Archiv der Kategorie: EdWohlfahrt

Content Audit: Der perfekte Start ins neue Jahr

4. Januar 2017Ins neue Jahr zu starten und seinen Blick auf die Inhalte der vergangenen Tage und Wochen zu richten, macht Sinn. Welche Fragen zu stellen Sinn macht, lesen Sie hier

Wer sich die Inhalte der eigenen Webseite, des eigenen Blogs und der daran anschließenden Profile in sozialen Medien kritisch anschaut, erkennt rasch, was funktioniert hat im abgelaufenen Jahr und was weniger.

Und jetzt startet das neue Jahr und wir alle scharren mit den fertigen Postingplänen in den Startlöchern oder machen uns gerade Gedanken, wie die Inhalte und das daran schließende Marketing der kommenden Wochen aussehen soll.

Aber halt! Jetzt einfach weiter zu wursteln ist nicht der Weisheit letzter Schluss! Damit der Start ins neue Content-Jahr 2017 gut gelingt, lohnt ein Blick zurück.

Jetzt alle Postings eines Blogs oder einer Facebook-Seite aufzulisten, und zu sehen, was wie stark kommentiert, geteilt oder geliked wurde, ist schon mal ein guter Anfang. Zudem ist es einfach, weil ein Blick ins Blog-Backend dafür ausreicht.

Content Strategie braucht Content Audit

Der Blick ins Backend des Blogs ist ein guter Anfang. Facebook -Statistiken oder Tools wie FanpageKarma liefern weitere interessante Einblicke.

Detailliertere Schlüsse lassen sich aber vor allem dann ziehen, wenn man sich die Inhalte auf Basis bestehender Business-Ziele ansieht. Das Posting mit den vielen Likes oder der Blogpost, in den besonders viel Zeit und Mühe gesteckt wurde, verliert dann möglicherweise seinen Glanz, wenn das, was er transportiert nicht oder nur in geringem Ausmaß zur verfolgten Business-Strategie passt.

Content Audit heißt kritisch Hinschauen auf die eigenen Inhalte

Neben der Qualität der Inhalte spielt immer auch der Posting-Zeitpunkt eine wichtige Rolle.

Hier heißt es nachzubessern und sich im ersten Schritt noch eingehender mit den eigentlichen Business-Zielen auseinander zu setzen. Sich also beispielsweise zu fragen:

  • Mit welchen Themen / Dienstleistungen oder Produkten möchte ich 2017 punkten?
  • Welche Umsätze in welchem Quartal mit welchen Dienstleistungen oder Services erzielen?
  • In welchen Themenbereichen möchte ich in welchem Zeitraum welche Zielgruppe erreichen?

Von strategischem Interesse im Content Marketing sind also jene Postings, die nicht nur gut funktionieren, sprich angenommen werden, sondern eben auch auf die eigenen Zielsetzungen einzahlen.

Kontakt Ed Wohlfahrt

Wir dürfen Sie bei Ihrem Content Audit unterstützen? Wir sind unter +43 463 914131 gerne für Sie da.

Lesetipp:
Einen sehr guten Post zum Thema Content Audit finden Sie im Blog von Babak Zand Content Audit

 

Next Internet: Warum wir omline am Radar haben sollten

14. Januar 2016Viele die Rede ist derzeit vom einer neuen, bewussteren Haltung, mit der Nuzter angeblich online gehen. Omline nennt sich das ganze. Was ist damit gemeint und was macht dies Entwicklung für Online Marketer interessant?

Was meint Matthias Horx wenn er von Omline bzw. dem Omline-Trend spricht? Kurz zusammengefasst, eine neue Achtsamkeit, die in einen veränderten Umgang mit dem Internet mündet.

Omline: Neues Bewusstsein der Nutzer

Es geht nicht mehr um online oder offline, sondern darum, wie Menschen online gehen. Horx spricht hier von einer neuen Achtsamkeit. Angelehnt an den Om-Laut, den einige von uns aus dem Yoga-Kurs kennen, wird daraus das Kunstwort „Omline“.

Omline der neue Megatrend?

Laut Zukunftsforscher Horx gehen Nutzer immer bewusster online. Diese Haltung, dieses neue Bewusstsein im Umgang mit dem Internet, nennt er Omline. Angelehnt an dem Om-Laut aus Meditation und Yoga.

Auf welchen Prozentsatz an Onlinern diese spezielle Form der achtsamen Nutzung nun jedoch zutrifft, ist nicht bekannt.

Verändertes Bewusstheit auch auf Anbieter-Seite

Nicht erst seitdem der Begriff „Inbound Marketing“ in unseren Breiten Einzug hält, gehen immer mehr Anbieter von Online-Inhalten dazu über, möglichst nützlich zu sein bzw. die Informationsbedürfnisse ihrer Leser/Kunden ins Zentrum ihres Publizierens zu stellen.

Ich sage nicht, diese Entwicklung wäre neu, doch gibt es derzeit vermehrt Stimmen, die von Marken und Anbietern eine neue Nützlichkeit einfordern.

Ob nun als Antwort auf den von Horx beschriebenen Omline-Trend, sei dahingestellt. Vielleicht gibt es auch einfach nur immer mehr Anbieter von Inhalten und damit verfügbaren Content, sodass sich nur noch jene durchsetzen, die über besonders nützliche Inhalte verfügen?

Eine neue Ökonomie der Nützlichkeit als Resultat der von Georg Franck ins Treffen geführten Ökonomie der Aufmerksamkeit vielleicht?

Respekt! Neue Kundensicht im Online-Marketing

Neulich habe ich auf Lead Digital einen Gastbeitrag von Meike Leopold gelesen. Sie schreibt über guten Content bzw. darüber, dass die Produktion desselben auch etwas wert sei. In den Kommentaren finde ich dann folgenden Satz. Ich greife ihn hier heraus, weil ich ihn für zentral halte:

Denn es ist die Basis für alle Kanäle, wenn ein geiler Text die Leser mit reißt. Und es ist dem Leser Respekt erweisen.

Er stammt aus der Feder von Richard Sirch, dem Geschäftsführer von Tastenfeuer. Schon interessant was er da schreibt.

Hier gehts um nicht mehr oder weniger als dem Nutzer Respekt zu werweisen oder, um das Wort noch einmal zu strapazieren, ihm respektvoll zu begegnen. Inhaltlich, spricht textlich wohlgemerkt! So lese ich Richard hier einfach mal.

neues Bewusstsein der Online Erfahrung

Die Erstellung von Online Inhalten hat viel mit Respekt zu tun. Wer seine Leser mit ihren Bedürfnissen, ja auch Nöten abholen will, schafft Vertrauen und Relevanz.

 

Respektvoller Umgang mit dem Leser

Dies führt unweiterlich zur Frage, was denn das Gegenteil wäre bzw. wie sich Online Inhalte anfühlten, die es an diesem Respekt vermissen lassen? Nun, hierzu fällt mir gleich eine ganze Menge ein

Online Inhalte, die es an Respekt vermissen lassen

  • Inhalte, die einzig das Ziel verfolgen, dass sich damit jemand „warmschreibt“ bevor er dann, möglichst weit unten, mehr oder weniger nebenbei, dazu bereit ist, zum Punkt zu kommen.
  • Inhalte, die nicht einlösen, was ihre Verpackung in Form von Headline, Meta-Tags & Co versprochen hat.
  • Inhalte, die primär für Maschinen oder Suchmaschinen geschrieben wurden und die aus diesem Umstand erst gar kein Hehl machen.
  • Inhalte, die uns hinhalten oder sogar arglistig hinters Licht führen, nur damit wir in weiterer Folge gezwungenermaßen klicken, herunterladen oder anderweitig „interagieren“.
  • Inhalte, deren Ziel primär darin besteht, die Lücken zwischen den links, rechts, oben und unten angebrachten Werbeanzeigen von Amazon, Willhaben & Co zu füllen, weil diese Seiten sonst komisch aussehen würden.

Diese Liste ist absolut erweiterbar. Ich denke, dass uns viele dieser Dinge in absehbarer Zeit so alt vorkommen werden, wie vor zehn Jahren die ausgedruckten E-Mails in der Postmappe des Geschäftsführers.

Fazit: Warum Omline, Respekt und Inbound zusammengehören

Omline, Respekt und Inbound-Marketing gehören zusammen oder haben zumindest viel miteinander zu tun.

Wenn ich den Nutzer nicht respektiere, setze ich ihm Inhalte vor, die primär meinen eigenen Interessen dienen, aber nicht den seinen. Er wird entsprechend reagieren.

Inhalte zu erstellen und anzubieten, die die Zeit und die Bedürfnisse unserer Kunden und Dialogpartner im Blick behalten, ist also mehr denn je ein Gebot der Stunde.

Dies auch deshalb, weil man Lesern, die immer genauer hinsehen und die Information immer bewusster nachfragen, aufnehmen oder einfach weglassen, damit jenen Respekt entgegenbringen kann, den sie eigentlich verdienen.

 

Was uns bewegt: Touristisches Storytelling in der Praxis

11. August 2015In touristischem Storytelling versuchen sich derzeit viele. Die Benchmark jedoch kommt aus Südtirol. Ich habe Gabriele Crepaz und Andreas Tschurtschenthaler, die Projektverantwortlichen von "Was uns bewegt", zum Interview gebeten und gefragt, was Geschichten-Marketing im Tourismus bringt und ausmacht.

Im Gespräch mit dem Verantwortlichen geht es darum, was das Südtirol Marketing mit seinem Storytelling erreichen will, welche Rolle Strategie und Messbarkeit spielen, sowie darum, wie sich der Storytelling-Ansatz über Abteilungen hinweg auf die ganze Organisation ausgewirkt hat.

Nachdem im Video wirklich alles gesagt wurde, und ich bin total happy drüber, möchte ich hier nur auf einige, für mich zentrale Aspekte eingehen.

Über Geschichten zu einer besseren Kundenansprache

Zum Projekt Was uns bewegt, führte der Umstand, dass man beim Südtirol Marketing nach neuen Wegen suchte, die Aufmerksamkeit von Menschen zu bekommen bzw. dass man in der Ansprache von Kunden neue Wege gehen wollte.

Dem Projekt liegt also das Bewusstsein zugrunde, sich nicht nur über das Produkt, sondern eben auch über die Kundenansprache vom Mitbewerb abheben zu wollen. Das sagt sich jetzt wahrscheinlich so leicht. In Wirklichkeit braucht es in Kommunikation, PR und Marketing genau dazu eine Haltung, die (noch) nicht allzuweit verbreitet ist.
Viel zu oft wird deshalb über die Anzahl von Wasserrutschen und der Größe des Wellness-Bereichs gesprochen, und somit vom „Was“ und weniger vom „Warum“ erzählt. Um Auskunft über unser „Warum“ geben zu können, braucht es Geschichten. Zu diesem Thema gehe ich im Blogpost „Content Marketing: Mit kleinem Ego zu besseren Inhalten“ noch weiter in die Tiefe.

Auch Storytelling braucht Ziele

Wichtig natürlich auch die Ziele, die sich das Südtirol Marketing mit „Was uns bewegt“ gesetzt hat. Kurz zusammengefasst sind es vier.

  1. Menschen sollen über die Geschichten einen direkteren Zugang zur Marke bzw. zum Lebensraum Südtirol erhalten
  2. Eine Community soll entstehen, über die gezielt Menschen angesprochen werden, die die Werte der Marke gut heißen und dies auch über ihre eigenen sozialen Kanäle  teilen.
  3. Es soll laufend relevanter Content produziert werden.
  4. Über die Geschichten sollen Menschen dazu inspiriert werden, selbst vor Ort Nachschau zu halten, ob die vermittelten Botschaften so auch stimmen.

Der vom Südtirol Marketing gewählte Content-Ansatz wird mehrfach als „ein journalistischer“ bezeichnet. Gut so. Am Ende zählt, was dabei heraus kommt.

„Was die Destination aber schon braucht ist den Mut zu haben über diesen Storytelling-Ansatz nicht den unmittelbaren und schnellen Erfolg zu suchen… Wenn man das nicht hat, muss man die Finger davon lassen.“

Aus Sicht von Gabriele Crepaz entwickelte sich das Projekt im Unternehmen selbst zu einem abteilungsübergreifenden. Noch mehr zum Thema Messung von Storytelling-Kampangen am Beispiel von „Was uns bewegt“ gibt es übrigens hier.

Was uns bewegt ist Storytelling in Reinkultur

Was uns bewegt ist Storytelling in Reinkultur

Abteilungsübergreifend: Storytelling geht alle an

Sowohl Produktentwicklung, als auch PR, Social Media-Team und Marketing-Abteilung saßen in der Planung von „Was uns bewegt“ mit am Tisch. Crepaz bringt es sehr schön auf den Punkt, wenn sie sagt:

„Fast alle Abteilungen haben bei Was uns bewegt irgendwie die Finger im Spiel.“

Ein zentraler Punkt, weil eben das ganze Haus hinter einem solch ambitionierten Projekt stehen muss. In dieser Einbindung scheint ein zentraler Schlüssel für den Erfolg von Storytelling im touristischen Marketing zu liegen. So meint Tschurtschenthaler:

Storytelling funktioniert überall dort, wo man bereit ist, es nicht als isoliertes Projekt zu sehen. Wo es die Bereitschaft gibt, das Marketing einzubinden, das Social Media Team einzubinden. Das eine würde ohne das andere nicht funkionieren. Weder bei uns noch irgendwo anders. Dafür hätte eine Plattforma alleine nicht die Kraft.

Da schwingt für mich das mit, was gemeint ist, wenn wir von der Kraft gemischter Teams sprechen, oder davon, wie wichtig es ist, in Unternehmen von Abteilungs-Denken wegzukommen. Die erfolgreiche Umsetzung einer solchen Plattform ist zweierlei. Der Beweis dafür, dass dies möglich ist und zweitens, dass Unternehmen, die in diese Richtung gehen (können, dürfen, wollen) reich belohnt werden.

Geschichten bedeuten nicht nur guten Content

Storytelling verändert Organisationen, Sender aber auch Empfänger. Abschließend betrachtet, ist Was uns bewegt mehr als bloß alter Wein in neuen Schläuchen. Klar wird dieser Umstand unter anderem, wenn Tschurtschenthaler, der PR- und Content-Management-Verantwortliche, sagt:

Am Start des Projekts war das Marketing ein Vehikel um das Projekt (Anm. Was uns bewegt) bekannt zu machen.  Inzwischen ist es ein elementares Kampagnen-Teil geworden. Ohne Was uns bewegt würden wir die Kampagnen nicht so machen wie wir sie heute machen. Und das ist schon ein Paradigmenwechsel…

Abermals schön auf den Punkt gebracht. Geschichten bzw. das Arbeiten mit und die Kommunikation über Geschichten, verändert Unternehmen und ihre Tonalität nachhaltig.

Geschichten verändern unser Marketing (und uns selbst)

Die Kraft von Geschichten mag vielfältig sein. Dass sich daraus aber auch neue Sichtweisen auf Althergebrachtes (im touristischen Marketing) entwickeln lassen, sollte hier auf keinen Fall unerwähnt bleiben.

Nochmals vielen Dank an meine beiden Interview-Partner und speziell an Florian Castlunger, der unserem Hangout den letzten Schliff gegeben hat 😉

 

Storyteling auf Facebook (Teil 1)

12. November 2014Facebook ist derzeit (November 2014) sicher die bestimmende Social Media Plattform. Rein mal zahlenmäßig gesehen. Weil Facebook aber auch für Storytelling ein geeigneter Rahmen sein kann, beschäftige ich mich in dieser Blog-Serie mit Storytelling auf Facebook.

Mit der Einschätzung, dass Facebook für Storyteling ein geeigneter Rahmen sein kann, widerspreche ich mir gleich mal. Im Blogbeitrag Storytelling: Twitter, Google+ oder doch Facebook? aus 2012 fragte ichn mich, ob Unternehmen

(…)  nicht sprichwörtlich Perlen vor die Säue werfen, indem sie gute Geschichten in die Streams ihrer Fans spielen, wo sie zwischen Posts der Marke “Ich esse gerade ein Steak mit 240 Gramm Einwaage” oder “Mann ist mein neuer BMW aber klasse” zu stehen kommen?

Mir wurde teilweise kopfschüttelnd widersprochen, zeigt mir ein Blick in die Kommentare. Naja, das sehe ich mittlerweise differenzierter. Möglicherweise auch deshalb, weil Unternehmen auf Facebook heute wesentlich besser und auch öfter Geschichten erzählen, als sie es noch vor einigen Jahren getan haben. Auch das Thema selbst und der Zugang dazu haben sich gemausert. Und zwar gewaltig. So ist Storytelling in all seinen begrifflichen Ausprägungen ein wirklich großes Thema geworden. Vor allem dann, wenn es um Online- bzw. Content-Marketing geht, kann es sich kein Kongress, keine Webseite und kein Marketeer mehr leisten, zum Thema Storytelling nicht zu sagen. Viele haben das Thema jetzt also auf dem Radar und bekommen von Facebook auch nicht zuletzt deshalb einen optimalen Rahmen, ihre Geschichten loszuwerden.

Facebook hat Geschichten in seiner DNA
Wer sich Facebook genauer ansieht, erkennt schnell, auf welch vielfältige Art uns die Marke selbst Geschichten erzählt. Aber nicht etwa von sich selbst, das erledigen schon andere, und stärken über diese Mystifizierung gleich wieder die Marke. In den Geschichten, die uns Facebook über seine wirklich genial gemachte Facebook-Stories Webseite erzählt, stehen die Facebook-Nutzer im Mittelpunkt. Aber nicht nur sie, auch ihre vielfältigen Konflikte, für die Facebook Lösungen parat hat. Das ist wirklich clever gemacht.

Hier gehts zur Blogparade State of Storytelling

Storytelling via Lebensereignis und Meilenstein
Wer keine Geschichte hat, der hat zumindest seine Lebensgeschichte, heißt es so schön. Auch das wiederum erkannte Facebook und bietet seinen Nutzern das Feature „Facebook-Lebensereignis“ bzw. Firmen das gleiche Vehikel namens „Facebook-Meilenstein“ an. Und Facebook bittet seine Nutzer dann auch wirklich um ihre Geschichten. Hier geht es um nichts anderes, als darum, Geschichten auszulösen. Je mehr Geschichten, desto besser für Facebook, so die einfache Formel. Mehr Geschichten bedeutet mehr Content. Mehr Content für unsere Freundeskreise auf Facebook wiederum mehr soziales Kapital und damit Relevanz. Je relevanter unsere Geschichten auf Facebook aber für unsere Freunde und Follower, desto relevanter ist für sie letztlich auch – genau! – Facebook selbst.

Facebook bietet Storytellern ein breites Betätigungsfeld. Letztlich geht es darum, wie wir Geschichten definieren und was wir bei unseren Zuhörern damit bewirken wollen. Fotocredit: Loren Sztajer / flickr.com

Facebook bietet Storytellern ein breites Betätigungsfeld. Letztlich geht es darum, wie wir Geschichten definieren und was wir bei unseren Zuhörern damit bewirken wollen. Fotocredit: Loren Sztajer / flickr.com

Dieser unwiderstehliche Kitt, den uns Facebook in Form von Geschichten derer, denen wir folgen, bereitstellt, macht es einigen von uns letztlich sooo schwer, der Plattform den Rücken zu kehren. Sie müssen einfach immer wieder zurück, weil es sonst keine Fortsetzung gibt. Ein Prinzip, das wir schon aus dem Märchen von 1001 Nacht kennen. Bei Facebook hier abzukupfern ist für Unternehmen nicht ganz einfach, jedoch mit Sicherheit sehr lohnend.

Facebook Storytelling einfacher als man denkt
Wenn man über Storytelling auf Facebook nachdenkt ist man eigentlich schon in der Patsche. Zumindest mit einem Fuß. Der Begriff alleine macht es oft schon sehr schwer, die Lockerheit mitzubringen, etwas Anregendes, Leichtes, Lockeres oder Emotionales von sich zu geben. Egal ob jetzt als Einzelperson oder als Unternehmen. Weniger, so meine Erfahrung, ist vielfach mehr. Wenn wir den Begriff Storytelling schon verwenden, so verstehen wir darunter möglicherweise ein kurzes Video, einen kurzen, ja sehr kurzen Text oder ein Bild bzw. eine Kombination daraus. Das ist es letztlich, was unsere „Story“ im Rahmen eines x-beliebigen Facebook-Postings ausmacht. Vielleicht ist es also besser auf Facebook von Micro-Geschichten oder Geschichts-Fragmenten zu sprechen.

Die Basis unserer Geschichten
Ob online oder offline. Unsere Micro-Geschichten oder Geschichts-Fragmente, die wir auf Facebook zum Besten geben, brauchen eine Unterlage und zwar in zweifacher Hinsicht. Erstens müssen sie mit dem, was wir sind, wonach wir streben, wofür wir stehen, also mit unserer persönlichen Mission oder der Mission des betreffenden Unternehmens in Einklang stehen. In der Literatur taucht hierfür immer wieder der Begriff Kern-Geschichte bzw. Core Story auf. Dies ist die eine Ebene. Die andere besteht darin, dass unser Content, egal ob Text, Bild, kurzes Video oder eben die Kombination daraus, auf eine bereits erlebte Geschichte unserer Fans und Follower treffen sollte. Unsere auf Facebook veröffentlichten Geschichts-Fragmente sollten also optimalerweise auf ein „Ach ja, so ging es mir auch einmal“ oder „Ja, dieses Gefühl kenne ich“ treffen. Ist dies gegeben, so hat mir ein Facebook-User oder ein Unternehmen, dem ich auf Facebook folge, eine Geschichte erzählt und mir darüber einen Nutzen stiften können.

 

Weitere Posts zum Thema Storytelling:
Warum emotionale Geschichten besser funktionieren
Storytelling: No Guts no Glory!
Storytelling: Geschichten eine Bedeutung geben
Case Study: Baustellenkommunikation via Facebook und Blog
Visual Storytelling in 10 Schritten

 

Achtsame Kommunikation: Experten-Interview mit Lisa Illichmann

14. Mai 2014Gar nicht so leicht zu beschreiben wer mein heutiger Interviewpartner ist. Lisa ist viel. Unter anderem Performance-Coach, Autorin und erfolgreiche Beraterin.

Während der vergangenen Jahr beschäftigte sich die passionierte Reiterin zudem mit Psychologie, Storytelling und dem Thema Ethik. Bei einem Treffen neulich berichtete sie mir von ihrem Workshop „Achtsame Kommunikation“ (23./24.5. St. Georgen am Längsee) und willigte ein, mir ein paar Fragen zum Thema kommunikative Achtsamkeit zu beantworten.

Lisa Illichmann, Expertin für Achtsame Kommunikation im Interview

Ed Wohlfahrt: Lisa, was ist achtsame Kommunikation oder, anders gefragt, das unterscheidet achtsame Kommunikation von nicht achtsamer?

Lisa Illichmann: Bei Achtsamer Kommunikation geht es um die Wahrnehmung der Beziehungsqualität (= in welcher Beziehung stehen die Gesprächspartner zueinander). Achtsame Kommunikation beschäftigt sich mit dem Zustand (emotionell) der Gesprächspartner und geht davon aus, dass das, was wir sagen, beim Gegenüber nicht ankommt, wenn diese/r nicht aufnahmebereit ist. Es ist wichtig zu erkennen, in welchem Zustand der Beteiligten sich befinden, damit wir wissen, wann wir reden sollen und wann nicht. Manchmal bewährt es sich eben zu Schweigen statt weiter zu reden (oder überhaupt anzufangen zu reden) um größere bzw. bleibende Schäden in der Beziehung zu vermeiden. Mit diesem Grundgedanken, schaffen wir eine wertschätzende langfristige Basis für die Beziehung und daher auch für die Kommunikation.

EW: Worin liegen die Vorteile, wenn z.B. in einer Abteilung achtsam miteinander kommuniziert wird?

LI: Die beteiligten Gesprächspartner fühlen sich wohler, weil sie authentischer und ehrlicher sind. Konflikte werden reduziert und die Beziehungsqualität wird widerstandsfähiger. Wir können Emotionen nie aus dem Spiel nehmen – auch nicht im Büroalltag (auch wenn wir es manchmal so gerne täten, und auch versuchen es zu tun). Emotionen beeinflussen wie wir unserer Umwelt gegenüber stehen und haben zusätzlich natürlich einen starken Einfluss auf unsere Botschaften – wie wir sie senden und wie wir sie empfangen. Also statt uns immer nur auf unsere Worte zu konzentrieren (oder die Botschaften, die wir senden möchten), können wir lernen uns auf die Emotionen zu konzentrieren und dadurch die jeweiligen Bedürfnisse der Beteiligten zu erkennen. Dies hilft uns feinfühliger, authentischer und offener zu sein. Emotionen zu erkennen und sein zu lassen, gibt uns Raum und Platz einfach zu sein und andere und uns selbst besser kennen zu lernen. Dieses “achten” auf das emotionale Umfeld macht es uns leichter auch die “richtigen” Worte zu finden, weil wir besser sehen können, wie die Situation für alle wirklich aussieht.

EW: Wo fängt Achtsamkeit im Unternehmenskontext an und wo hört sie auf?

LI: Sie beginnt bei jedem einzelnen. Achtsamkeit beeinflusst unsere Haltung und hinterfragt unsere Werte. Dies betrifft mein Handeln und führt somit zu einem besseren Ergebnis. Achtsamkeit ist die Basis jeder ethischen Haltung und dass muss eigentlich zentral sein sowohl im Unternehmenskontext, als natürlich auch im Kontext des gesamten Lebens. Achtsamkeit meint eine Art Respekt. Ich respektiere dich genug um achtsam zu sein wenn wir kommunizieren. Ich höre nicht nur auf deine Worte, sondern auf dich als Person. Ich bin nicht nur mit dem Gehirn sondern auch mit dem Geist dabei. Ich höre mit Herz, Geist und Seele zu. Es hat mit Spiritualität nichts zu tun, es hat mit Respekt, Ethik und Wertschätzung zu tun.

EW: Kommunikation soll wertschätzend, professionell, achtsam und noch vieles andere mehr sein. Packen wir hier nicht zu viel rein in das Thema?

LI: Achtsam zu sein hat mit Aufmerksamkeit und Ethik zu tun. Was wir tun, sollte bewusst geschehen, unabhängig von der Anzahl und Aussagekraft beschreibender Adjektive. Ich kann nur wiederholen: Achtsamkeit ist eine Art Respekt und Wertschätzung Ich respektiere den anderen genug um achtsam zu sein wenn wir kommunizieren. Ich höre zu und ich erwarte, dass der andere ebenfalls zuhört. Ich höre nicht nur auf den anderen, sondern auch auf mich selbst, damit ich mich vielleicht erstmals überhaupt wirklich kennen lernen kann – und dadurch auch authentischer sein kann. Ich höre nicht nur auf die Worte, sondern auf alle Botschaften, die geschickt werden. Ich höre auf die Emotionen, die involviert sind und lasse ihnen Raum.

EW: Lisa, wie sieht dein persönlicher Weg aus und wie bist du auf das Thema Achtsamkeit gekommen?

LI: Das Thema Achtsamkeit hat meine Haltung verändert. Sie erinnert mich immer wieder ins Jetzt zurückzukehren. Durch sie schaffe ich eine positive Lebensqualität. Durch Achtsamkeit habe ich mich selbst besser kennengelernt und habe die Geduld gefunden, auch andere besser kennenzulernen. Achtsame Kommunikation unterrichte ich jetzt als respektvoller Umgang mit sich selbst und anderen und diese Haltung hat mein Leben wesentlich interessanter und vielfältiger gemacht. Mein Weg geht weiter in diese Richtung.

EW: Danke Lisa für deinen Input und alles Gute!

==> zum Workshop „Achtsame Kommunikation“

Mit gegenseitiger Wertschätzung zu besseren Meetings

9. Mai 2014Wie man richtig gute Meetings abhält, darüber werden bekanntlich Bücher geschrieben. Effizient sollen sie sein, einen Rahmen bereitstellen, in dem möglichst alle Teilnehmer sich aktiv einbringen können und vor allem schnell wieder vorbei. Was gegenseitige Wertschätzung zu gelingenden Meetings beitragen kann, davon handeln die nächsten Zeilen.

Wohl jeder kennt Meetings, bei denen man sich miteinander irrsinnig schwer tut. Die unterschiedliche Wellenlänge der einzelnen Teilnehmer, die gemeinsame (Verletzungs-) Geschichten und andere Faktoren machen ein effizientes Meeting im Grunde unmöglich. Der Output folglich ist mau. Gemeinsam geht es in solchen Besprechungen dann um „die Sache“, also etwa den Ablauf eines Projektes, die nächsten Schritte, die gemeinsame Bewertung von diesem oder jenem. Man kennt das. Aber niemand zahlt wirklich ein und erweitert damit das Kommunikationsfeld der Teilnehmer.

Entweder fährt man nur mit 70% oder hält mit der eigenen Meinung hinter dem Berg. Es gibt noch viele andere Möglichkeiten, als Teilnehmer dabei und eben doch nicht dabei zu sein. Viel einfacher und damit für die Zusammenkunft effizienter wäre es, würde man auf der Beziehungsebene miteinander ins Gespräch kommen, diese Ebene zu reparieren und erst dann wieder auf die Sachebene zu gehen. Hört sich einfacher an als es letztlich ist, jedoch wird dann mit Sicherheit mehr raus kommen.

Gemeinsam ankommen
Die meisten Meetings gehen mit einem Räuspern des Vorgesetzten oder Chefs an. Vorher ein wenig Smalltalk und dann ab. Wie es den einzelnen Teilnehmern geht, was sie sozusagen zum Meeting mitbringen, dafür ist keine Zeit. Schließlich jagt ein Meeting das nächste und überhaupt sind wir doch alle professionell und brauchen diesen Gefühlskram doch alle gar nicht. Stimmt. Und aus diesem Grund ist die Meetingkultur in unseren Breiten vielfach eben auch wie sie ist.

Was ist gerade „Top of mind“?
„Wie geht es Ihnen?“ kann eine tolle erste Frage sein. Vielfach wird sie jedoch als Aufforderung zum Smalltalk missverstanden. Schließlich will das mein Friseur auch wissen, sobald ich mich setze. Diese Frage kann aber noch viel mehr. Was wäre, würde diese Frage wirklich ernst gemeint sein und jedes Meeting standardisiert einbegleiten? Was wäre, würde es echte, ehrlich gemeinte Antworten geben auf diese Frage. Antworten, die dann aktiv und wertschätzend von allen am Tisch gehört würden und nicht im letzten hereinkommenden Telefonat oder im Leiseschalten des Telefons (Standard-Begleitmusik zum Start schlechter Meetings) untergehen? Alternativ könnte man auch fragen, „Wie geht es unserer Abteilung heute?“ Eine andere Möglichkeit ist es, zu fragen, was im einzelnen jetzt gerade präsent ist bzw. was die einzelnen TeilnehmerInnen davon abhält, jetzt ganz hier zu sein.

Wenn Fragen überfordern
Machen die TeilnehmerInnen des Meetings angesichts solcher Fragen zuerst Mal große Augen, so kann dies ein guter Anfang sein. Es ist ein Beginn, eine Sensibilisierung auf das, was jetzt in jedem einzelnen präsent ist, ein Kontaktaufnehmen jedes Teilnehmers mit sich selbst. Je klarer es jedem einzelnen Teilnehmer bewusst ist, wie es ihm gerade geht, was jetzt in ihm präsent ist, was er sozusagen mitbringt zum Meeting, umso besser für ihn. Gelingt es nun den einzelnen dazu zu bringen, darüber in der Gruppe zu sprechen, dann gewinnen alle. Wenn sich im Zuge eines solchen Check-ins jeder in ausreichender Form gehört fühlt, lässt es sich über die kommenden total wichtigen Tagesordnungspunkte (Sachebene) viel einfacher, und ja!, effizienter, sprechen.

Das Danke zum Schluss
Tolle Möglichkeit, Wertschätzung zu üben, ja üben!, ist es, Teilnehmer zum Abschluss des Meetings aktiv dazu aufzufordern, sich zu bedanken. Hier gibts einen schönen Blogpost, zum Danke-Schön-Ende von Besprechungen, der mich inspiriert hat. Wichtig dabei. Sie müssen sich nicht gleich bei den Teilnehmerinnen des Meetings oder bei jemandem persönlich bedanken. Vielleicht passt das gar nicht für Danke-Anfänger. Lassen Sie sich ruhig Zeit mit dem Danke. Wenn ein Danke jedoch wirklich ernst gemeint ist, vom Herzen kommt und damit passt, so kann es in der Beziehung zwischen ArbeitskollegInnen wahre Wunder bewirken. Aber wir haben bereits auf so viele Art Dank annehmen „dürfen“ oder besser müssen, dass wir nicht selten misstrauisch sind oder uns auf den Standpunkt „nix sagen ist Lob genug…“ zurückziehen (und in unseren Beziehungen lustvoll gegen die fahren).

Sie halten das alles für unnütze Gefühlsduselei? Sie haben recht. Und glauben Sie davon bloß nichts. Wenn Sie mit dem Outcome des nächsten Meetings jedoch nicht zufrieden sein sollten, wenn Ihnen vorkommt, dass zuviel Zeit in unnützen Meetings verplempert wird, dann probieren sie das eine oder andere mal aus. Es könnte sein, dass Sie sich wundern, wenn Sie sehen, was mit derlei Methoden alles einfacher und schneller gehen kann.

==> Für alle an Wertschätzung Interessierten trage ich auf meinem Account auf Scoop.it! laufend Beiträge zu diesem Thema zusammen.

Spannende Perspektiven und neues Land

20. Dezember 2013"Ed, du machst schon noch Social Media, oder?" Das war so eine Frage, die ich neulich mit "ja natürlich, aber..." beantwortet habe. Und es war nicht gelogen.

Dieses „aber“ möchte ich hier näher ausführen. Einerseits für mich (Stichwort Selbstreferenzialität), andererseits aber auch für die, die mir hier zuhören, mit mir gemeinsam an Projekten arbeiten und von denen ich gerne verstanden und angenommen sein möchte.

Um 4 Uhr morgens gibt es wohl eine ganze Menge an Dingen, die man tun könnten. Schlafen zum Beispiel. Geht zur Zeit nicht, also sitze ich hier und blogge. Im Anschluss werde ich mich um das Workshop-Design für eine Großgruppenveranstaltung kümmern auf die ich mich riesig freue und in deren Zentrum das Thema Wertschätzung stehen wird. Während der letzten Wochen habe ich mich intensiv mit der Methode der wertschätzenden Befragung (Appreciative Inquiry) auseinandergesetzt und gestern fielen auch die Würfel für die Fortsetzung eines reinen Facebook-Projekts, das sich im zweiten Halbjahr in eine wahre Herzensangelegenheit verwandelt hat.

Dieses Projekt schoss mich mitten hinein in die (für mich mittlerweile) gut abgehangenen Public Relations, die Online-PR sowie angrenzende Bereiche wie Social Media Marketing, Moderation, Konzeption und Durchführung von Events, Customer Relationship Management, Organisationsentwicklung und natürlich, auch hier, wertschätzende Kommunikation. Und wenn ich schreibe „schoss“, so meine ich wohl eher, dass mir dieses Projekt im wahrsten Sinn des Wortes passierte. Aber ich nehme mir gerade vor, die Learnings aus dem Baustellentagebuch hier separat zu behandeln. Zeit hab ich, ist doch erst zehn nach vier!

Eine weitere Zutat für das abgelaufene Jahr sind Geschichten. Vom Storycamp 2012 (kam 2013 leider nicht zustande) in Salzburg an ging mir das Thema Storytelling nicht mehr aus dem Kopf. Die gelesenen Bücher verstand ich nur zum Teil, der Bezug zur Praxis meiner Kunden aber auch der zu meiner eigenen Praxis fehlte mir weitestgehend. Dennoch mauserte sich Storytelling immer mehr zur Methode (gemeinsam mit Wertschätzung), die ich so gut wie in jedes Projekt auf die eine oder andere Weise mit hineinbacke (kein Tippfehler!). Die Methodik ist zu klar, zu intuitiv und wirkungsmächtig, als dass ich darauf verzichten wollte. Soviel dazu.

Fassen wir zusammen: Ich fühle mich an keiner Weggabelung angelangt auch wenn ich in wenigen Tagen 40 werde. Beruflich läuft es besser denn je, was nach einem katastrophalen ersten Halbjahr eine wirklich tolle Erfahrung für mich ist. Ach ja. Und mit mir selbst verändern sich natürlich auch meine Projekte, Sichtweisen und Lösungen. Sie sind weniger strategisch, klicklastig und vielleicht rechthaberisch, als sie einmal waren. Sie spielen sich stärker auf der Beziehungsebene und weniger auf der Sachebene ab. Dies deshalb, weil ich einsehe, dass auch die erfolgreichsten Kommunikationsprojekte zum Stillstand kommen, wenn es auf der Beziehungsebene nicht klappt. Dorthin, nämlich auf die Ebene der Beziehung, des wertschätzenden Dialogs, des Gesprächs, geht meine Reise. Und angekommen bin ich noch lange nicht!

Ich blogge, also bin ich

6. Juni 2013Ich will schon seit längerer Zeit über das Bloggen schreiben. Da kommt mir dieses Stöckchen dazwischen und ich nehme es gerne auf. Stöckchen-Werfen, auch Blog-Karneval genannt, funktioniert so, dass ein Blogger sich ein Thema vorknöpft oder Fragen stellt (wie im vorliegenden Fall), diese beantwortet, um den Ball oder das Stöckchen dann an einen anderen (Blogger) weiter zu geben. Der Sinn des Ganzen: Backlinks.

Backlings jedoch sind eine Form der Anerkennung und damit gegenseitiger Wertschätzung. Wenn Ritchie Pettauer und Martin Bredl auf mich verlinken, dann ist das mehr als nur ein Impuls für Google, das dann erkennt, dass wir „irgendwie“ zusammenhängen. Backlinks dieser Art und Qualität sind viel mehr als das.

Den Richard Pettauer kenne und schätze ich seit langer langer Zeit. Er ist nicht einer jener „Social Media Experten“, die die Sau erst seit einigen Jahren vor sich her treiben. Ritchie war von Anfang an mit dabei und kennt sich aus. Und noch viel wichtiger. Er teilt sein Wissen und zwar aus Prinzip. Aus diesem Grund ist er für mich nicht nur Vorbild, sondern immer wieder auch Ansporn, raus zu gehen aus der Komfort-Zone, zu teilen, sich zu interessieren und sich nicht zu erheben über andere, die thematisch vielleicht anders gelagert sind, von einer Sache vielleicht weniger verstehen als andere.

Bleibt noch Martin Bredl. Martin war einst Präsident des Österreichischen PR-Clubs (PRVA). Abgesehen davon ist er ein profunder Kenner der Materie Kommunikation und hat nach seiner Tätigkeit als PR-Chef der Österreichischen Telekom den mutigen Schritt in die Selbstständigkeit getan. Zudem ist er ein Treiber, wenn es darum geht, die Bereiche Online, PR und Content miteinander zu verbinden. Ich schätze Martin Bredl einfach sehr. Als Blogger und PR-Auskenner einerseits, aber vor allem auch als Mensch, der mein Blog, und damit mich selbst, schon seit geraumer Zeit wohlwollend begleitet. Danke dafür!

Soviel zum Thema Menschen. Sie stehen für mich hinter den Blogs, die ich lese. Ihre Blogs geben mir Eintritt in ihre Gedankenwelten. Es geht mir bei Blogs immer um den Menschen dahinter. Um die geht es mir. Weniger darum, wie die Marken oder Unternehmen heißen, für die sie meinetwegen sprechen. Blogs sind für mich das Paradebeispiel „sozialer“ Medien. Blogs werden von Menschen für Menschen gemacht und wenn sie von der namenlosen Content-Engine für ein Unternehmen gemacht werden oder gemacht werden müssen, dann klingen sie schieße und erreichen ihre Ziele nur in den seltensten Fällen. Soviel zum Thema Blog-Karneval oder Stöckchenwerfen. Und hier die Fragen. Sie haben allesamt mit meiner Art zu bloggen zu tun.

BLOGGER-TYP?
Zuerst mal rein geschäftlich, wobei sich das, was ich hier sozusagen geschäftlich mache, von dem, was ich denke und woran ich auch privat glaube, nicht trennen lässt. Insofern blogge ich über „Geschäftliches“ aus subjektiv-privater Sicht (oder so).

GERÄTSCHAFTEN DIGI­TAL?
iMac, iPhone älteres Modell von dem ich so ziemlich alles, was „social“ ist, herunter gegeben habe. Es wird imho viel zu viel geteilt, viel zu wenig gelesen und kaum noch was verstanden. Wir geben einander in sozialen Medien einen Beat vor, den kaum noch jemand verträgt. Das gilt für Facebook und Twitter. Insofern ist für mich mein Blog Wohltat und Entspannung. Er hilft mir dabei, meinen Kopf zusammen zu räumen und Gedanken zu bündeln. Für mich enorm wichtig. Geht natürlich nur dann, wenn man „in the mood“ ist. Leider zu selten der Fall.

GERÄTSCHAFTEN ANA­LOG?
Mein Cannondale Caad 9 (Rennrad). Eine wichtige Gerätschaft, die mir dabei hilft, den Kopf frei zu bekommen, was wiederum unweigerlich zum nächsten Blogpost führt.

ARBEITSWEISE
Je nach Auftragslage 😉 Nein, im Ernst: Ich brauche den klaren Kopf. Strategien und Kommunikationslösungen abseits eingetretener Pfade bringe ich nur dann hin, wenn ich in die Zeit dazu habe, in die Schuhe meiner Kunden zu schlüpfen. Dies wiederum geht nur dann, wenn ich die Zeit und auch den Freiraum habe, in die Schuhe der Kunden meiner Kunden zu schlüpfen, mich einzufühlen und einzustimmen in deren Problemlagen. Klingt super-komplex und ist es auch. Wenn ich aber einen klaren Gedanken habe, geht es mir der Umsetzung schnell. Genauso ist es mit dem Thema Bloggen.

WELCHE TOOLS NUTZT DU ZUM BLOGGEN, RECHERCHIEREN UND BOOKMARK-VERWALTUNG?
Wordpress, Storify, Scoop.it sind hier die Tools meiner Wahl. Ja und vielleicht noch manchmal Feedly. Austo-Posting-Tools wie Buffer, Hootsuite oder Time.ly habe ich abgeschworen. Sie entsprechen meinem Mindset nicht mehr.

WO SAM­MELST DU DEINE BLOGIDEEN?
Ebenfalls auf WordPress. Das sind dann die vielen Entwürfe…

WAS IST DEIN BES­TER ZEITSPAR-TRICK/SHORTCUT FÜRS BLOGGEN/IM INTERNET?
Bloggen und Zeitsparen, das passt meiner Meinung nach nicht zusammen. Bloggen braucht Zeit, Recherche, Lesen, Nachdenken. All das lässt sich weder durch Tricks, noch durch Shortcuts umgehen oder beschleunigen.

BENUTZT DU EINE TO-DO-LIST-APP?
Nein. Ich habe einen Ordner am Schreibtisch. Er nennt sich „2Blog“. Das ist alles.

GIBT ES NEBEN TELEFON UND COMPUTER EIN GERÄT, OHNE DAS DU NICHT LEBEN KANNST?
Nein. All das sind Werkzeuge, die ich brauche. Aber ich bestimme über sie – nie sie über mich!

GIBT ES ETWAS, DAS DU BES­SER KANNST ALS ANDERE?
Nein. Ich versuche wertschätzend zu kommunizieren und scheitere damit auf hohem Niveau. Solange sich dieses Niveau nach oben verändert, bin ich zufrieden, weil ich weiß, dass etwas (mit mir) weiter geht.

WAS BEGLEI­TET DICH MUSI­KA­LISCH BEIM BLOGGEN?
Gar nichts. Beim Bloggen lerne ich extrem viel, bin angespannt und deshalb voll konzentriert. Musik wäre für mich nur hinderlich. Bin nämlich jemand, der, hört er Musik, sehr bewusst Musik hört. Prince Roger Nelson (Lotus Flowers) gibt es höchstens nach vollendetem Blogpost. Sozusagen als Belohnung.

WIE IST DEIN SCHLAFRHYTHMUS – EULE ODER NACHTIGALL ODER LERCHE?
Unterschiedlich und damit wohl typisch für Selbstständige. Bloggen kann ich dann am besten, wenn es mich überkommt. Nur dann hab‘ ich wirklich was zu sagen. Nur dann, sprudelt es förmlich aus mir heraus und ich getrau mich, mit Gedanken, Überzeugungen und Worten vor den Vorhang, die ganz tief drinnen sind in mir. Diese Ich-muss-heute-bloggen-weil-Freitag-ist-Posts fand ich damals schon an mir selbst zum Kotzen!

EHER INTRO­VER­TIERT ODER EXTROVERTIERT?
Keine Ahnung! Ein wenig wohl von beiden. Kenne da allerdings Leute, die sagen, jeder der bloggt sei eine Rampensau und damit extrovertiert.

WER SOLLTE DIESE FRAGEN AUCH BEANTWORTEN?
Georg Holzer
Anne Breitner
Reinhard Lanner

DER BESTE RAT, DEN DU JE BEKOM­MEN HAST?
Das ist Empathie und so kannst du damit arbeiten.

NOCH IRGEND­WAS WICHTIGES?
Storytelling ist mir wichtig. Gewaltfreie Kommunikation ebenfalls. Wenn du das eine tust,  ergibt sich das andere wie von selbst.

GooglePlus: Verloren im Datenstrom

16. Mai 2013Google Plus zeigt sich in neuem Gewand und überfordert mich massiv. Was ich brauche ist weniger. Was ich mir wünsche ist Klarheit. Was ich ablehne ist eine zunehmende Datenflut, der ich mich immer weniger gewachsen sehe.

Das Telefonat heute morgen war noch gar nicht beendet. Trotzdem klickte ich schon auf meinen Browser und weiter auf meine Google Plus Seite. Google Plus wird für mich immer wichtiger und ich habe neben dem persönlichen Profil auch die Community Storytelling Austria und eine Unternehmensseite edRelations – Wertschätzende Online Kommunikation aufgezogen. Google Plus sieht ab heute ein wenig anders aus. Vielleicht auch schon seit gestern, jedoch war ich gestern nicht online.

Google Plus sieht jetzt nicht nur anders aus, es überfordert mich. Es kommt in einem Gewand daher, das ich von Pinterest oder Rebelmouse kenne, mir persönlich jedoch nicht zusagt. Warum? Weil ich überflutet werde mit Informationen, Bildern und Videosequenzen und es so noch schwieriger für mich ist, ruhig und fokussiert zu bleiben, brauchbare Information aufzunehmen und ihnen die Zeit zu geben die sie brauchen. Google Plus macht meine User-Erfahrung noch fragmentierter, noch hektischer und schneller. Und das finde ist überaus schade.

Die Filter Lüge

It’s Not Information Overload. It’s Filter Failure. Oh wie gut das klingt! Man ginge nicht unter in Informationen, solange man nur die Filter richtig setzt. Alle Information kommt jetzt also durch meinen sozialen Filter. Also ist der soziale Filter, spricht, die Verbindungen, die mich in sozialen Medien umgeben, gut. Wirklich relevante Information also wird mich schon finden, so die sinnige Annahme. Das einzige Problem: Die Annahme stimmt nicht. Ob auf Google Plus, Twitter, Facebook oder Pinterest: Es ist in erster Linie Schrott, der daher kommt. Und es wird immer mehr! Schrott seitens meiner persönlichen Verbindungen. Schrott und Irrelevantes von Unternehmen, denen ich folge. Kaum jemand ist sich darüber in klaren, das er Teil meines sozialen Filters ist, und ergo gut ist bzw. eine wichtige Funktion erfüllt. Wenn dies meinen privaten Verbindungen nicht klar ist, naja, drücken wir mal ein Auge zu, aber was, wenn es sich dabei um Unternehmen handelt, die keine Sekunde ihrer (online-) Zeit darauf verschwenden, was für mich nützlich oder relevant sein könnte?

Bin ich am Ende selber schuld?

Aber hallo! Ich selbst bin doch für meinen eigenen Schrott verantwortlich, oder? Schließlich war ich es ja, der sich von Google dazu hat verleiten lassen, seine Dienste in Anspruch zu nehmen (die vorher ganz anders ausgesehen haben und mich nicht annähernd so vielen Informationen auf einmal ausgesetzt haben wie jetzt…), schließlich habe ich mich selbst dazu entschlossen, alle anderen Dienste rundherum zu nutzen. Ich war es, der sie zugelassen hat. Ich habe ihnen auf meinem Desktop, in meinem Browser und letztlich in meinem Kopf jenen Raum gegeben, den sie jetzt num mal haben. Also worüber rege ich mich auf?!

Es geht mir darum, festzuhalten, dass wir in all dieser Content- und Bilderflut untergehen. Dass wir kaum noch dazu in der Lage sind, klar und konzentriert bei der Sache zu sein und mit dem Füttern unserer Feeds und Streams (über die wir nicht selten belangloses Zeug verbreiten) nicht mehr nachkommen. Wir haben uns kleine Monster geschaffen und dabei völlig vergessen, wie unsere eigenen Bedürfnisse und Strategien aussehen, vergessen, was wir eigentlich wollen und hier in Sozialen Medien tun.

Wir kommen also mit dem Füttern nicht mehr nach und nutzen deshalb Maschinen die uns dabei helfen, den zusammengetragenen Twitter- und Facebook-Content auch an Sonn- und Feiertagen unter die Leute zu bringen. Wertschätzung in unserer Online Kommunikation? Geschenkt! Zuhören, Leute abholen? Naja, wenn’s was bringt. Customer Care? Na klar doch, solange sich unsere Fans gegenseitig helfen und wir uns dadurch Kosten sparen.

Aber schneller und schneller dreht sich die Content-Maschine. Dabei haben wir gerade erst gelernt, wie wir die Überschriften unserer Kurz-Texte (Social Objects) nun verfassen müssen (kurz und mega-knackig) damit sie am Desktop ebenso „funktionieren“ wie am mobilen Endgerät und da stellt Google schon wieder seinen Algorithmus um und alles ist wieder umsonst. Egal! Schnell weiter im Programm. Schnell noch ein paar Videos, ein paar Fotos und Tweets in den virtuellen Stream geschoben. Raus damit! Schließlich wollen unsere kleinen Monster gefüttert sein. Wir haben aufgehört, dieses Tun zu hinterfragen, und das ist gut so. Oder doch nicht?

Weniger ist noch immer mehr

Ab dem Zeitpunkt, wo du erkennt, dass nicht alles zu schaffen ist, geht es leichter. Umgemünzt auf Social Media bedeutet das für mich ein radikales Umdenken. Ja, ich muss mitspielen und ja, ich entschließe mich jeden Tag aufs Neue dazu, Soziale Medien für meinen Geschäftserfolg zu nutzen. Aber. Ja aber. Um genau dieses Aber geht es mir.

Ich bestimme, wann ich poste, welchen Informationen und Feeds ich mich aussetze und wozu ich etwas sage. Ich selbst bestimme, ob meine Online Kommunikation an 24 Stunden des Tages läuft und an sieben Tagen der Woche. Ich habe es in der Hand, zu sagen, ich blogge, poste oder like jetzt mal drei Wochen gar nichts, weil ich die Zeit brauche um damit klar zu kommen um das zu verstehen, was ist. Und letztlich habe es auch ich in der Hand, zu sagen, heute geht gar nichts und ich werde mich erst recht nicht dazu zwingen (lassen).

Wenn wir nicht klar sehen – und genau das lässt mich Google Plus in dieser seiner derzeitigen Forum und Fassung leider nicht (mehr), dann wird es auch mit dem Verstehen schwierig. Wenn wir nicht mehr ausreichend verstehen, dann müssen wir uns wieder auf die Suche nach Klarheit begeben. Müssen reduzieren, weglassen, uns von Dingen, Diensten und Gesprächspartnern trennen, die wir nicht (mehr) verstehen, die uns unserer Sicht und Klarheit berauben. Genau dorthin geht mein Weg und er wird mit jedem Schritt klarer.

Nachtrag:
So bekommen Sie den Pinterest-Look von Google-Plus wieder weg!

Wer im Google Plus Profil ganz oben rechts auf „Mehr“ klickt, der kann das Stream Layout von GooglePlus wieder auf die ursprüngliche Form zurücksetzen.

Die Objekte im Stream werden dann wieder untereinander angeführt.

Google Plus Settings

M´it rechts und links „meterweise“ Platz dann, aber bitte…

Möglich und machbar: Wertschätzende Online Kommunikation

22. April 2013Vor ein paar Wochen beendete ich ein Projekt, in dem es um Community-Management ging. Es ging darin um das, was Social Media in Wirklichkeit ausmacht, was Social Media sind und meinen: Um das online stattfindende Gespräch. People 2 People sozusagen. Das Unternehmen war gut aufgestellt, die Community-Managerinnen fit und wir konnten starten.

Im Rahmen des Coachings, es lief über zwei Monate, während denen insgesamt acht Einheiten zu verschiedenen Themen stattfanden, ging es recht bald um die Umgangsformen bzw. darum, wie sich das Unternehmen am Online-Dialog nun beteiligen sollte, was es sich gefallen lassen (Kritik) sollte und was nicht mehr. Eher früher als später, kamen wir auf das Thema Wertschätzung zu sprechen. Es ging um die Frage, wie sich Wertschätzung in Online-Dialogen ausdrücken lässt, wo sie einen Platz hat bzw. haben sollte und wie man es ganz konkret anstellt, mit der Wertschätzung unserer Gesprächspartner im Online-Dialog. Hierzu ein paar Gedanken:

Wertschätzung kommt viel zu kurz
Egal ob im „echten“ Leben oder online. Wertschätzung ist kaum ein Thema oder kommt oft viel zu kurz. „Loben tut man nur die Deppen“, heißt es in einem Sprichwort, ein anderes sagt „Nichts gesagt, ist Lob genug“. Uns so sehen sie dann auch oft aus, unsere Dialog-und Kommunikationsbeziehungen. Leider! Und manche Online-Gespräche strotzen nur so vor gegenseitigen Verletzungen und rechthaberischem Getue. Da ist Wertschätzung überhaupt kein Thema mehr. Das Unternehmen, die Marke sollte sich jedoch fragen, ob es Gespräche dieser nicht-wertschätzenden Art führen möchte. Warum? Weil uns Gesprächssituationen, in denen wir uns nicht wertgeschätzt fühlen, bewusst oder unbewusst nicht gut tun. Wir nehmen daraus ein Gefühl mit, das nicht passt, das uns vielleicht sogar diffus bedrückt, von dem wir vielleicht nicht gleich wissen, woher es kommt. Fakt ist: Die Qualität unserer Gespräche macht unseren Tag! Und zwar egal ob es sich dabei um Online-Gespräche handelt oder nicht.

Online wertschätzende zu kommunizieren macht Sinn

Wertschätzung ist oft total schwer, manchmal aber auch einfacher als man denkt. Wertschätzende Online Kommunikation trägt jedoch Früchte, soviel steht fest! Wertschätzung schafft Beziehungsqualität und bringt ihre Kommunikation damit möglicherweise zum Blühen.

Wertschätzung muss ehrlich sein
Die Wertschätzung muss von der „richtigen“ Person ausgehen, sie muss authentisch sein und darf keine versteckte Forderung enthalten. Wird Lob und Anerkennung ausgedrückt, geht es oft mehr um Strategie und Hintergedanken, als um ein echtes Danke, das hast du getan / gesagt, mit geht es damit so oder so (Gefühle) oder folgendes Bedürfnis erfüllt sich dadurch bei mir, etc. Es wir mit der einen Hand danke gesagt oder gelobt, aber das bloß aus dem Grund, weil man mit der anderen Hand die nächste Forderung erheben will. Auf solche Wertschätzung sind wir alle allergisch, weil sie nicht echt ist.

Wertschätzung schafft Vertrauen
Wenn Wertschätzung zum Ausdruck gebracht wird, die echt ist, dann kommt das beim Gegenüber gut an. Das Danke wird als ehrlich verstanden und kann in dieser Form angenommen werden. Dies auch deshalb, weil es keine versteckte Forderung enthält. Über solche „honest signals“, also kommunikative Akte des Vertrauens, stellen wir Gemeinsamkeiten her und schaffen die Voraussetzung dafür, dass man uns vertraut.

Wertschätzung kann Scham auslösen
In einem Seminar für Gewaltfreie Kommunikation nach Rosenberg (GfK) lernte ich neulich, dass offen zu Ausdruck gebrachte Wertschätzung von dem, der sie bekommt, oft abgetan wird. Im Italienischen kann man zu jemandem, der sich bedankt, sagen „Niente!“ (Das ist nichts!) Und hier haben wir sie, die Scham, die sich rasch auftun kann, wenn sich jemand auf ehrliche Art wertschätzend verhält! Schließlich wissen wir seit langer Zeit, dass man sich nicht loben sollte oder dass „Eigenlob stinkt“, etc. Wenn wir uns jedoch schämen, weil sich jemand uns gegenüber im einem Online Dialog wertschätzend verhält, weil uns jemand für etwas, das wir getan oder gesagt hat, offen und ehrlich gemeint dankt, so ist dies sehr schade. Also sollten wir uns auf den Weg machen, die Mauer der Scham, die unsere wichtigsten und kostbarsten Bedürfnisse (etwa Zugehörigkeit, Verständnis, Vertrauen, Geborgenheit, Respekt, Liebe, Ehrlichkeit, Harmonie, Werte, Akzeptanz, etc.) umgibt, zu durchbrechen. Dafür heißt es aber, dem Thema Scham offensiv zu begegnen, d.h. sie im ersten Schritt zuzulassen und hineinzuspüren.

Wertschätzung kann Unternehmen helfen

Online oder offline. Wertschätzende Kommunikation erleichtert vieles. Sogar dann, wenn Menschen online z.B. auf Facebook über ein Thema sprechen und vielleicht nicht einer Meinung sind. Die Argumente des anderen anzuerkennen, sie wertzuschätzen, sich für die Teilnahme am Dialog, für die darin eingebrachten Ressourcen zu bedanken, das macht absolut Sinn. Leider wird es so gut wie immer vergessen. Und ich spreche hier absolut nicht davon, dass der Communtiy-Manager „Ja danke, wir haben ihren Kommentar gelesen und kümmern uns darum“ sagt. Das hat mir Wertschätzung kaum etwas zu tun!

Beginnen sie jetzt wertschätzend zu kommunizieren!
Schauen Sie sich die Kommunikation der kommenden Stunden und Tage mal genauer an und fokussieren Sie dabei auf das Thema Wertschätzung. Was fällt Ihnen dabei auf, wofür könnten Sie einen Gesprächspartner danken, wofür ihn wertschätzen und ihm das dann natürlich auch sagen? Nicht deshalb, weil Sie von ihm im Gegenzug etwas haben wollen oder sich von der offen zur Schau gestellten Wertschätzung Vorteile erhoffen.

Wenn Sie ihren Gesprächspartnern online wie offline Wertschätzung entgegen bringen, dann weden sie zuerst einmal sehen, dass das viele verwundert, manche abschreckt, wieder andere dazu veranlasst, zu sagen, „ach was, das ist ja gar nichts…“ weil sich das Schamgefühl meldet. Echte Wertschätzung jedoch hat eine unglaubliche Kraft und kann unsere Gespräche und unser tägliches Miteinander ungeheuer bereichern. Ob dies nun in der Kaffeeküche ist oder beim nächsten Facebook-Dialog.

Probieren Sie es aus!