Achtsame Kommunikation: Experten-Interview mit Lisa Illichmann

14. Mai 2014Gar nicht so leicht zu beschreiben wer mein heutiger Interviewpartner ist. Lisa ist viel. Unter anderem Performance-Coach, Autorin und erfolgreiche Beraterin.

Während der vergangenen Jahr beschäftigte sich die passionierte Reiterin zudem mit Psychologie, Storytelling und dem Thema Ethik. Bei einem Treffen neulich berichtete sie mir von ihrem Workshop “Achtsame Kommunikation” (23./24.5. St. Georgen am Längsee) und willigte ein, mir ein paar Fragen zum Thema kommunikative Achtsamkeit zu beantworten.

Lisa Illichmann, Expertin für Achtsame Kommunikation im Interview

Ed Wohlfahrt: Lisa, was ist achtsame Kommunikation oder, anders gefragt, das unterscheidet achtsame Kommunikation von nicht achtsamer?

Lisa Illichmann: Bei Achtsamer Kommunikation geht es um die Wahrnehmung der Beziehungsqualität (= in welcher Beziehung stehen die Gesprächspartner zueinander). Achtsame Kommunikation beschäftigt sich mit dem Zustand (emotionell) der Gesprächspartner und geht davon aus, dass das, was wir sagen, beim Gegenüber nicht ankommt, wenn diese/r nicht aufnahmebereit ist. Es ist wichtig zu erkennen, in welchem Zustand der Beteiligten sich befinden, damit wir wissen, wann wir reden sollen und wann nicht. Manchmal bewährt es sich eben zu Schweigen statt weiter zu reden (oder überhaupt anzufangen zu reden) um größere bzw. bleibende Schäden in der Beziehung zu vermeiden. Mit diesem Grundgedanken, schaffen wir eine wertschätzende langfristige Basis für die Beziehung und daher auch für die Kommunikation.

EW: Worin liegen die Vorteile, wenn z.B. in einer Abteilung achtsam miteinander kommuniziert wird?

LI: Die beteiligten Gesprächspartner fühlen sich wohler, weil sie authentischer und ehrlicher sind. Konflikte werden reduziert und die Beziehungsqualität wird widerstandsfähiger. Wir können Emotionen nie aus dem Spiel nehmen – auch nicht im Büroalltag (auch wenn wir es manchmal so gerne täten, und auch versuchen es zu tun). Emotionen beeinflussen wie wir unserer Umwelt gegenüber stehen und haben zusätzlich natürlich einen starken Einfluss auf unsere Botschaften – wie wir sie senden und wie wir sie empfangen. Also statt uns immer nur auf unsere Worte zu konzentrieren (oder die Botschaften, die wir senden möchten), können wir lernen uns auf die Emotionen zu konzentrieren und dadurch die jeweiligen Bedürfnisse der Beteiligten zu erkennen. Dies hilft uns feinfühliger, authentischer und offener zu sein. Emotionen zu erkennen und sein zu lassen, gibt uns Raum und Platz einfach zu sein und andere und uns selbst besser kennen zu lernen. Dieses “achten” auf das emotionale Umfeld macht es uns leichter auch die “richtigen” Worte zu finden, weil wir besser sehen können, wie die Situation für alle wirklich aussieht.

EW: Wo fängt Achtsamkeit im Unternehmenskontext an und wo hört sie auf?

LI: Sie beginnt bei jedem einzelnen. Achtsamkeit beeinflusst unsere Haltung und hinterfragt unsere Werte. Dies betrifft mein Handeln und führt somit zu einem besseren Ergebnis. Achtsamkeit ist die Basis jeder ethischen Haltung und dass muss eigentlich zentral sein sowohl im Unternehmenskontext, als natürlich auch im Kontext des gesamten Lebens. Achtsamkeit meint eine Art Respekt. Ich respektiere dich genug um achtsam zu sein wenn wir kommunizieren. Ich höre nicht nur auf deine Worte, sondern auf dich als Person. Ich bin nicht nur mit dem Gehirn sondern auch mit dem Geist dabei. Ich höre mit Herz, Geist und Seele zu. Es hat mit Spiritualität nichts zu tun, es hat mit Respekt, Ethik und Wertschätzung zu tun.

EW: Kommunikation soll wertschätzend, professionell, achtsam und noch vieles andere mehr sein. Packen wir hier nicht zu viel rein in das Thema?

LI: Achtsam zu sein hat mit Aufmerksamkeit und Ethik zu tun. Was wir tun, sollte bewusst geschehen, unabhängig von der Anzahl und Aussagekraft beschreibender Adjektive. Ich kann nur wiederholen: Achtsamkeit ist eine Art Respekt und Wertschätzung Ich respektiere den anderen genug um achtsam zu sein wenn wir kommunizieren. Ich höre zu und ich erwarte, dass der andere ebenfalls zuhört. Ich höre nicht nur auf den anderen, sondern auch auf mich selbst, damit ich mich vielleicht erstmals überhaupt wirklich kennen lernen kann – und dadurch auch authentischer sein kann. Ich höre nicht nur auf die Worte, sondern auf alle Botschaften, die geschickt werden. Ich höre auf die Emotionen, die involviert sind und lasse ihnen Raum.

EW: Lisa, wie sieht dein persönlicher Weg aus und wie bist du auf das Thema Achtsamkeit gekommen?

LI: Das Thema Achtsamkeit hat meine Haltung verändert. Sie erinnert mich immer wieder ins Jetzt zurückzukehren. Durch sie schaffe ich eine positive Lebensqualität. Durch Achtsamkeit habe ich mich selbst besser kennengelernt und habe die Geduld gefunden, auch andere besser kennenzulernen. Achtsame Kommunikation unterrichte ich jetzt als respektvoller Umgang mit sich selbst und anderen und diese Haltung hat mein Leben wesentlich interessanter und vielfältiger gemacht. Mein Weg geht weiter in diese Richtung.

EW: Danke Lisa für deinen Input und alles Gute!

==> zum Workshop “Achtsame Kommunikation”

Mit gegenseitiger Wertschätzung zu besseren Meetings

9. Mai 2014Wie man richtig gute Meetings abhält, darüber werden bekanntlich Bücher geschrieben. Effizient sollen sie sein, einen Rahmen bereitstellen, in dem möglichst alle Teilnehmer sich aktiv einbringen können und vor allem schnell wieder vorbei. Was gegenseitige Wertschätzung zu gelingenden Meetings beitragen kann, davon handeln die nächsten Zeilen.

Wohl jeder kennt Meetings, bei denen man sich miteinander irrsinnig schwer tut. Die unterschiedliche Wellenlänge der einzelnen Teilnehmer, die gemeinsame (Verletzungs-) Geschichten und andere Faktoren machen ein effizientes Meeting im Grunde unmöglich. Der Output folglich ist mau. Gemeinsam geht es in solchen Besprechungen dann um “die Sache”, also etwa den Ablauf eines Projektes, die nächsten Schritte, die gemeinsame Bewertung von diesem oder jenem. Man kennt das. Aber niemand zahlt wirklich ein und erweitert damit das Kommunikationsfeld der Teilnehmer.

Bestimmte Rechte vorbehalten / boellstiftung / flickr.com

Durch wertschätzende Kommunikation die Qualität von Meetings steigern.

Entweder fährt man nur mit 70% oder hält mit der eigenen Meinung hinter dem Berg. Es gibt noch viele andere Möglichkeiten, als Teilnehmer dabei und eben doch nicht dabei zu sein. Viel einfacher und damit für die Zusammenkunft effizienter wäre es, würde man auf der Beziehungsebene miteinander ins Gespräch kommen, diese Ebene zu reparieren und erst dann wieder auf die Sachebene zu gehen. Hört sich einfacher an als es letztlich ist, jedoch wird dann mit Sicherheit mehr raus kommen.

Gemeinsam ankommen
Die meisten Meetings gehen mit einem Räuspern des Vorgesetzten oder Chefs an. Vorher ein wenig Smalltalk und dann ab. Wie es den einzelnen Teilnehmern geht, was sie sozusagen zum Meeting mitbringen, dafür ist keine Zeit. Schließlich jagt ein Meeting das nächste und überhaupt sind wir doch alle professionell und brauchen diesen Gefühlskram doch alle gar nicht. Stimmt. Und aus diesem Grund ist die Meetingkultur in unseren Breiten vielfach eben auch wie sie ist.

Was ist gerade “Top of mind”?
“Wie geht es Ihnen?” kann eine tolle erste Frage sein. Vielfach wird sie jedoch als Aufforderung zum Smalltalk missverstanden. Schließlich will das mein Friseur auch wissen, sobald ich mich setze. Diese Frage kann aber noch viel mehr. Was wäre, würde diese Frage wirklich ernst gemeint sein und jedes Meeting standardisiert einbegleiten? Was wäre, würde es echte, ehrlich gemeinte Antworten geben auf diese Frage. Antworten, die dann aktiv und wertschätzend von allen am Tisch gehört würden und nicht im letzten hereinkommenden Telefonat oder im Leiseschalten des Telefons (Standard-Begleitmusik zum Start schlechter Meetings) untergehen? Alternativ könnte man auch fragen, “Wie geht es unserer Abteilung heute?” Eine andere Möglichkeit ist es, zu fragen, was im einzelnen jetzt gerade präsent ist bzw. was die einzelnen TeilnehmerInnen davon abhält, jetzt ganz hier zu sein.

Wenn Fragen überfordern
Machen die TeilnehmerInnen des Meetings angesichts solcher Fragen zuerst Mal große Augen, so kann dies ein guter Anfang sein. Es ist ein Beginn, eine Sensibilisierung auf das, was jetzt in jedem einzelnen präsent ist, ein Kontaktaufnehmen jedes Teilnehmers mit sich selbst. Je klarer es jedem einzelnen Teilnehmer bewusst ist, wie es ihm gerade geht, was jetzt in ihm präsent ist, was er sozusagen mitbringt zum Meeting, umso besser für ihn. Gelingt es nun den einzelnen dazu zu bringen, darüber in der Gruppe zu sprechen, dann gewinnen alle. Wenn sich im Zuge eines solchen Check-ins jeder in ausreichender Form gehört fühlt, lässt es sich über die kommenden total wichtigen Tagesordnungspunkte (Sachebene) viel einfacher, und ja!, effizienter, sprechen.

Das Danke zum Schluss
Tolle Möglichkeit, Wertschätzung zu üben, ja üben!, ist es, Teilnehmer zum Abschluss des Meetings aktiv dazu aufzufordern, sich zu bedanken. Hier gibts einen schönen Blogpost, zum Danke-Schön-Ende von Besprechungen, der mich inspiriert hat. Wichtig dabei. Sie müssen sich nicht gleich bei den Teilnehmerinnen des Meetings oder bei jemandem persönlich bedanken. Vielleicht passt das gar nicht für Danke-Anfänger. Lassen Sie sich ruhig Zeit mit dem Danke. Wenn ein Danke jedoch wirklich ernst gemeint ist, vom Herzen kommt und damit passt, so kann es in der Beziehung zwischen ArbeitskollegInnen wahre Wunder bewirken. Aber wir haben bereits auf so viele Art Dank annehmen “dürfen” oder besser müssen, dass wir nicht selten misstrauisch sind oder uns auf den Standpunkt “nix sagen ist Lob genug…” zurückziehen (und in unseren Beziehungen lustvoll gegen die fahren).

Sie halten das alles für unnütze Gefühlsduselei? Sie haben recht. Und glauben Sie davon bloß nichts. Wenn Sie mit dem Outcome des nächsten Meetings jedoch nicht zufrieden sein sollten, wenn Ihnen vorkommt, dass zuviel Zeit in unnützen Meetings verplempert wird, dann probieren sie das eine oder andere mal aus. Es könnte sein, dass Sie sich wundern, wenn Sie sehen, was mit derlei Methoden alles einfacher und schneller gehen kann.

==> Für alle an Wertschätzung Interessierten trage ich auf meinem Account auf Scoop.it! laufend Beiträge zu diesem Thema zusammen.

Storytelling: No guts no glory!

15. Februar 2014Konflikte in unseren Geschichten funktionieren wie das Salz in der Suppe. Ist zu wenig oder gar keines drinnen, dann fehlt etwas. Was in der Küche oder bei Tisch völlig klar ist, verhält sich dann ganz anders, wenn Menschen oder Unternehmen Geschichten erzählen. Hier deshalb ein paar aktuelle Gedanken zum Thema Konflikte im Storytelling.

Beim Schnitt eines Videos neulich flogen drei Passagen raus. Sie mussten raus. Leider. Der Unternehmer erzählte darin über seine schwersten Stunden. Davon, als die Bank ihm den Geldhahn zudrehte, ein vermeintlicher Partner sein wahres Gesicht zeigte und er Mitarbeiter kündigen musste.

Failure is always the best way to learn, retracing your steps ’til you know, have no fear your wounds will heal. (Failure / Kings of Convenience)

Während er mir das erzählte klang seine Stimme deutlich anders als im restlichen Interview, stellte sich bei ihm ein nervöses Zwinkern ein und wenn man ganz genau hinsah, konnte man erkennen, dass sich seine Nasenflügel weiteten. Wir waren mitten drin in einem Problem, ach was sag ich! dem Problem schlechthin. Es ging nichts mehr und was dann folgte, war ein Umweg, ein langwieriges und schwieriges Unterfangen, das den Betreffenden nicht nur einmal an den Rand des Wahnsinns getrieben hat. Als er ein halbes Jahr später diesen Investor am Telefon hatte und damit endlich wieder Boden unter seinen Füßen verspürte, war es das aber noch lange nicht. Weitere bittere Jahre mussten ins Land ziehen, bis das Unternehmen wieder Leute einstellen konnte und so durchstarten konnte wie niemals  zuvor. Heute steht man in der Zeitung, gewinnt Preise, naja, das Übliche halt.

All das musste im Video wieder raus. Aber für mich sind all das Zutaten, die für unsere Geschichten enormes Potential haben. Nehmen wir diese Episoden heraus, weil wir scheinbar irgendwann gelernt haben, uns immer nur von der besten Seite zeigen zu müssen, servieren wir unserem Publikum Suppen ohne Salz, ohne jeglicher Würze und das schmeckt, wie eingangs erwähnt, fad.

Packende Stories ziehen uns deshalb in ihren Bann, weil eben nicht immer alles glatt läuft, weil Klippen auftauchen, Umwege in Kauf genommen und Lösungen gefunden werden müssen.

Unternehmen dazu zu bringen, über solche konfliktären Situationen zu sprechen, ist gar nicht so einfach. Nicht dass ich es darauf anlegen würde, mir von jeder und jedem ihre dunkelsten Stunden erzählen zu lassen. Hey! Alles kann, nix muss. Ich weiß aber, dass es genau diese Schwierigkeiten, Irrungen, Probleme, diese wahnwitzigen Anstrengungen und Umwege sind, über die wir unser Publikum abholen, es in unsere Geschichte hineinziehen, ja für unsere Zuhörer in Wirklichkeit überhaupt erst interessant werden.

Storytelling braucht Mut
Was ich sagen will, weil ich absolut davon überzeugt bin, ist, dass wir uns in unseren Geschichten mehr trauen sollen. Dies gilt insbesondere für Unternehmen, die mit ihren geschönten Aussagen in narrativen Kunstwürfen meist alles erreichen, bloß keine richtigen Geschichten. Es fehlt das Salz in der Suppe. Es fehlen die Konflikte. Es fehlen die Protagonisten, die Firmengründer oder meinetwegen der Vorstand, der offen zu einer schweren Zeit des Unternehmens stehen und darüber auch erzählen darf. Wir brauchen also mehr Mut. Das was passieren wird, durfte ich auch schon am eigenen Leib erfahren. Es fliegen einem urplötzlich die Herzen zu, und zwar in einer Qualität, die einen schlicht und ergreifend umhaut. Ein Unternehmen, das durch eine schwere Zeit geht, etwa Leute entlassen muss oder insolvent wird, hat meist andere Sorgen als Storytelling. Geht es dann aber wieder bergauf und geht es darum, wieder Inhalte zu vermitteln, bleiben diese harten Zeiten meist ausgespart. Müssen sie, so wie die kritischen Passagen aus meinem Video wieder raus mussten.

Erfolg zu haben bedeutet oft auch Umwege gehen zu müssen. Über diese Irrungen und Wirren aber auch zu sprechen setzt Mut voraus.

Genau hier bräuchte es den Mut weil ernstgemeinte Geschichten, mit denen wir die Herzen unserer Zuhörer erreichen wollen (scheißegal ob online, offline, multimedial, etc.) diese schwierigen Zeiten eben nicht aussparen sollten. Tun sie das jedoch, nehmen sie uns die Chance anzudocken. Der Text, das Bild oder das Video wird vor dem geistigen Auge weggeklickt durchdringt unseren Filter nicht und geht unter im Gundrauschen. Soviel Zeit haben wir nicht. Soviel Aufmerksamkeit können wir nicht setzen.

Noch ein Problem gibt es, wenn wir auf das Salz in unseren Stories verzichten. Getrauen wir uns nicht, über persönliche Irrungen und Tiefpunkte zu berichten, bringen wir uns selbst auch um die Chance, über den Weg zurück zu erzählen. Es ist dieser steinige und steile Weg, es sind diese Gegenwind-Passagen unseres (Unternehmer-) Lebens und das, was wir taten oder tun, um all diese Klippen zu umschiffen, die uns die Herzen unserer Zuhörer zufliegen lassen. Für den Zuhörer wird so aber auch klar, wie wir uns gewandelt bzw. verwandelt haben von damals auf heute, was wir aus unseren Fehlern, aus schwierigen Zeiten, etc. mitgenommen haben, all das.

Storytelling

Natürlich lassen sich Erfolge über Storytelling wunderbar vermitteln. Vorher sollte der Erzähler aber auch mal schwierigere Zeiten durchgemacht haben. Ansonsten macht er es uns schwer, an seine Geschichte anzudocken bzw. die für uns darin enthaltene Relevanz zu erkennen.

Wenn mir Unternehmen Geschichten erzählen, die mich wirklich packen, die mich an meinen eigenen Weg erinnern, dann macht das für mich einen gewaltigen Unterschied zum gängigen Marketing-Blabla. Alleine, Unternehmen bekommen solche Geschichten in den meisten Fällen NICHT geschenkt wie sich zeigt. Sie müssen schon die Ärmel hochkrempeln und sie uns selbst erzählen. Wäre ja doch zu einfach sonst, oder?!

Dieser Unterschied, den eine gute Geschichte in der Lage ist zu vermitteln, zeigt zeigt sich zumindest bei mir in der Wahrnehmung dieses Unternehmens. In weiterer Folge beispielsweise aber auch am Point of Sale. Stories sind eine wunderbare Möglichkeit, Unternehmen bzw. deren Repräsentanten aus einem anderen Licht und in einer ganz anderen, nicht marketing-getriebenen Tonalität kennenzulernen – ich würde sagen, kennen lernen zu dürfen. Dürfen deshalb, weil ich es als ein Privileg betrachte, von Unternehmen, Einzelpersonen oder von wem auch immer über gute Geschichten adressiert zu werden. Aber dafür braucht’s halt auch das Salz in der Suppe.

Es grüßt Sie,
Ed Wohlfahrt

Anregungen oder weiterführende Gedanken? Ich freue mich von Ihnen zu hören ed@edwohlfahrt.com

Wandel verstehen, unterstützen und wertschätzen

1. Januar 2014Das hässliche Entlein wird zum Schwan, das Aschenputtel zur Frau des Königs. Geschichten handeln immer vom Wandel und von der Veränderung ihrer Protagonisten. Hier ein paar persönliche Gedanken zum Thema Wandel.

Mir wurde vor ein paar Wochen gesagt, ich befände mich ganz offensichtlich in einem Prozess des Wandels. Na gut, dachte ich mir. Derjenige würde schon wissen wovon er spricht. Innerlich jedoch rollte ich mit den Augen über so viel Weisheit.

Der Wandel, die Veränderung spielt in Geschichten eine wichtige Rolle. Wie geht es uns selbst mit dem Wandel in uns und rund um uns herum?

Neulich war ich in einem Atelier. Die Bilder waren definitiv zu teuer für mich, das Gespräch mit dem Künstler jedoch sehr anregend. Bei einem Bier mit einem Bekannten erfuhr ich ein paar Tage später, wer der Künstler eigentlich sei oder besser gesagt in seinem vorigen Leben war. “Das ist doch der Unternehmer mit dem fetten Konkurs. Der malt jetzt Bilder..?” Dann gibt es noch den Literaten. Und wieder ein paar Wohlmeinende, die mich daran erinnern, dass dieser Literat ja wohl nicht ernst zu nehmen sei, zumal er vor wenigen Monaten noch eine Wiener Agentur geleitet hat, sich dann aber mit seinen Anteilpartnern überwarf und überhaupt und außerdem.

Was uns in der Welt der Sagen und Märchen (einer wahren Fundgrube für den Storytelling-Interessierten übrigens…) so leicht fällt, nämlich, den Wandel der Charaktere anzunehmen, geschehen zu lassen ohne daran herumkritteln, das fällt uns im täglichen Miteinander irrsinnig schwer. Ein Naturwissenschaftler erklärte mir vergangenen Sommer die Inkompetenz eines seiner Mitarbeiter wie folgt. “Der Herr Sowieso wird kommendes Jahr sein Bodenkultur-Studium abschließen. Fachlich ernst nehmen werde ich ihn aber auch dann nicht.” Gerade sein Ätschi-bätschi ist mir damals noch abgegangen…

Alle drei dieser kurz erzählten Begebenheiten haben eines gemeinsam. Wir tun uns mit dem Wandel anderer Menschen enorm schwer. Mehr noch: Nicht selten billigen wir unseren Mitmenschen diesen Wandel gar nicht erst zu. Das ist mehr als nur kurzsichtig, es ist niederträchtig und gemein.

Mit Geschichten zu arbeiten hat mich nicht nur gelehrt, das Stilelement des Wandels gezielt herauszuarbeiten und einzusetzen, da es uns beim Verstehen und Weitertragen von Geschichten enorm hilft. Es hat mir auch vor Augen geführt, wie schwer wir uns alle mit dem Wandel und der Veränderung unserer Mitmenschen tun, wie wenig wir dazu bereit sind, diesen Wandel nachzuvollziehen, anzuerkennen und wertzuschätzen.

So leicht es uns fällt, den Wandel des Helden in unseren Geschichten zu verstehen, so schwer fällt es uns, Menschen rund um uns herum im Wandel zu erkennen und sie in ihrem Tun aktiv zu unterstützen. Hier ein besseres Sensorium an den Tag zu legen, könnte eine schöne Sache sein für das kommende Jahr. Ich glaube, davon würden wir alle profitieren.

Storytelling: Geschichten eine Bedeutung geben

1. Januar 2014Geschichten brauchen Bedeutung. So einfach ist das. Hier möchte ich über eine Lektion sprechen, die mir ein Vierjähriger erteilt hat und die mir hoffentlich dabei geholfen hat, bessere Geschichten zu erzählen.

Ich kann den derzeit kursierenden Beispielen und Listen für das “tollste Storytelling des abgelaufenen Jahres” nicht sonderlich viel abgewinnen. Der Begriff “Storytelling” bezeichnet scheinbar alles und jedes. Storytelling funktioniere nach einer Art Kochrezept. Der sagenhafte Erfolg an Klicks, Shares und Co ist bloß eine Frage der Zeit.

Oder da gibt es die tollsten Stroytelling-Folien des Internet-Stars Gary Vaynerchuk in denen er sich darüber beklagt, dass 99% des Marketings heute immer noch so laufen würde, als hätten wir 2004 (Folie 3/64). Und viel zu selten “wirklich gute” Geschichten zum Einsatz kämen. Mein Gott, wie schrecklich. Und dann gibt es die Verlage, die mit ihren multimedialen Storytelling-Experimenten derzeit durch alle Decken knallen wie gestern die Sektkorken und auf Twitter und anderswo rauf und runter gehyped werden (oder sich wohl besser dadurch selbst ins Gespräch bringen).

Nicht dass ich diese Anstrengungen allesamt durch den Kakao ziehen will, bloß nicht. Ich glaube nur, dass Geschichten einfach daher kommen müssen und vor allem eine tiefere Bedeutung mitliefern müssen, wenn sie beim Zuhörer ankommen sollen. Warum ich das denke, hat mit einer Geschichte zu tun, die ich hier kurz erzählen darf.

Storytelling zielt ab auf Verständigung und Verständnis. Nicht schlecht, wenn der Inhalt für die Zuhörer bedeutsam ist

Bedeutung bzw. Bedeutsamkeit ist für mich das Kernelement guter Geschichten. Bildquelle: Pixabay.com / User Beie ==> http://pixabay.com/de/users/Bevie/

Unser Sohn ist jetzt vier. So in etwa vor einem Jahr war ich des Büchervorlesens echt wieder mal überdrüssig. Das gehört zu unserem Zu-Bett-Gehen-Ritual aber wenn man ein und das selbe Buch dreißig Mal und öfter gelesen hat, wird man zuerst in der Birne weich und dann erfinderisch. Ich bot unserem Kleinen also an, ihm eine Geschichte zu erzählen und improvisierte einfach darauf los. Das ging gar nicht schlecht, sprich, man hörte mir aufmerksam zu. Als ich mit meiner kleinen Geschichte fertig war, bekam ich unverblümt Feedback. Ich sollte eine andere Geschichte erzählen und darin ein paar Änderungen vornehmen, hieß es. Diese andere Geschichte sollte

  1. von einem kleinen Jungen handeln
  2. ein brennendes Haus beinhalten
  3. auch noch von einer Feuerwehr und/oder einem Feuerwehrmann handeln.

Na gut. Ein bisschen muffig (jetzt sagt mir dieser Dreikäsehoch doch glatt, wie ich meine Geschichte erzählen soll… reicht ihm nicht was ich tue, etc.) schwang ich mich zur nächsten Geschichte auf und siehe da, sie kam wesentlich besser an als die erste. Ich sollte von heute an jeden Abend Geschichten erzählen, hieß es und das wäre überhaupt viel besser, als aus Büchern vorzulesen, so in etwa war die Reaktion. Ich habe länger darüber nachgedacht und für mich folgendes mitgenommen.

Geschichten brauchen Bedeutung.
So was aber auch! Weiß doch eh jeder, oder? Naja… Wenn Geschichten diese Bedeutung nicht zu bieten in der läge sind, dann sind sie schlicht uninteressant oder aus Sicht des Publikums verschwendete Zeit. Der Nutzen stimmt dann einfach nicht. Ist die Bedeutung nicht gegeben, ist die Geschichte nicht anschlussfähig bzw. bleibt beim Zuhörer die Frage, “was hat das alles mit mir zu tun” oder “was will er mir sagen?”. Wird über die Geschichte kein Beispiel, besser kein beispielhafter Charakter oder eine beispielhafte Handlung transportiert, so können Zuhörer daran kaum andocken bzw. wird es mit dem “Hey, in dieser Situation befand ich mich auch schon mal…” schwierig. Weiteres Learning:

Geschichten müssen in Lebenswelt der Zuhörer passen.
Die Handlung bzw. der inhaltliche Verlauf von Geschichten muss in die Lebenswelt der Zuhörer passen. Wenn ich also wie unlängst vor Jägern spreche, so ist es zwar nicht nötig, ihnen einen Jäger vorzuspielen (der ich nicht bin), jedoch meiner Meinung nach essentiell, mich mit meiner Geschichte an ihrer Lebenswelt bzw. an der Lebenswelt eines Jägers (Stichwort z.B. Hegen und Pflegen…) zu orientieren. Tu ich das nicht, wird es meinen Zuhörern kaum gelingen, aus den vermittelten Informationen individuelle Bedeutung abzuleiten, sich selbst darin zu erkennen. Ich habe dann alle Fakten vermittelt und sogar eine Geschichte erzählt. Verstanden hat die Geschichte dann zwar niemand. Von den harten Fakten gar nicht erst zu sprechen. Verlorene Liebesmüh also! Learning Nummer drei:

Durch Feedback zu mehr Bedeutung!
Ein weiteres Erkenntnis ist, dass dem Storyteller gerne dabei geholfen wird, bessere Geschichten zu erzählen. Durch das Publikum! Die Frage ist, ob man dazu bereit ist, diese Hilfe auch zuzulassen, also anzunehmen. Gelingt nicht immer, ist klar. Auch ich war anfänglich wenig begeistert, als mir mein Sohn erklärte, wie die Geschichte seiner Meinung nach auszusehen hätte. Nimmt man dieses Angebot jedoch an und nimmt es zum Anlass, die eigenen Stories (laufend) zu verbessern, werden Geschichten, wird letztlich ein Dialog möglich, der für beide Seiten eine höhere Bedeutung, mehr Akzeptanz / Relevanz und damit mehr Sinn hat. Außerdem finde ich es schön, wenn beide Seiten gewinnen und Kommunikation gelingt!

Kärnten 2044: Ein offener Dialograum

29. Dezember 2013Vor ein paar Wochen fragte mich die Kärntner Kronenzeitung um ein paar Zeilen. Thema: Mein Kärnten in 30 Jahren. Mir ist das dazu eingefallen. Vielleicht klingelt’s bei der einen oder …

Vor ein paar Wochen fragte mich die Kärntner Kronenzeitung um ein paar Zeilen. Thema: Mein Kärnten in 30 Jahren. Mir ist das dazu eingefallen. Vielleicht klingelt’s bei der einen oder beim anderen oder will jemand was dazu sagen. Fänd’ ich schön.

Kärnten kann und wird zu einem Offenen Dialograum werden. Und es wird eher früher sein als später.

Mein Kärnten in 30 Jahren ist ein offener Dialog- und Kommunikationsraum. Wir haben erkannt, dass es ein vertrauensvolles Miteinander braucht, da sich die (Wissens-) Schätze dieses Landes, der hier ansässigen Betriebe, der hier lebenden Menschen nur so heben lassen. Die Aktivitäten des Vereins „Unser Land“ oder der „Initiative für Intelligente Innovation“ geben bereits heute einen Vorgeschmack auf das, was uns in weniger als 30 Jahren erwartet. Kommunikation unabhängig davon ob online oder offline, wird weniger strategisch oder „von oben nach unten“ erfolgen, sondern ausschließlich im wechselseitigen und angstfreien Miteinander. Wir entscheiden gemeinsam, beteiligen, engagieren und vernetzen uns in ungeahnter Qualität! Diese Form der aktiven Mitgestaltung –  maßgeblich unterstützt durch neue Technologien – wird nicht wie heute Ausnahme, sondern vielmehr die Regel sein. Die Früchte dieses offenen Dialog- und Vertrauensraumes Kärnten heißen Innovation, Kooperation und die freiwillige Weitergabe von Wissen. Fragestellungen, an denen wir uns heute (noch) die Zähne ausbeißen. Auch die politische Kommunikation sowie die Kommunikation von Unternehmen nach innen und außen wird sich grundlegend wandeln. Top-down Ansätze, wie sie heute noch vielfach bestehen, werden in dreißig Jahren nur noch Kopfschütteln hervorrufen. Public Relations und Organisationskommunikation werden sich mehrfach neu erfunden haben. Auch hier wird es nicht länger nur um Werkzeuge, als viel mehr um unsere innere Haltung gehen, mit der wir Kommunikation ermöglichen, anstatt sie steuern zu wollen. Zuhören, Empathie und Geschichten werden jene Methoden sein, die uns mit uns selbst und anderen verbinden.

 

Case-Study: Baustellenkommunikation via Facebook und Blog

20. Dezember 2013Es war ein kleines, jedoch feines Projekt. Es begann mit dem Nebensatz eines lieben und baustellentechnisch leidgeplagten Freundes, der mich auf die Idee dazu brachte. Diese wurde vom Stadtsenat für gut befunden und von mir umgesetzt.

Es ging dabei um die Kommunikation der größten Straßenbaustelle der Landeshauptstadt Klagenfurt. Ein Abschnitt der St. Veiter Straße wurde erneuert und eine Brücke neu gebaut. Mein Job dabei, diese Baustelle zu kommunizieren und mit Bildern, Videos und vor allem Geschichten gegen die weit verbreitete Meinung anzukämpfen, Baustellen wären einzig und allein scheiße. Ich schreib das so, weil die Leute das wirklich so glauben und natürlich recht haben damit.

Baustellen nerven, produzieren Staus und Chaos, sind laut und staubig, bringen Geschäftsentgang und wütende Anrufe. Dagegen kämpfte ich an. Das war aber noch lange nicht alles. Ich kämpfte weiters an gegen das Image eines Günstlings mit schönen Schuhen und Anzug, der Arbeitern die Zeit stiehlt und in der Gegend herum steht, dumme Fragen stellt und einfach nicht dazugehört. Dieses wurde mir zu Beginn des Projektes natürlich auch brühwarm um die Ohren gebunden. “Herr Wohlfahrt, ich sag es lieber gleich… Freude haben wir keine” Wie geil war das denn?! Wenn das kein Ansporn ist, einen guten Job zumindest zu versuchen…

Herausgekommen ist eine Baustelle, die im Vergleich zu anderen Baustellen der Landeshauptstadt (und ich meine Straßenbaustellen ;) ) in der öffentlichen aber auch der veröffentlichten Meinung wirklich gut weggekommen ist. Völlig klar natürlich, dass dies nur zu einem kleinen Teil mit dem Pilotprojekt Baustellentagebuch zu tun hatte. Worum also ging es dabei?

Unter dem Übertitel Baustellentagebuch wurde eine Facebook-Seite (Link ändert sich gerade!) und ein Baustellen-Blog (auch dieser Link wird umgebogen!) umgesetzt und darüber laufend Informationen geteilt. Diese betrafen jedoch nur zum Teil den Baufortschritt.

Alternative Bilder statt Lärm und Dreck
Den Schwerpunkt legte ich auf Menschen und Geschichten. Und weil es so oft heiß “wir haben ja keine Geschichten”… es zeigte sich, dass Baustellen vor Geschichten nur so wimmeln! Da gab es den kleinen Ibrahim, der während den Sommerferien jeden Tag mehrmals auf der Baustelle vorbei kam, um die Maschinen zu bestaunen. Oder die beiden Friseurinnen, mit zehn Zentimetern Schlamm im Keller ihres Geschäftslokals, die mir dennoch mit einer Freundlichkeit begegneten, die mich stutzig machte. Da gab es den Bauleiter, der auf der Baustelle ab und an Besuch von seiner Familie bekam und viele andere Begebenheiten mehr.

Ibrahim war jeden Tag live dabei wenn neue interessante Maschinen auf der Baustelle auftauchten

Warum das ganze klappte, hat einen Grund. Er heißt “Lange Leine”. Ich hatte so gut wie keine Vorgaben, konnte tun und lassen was ich wollte und ich machte von dieser Möglichkeit natürlich in Absprache mit den handelnden Personen wirklich auch Gebrauch.

Lange Leine und politikfreie Zone
Eine dieser Freiheiten war zb, dass es am Baustellentagebuch keine Politiker gab. Es ging hier ausschließlich um die Arbeiter selbst, um die Anrainer und Geschäftsinhaber und basta. Es war wirklich cool, dass sich niemand rein reklamiert hat. Ganz im Gegenteil. Die einzigen, die mir mit der Zeit ein schlechtes Gewissen einzureden versuchten, waren einige Arbeiter. “Du hast so viele Fotos von uns gemacht und kein einziges ist auf Facebook”. Das hat mir gezeigt, dass älteres Semester sehr wohl nachschauen ob und wie und was! Gutes und vor allem wertschätzendes Feedback von außen druckte ich zudem aus und hing es dort auf, wo es auf der Baustelle alle sehen konnten.

Dialog online und offline
Eine weitere schöne Erkenntnis war, dass sich die Online Dialoge auch im echten Leben fortsetzten und Kritiker, um nicht zu sagen Gegner des Projektes in echte Befürworter verwandelten. Was es dazu brauchte, war der Beweis, dass sich Baustellen eben auch auf diesem Weg transportieren lassen und diese Inhalte entsprechend angenommen werden. Dass dem so war, davon zeugen derzeit über 1.200 Likes auf Facebook und auch einiges Feedback am Blog. Wobei dieses Feedback teilweise von hoher Qualität war. Beispielsweise bekamen wir Feedback von einem Lastwagenfahrer, das uns half, die Beschilderungen für die Umleitung der Baustelle zu verbessern. Es ist ausdrücklich auch ein Projekt, bei dem es nicht um Klicks ging. Wichtig war die Weitergabe von Information und der Transport alternativer Bilder und Stories.

Pressearbeit via Facebook und Blog  
Ein gutes Beispiel dafür war, dass wir die erste Fahrt über die neu errichtete Brücke verlost haben. Die beiden Posts brachten es gemeinsam auf über 300 Likes, was für eine so kleine Seite doch ganz gut ist. Das Posting wurde erstellt an einem Samstag oder Sonntag. Eine halbe Stunde später bekam ich den ersten Anruf einer Journalistin, am kommenden Montag darauf dann ein ausführlicher Medienbericht lautend auf “Das gab es noch  nie…” Also auch Journalisten nutzen Facebook und freunden sich mit Baustellen an…

Feedback und Werbung
In Summe gab es einen negativen Kommentar auf Facebook. Dieser wurde gelöscht und das war’s dann auch schon. Die große Befürchtung, das Feedback könnte ausschließlich negativ sein, bewahrheitete sich nicht. Auch Facebook-Ads kamen zum Einsatz. Dies insbesondere zu Schulbeginn im Herbst, als es darum ging, Ausweichrouten zu transportieren und die Pendler zu erreichen. Nachdem jedoch vor allem im Norden der Landeshauptstadt geworben und ein enges Targeting angewendet wurde, konnten die Kosten gering gehalten werden.

Braucht jede Baustelle Online-PR?
Bleibt abschließend die Frage, ob jede Baustelle eine online stattfindende Begleitung haben sollte? Ich würde sagen nein. Es hängt von vielen Faktoren ab, ob sich so etwas rechnet. Ich würde dann darüber nachdenken wollen, wenn eine Baustelle viele Menschen betrifft, die als Pendler, Anrainer oder Geschäftsinhaber involviert sind oder involviert werden sollen. Dann vielleicht ja. Und noch eine Kleinigkeit: Den Stundenaufwand für ein solches Projekt würde ich auf keinen Fall unterschätzen. Aber das macht nix, wenn man weiß, dass das Herzblut an der richtigen Stelle investiert wurde.

Spannende Perspektiven und neues Land

20. Dezember 2013"Ed, du machst schon noch Social Media, oder?" Das war so eine Frage, die ich neulich mit "ja natürlich, aber..." beantwortet habe. Und es war nicht gelogen.

Dieses “aber” möchte ich hier näher ausführen. Einerseits für mich (Stichwort Selbstreferenzialität), andererseits aber auch für die, die mir hier zuhören, mit mir gemeinsam an Projekten arbeiten und von denen ich gerne verstanden und angenommen sein möchte.

Um 4 Uhr morgens gibt es wohl eine ganze Menge an Dingen, die man tun könnten. Schlafen zum Beispiel. Geht zur Zeit nicht, also sitze ich hier und blogge. Im Anschluss werde ich mich um das Workshop-Design für eine Großgruppenveranstaltung kümmern auf die ich mich riesig freue und in deren Zentrum das Thema Wertschätzung stehen wird. Während der letzten Wochen habe ich mich intensiv mit der Methode der wertschätzenden Befragung (Appreciative Inquiry) auseinandergesetzt und gestern fielen auch die Würfel für die Fortsetzung eines reinen Facebook-Projekts, das sich im zweiten Halbjahr in eine wahre Herzensangelegenheit verwandelt hat.

Dieses Projekt schoss mich mitten hinein in die (für mich mittlerweile) gut abgehangenen Public Relations, die Online-PR sowie angrenzende Bereiche wie Social Media Marketing, Moderation, Konzeption und Durchführung von Events, Customer Relationship Management, Organisationsentwicklung und natürlich, auch hier, wertschätzende Kommunikation. Und wenn ich schreibe “schoss”, so meine ich wohl eher, dass mir dieses Projekt im wahrsten Sinn des Wortes passierte. Aber ich nehme mir gerade vor, die Learnings aus dem Baustellentagebuch hier separat zu behandeln. Zeit hab ich, ist doch erst zehn nach vier!

Eine weitere Zutat für das abgelaufene Jahr sind Geschichten. Vom Storycamp 2012 (kam 2013 leider nicht zustande) in Salzburg an ging mir das Thema Storytelling nicht mehr aus dem Kopf. Die gelesenen Bücher verstand ich nur zum Teil, der Bezug zur Praxis meiner Kunden aber auch der zu meiner eigenen Praxis fehlte mir weitestgehend. Dennoch mauserte sich Storytelling immer mehr zur Methode (gemeinsam mit Wertschätzung), die ich so gut wie in jedes Projekt auf die eine oder andere Weise mit hineinbacke (kein Tippfehler!). Die Methodik ist zu klar, zu intuitiv und wirkungsmächtig, als dass ich darauf verzichten wollte. Soviel dazu.

Fassen wir zusammen: Ich fühle mich an keiner Weggabelung angelangt auch wenn ich in wenigen Tagen 40 werde. Beruflich läuft es besser denn je, was nach einem katastrophalen ersten Halbjahr eine wirklich tolle Erfahrung für mich ist. Ach ja. Und mit mir selbst verändern sich natürlich auch meine Projekte, Sichtweisen und Lösungen. Sie sind weniger strategisch, klicklastig und vielleicht rechthaberisch, als sie einmal waren. Sie spielen sich stärker auf der Beziehungsebene und weniger auf der Sachebene ab. Dies deshalb, weil ich einsehe, dass auch die erfolgreichsten Kommunikationsprojekte zum Stillstand kommen, wenn es auf der Beziehungsebene nicht klappt. Dorthin, nämlich auf die Ebene der Beziehung, des wertschätzenden Dialogs, des Gesprächs, geht meine Reise. Und angekommen bin ich noch lange nicht!

Zukunft Online-PR: Brauchen OnlinePR einen neuen Fokus?

12. August 2013Frau FH-Prof. Mag. Dr. Uta Rußmann und Mag. Peter Winkler von der Stiftungsprofessur für Strategisches Kommunikationsmanagement & Neue Medien der Stadt Wien haben mir dankenswerterweise eine Studie zur Social Media Nutzung der Top 500 Unternehmen Österreichs überlassen. Ich habe mir die Folien gerade durchgeblättert und bin bei dieser hier hängen geblieben.


Status Quo der ONLINE-PR in Österreich

Grundannahme von PR2.0 und die Realität - Die Österreichischen Top 500 Unternehmen und ihre Nutzung Sozialer Medien

Sie sagt für mich alles. Sie bildet eine Status Quo ab, der sich auch vor dem Hintergrund meiner persönlichen Erfahrung nicht wegdiskutieren lässt.

Aha. Das öffentlich zur Schau gestellte Vernetzungs- und Partizipationsverständnis bleibt also häufig Rhetorik… Interessant, dies hier zu lesen, und ein wenig sickern zu lassen. Aber es ist genau das, was ich oft sehe, beobachte und – ich gebe es zu – immer häufiger zur Kenntnis nehme. Ich nehme was zur Kenntnis? Na dass Partizipation und Vernetzung ausgelöst durch Soziale Medien zwar in Presseaussendungen einen schlanken Fuß machen, in der realen Unternehmenskommunikation 2.0 jedoch häufig unerreichbar sind. Ist das gut oder schlecht? Keine Ahnung. Und ich möchte mich nicht hinstellen müssen, und sagen, so ist es richtig und so ist es falsch. Ich beobachte, versuche zu verstehen und die Dinge so zu nehmen, wie sie sind. Dinge bzw. Sichtweisen, wie sie mir manchmal unterkommen.

Unser(e) Social Media Auftritte bereits machen uns zum “Sozialen” Unternehmen. Wir sind auf Twitter und Facebook und dadurch (!) vernetzen wir uns, werden Teil der Community, machen Online-PR. Natürlich Blödsinn, da die Einrichtung eines Kanals alleine bestenfalls den ersten Schritt darstellt, das Vorhandensein z.B. einer Facebook-Seite alleine noch keine tragfähige Kommunikationsbeziehung ausmacht und das Versenden eines Tweets pro Tag noch keine wie immer geartete Partizipation beschreibt.

Was ich denke? Unternehmen haben vielfach anderes Sorgen! Ihre Probleme liegen nicht dort, wo sie Social Media Berater vielleicht vermuten, beispielsweise im Aufbau einer v.a. quantitativ ansehnlichen Schar an Fans und Followern, im Verkauf über Soziale Medien oder im Generieren von Traffic für die Homepage, um nur einige “Problembereiche” aufzuzählen. Unternehmen denken und ticken anders. Sie müssen. Es geht um den täglichen Überlebenskampf und deshalb nicht bloß um Verkauf, Vermarktung und Verpackung. Klar können Soziale Medien Unternehmen auch hier einen entscheidenden Vorteil verschaffen. Aber eben nicht auf den ersten Blick vielleicht. Zumindest solange dieser erste Blick bei der Anzahl von Fans und Followern, bei der designtechnischen Ausgestaltung von GooglePlus und Youtube-Kanal hängen bleibt.

Soweit, so gut. Was soll aber zeitgemäße Online-PR tun, leisten, denken, wenn sie hinaus will über den symbolischen Akt, wenn sie mehr leisten will, als Vernetzungs- und Partizipations-Rhetorik..? Die Autoren der Studie schlagen eine Veränderung des Fokus von Online-PR vor:

Braucht PR20 einen neuen Fokus?

Die Zukunft der PR2.0 braucht einen alternativen Fokus.

Wenn ich meine eigene Tätigkeit reflektiere, wird mir schnell klar, wie stark der oben dargestellte “aktuelle Fokus” auf mich zutrifft. Das ist nicht gut oder schlecht – es ist erst einmal. Warum es so ist, erklärt die Studie meiner Einschätzung nach aufschlussreich. Sie bildet den österreichischen Status Quo in Sozialen Medien ab und damit die Decke, nach der ich mich als Berater zu strecken habe. Mir stellen sich folgende Fragen

a) Wie kann die Online-PR den vorgeschlagenen alternativen Fokus setzen, wenn die Realität in heimischen Unternehmen so aussieht, wie sie (derzeit) ist?

b) Wie könnte das “Weg-von” inhaltlichen Effekten bzw. das “Hin-zu” den Dynamiken funktionieren, in einem Umfeld, das sich derzeit an den inhaltlichen Effekten des Social Webs abarbeitet bzw. abarbeiten muss?

c) Wie lässt sich die vorgeschlagene indirekte Einflussnahme (Governance) im Sinne von vermitteln “verkaufen” und insbesondere messen und auf bestehende Kommunikations-Ziele so herunter brechen, sodass sie immer noch in die Job-Beschreibung eines Kommunikations- und/oder PR-Verantwortlichen passt?

Ich geb’ zu, dass ich mehr Fragen als Antworten habe. Aber vielleicht sind sie ein erster Schritt. Vielleicht würde es auch Sinn machen, die Studien-Autoren zu einem Interview zu bitten und bezüglich der Zukünfte von Online-PR genauer nachzufragen? Vielleicht möchte den Ball jemand aufnehmen und mich das wissen lassen?

==> zur Studie Einsatz von Social Media in den Ö Top 500 – Status Quo und Herausforderungen der Zukunft. (pdf)

Facebook: Mit Hashtags Nutzen stiften

17. Juni 2013Facebook bringt jetzt also Hashtags. Kennen wir doch schon lange, werden die einen sagen. Die anderen fragen sich zu recht, was es damit jetzt wieder auf sich hat. Ich freue mich darüber, weil mir die Hashtags ermöglichen, Information schneller zu erfassen und wenn gewünscht weiter in die Tiefe zu gehen. Und vorweg: Facebook macht für mich mit Hashtags absolut mehr Sinn als ohne.

Hier geht es mal nicht um die Erklärung, was ein Hashtag kann und will, sondern darum, wie sich kleinere und mittlere Unternehmen die Funktionalität zunutze machen können. Große Unternehmen freuen sich jetzt natürlich über eine neue Möglichkeit, ihre Kampagnen zu begleiten, aber was hat die Marke Kärnten, der Edelkleider-Schuppen oder der Hersteller hochwertiger Mountainbike-Rahmen davon?

Unternehmen dieser Größer sind selten dazu in der Lage, Trends zu setzen oder so viel Werbe-Kohle in eine Kampagne zu pumpen, als dass es Sinn hätte, einen eigenen Hashtag hochzuziehen. Was also machen diese Unternehmen aus der neuen Hashtag-Funktion auf Facebook? Unternehmen dieser Größe bleibt meiner Einschätzung nach nur die Möglichkeit, auf bestehende Hashtags zu reagieren. Ähnlich wie auf Twitter werden sich möglicherweise auch auf Facebook sogenannte “trending Topics” ausmachen lassen. Es handelt sich dabei um jene Hashtags, die zum aktuellen Zeitpunkt an häufigsten und/oder von vielen Usern benutzt werden.

Trending Topics auf Twitter

Unternehmen die nicht Nike oder BMW heißen können über "Trending Topics" vor relevanten Hashtags erfahren, einschätzen, ob sie zu diesem Hashtag ebenfalls etwas zu sagen haben und diese dann tun

Ok. Wenn ich diese Themen, rund um die sich zu einem gegebenen Zeitpunkt viele Gespräche ranken, kenne, so gibt mir diese die Möglichkeit, an diesen Gesprächen unter Verwendung des betreffenden Hashtags ebenfalls teilzunehmen und dadurch auf dieses Gespräch oder dieses Thema zu referenzieren. Was das voraussetzt ist zweierlei. a) Ich muss über das, was Hashtags sind und meinen bescheid wissen b) ich muss Hashtags beobachten und dann richtig entscheiden.

Auf Facebook nach Hashtags suchen
Nachdem ich eine “Trending Topics”-Funktion auf Facebook noch nicht kenne, bleibt vorerst nur, nach Hashtags klassisch zu suchen. Also oben im Suchfenster einen Begriff eingeben z.B. “Hashtag” – ohne Gänsefüßchen natürlich ;) und dann nicht auf “Enter” sondern auf das Lupen-Symbol klicken. Dann rechts in der Seitenleiste auf “Öffentliche Beiträge” und die Suche spuckt all jene Beiträge von Facebook-Nutzern aus, die diesen Hashtag verwendet haben. Praktisch!

Hashstags: Trittbrettfahren aber richtig
Jeder der schon mal ein BarCamp veranstaltet oder z.B. eine größere Tagung via soziale Medien begleitet hat, kennt folgendes Phänomen: Sobald es eine gewisse Anzahl an Tweets zu einem bestimmten Hashtag gibt, melden sich unter diesem auch schon Vertreter des schlüpfrigen Gewerbes, Multi Level Marketer oder andere Trittbrettfahrer. Ihre Postings haben dann natürlich keine thematische Relevanz, sondern promoten etwas anderes, landen aber dennoch am Schirm jener, die einen bestimmten Hashtag mitverfolgen.

Als Trittbrettfahrer also genau diesen Weg zu gehen, halte ich für widersinnig, verwerflich und doof, sagen wir einfach Spam dazu. Intelligenteres Trittbrettfahren über einen bestimmten (Facebook-) Hashtag könnte z.B. so aussehen, dass ein regionaler Anbieter für Daten- und Computersicherheit den Hashtag #PRISM benutzt, um auf einen für ihn wichtigen Punkt, möglicherweise auch auf ein besonders relevantes Produkt hinzuweisen. Ich denke, dass ein solches Trittbrettfahren wesentlich mehr Sinn haben kann, weil es ja den, einem bestimmten Hashtag zuhörenden Adressaten, und seine möglichen Bedürfnisse zumindest nicht ganz aus den Augen lässt.

Hier noch ein paar abschließende Tipps zum Umgang mit Hashtags:

1) Manfred Mustermann nicht überfordern!
Vielleicht wird nicht jeder Faneiner Seite sofort wissen, wie er mit Hashtags umgehen soll. Ich denke, dass Betreiber einer Facebook-Seite nichts falsch machen, wenn sie ihren Nutzern das Prinzip mal eingehend klar machen. “Hi Leute, wir verwenden für unsere Postings ab sofort Hashtags. Sieht so aus. Der Nutzen für euch liegt hier, hier und hier.

2) Die Hashtag-Kirche im Hastag-Dorf lassen
Toll, dass es jetzt Hashtags gibt. Aber lassen wir die Kirche doch lieber im Dorf. Pro Status-Update würde ich es bei zwei bis maximal drei Hashtags belassen. Weniger ist schließlich mehr und letztlich schickt man Besucher über einen Hashtag ja auch irgendwie fort. In einen separaten Frame zwar, den man einfach wieder schließen kann und so auf die ursprüngliche Seite zurückkehrt, aber immerhin.

3) Mit Hashtags Nutzen stiften
Ich würde Hashtags vor allem dann einsetzen, wenn ich meinen Fans dadurch nützlich sein kann, für Sie Information besser aufbereite, etc. Vielleicht kann ich als Unternehmen durch den Einsatz von Hashtags auch am Spaßfaktor meiner Fanpage drehen. Kreativität ist auch nicht verkehrt.

4) Bestehende Debatten nutzen
Zu sehen, was gerade läuft, welches Thema gerade diskutiert wird, ist clever. Noch cleverer ist der, der sich dann überlegt, ob und wenn ja, was genau er dazu zu sagen hat. Gibt es hier ein zündende Idee, gibt es hier etwas, mit dem man eine bestehende Debatte ergänzen oder gar bereichern kann, dann schnappe ich mir den betreffenden Hashtag und nutze ihn nach allen Regeln der Kunst.

5) Neue Hashtags einführen
Das werden jetzt viele Nutzer und Betreiber von Fanseiten tun. Weitergetragen bzw. von anderen genutzt werden diese eigenen Hashtags jedoch nur dann, wenn sie in den Augen anderer Sinn haben. Dann und nur dann, können auch die Hashtags kleinerer Unternehmen oder von Menschen wie du und ich massenwirksam sein. Wenn es also etwas gibt, was Sie bzw. Ihr Unternehmen sagenhaft einzigartig macht, warum diese Einzigartigkeit nicht auch durch einen Hashtag ausdrücken? Vielleicht kann auch die Core-Story Ihres Unternehmens auf einen Hashtag zugespitzt weden?

Hm… wer kann sich das vorstellen bzw. traut sich aus dem Schützengraben? Vorschläge, Wünsche, Beschwerden und Anregungen sehr gerne erbeten!