierung gleich wieder die Marke. In den Geschichten, die uns Facebook über seine wirklich genial gemachte Facebook-Stories Webseite erzählt, stehen die Facebook-Nutzer im Mittelpunkt. Aber nicht nur sie, auch ihre vielfältigen Konflikte, für die Facebook Lösungen parat hat. Das ist wirklich clever gemacht.

Hier gehts zur Blogparade State of Storytelling

Storytelling via Lebensereignis und Meilenstein
Wer keine Geschichte hat, der hat zumindest seine Lebensgeschichte, heißt es so schön. Auch das wiederum erkannte Facebook und bietet seinen Nutzern das Feature “Facebook-Lebensereignis” bzw. Firmen das gleiche Vehikel namens “Facebook-Meilenstein” an. Und Facebook bittet seine Nutzer dann auch wirklich um ihre Geschichten. Hier geht es um nichts anderes, als darum, Geschichten auszulösen. Je mehr Geschichten, desto besser für Facebook, so die einfache Formel. Mehr Geschichten bedeutet mehr Content. Mehr Content für unsere Freundeskreise auf Facebook wiederum mehr soziales Kapital und damit Relevanz. Je relevanter unsere Geschichten auf Facebook aber für unsere Freunde und Follower, desto relevanter ist für sie letztlich auch – genau! – Facebook selbst.

Facebook bietet Storytellern ein breites Betätigungsfeld. Letztlich geht es darum, wie wir Geschichten definieren und was wir bei unseren Zuhörern damit bewirken wollen. Fotocredit: Loren Sztajer / flickr.com

Facebook bietet Storytellern ein breites Betätigungsfeld. Letztlich geht es darum, wie wir Geschichten definieren und was wir bei unseren Zuhörern damit bewirken wollen. Fotocredit: Loren Sztajer / flickr.com

Dieser unwiderstehliche Kitt, den uns Facebook in Form von Geschichten derer, denen wir folgen, bereitstellt, macht es einigen von uns letztlich sooo schwer, der Plattform den Rücken zu kehren. Sie müssen einfach immer wieder zurück, weil es sonst keine Fortsetzung gibt. Ein Prinzip, das wir schon aus dem Märchen von 1001 Nacht kennen. Bei Facebook hier abzukupfern ist für Unternehmen nicht ganz einfach, jedoch mit Sicherheit sehr lohnend.

Facebook Storytelling einfacher als man denkt
Wenn man über Storytelling auf Facebook nachdenkt ist man eigentlich schon in der Patsche. Zumindest mit einem Fuß. Der Begriff alleine macht es oft schon sehr schwer, die Lockerheit mitzubringen, etwas Anregendes, Leichtes, Lockeres oder Emotionales von sich zu geben. Egal ob jetzt als Einzelperson oder als Unternehmen. Weniger, so meine Erfahrung, ist vielfach mehr. Wenn wir den Begriff Storytelling schon verwenden, so verstehen wir darunter möglicherweise ein kurzes Video, einen kurzen, ja sehr kurzen Text oder ein Bild bzw. eine Kombination daraus. Das ist es letztlich, was unsere “Story” im Rahmen eines x-beliebigen Facebook-Postings ausmacht. Vielleicht ist es also besser auf Facebook von Micro-Geschichten oder Geschichts-Fragmenten zu sprechen.

Die Basis unserer Geschichten
Ob online oder offline. Unsere Micro-Geschichten oder Geschichts-Fragmente, die wir auf Facebook zum Besten geben, brauchen eine Unterlage und zwar in zweifacher Hinsicht. Erstens müssen sie mit dem, was wir sind, wonach wir streben, wofür wir stehen, also mit unserer persönlichen Mission oder der Mission des betreffenden Unternehmens in Einklang stehen. In der Literatur taucht hierfür immer wieder der Begriff Kern-Geschichte bzw. Core Story auf. Dies ist die eine Ebene. Die andere besteht darin, dass unser Content, egal ob Text, Bild, kurzes Video oder eben die Kombination daraus, auf eine bereits erlebte Geschichte unserer Fans und Follower treffen sollte. Unsere auf Facebook veröffentlichten Geschichts-Fragmente sollten also optimalerweise auf ein “Ach ja, so ging es mir auch einmal” oder “Ja, dieses Gefühl kenne ich” treffen. Ist dies gegeben, so hat mir ein Facebook-User oder ein Unternehmen, dem ich auf Facebook folge, eine Geschichte erzählt und mir darüber einen Nutzen stiften können.

 

Weitere Posts zum Thema Storytelling:
Warum emotionale Geschichten besser funktionieren
Storytelling: No Guts no Glory!
Storytelling: Geschichten eine Bedeutung geben
Case Study: Baustellenkommunikation via Facebook und Blog
Visual Storytelling in 10 Schritten

 

Warum emotionale Geschichten besser funktionieren

4. November 2014Es war ziemlich ernüchternd, als mich die Teilnehmerin eines Workshops neulich darum bat, emotional etwas kürzer zu treten. Vielleicht hatte das aber auch mit dem Katzenvideo von Gopro zu tun. Emotion im Storytelling muss aber sein. Fehlt sie, fällt es uns schwer, darauf einzusteigen.

Es war dieses Video, das der Teilnehmerin sauer aufgestoßen hat. Und es ist wahrscheinlich nicht der Inhalt, den man sich morgens auf nüchternen Magen ansehen will. Doch es war nun mal mein Einstieg in einen Tag, in dessen Verlauf wir uns fragten, wie wir als UnternehmerInnen bessere Geschichten erzählen könnten.

Das Feedback, wie gesagt, sah so aus, dass mich die Teilnehmerin darum bat, etwas weniger emotionale Beispiele zu zeigen bzw. mit der Emotion generell ein wenig zurück zu fahren. Machen wir es kurz. Sie hatte recht.
Zudem erwischte sie mich klassisch auf dem falschen Fuß. So bin ich in den Workshops stets darum bemüht, dass sich die Teilnehmer wohlfühlen bzw. ein geschütztes Setting vorfinden, in dem sich dieses Wohlgefühl einstellen kann. Insbesondere zum Start enorm wichtig.

Storytelling ohne Emotion funktioniert nicht

Im limbischen System werden Entscheidungen getroffen. Der Schlüssel dazu sind Emotionen

Andererseits bin ich aber auch froh darüber, dass es diese Wortmeldung gab, da sie es mir ermöglichte, näher auszuführen, dass Geschichten Emotionen einerseits benötigen, dass es der Erzähler aber auch in der Hand hat, die darin enthaltene Emotion so zu dosieren, dass es für seine Zuhörer passt.

Für den Erzählenden ist es ebenso ein schmaler Grad. Es kann ganz schnell gehen, und man überschreitet als Sprecher einen Punkt, ab dem man seine Emotionen nicht mehr unter Kontrolle hat. Gerade dann, wenn unsere Geschichten sehr authentisch sind und wir auf (eigene) Konflikte, Probleme, Umwege und dergleichen zu sprechen kommen. Damit einem die Geschichte und damit die beim Publikum intendierte Wirkung nicht entgleitet, ist hier sicher weniger mehr. Aber zurück zur Frage, warum unsere Geschichten Emotionen brauchen, ja ohne sie nicht sonderlich gut funktionieren.

Unser Gehirn braucht Emotion.
Besser wäre es, die Frage anders zu stellen. Es gibt keinen zwingenden Grund, warum Geschichten Emotionen brauchen. Die Frage ist, was benötigt unser Gehirn, genauer gesagt, unser limbisches System, damit es auf Hochtouren kommt und vielleicht Entscheidungen trifft, ein ganz bestimmtes Bewusstsein schafft, Lernen ermöglicht, etc.

Storytelling limbisches System

Auch der US-Präsident ist sich der Wirkung emotionaler Inhalte bestens bewusst.

Limbisches System als emotionaler Textmarker
Wenn eine Geschichte nicht an unsere Gefühlswelt, an das Riechen, Schmecken, Tasten appelliert, so fällt sie durch. Sie wird nicht als relevant genug eingestuft und darum nicht gemerkt und erinnert. All das, was wir uns für unsere Geschichten wünschen, können wir uns dann abschreiben. Mir hat das Bild des limbischen Systems als emotionaler Textmarker sehr gut gefallen. Und dieser kommt eben nicht zum Einsatz, wenn unsere Geschichten an Emotionalität vermissen lassen.

Dies ist der Grund, warum uns gute Geschichten und Bilder (Stichwort: visuelles Storytelling) nahe gehen, uns emotional fesseln uns im wahrsten Sinn des Wortes nicht mehr loslassen. Es gibt dafür natürlich auch noch andere Gründe, schon klar. Jedoch sind und bleiben Emotionen – gut dosiert und eingesetzt – der zentrale Schlüssel zum Geschichtenerfolg.

Geschichten brauchen Wertschätzung
Dass wir mit diesem Thema wirklich sorgsam umgehen und dass wir jene, die z.B. im Rahmen eines Workshops Geschichten mit uns teilen, schützen müssen, ist selbstverständlich. Dieser Schutz ist nicht automatisch gegeben. Es braucht ein angstfreies Setting. Gibt es dieses nicht, werden kaum Geschichten erzählt. Ein nicht uninteressanter Umstand, wie ich finde. Auch von großer Bedeutung, zumindest für mich: Geschichten bzw. Menschen, die Geschichten erzählen, brauchen Wertschätzung. Das ist im ersten Schritt mal ein “Danke, dass du diese Geschichte mit uns teils” oder ähnlich. Daran ist v.a. in Workshop-Settings zu denken, in denen jeder der Zuhörenden lernen und so schnell wie möglich auf den Punkt kommen will. Auch hier ist weniger mehr. Und noch etwas: Jeder, der schon mal ein Interview geführt hat, weiß, dass Geschichten kommen, wann immer sie wollen. Wenn sie Zeit brauchen oder wenn sie an einem bestimmten Workshop-Tag eben mal nicht kommen (wollen), so muss dies immer auch in Ordnung sein. Dieses Warten-Können dieses Eben-Nicht-Nachbohren, hat auch mit Wertschätzung zu tun, die ich für den Geschichtenerfolg für ebenso essentiell halte wie die Emotion.

Es grüßt Sie,
Ed Wohlfahrt

 

 

State of Storytelling 2014

23. Oktober 2014Ob Corporate Storytelling, Digital Storytelling oder bloß Storytelling. Das Thema erlebt derzeit eine echte Hochblüte. Längst rümpfen viele die Nase und meinen, die Methodik als leeres Marketing-Vokabel enttarnt zu haben. Ich will aber mehr. Ich will tiefer in die Materie hinein, bessere Fragen stellen und auf höherem Niveau scheitern. Deshalb diese Blogparade, an der sich jeder beteiligen kann, der zum Thema etwas beitragen will.

Diese Blogparade ist ein Stein, den ich ins Wasser werfe. Ich mache das von Zeit zu Zeit mit Themen, die mir am Herzen liegen. Ich komme jedoch nicht mit leeren Händen. So gibt es etwa auf Slideshare Folien, die ich in der  Workshop-Serie “Wer erzählt gewinnt – Mit Geschichten zu mehr Aufmerksamkeit und Weiterempfehlungen” im Unternehmens-Gründungsprogramm verwendet habe. Auch gibt es hier am Blog in der Kategorie Corporate Storytelling einiges zu meiner persönlichen Sicht auf das Thema und darüber hinaus natürlich die Google Plus Community Storytelling Austria, die sich wirklich mehr Aufmerksamkeit (v.a. von meiner Seite…) verdient hätte. Ach ja, ein StoryCamp in Salzburg hat es 2012 auch mal gegeben…

Who cares?!
Jetzt also eine Blogparade zum Thema Storytelling und die bange Frage, Who cares!? Was ich in meinen Workshops sehe, ist, dass viele, um nicht zu sagen alle, mit Geschichten arbeiten. Wir verwenden sie dafür, für uns und unsere Anliegen zu sprechen, unseren Zuhörern ein besseres Verständnis zu ermöglichen oder aus vielerlei anderen Gründen. Und noch viel wichtiger: Jeder versteht unter Geschichten – ich möchte das Wort Storytelling hier erst gar nicht verwenden – etwas anderes.

Blogparade Storytelling

Storytelling kann vieles sein oder bedeuten. Um diese unterschiedlichen Aspekte geht es im Rahmen der vorliegenden Blogparade Storytelling.

Jeder setzt sie anders ein, erzählt anders und hat andere Erfahrungen damit gemacht. Was die einen im wahrsten Wortsinn narrativ, sprich erzählend im Dialog Angesicht zu Angesicht machen, das übersetzen andere in die Sphären des (Mitmach-) Internets.

Immer mehr Unternehmen erzählen Geschichten
Bedeutet, dass uns auch auf Webseiten, Blogs, auf Netzwerken wie Facebook oder Twitter immer häufiger Geschichten erzählt werden. Oder andere zumindest sagen, dass sie dies tun würden. Auch o.k. natürlich. Wie gesagt: Für jeden bedeuten Geschichten, ihre Anwendungen und Formen etwas anderes. Vor diesem Hintergrund soll der Betrachtungswinkel auf das Thema Storytelling im Rahmen dieser Blogparade so breit wie nur irgendwie möglich sein. Einige Fragen, sozusagen als Orientierung möchte ich den TeilnehmerInnen der Blogparade dennoch mit auf den Weg geben. Sie verstehen sich als Einladung, als Sprungbrett oder auch Inspirationsquelle, von der aus man dann gerne weitergehen kann

  • Wo setzen ich Geschichten ein und warum?
  • Wie sieht mein persönlicher Zugang zu Geschichten und zu Storytelling aus?
  • Worin sehe ich das Potential von Geschichten?
  • Welche Erfahrungen habe ich mit dem Einsatz von Geschichten bislang gemacht?
  • Was gefällt mir daran, wenn mit Unternehmen Geschichten erzählen?
  • Welche Möglichkeiten für Geschichten sehe ich in der internen Unternehmenskommunikation?
  • Welche weiteren Anwendungsbereiche für Geschichte gibt es und welche Erfahrungen habe ich damit gemacht?
  • Welche Möglichkeiten für Geschichten sehe ich in der Kommunikation von Unternehmen nach außen?
  • Was braucht es, damit digitales Storytelling gelingt?
  • Welche Chancen und Möglichkeiten bringt Storytelling im Mitmach-Internet?
  • Wo bin ich mit Geschichten bislang nicht weitergekommen oder gescheitert?
  • Wie oder wo scheitern Unternehmen die Storytelling als neue “Super-Methode” betrachten
  • Vielleicht gibt es auch den einen oder anderen, der auf seinem Blog seine eigene Geschichte erzählt hat oder ausgelöst von dieser Blopgarade erzählen möchte?
  • Weitere Inspiration gibt die vor einem Jahr stattgefundene Blogparade zum Thema schön zusammengefasst auf Storify

Alle Einreichungen zur Blogparade Storytelling werden hier verlinkt.
Es wäre schön, würde eine rege Debatte zum Thema Storytelling in all seinen Facetten und Spielarten entstehen können. Hier und auf den Blogs der einreichenden BloggerInnen!

#stateofStorytelling
Zudem werden alle Einreichungen auch auf Storytelling Austria auf GooglePlus geteilt. Und einen schönen Hashtag gibt es natürlich auch. Er lautet #stateofstorytelling und kann die Einreichungen auf Facebook und Twitter sehr gerne “verzieren” : )

Laufzeit und Einreichschluss
Die Blogparade beginnt ab sofort und läuft bis einschließlich Sonntag, den 30. November 2014. Glück auf!

Es grüßt euch,
Ed Wohlfahrt (der sich jetzt gleich an seinen eigenen Beitrag zur Blogparade Storytelling machen wird ; )

Storytelling Workshop Lessons Learned

23. September 2014Vor einigen Tagen hielt ich für die bit Group GmbH in Klagenfurt einen Tagesworkshop mit dem Titel "Wer erzählt gewinnt - Mit Geschichten zu mehr Aufmerksamkeit und Weiterempfehlungen". Ich möchte hier ein wenig über das Thema sprechen und Erfahrungen teilen.

Möglicherweise kann der eine oder andere mit diesen Folien oder meinen Lessons Learned arbeiten, will sich darüber austauschen und das Thema Storytelling damit einem breiteren Publikum zugänglich machen. Wer weiß.

 

Das Zielpublikum des Workshops bestand in Gründerinnen und Gründern bzw. Jungunternehmern, die allesamt vor der Herausforderung stehen, Aufmerksamkeit auf sich und ihre Produkte und Dienstleistungen zu lenken. Keine leichte Sache. Das weiß ich aus eigener Erfahrung!

Im Rahmen des Workshops wunderte ich mich sehr über den Umstand, dass es nicht lange dauerte und jeder Teilnehmer hatte seine eigene Geschichte gefunden. Allein diesen Umstand fand ich interessant, da ich dachte, dass dieser Prozess wesentlich mehr Zeit in Anspruch nehmen würde.

Ohne Wertschätzung kein Storytelling
Eine Herausforderung für mich als Vortragender bestand darin, den Teilnehmern mit größte möglicher Wertschätzung zu begegnen. Dies natürlich auch dann, wenn die erzählten Geschichten weder von Aufbau, Dramaturgie oder Struktur in mein “erlerntes” Storytelling-Muster oder zu den in den Folien enthaltenen “Bauplänen” passten. Das ist aber auch völlig egal! Schließlich ging es im Rahmen des Workshops ja auch nicht darum, zu erfahren, wie man “richtig” Geschichten erzählt sondern erstmal darum, mit dem Erzählen überhaupt erst zu beginnen. Je mehr ich mich selbst zurücknahm und aufhörte darauf zu pochen, dass es in Geschichten (damit das Publikum aufmerksam ist und bleibt) gewisse Elemente und Strukturen braucht, desto leichter machte ich es den Teilnehmern (und wohl auch mir selbst), eigene Geschichten zu entwickeln.

Storytelling-Theorie killt Storytelling-Flow
Klar gab es ein Angebot in Form von Folien, das die einzelnen Wege in die jeweiligen Geschichten hinein darlegte und Aufschluss darüber gab, wie eine Story aussehen könnte. Aber es ist eben “kann” und nicht “sollte” oder gar “muss”. Stories müssen letztlich gar nichts. Wenn Sie für uns funktionieren, weil sie eben genau zu einem bestimmten Thema perfekt passen, anschlussfähig sind, etc., dann tun sie das vielleicht auch dann, wenn der Konflikt nicht sonderlich klar herausgearbeitet wurde, vielleicht zu viel auf einmal erzählt wurde oder etwa im Zuge einer Heldengeschichte der Aspekt der Veränderung / Verwandlung nicht klar genug herauskommt. Meine diesbezügliche Erfahrung war, dass es mit zunehmender Storytelling-Theorie für viele immer schwieriger wird, ihre Geschichten natürlich zu entwickeln und zu erzählen.

Geschichten werden verteidigt
Ein weiteres Learning aus dem Workshop bestand für mich darin, dass es schwierig ist, sich von eingeschlagenen Story-Pfaden wieder zu verabschieden. So entwickelten die TeilnehmerInnen des Workshops meist ihre erste bzw. eingangs gewählte Geschichte weiter. Zum Teil war dies natürlich auch von mir so gewollt. Andererseits wurde selbst dann weiterentwickelt, wenn die eine oder andere Geschichte – vom Storytelling-Lehrbuch aus betrachtet – nicht viel hergab, also subjektiv betrachtet nicht das nötige Potential hatte. Für mich war es interessant zu sehen, wie sehr die Teilnehmer an dieser einen Geschichte hingen und nicht mehr davon lassen wollten.

Naturtalente abholen leicht gemacht
Abschließend noch einen weiteren, für mich wichtigen Aspekt. Er handelt davon, entweder recht haben zu wollen oder aber einen erfolgreichen Workshop abzuliefern. Es liegt in der Natur der Sache, dass es unter den TeilnehmerInnen eines Workshops introvertierte und extrovertierte Menschen gibt. Umgelegt auf das Thema Storytelling bedeutet dies, dass es TeilnehmerInnen gibt, die laut eigenen Angaben sehr einfach, leicht und oft Geschichten erzählen. Mit solchen Naturtalenten zu arbeiten kann durchaus herausfordernd sein. Einerseits geht es darum, ihre Geschichten und ihre große Bereitschaft, diese auch zu erzählen, wertzuschätzen (siehe oben!). Anderseits geht es aber auch darum, sie dafür zu gewinnen, an bestehenden, guten Geschichten zu feilen, um sie dadurch noch besser zu machen, auf ein bestimmtes Ziel oder die zu vermittelnde Botschaft hin zu schärfen, sie etwa darauf aufmerksam zu machen, dass es in der jeweiligen Erzählung am Konflikt (dem Salz in der Suppe…) fehlt, etc.

Sich als Vortragender hier zurückzunehmen bzw. möglichst nicht darauf zu bestehen, eine Geschichte nach diesem oder jenem Konzept, nach dieser oder jener Storytelling-Schule zu erzählen, ist für mich der richtige Weg. Letztlich sind es schließlich die Teilnehmer selbst, die mit ihren Geschichten in der Praxis erfolgreich sein müssen, egal ob so, so oder so erzählt.

Achtsame Kommunikation: Experten-Interview mit Lisa Illichmann

14. Mai 2014Gar nicht so leicht zu beschreiben wer mein heutiger Interviewpartner ist. Lisa ist viel. Unter anderem Performance-Coach, Autorin und erfolgreiche Beraterin.

Während der vergangenen Jahr beschäftigte sich die passionierte Reiterin zudem mit Psychologie, Storytelling und dem Thema Ethik. Bei einem Treffen neulich berichtete sie mir von ihrem Workshop “Achtsame Kommunikation” (23./24.5. St. Georgen am Längsee) und willigte ein, mir ein paar Fragen zum Thema kommunikative Achtsamkeit zu beantworten.

Lisa Illichmann, Expertin für Achtsame Kommunikation im Interview

Ed Wohlfahrt: Lisa, was ist achtsame Kommunikation oder, anders gefragt, das unterscheidet achtsame Kommunikation von nicht achtsamer?

Lisa Illichmann: Bei Achtsamer Kommunikation geht es um die Wahrnehmung der Beziehungsqualität (= in welcher Beziehung stehen die Gesprächspartner zueinander). Achtsame Kommunikation beschäftigt sich mit dem Zustand (emotionell) der Gesprächspartner und geht davon aus, dass das, was wir sagen, beim Gegenüber nicht ankommt, wenn diese/r nicht aufnahmebereit ist. Es ist wichtig zu erkennen, in welchem Zustand der Beteiligten sich befinden, damit wir wissen, wann wir reden sollen und wann nicht. Manchmal bewährt es sich eben zu Schweigen statt weiter zu reden (oder überhaupt anzufangen zu reden) um größere bzw. bleibende Schäden in der Beziehung zu vermeiden. Mit diesem Grundgedanken, schaffen wir eine wertschätzende langfristige Basis für die Beziehung und daher auch für die Kommunikation.

EW: Worin liegen die Vorteile, wenn z.B. in einer Abteilung achtsam miteinander kommuniziert wird?

LI: Die beteiligten Gesprächspartner fühlen sich wohler, weil sie authentischer und ehrlicher sind. Konflikte werden reduziert und die Beziehungsqualität wird widerstandsfähiger. Wir können Emotionen nie aus dem Spiel nehmen – auch nicht im Büroalltag (auch wenn wir es manchmal so gerne täten, und auch versuchen es zu tun). Emotionen beeinflussen wie wir unserer Umwelt gegenüber stehen und haben zusätzlich natürlich einen starken Einfluss auf unsere Botschaften – wie wir sie senden und wie wir sie empfangen. Also statt uns immer nur auf unsere Worte zu konzentrieren (oder die Botschaften, die wir senden möchten), können wir lernen uns auf die Emotionen zu konzentrieren und dadurch die jeweiligen Bedürfnisse der Beteiligten zu erkennen. Dies hilft uns feinfühliger, authentischer und offener zu sein. Emotionen zu erkennen und sein zu lassen, gibt uns Raum und Platz einfach zu sein und andere und uns selbst besser kennen zu lernen. Dieses “achten” auf das emotionale Umfeld macht es uns leichter auch die “richtigen” Worte zu finden, weil wir besser sehen können, wie die Situation für alle wirklich aussieht.

EW: Wo fängt Achtsamkeit im Unternehmenskontext an und wo hört sie auf?

LI: Sie beginnt bei jedem einzelnen. Achtsamkeit beeinflusst unsere Haltung und hinterfragt unsere Werte. Dies betrifft mein Handeln und führt somit zu einem besseren Ergebnis. Achtsamkeit ist die Basis jeder ethischen Haltung und dass muss eigentlich zentral sein sowohl im Unternehmenskontext, als natürlich auch im Kontext des gesamten Lebens. Achtsamkeit meint eine Art Respekt. Ich respektiere dich genug um achtsam zu sein wenn wir kommunizieren. Ich höre nicht nur auf deine Worte, sondern auf dich als Person. Ich bin nicht nur mit dem Gehirn sondern auch mit dem Geist dabei. Ich höre mit Herz, Geist und Seele zu. Es hat mit Spiritualität nichts zu tun, es hat mit Respekt, Ethik und Wertschätzung zu tun.

EW: Kommunikation soll wertschätzend, professionell, achtsam und noch vieles andere mehr sein. Packen wir hier nicht zu viel rein in das Thema?

LI: Achtsam zu sein hat mit Aufmerksamkeit und Ethik zu tun. Was wir tun, sollte bewusst geschehen, unabhängig von der Anzahl und Aussagekraft beschreibender Adjektive. Ich kann nur wiederholen: Achtsamkeit ist eine Art Respekt und Wertschätzung Ich respektiere den anderen genug um achtsam zu sein wenn wir kommunizieren. Ich höre zu und ich erwarte, dass der andere ebenfalls zuhört. Ich höre nicht nur auf den anderen, sondern auch auf mich selbst, damit ich mich vielleicht erstmals überhaupt wirklich kennen lernen kann – und dadurch auch authentischer sein kann. Ich höre nicht nur auf die Worte, sondern auf alle Botschaften, die geschickt werden. Ich höre auf die Emotionen, die involviert sind und lasse ihnen Raum.

EW: Lisa, wie sieht dein persönlicher Weg aus und wie bist du auf das Thema Achtsamkeit gekommen?

LI: Das Thema Achtsamkeit hat meine Haltung verändert. Sie erinnert mich immer wieder ins Jetzt zurückzukehren. Durch sie schaffe ich eine positive Lebensqualität. Durch Achtsamkeit habe ich mich selbst besser kennengelernt und habe die Geduld gefunden, auch andere besser kennenzulernen. Achtsame Kommunikation unterrichte ich jetzt als respektvoller Umgang mit sich selbst und anderen und diese Haltung hat mein Leben wesentlich interessanter und vielfältiger gemacht. Mein Weg geht weiter in diese Richtung.

EW: Danke Lisa für deinen Input und alles Gute!

==> zum Workshop “Achtsame Kommunikation”

Mit gegenseitiger Wertschätzung zu besseren Meetings

9. Mai 2014Wie man richtig gute Meetings abhält, darüber werden bekanntlich Bücher geschrieben. Effizient sollen sie sein, einen Rahmen bereitstellen, in dem möglichst alle Teilnehmer sich aktiv einbringen können und vor allem schnell wieder vorbei. Was gegenseitige Wertschätzung zu gelingenden Meetings beitragen kann, davon handeln die nächsten Zeilen.

Wohl jeder kennt Meetings, bei denen man sich miteinander irrsinnig schwer tut. Die unterschiedliche Wellenlänge der einzelnen Teilnehmer, die gemeinsame (Verletzungs-) Geschichten und andere Faktoren machen ein effizientes Meeting im Grunde unmöglich. Der Output folglich ist mau. Gemeinsam geht es in solchen Besprechungen dann um “die Sache”, also etwa den Ablauf eines Projektes, die nächsten Schritte, die gemeinsame Bewertung von diesem oder jenem. Man kennt das. Aber niemand zahlt wirklich ein und erweitert damit das Kommunikationsfeld der Teilnehmer.

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Durch wertschätzende Kommunikation die Qualität von Meetings steigern.

Entweder fährt man nur mit 70% oder hält mit der eigenen Meinung hinter dem Berg. Es gibt noch viele andere Möglichkeiten, als Teilnehmer dabei und eben doch nicht dabei zu sein. Viel einfacher und damit für die Zusammenkunft effizienter wäre es, würde man auf der Beziehungsebene miteinander ins Gespräch kommen, diese Ebene zu reparieren und erst dann wieder auf die Sachebene zu gehen. Hört sich einfacher an als es letztlich ist, jedoch wird dann mit Sicherheit mehr raus kommen.

Gemeinsam ankommen
Die meisten Meetings gehen mit einem Räuspern des Vorgesetzten oder Chefs an. Vorher ein wenig Smalltalk und dann ab. Wie es den einzelnen Teilnehmern geht, was sie sozusagen zum Meeting mitbringen, dafür ist keine Zeit. Schließlich jagt ein Meeting das nächste und überhaupt sind wir doch alle professionell und brauchen diesen Gefühlskram doch alle gar nicht. Stimmt. Und aus diesem Grund ist die Meetingkultur in unseren Breiten vielfach eben auch wie sie ist.

Was ist gerade “Top of mind”?
“Wie geht es Ihnen?” kann eine tolle erste Frage sein. Vielfach wird sie jedoch als Aufforderung zum Smalltalk missverstanden. Schließlich will das mein Friseur auch wissen, sobald ich mich setze. Diese Frage kann aber noch viel mehr. Was wäre, würde diese Frage wirklich ernst gemeint sein und jedes Meeting standardisiert einbegleiten? Was wäre, würde es echte, ehrlich gemeinte Antworten geben auf diese Frage. Antworten, die dann aktiv und wertschätzend von allen am Tisch gehört würden und nicht im letzten hereinkommenden Telefonat oder im Leiseschalten des Telefons (Standard-Begleitmusik zum Start schlechter Meetings) untergehen? Alternativ könnte man auch fragen, “Wie geht es unserer Abteilung heute?” Eine andere Möglichkeit ist es, zu fragen, was im einzelnen jetzt gerade präsent ist bzw. was die einzelnen TeilnehmerInnen davon abhält, jetzt ganz hier zu sein.

Wenn Fragen überfordern
Machen die TeilnehmerInnen des Meetings angesichts solcher Fragen zuerst Mal große Augen, so kann dies ein guter Anfang sein. Es ist ein Beginn, eine Sensibilisierung auf das, was jetzt in jedem einzelnen präsent ist, ein Kontaktaufnehmen jedes Teilnehmers mit sich selbst. Je klarer es jedem einzelnen Teilnehmer bewusst ist, wie es ihm gerade geht, was jetzt in ihm präsent ist, was er sozusagen mitbringt zum Meeting, umso besser für ihn. Gelingt es nun den einzelnen dazu zu bringen, darüber in der Gruppe zu sprechen, dann gewinnen alle. Wenn sich im Zuge eines solchen Check-ins jeder in ausreichender Form gehört fühlt, lässt es sich über die kommenden total wichtigen Tagesordnungspunkte (Sachebene) viel einfacher, und ja!, effizienter, sprechen.

Das Danke zum Schluss
Tolle Möglichkeit, Wertschätzung zu üben, ja üben!, ist es, Teilnehmer zum Abschluss des Meetings aktiv dazu aufzufordern, sich zu bedanken. Hier gibts einen schönen Blogpost, zum Danke-Schön-Ende von Besprechungen, der mich inspiriert hat. Wichtig dabei. Sie müssen sich nicht gleich bei den Teilnehmerinnen des Meetings oder bei jemandem persönlich bedanken. Vielleicht passt das gar nicht für Danke-Anfänger. Lassen Sie sich ruhig Zeit mit dem Danke. Wenn ein Danke jedoch wirklich ernst gemeint ist, vom Herzen kommt und damit passt, so kann es in der Beziehung zwischen ArbeitskollegInnen wahre Wunder bewirken. Aber wir haben bereits auf so viele Art Dank annehmen “dürfen” oder besser müssen, dass wir nicht selten misstrauisch sind oder uns auf den Standpunkt “nix sagen ist Lob genug…” zurückziehen (und in unseren Beziehungen lustvoll gegen die fahren).

Sie halten das alles für unnütze Gefühlsduselei? Sie haben recht. Und glauben Sie davon bloß nichts. Wenn Sie mit dem Outcome des nächsten Meetings jedoch nicht zufrieden sein sollten, wenn Ihnen vorkommt, dass zuviel Zeit in unnützen Meetings verplempert wird, dann probieren sie das eine oder andere mal aus. Es könnte sein, dass Sie sich wundern, wenn Sie sehen, was mit derlei Methoden alles einfacher und schneller gehen kann.

==> Für alle an Wertschätzung Interessierten trage ich auf meinem Account auf Scoop.it! laufend Beiträge zu diesem Thema zusammen.

Storytelling: No guts no glory!

15. Februar 2014Konflikte in unseren Geschichten funktionieren wie das Salz in der Suppe. Ist zu wenig oder gar keines drinnen, dann fehlt etwas. Was in der Küche oder bei Tisch völlig klar ist, verhält sich dann ganz anders, wenn Menschen oder Unternehmen Geschichten erzählen. Hier deshalb ein paar aktuelle Gedanken zum Thema Konflikte im Storytelling.

Beim Schnitt eines Videos neulich flogen drei Passagen raus. Sie mussten raus. Leider. Der Unternehmer erzählte darin über seine schwersten Stunden. Davon, als die Bank ihm den Geldhahn zudrehte, ein vermeintlicher Partner sein wahres Gesicht zeigte und er Mitarbeiter kündigen musste.

Failure is always the best way to learn, retracing your steps ’til you know, have no fear your wounds will heal. (Failure / Kings of Convenience)

Während er mir das erzählte klang seine Stimme deutlich anders als im restlichen Interview, stellte sich bei ihm ein nervöses Zwinkern ein und wenn man ganz genau hinsah, konnte man erkennen, dass sich seine Nasenflügel weiteten. Wir waren mitten drin in einem Problem, ach was sag ich! dem Problem schlechthin. Es ging nichts mehr und was dann folgte, war ein Umweg, ein langwieriges und schwieriges Unterfangen, das den Betreffenden nicht nur einmal an den Rand des Wahnsinns getrieben hat. Als er ein halbes Jahr später diesen Investor am Telefon hatte und damit endlich wieder Boden unter seinen Füßen verspürte, war es das aber noch lange nicht. Weitere bittere Jahre mussten ins Land ziehen, bis das Unternehmen wieder Leute einstellen konnte und so durchstarten konnte wie niemals  zuvor. Heute steht man in der Zeitung, gewinnt Preise, naja, das Übliche halt.

All das musste im Video wieder raus. Aber für mich sind all das Zutaten, die für unsere Geschichten enormes Potential haben. Nehmen wir diese Episoden heraus, weil wir scheinbar irgendwann gelernt haben, uns immer nur von der besten Seite zeigen zu müssen, servieren wir unserem Publikum Suppen ohne Salz, ohne jeglicher Würze und das schmeckt, wie eingangs erwähnt, fad.

Packende Stories ziehen uns deshalb in ihren Bann, weil eben nicht immer alles glatt läuft, weil Klippen auftauchen, Umwege in Kauf genommen und Lösungen gefunden werden müssen.

Unternehmen dazu zu bringen, über solche konfliktären Situationen zu sprechen, ist gar nicht so einfach. Nicht dass ich es darauf anlegen würde, mir von jeder und jedem ihre dunkelsten Stunden erzählen zu lassen. Hey! Alles kann, nix muss. Ich weiß aber, dass es genau diese Schwierigkeiten, Irrungen, Probleme, diese wahnwitzigen Anstrengungen und Umwege sind, über die wir unser Publikum abholen, es in unsere Geschichte hineinziehen, ja für unsere Zuhörer in Wirklichkeit überhaupt erst interessant werden.

Storytelling braucht Mut
Was ich sagen will, weil ich absolut davon überzeugt bin, ist, dass wir uns in unseren Geschichten mehr trauen sollen. Dies gilt insbesondere für Unternehmen, die mit ihren geschönten Aussagen in narrativen Kunstwürfen meist alles erreichen, bloß keine richtigen Geschichten. Es fehlt das Salz in der Suppe. Es fehlen die Konflikte. Es fehlen die Protagonisten, die Firmengründer oder meinetwegen der Vorstand, der offen zu einer schweren Zeit des Unternehmens stehen und darüber auch erzählen darf. Wir brauchen also mehr Mut. Das was passieren wird, durfte ich auch schon am eigenen Leib erfahren. Es fliegen einem urplötzlich die Herzen zu, und zwar in einer Qualität, die einen schlicht und ergreifend umhaut. Ein Unternehmen, das durch eine schwere Zeit geht, etwa Leute entlassen muss oder insolvent wird, hat meist andere Sorgen als Storytelling. Geht es dann aber wieder bergauf und geht es darum, wieder Inhalte zu vermitteln, bleiben diese harten Zeiten meist ausgespart. Müssen sie, so wie die kritischen Passagen aus meinem Video wieder raus mussten.

Erfolg zu haben bedeutet oft auch Umwege gehen zu müssen. Über diese Irrungen und Wirren aber auch zu sprechen setzt Mut voraus.

Genau hier bräuchte es den Mut weil ernstgemeinte Geschichten, mit denen wir die Herzen unserer Zuhörer erreichen wollen (scheißegal ob online, offline, multimedial, etc.) diese schwierigen Zeiten eben nicht aussparen sollten. Tun sie das jedoch, nehmen sie uns die Chance anzudocken. Der Text, das Bild oder das Video wird vor dem geistigen Auge weggeklickt durchdringt unseren Filter nicht und geht unter im Gundrauschen. Soviel Zeit haben wir nicht. Soviel Aufmerksamkeit können wir nicht setzen.

Noch ein Problem gibt es, wenn wir auf das Salz in unseren Stories verzichten. Getrauen wir uns nicht, über persönliche Irrungen und Tiefpunkte zu berichten, bringen wir uns selbst auch um die Chance, über den Weg zurück zu erzählen. Es ist dieser steinige und steile Weg, es sind diese Gegenwind-Passagen unseres (Unternehmer-) Lebens und das, was wir taten oder tun, um all diese Klippen zu umschiffen, die uns die Herzen unserer Zuhörer zufliegen lassen. Für den Zuhörer wird so aber auch klar, wie wir uns gewandelt bzw. verwandelt haben von damals auf heute, was wir aus unseren Fehlern, aus schwierigen Zeiten, etc. mitgenommen haben, all das.

Storytelling

Natürlich lassen sich Erfolge über Storytelling wunderbar vermitteln. Vorher sollte der Erzähler aber auch mal schwierigere Zeiten durchgemacht haben. Ansonsten macht er es uns schwer, an seine Geschichte anzudocken bzw. die für uns darin enthaltene Relevanz zu erkennen.

Wenn mir Unternehmen Geschichten erzählen, die mich wirklich packen, die mich an meinen eigenen Weg erinnern, dann macht das für mich einen gewaltigen Unterschied zum gängigen Marketing-Blabla. Alleine, Unternehmen bekommen solche Geschichten in den meisten Fällen NICHT geschenkt wie sich zeigt. Sie müssen schon die Ärmel hochkrempeln und sie uns selbst erzählen. Wäre ja doch zu einfach sonst, oder?!

Dieser Unterschied, den eine gute Geschichte in der Lage ist zu vermitteln, zeigt zeigt sich zumindest bei mir in der Wahrnehmung dieses Unternehmens. In weiterer Folge beispielsweise aber auch am Point of Sale. Stories sind eine wunderbare Möglichkeit, Unternehmen bzw. deren Repräsentanten aus einem anderen Licht und in einer ganz anderen, nicht marketing-getriebenen Tonalität kennenzulernen – ich würde sagen, kennen lernen zu dürfen. Dürfen deshalb, weil ich es als ein Privileg betrachte, von Unternehmen, Einzelpersonen oder von wem auch immer über gute Geschichten adressiert zu werden. Aber dafür braucht’s halt auch das Salz in der Suppe.

Es grüßt Sie,
Ed Wohlfahrt

Anregungen oder weiterführende Gedanken? Ich freue mich von Ihnen zu hören ed@edwohlfahrt.com

Wandel verstehen, unterstützen und wertschätzen

1. Januar 2014Das hässliche Entlein wird zum Schwan, das Aschenputtel zur Frau des Königs. Geschichten handeln immer vom Wandel und von der Veränderung ihrer Protagonisten. Hier ein paar persönliche Gedanken zum Thema Wandel.

Mir wurde vor ein paar Wochen gesagt, ich befände mich ganz offensichtlich in einem Prozess des Wandels. Na gut, dachte ich mir. Derjenige würde schon wissen wovon er spricht. Innerlich jedoch rollte ich mit den Augen über so viel Weisheit.

Der Wandel, die Veränderung spielt in Geschichten eine wichtige Rolle. Wie geht es uns selbst mit dem Wandel in uns und rund um uns herum?

Neulich war ich in einem Atelier. Die Bilder waren definitiv zu teuer für mich, das Gespräch mit dem Künstler jedoch sehr anregend. Bei einem Bier mit einem Bekannten erfuhr ich ein paar Tage später, wer der Künstler eigentlich sei oder besser gesagt in seinem vorigen Leben war. “Das ist doch der Unternehmer mit dem fetten Konkurs. Der malt jetzt Bilder..?” Dann gibt es noch den Literaten. Und wieder ein paar Wohlmeinende, die mich daran erinnern, dass dieser Literat ja wohl nicht ernst zu nehmen sei, zumal er vor wenigen Monaten noch eine Wiener Agentur geleitet hat, sich dann aber mit seinen Anteilpartnern überwarf und überhaupt und außerdem.

Was uns in der Welt der Sagen und Märchen (einer wahren Fundgrube für den Storytelling-Interessierten übrigens…) so leicht fällt, nämlich, den Wandel der Charaktere anzunehmen, geschehen zu lassen ohne daran herumkritteln, das fällt uns im täglichen Miteinander irrsinnig schwer. Ein Naturwissenschaftler erklärte mir vergangenen Sommer die Inkompetenz eines seiner Mitarbeiter wie folgt. “Der Herr Sowieso wird kommendes Jahr sein Bodenkultur-Studium abschließen. Fachlich ernst nehmen werde ich ihn aber auch dann nicht.” Gerade sein Ätschi-bätschi ist mir damals noch abgegangen…

Alle drei dieser kurz erzählten Begebenheiten haben eines gemeinsam. Wir tun uns mit dem Wandel anderer Menschen enorm schwer. Mehr noch: Nicht selten billigen wir unseren Mitmenschen diesen Wandel gar nicht erst zu. Das ist mehr als nur kurzsichtig, es ist niederträchtig und gemein.

Mit Geschichten zu arbeiten hat mich nicht nur gelehrt, das Stilelement des Wandels gezielt herauszuarbeiten und einzusetzen, da es uns beim Verstehen und Weitertragen von Geschichten enorm hilft. Es hat mir auch vor Augen geführt, wie schwer wir uns alle mit dem Wandel und der Veränderung unserer Mitmenschen tun, wie wenig wir dazu bereit sind, diesen Wandel nachzuvollziehen, anzuerkennen und wertzuschätzen.

So leicht es uns fällt, den Wandel des Helden in unseren Geschichten zu verstehen, so schwer fällt es uns, Menschen rund um uns herum im Wandel zu erkennen und sie in ihrem Tun aktiv zu unterstützen. Hier ein besseres Sensorium an den Tag zu legen, könnte eine schöne Sache sein für das kommende Jahr. Ich glaube, davon würden wir alle profitieren.