Archiv der Kategorie: Social Business

Storyteling auf Facebook (Teil 1)

12. November 2014Facebook ist derzeit (November 2014) sicher die bestimmende Social Media Plattform. Rein mal zahlenmäßig gesehen. Weil Facebook aber auch für Storytelling ein geeigneter Rahmen sein kann, beschäftige ich mich in dieser Blog-Serie mit Storytelling auf Facebook.

Mit der Einschätzung, dass Facebook für Storyteling ein geeigneter Rahmen sein kann, widerspreche ich mir gleich mal. Im Blogbeitrag Storytelling: Twitter, Google+ oder doch Facebook? aus 2012 fragte ichn mich, ob Unternehmen

(…)  nicht sprichwörtlich Perlen vor die Säue werfen, indem sie gute Geschichten in die Streams ihrer Fans spielen, wo sie zwischen Posts der Marke “Ich esse gerade ein Steak mit 240 Gramm Einwaage” oder “Mann ist mein neuer BMW aber klasse” zu stehen kommen?

Mir wurde teilweise kopfschüttelnd widersprochen, zeigt mir ein Blick in die Kommentare. Naja, das sehe ich mittlerweise differenzierter. Möglicherweise auch deshalb, weil Unternehmen auf Facebook heute wesentlich besser und auch öfter Geschichten erzählen, als sie es noch vor einigen Jahren getan haben. Auch das Thema selbst und der Zugang dazu haben sich gemausert. Und zwar gewaltig. So ist Storytelling in all seinen begrifflichen Ausprägungen ein wirklich großes Thema geworden. Vor allem dann, wenn es um Online- bzw. Content-Marketing geht, kann es sich kein Kongress, keine Webseite und kein Marketeer mehr leisten, zum Thema Storytelling nicht zu sagen. Viele haben das Thema jetzt also auf dem Radar und bekommen von Facebook auch nicht zuletzt deshalb einen optimalen Rahmen, ihre Geschichten loszuwerden.

Facebook hat Geschichten in seiner DNA
Wer sich Facebook genauer ansieht, erkennt schnell, auf welch vielfältige Art uns die Marke selbst Geschichten erzählt. Aber nicht etwa von sich selbst, das erledigen schon andere, und stärken über diese Mystifizierung gleich wieder die Marke. In den Geschichten, die uns Facebook über seine wirklich genial gemachte Facebook-Stories Webseite erzählt, stehen die Facebook-Nutzer im Mittelpunkt. Aber nicht nur sie, auch ihre vielfältigen Konflikte, für die Facebook Lösungen parat hat. Das ist wirklich clever gemacht.

Hier gehts zur Blogparade State of Storytelling

Storytelling via Lebensereignis und Meilenstein
Wer keine Geschichte hat, der hat zumindest seine Lebensgeschichte, heißt es so schön. Auch das wiederum erkannte Facebook und bietet seinen Nutzern das Feature “Facebook-Lebensereignis” bzw. Firmen das gleiche Vehikel namens “Facebook-Meilenstein” an. Und Facebook bittet seine Nutzer dann auch wirklich um ihre Geschichten. Hier geht es um nichts anderes, als darum, Geschichten auszulösen. Je mehr Geschichten, desto besser für Facebook, so die einfache Formel. Mehr Geschichten bedeutet mehr Content. Mehr Content für unsere Freundeskreise auf Facebook wiederum mehr soziales Kapital und damit Relevanz. Je relevanter unsere Geschichten auf Facebook aber für unsere Freunde und Follower, desto relevanter ist für sie letztlich auch – genau! – Facebook selbst.

Facebook bietet Storytellern ein breites Betätigungsfeld. Letztlich geht es darum, wie wir Geschichten definieren und was wir bei unseren Zuhörern damit bewirken wollen. Fotocredit: Loren Sztajer / flickr.com

Facebook bietet Storytellern ein breites Betätigungsfeld. Letztlich geht es darum, wie wir Geschichten definieren und was wir bei unseren Zuhörern damit bewirken wollen. Fotocredit: Loren Sztajer / flickr.com

Dieser unwiderstehliche Kitt, den uns Facebook in Form von Geschichten derer, denen wir folgen, bereitstellt, macht es einigen von uns letztlich sooo schwer, der Plattform den Rücken zu kehren. Sie müssen einfach immer wieder zurück, weil es sonst keine Fortsetzung gibt. Ein Prinzip, das wir schon aus dem Märchen von 1001 Nacht kennen. Bei Facebook hier abzukupfern ist für Unternehmen nicht ganz einfach, jedoch mit Sicherheit sehr lohnend.

Facebook Storytelling einfacher als man denkt
Wenn man über Storytelling auf Facebook nachdenkt ist man eigentlich schon in der Patsche. Zumindest mit einem Fuß. Der Begriff alleine macht es oft schon sehr schwer, die Lockerheit mitzubringen, etwas Anregendes, Leichtes, Lockeres oder Emotionales von sich zu geben. Egal ob jetzt als Einzelperson oder als Unternehmen. Weniger, so meine Erfahrung, ist vielfach mehr. Wenn wir den Begriff Storytelling schon verwenden, so verstehen wir darunter möglicherweise ein kurzes Video, einen kurzen, ja sehr kurzen Text oder ein Bild bzw. eine Kombination daraus. Das ist es letztlich, was unsere “Story” im Rahmen eines x-beliebigen Facebook-Postings ausmacht. Vielleicht ist es also besser auf Facebook von Micro-Geschichten oder Geschichts-Fragmenten zu sprechen.

Die Basis unserer Geschichten
Ob online oder offline. Unsere Micro-Geschichten oder Geschichts-Fragmente, die wir auf Facebook zum Besten geben, brauchen eine Unterlage und zwar in zweifacher Hinsicht. Erstens müssen sie mit dem, was wir sind, wonach wir streben, wofür wir stehen, also mit unserer persönlichen Mission oder der Mission des betreffenden Unternehmens in Einklang stehen. In der Literatur taucht hierfür immer wieder der Begriff Kern-Geschichte bzw. Core Story auf. Dies ist die eine Ebene. Die andere besteht darin, dass unser Content, egal ob Text, Bild, kurzes Video oder eben die Kombination daraus, auf eine bereits erlebte Geschichte unserer Fans und Follower treffen sollte. Unsere auf Facebook veröffentlichten Geschichts-Fragmente sollten also optimalerweise auf ein “Ach ja, so ging es mir auch einmal” oder “Ja, dieses Gefühl kenne ich” treffen. Ist dies gegeben, so hat mir ein Facebook-User oder ein Unternehmen, dem ich auf Facebook folge, eine Geschichte erzählt und mir darüber einen Nutzen stiften können.

 

Weitere Posts zum Thema Storytelling:
Warum emotionale Geschichten besser funktionieren
Storytelling: No Guts no Glory!
Storytelling: Geschichten eine Bedeutung geben
Case Study: Baustellenkommunikation via Facebook und Blog
Visual Storytelling in 10 Schritten

 

Warum emotionale Geschichten besser funktionieren

4. November 2014Es war ziemlich ernüchternd, als mich die Teilnehmerin eines Workshops neulich darum bat, emotional etwas kürzer zu treten. Vielleicht hatte das aber auch mit dem Katzenvideo von Gopro zu tun. Emotion im Storytelling muss aber sein. Fehlt sie, fällt es uns schwer, darauf einzusteigen.

Es war dieses Video, das der Teilnehmerin sauer aufgestoßen hat. Und es ist wahrscheinlich nicht der Inhalt, den man sich morgens auf nüchternen Magen ansehen will. Doch es war nun mal mein Einstieg in einen Tag, in dessen Verlauf wir uns fragten, wie wir als UnternehmerInnen bessere Geschichten erzählen könnten.

Das Feedback, wie gesagt, sah so aus, dass mich die Teilnehmerin darum bat, etwas weniger emotionale Beispiele zu zeigen bzw. mit der Emotion generell ein wenig zurück zu fahren. Machen wir es kurz. Sie hatte recht.
Zudem erwischte sie mich klassisch auf dem falschen Fuß. So bin ich in den Workshops stets darum bemüht, dass sich die Teilnehmer wohlfühlen bzw. ein geschütztes Setting vorfinden, in dem sich dieses Wohlgefühl einstellen kann. Insbesondere zum Start enorm wichtig.

Storytelling ohne Emotion funktioniert nicht

Im limbischen System werden Entscheidungen getroffen. Der Schlüssel dazu sind Emotionen

Andererseits bin ich aber auch froh darüber, dass es diese Wortmeldung gab, da sie es mir ermöglichte, näher auszuführen, dass Geschichten Emotionen einerseits benötigen, dass es der Erzähler aber auch in der Hand hat, die darin enthaltene Emotion so zu dosieren, dass es für seine Zuhörer passt.

Für den Erzählenden ist es ebenso ein schmaler Grad. Es kann ganz schnell gehen, und man überschreitet als Sprecher einen Punkt, ab dem man seine Emotionen nicht mehr unter Kontrolle hat. Gerade dann, wenn unsere Geschichten sehr authentisch sind und wir auf (eigene) Konflikte, Probleme, Umwege und dergleichen zu sprechen kommen. Damit einem die Geschichte und damit die beim Publikum intendierte Wirkung nicht entgleitet, ist hier sicher weniger mehr. Aber zurück zur Frage, warum unsere Geschichten Emotionen brauchen, ja ohne sie nicht sonderlich gut funktionieren.

Unser Gehirn braucht Emotion.
Besser wäre es, die Frage anders zu stellen. Es gibt keinen zwingenden Grund, warum Geschichten Emotionen brauchen. Die Frage ist, was benötigt unser Gehirn, genauer gesagt, unser limbisches System, damit es auf Hochtouren kommt und vielleicht Entscheidungen trifft, ein ganz bestimmtes Bewusstsein schafft, Lernen ermöglicht, etc.

Storytelling limbisches System

Auch der US-Präsident ist sich der Wirkung emotionaler Inhalte bestens bewusst.

Limbisches System als emotionaler Textmarker
Wenn eine Geschichte nicht an unsere Gefühlswelt, an das Riechen, Schmecken, Tasten appelliert, so fällt sie durch. Sie wird nicht als relevant genug eingestuft und darum nicht gemerkt und erinnert. All das, was wir uns für unsere Geschichten wünschen, können wir uns dann abschreiben. Mir hat das Bild des limbischen Systems als emotionaler Textmarker sehr gut gefallen. Und dieser kommt eben nicht zum Einsatz, wenn unsere Geschichten an Emotionalität vermissen lassen.

Dies ist der Grund, warum uns gute Geschichten und Bilder (Stichwort: visuelles Storytelling) nahe gehen, uns emotional fesseln uns im wahrsten Sinn des Wortes nicht mehr loslassen. Es gibt dafür natürlich auch noch andere Gründe, schon klar. Jedoch sind und bleiben Emotionen – gut dosiert und eingesetzt – der zentrale Schlüssel zum Geschichtenerfolg.

Geschichten brauchen Wertschätzung
Dass wir mit diesem Thema wirklich sorgsam umgehen und dass wir jene, die z.B. im Rahmen eines Workshops Geschichten mit uns teilen, schützen müssen, ist selbstverständlich. Dieser Schutz ist nicht automatisch gegeben. Es braucht ein angstfreies Setting. Gibt es dieses nicht, werden kaum Geschichten erzählt. Ein nicht uninteressanter Umstand, wie ich finde. Auch von großer Bedeutung, zumindest für mich: Geschichten bzw. Menschen, die Geschichten erzählen, brauchen Wertschätzung. Das ist im ersten Schritt mal ein “Danke, dass du diese Geschichte mit uns teils” oder ähnlich. Daran ist v.a. in Workshop-Settings zu denken, in denen jeder der Zuhörenden lernen und so schnell wie möglich auf den Punkt kommen will. Auch hier ist weniger mehr. Und noch etwas: Jeder, der schon mal ein Interview geführt hat, weiß, dass Geschichten kommen, wann immer sie wollen. Wenn sie Zeit brauchen oder wenn sie an einem bestimmten Workshop-Tag eben mal nicht kommen (wollen), so muss dies immer auch in Ordnung sein. Dieses Warten-Können dieses Eben-Nicht-Nachbohren, hat auch mit Wertschätzung zu tun, die ich für den Geschichtenerfolg für ebenso essentiell halte wie die Emotion.

Es grüßt Sie,
Ed Wohlfahrt

 

 

Storytelling Workshop Lessons Learned

23. September 2014Vor einigen Tagen hielt ich für die bit Group GmbH in Klagenfurt einen Tagesworkshop mit dem Titel "Wer erzählt gewinnt - Mit Geschichten zu mehr Aufmerksamkeit und Weiterempfehlungen". Ich möchte hier ein wenig über das Thema sprechen und Erfahrungen teilen.

Möglicherweise kann der eine oder andere mit diesen Folien oder meinen Lessons Learned arbeiten, will sich darüber austauschen und das Thema Storytelling damit einem breiteren Publikum zugänglich machen. Wer weiß.

 

Das Zielpublikum des Workshops bestand in Gründerinnen und Gründern bzw. Jungunternehmern, die allesamt vor der Herausforderung stehen, Aufmerksamkeit auf sich und ihre Produkte und Dienstleistungen zu lenken. Keine leichte Sache. Das weiß ich aus eigener Erfahrung!

Im Rahmen des Workshops wunderte ich mich sehr über den Umstand, dass es nicht lange dauerte und jeder Teilnehmer hatte seine eigene Geschichte gefunden. Allein diesen Umstand fand ich interessant, da ich dachte, dass dieser Prozess wesentlich mehr Zeit in Anspruch nehmen würde.

Ohne Wertschätzung kein Storytelling
Eine Herausforderung für mich als Vortragender bestand darin, den Teilnehmern mit größte möglicher Wertschätzung zu begegnen. Dies natürlich auch dann, wenn die erzählten Geschichten weder von Aufbau, Dramaturgie oder Struktur in mein “erlerntes” Storytelling-Muster oder zu den in den Folien enthaltenen “Bauplänen” passten. Das ist aber auch völlig egal! Schließlich ging es im Rahmen des Workshops ja auch nicht darum, zu erfahren, wie man “richtig” Geschichten erzählt sondern erstmal darum, mit dem Erzählen überhaupt erst zu beginnen. Je mehr ich mich selbst zurücknahm und aufhörte darauf zu pochen, dass es in Geschichten (damit das Publikum aufmerksam ist und bleibt) gewisse Elemente und Strukturen braucht, desto leichter machte ich es den Teilnehmern (und wohl auch mir selbst), eigene Geschichten zu entwickeln.

Storytelling-Theorie killt Storytelling-Flow
Klar gab es ein Angebot in Form von Folien, das die einzelnen Wege in die jeweiligen Geschichten hinein darlegte und Aufschluss darüber gab, wie eine Story aussehen könnte. Aber es ist eben “kann” und nicht “sollte” oder gar “muss”. Stories müssen letztlich gar nichts. Wenn Sie für uns funktionieren, weil sie eben genau zu einem bestimmten Thema perfekt passen, anschlussfähig sind, etc., dann tun sie das vielleicht auch dann, wenn der Konflikt nicht sonderlich klar herausgearbeitet wurde, vielleicht zu viel auf einmal erzählt wurde oder etwa im Zuge einer Heldengeschichte der Aspekt der Veränderung / Verwandlung nicht klar genug herauskommt. Meine diesbezügliche Erfahrung war, dass es mit zunehmender Storytelling-Theorie für viele immer schwieriger wird, ihre Geschichten natürlich zu entwickeln und zu erzählen.

Geschichten werden verteidigt
Ein weiteres Learning aus dem Workshop bestand für mich darin, dass es schwierig ist, sich von eingeschlagenen Story-Pfaden wieder zu verabschieden. So entwickelten die TeilnehmerInnen des Workshops meist ihre erste bzw. eingangs gewählte Geschichte weiter. Zum Teil war dies natürlich auch von mir so gewollt. Andererseits wurde selbst dann weiterentwickelt, wenn die eine oder andere Geschichte – vom Storytelling-Lehrbuch aus betrachtet – nicht viel hergab, also subjektiv betrachtet nicht das nötige Potential hatte. Für mich war es interessant zu sehen, wie sehr die Teilnehmer an dieser einen Geschichte hingen und nicht mehr davon lassen wollten.

Naturtalente abholen leicht gemacht
Abschließend noch einen weiteren, für mich wichtigen Aspekt. Er handelt davon, entweder recht haben zu wollen oder aber einen erfolgreichen Workshop abzuliefern. Es liegt in der Natur der Sache, dass es unter den TeilnehmerInnen eines Workshops introvertierte und extrovertierte Menschen gibt. Umgelegt auf das Thema Storytelling bedeutet dies, dass es TeilnehmerInnen gibt, die laut eigenen Angaben sehr einfach, leicht und oft Geschichten erzählen. Mit solchen Naturtalenten zu arbeiten kann durchaus herausfordernd sein. Einerseits geht es darum, ihre Geschichten und ihre große Bereitschaft, diese auch zu erzählen, wertzuschätzen (siehe oben!). Anderseits geht es aber auch darum, sie dafür zu gewinnen, an bestehenden, guten Geschichten zu feilen, um sie dadurch noch besser zu machen, auf ein bestimmtes Ziel oder die zu vermittelnde Botschaft hin zu schärfen, sie etwa darauf aufmerksam zu machen, dass es in der jeweiligen Erzählung am Konflikt (dem Salz in der Suppe…) fehlt, etc.

Sich als Vortragender hier zurückzunehmen bzw. möglichst nicht darauf zu bestehen, eine Geschichte nach diesem oder jenem Konzept, nach dieser oder jener Storytelling-Schule zu erzählen, ist für mich der richtige Weg. Letztlich sind es schließlich die Teilnehmer selbst, die mit ihren Geschichten in der Praxis erfolgreich sein müssen, egal ob so, so oder so erzählt.

Achtsame Kommunikation: Experten-Interview mit Lisa Illichmann

14. Mai 2014Gar nicht so leicht zu beschreiben wer mein heutiger Interviewpartner ist. Lisa ist viel. Unter anderem Performance-Coach, Autorin und erfolgreiche Beraterin.

Während der vergangenen Jahr beschäftigte sich die passionierte Reiterin zudem mit Psychologie, Storytelling und dem Thema Ethik. Bei einem Treffen neulich berichtete sie mir von ihrem Workshop “Achtsame Kommunikation” (23./24.5. St. Georgen am Längsee) und willigte ein, mir ein paar Fragen zum Thema kommunikative Achtsamkeit zu beantworten.

Lisa Illichmann, Expertin für Achtsame Kommunikation im Interview

Ed Wohlfahrt: Lisa, was ist achtsame Kommunikation oder, anders gefragt, das unterscheidet achtsame Kommunikation von nicht achtsamer?

Lisa Illichmann: Bei Achtsamer Kommunikation geht es um die Wahrnehmung der Beziehungsqualität (= in welcher Beziehung stehen die Gesprächspartner zueinander). Achtsame Kommunikation beschäftigt sich mit dem Zustand (emotionell) der Gesprächspartner und geht davon aus, dass das, was wir sagen, beim Gegenüber nicht ankommt, wenn diese/r nicht aufnahmebereit ist. Es ist wichtig zu erkennen, in welchem Zustand der Beteiligten sich befinden, damit wir wissen, wann wir reden sollen und wann nicht. Manchmal bewährt es sich eben zu Schweigen statt weiter zu reden (oder überhaupt anzufangen zu reden) um größere bzw. bleibende Schäden in der Beziehung zu vermeiden. Mit diesem Grundgedanken, schaffen wir eine wertschätzende langfristige Basis für die Beziehung und daher auch für die Kommunikation.

EW: Worin liegen die Vorteile, wenn z.B. in einer Abteilung achtsam miteinander kommuniziert wird?

LI: Die beteiligten Gesprächspartner fühlen sich wohler, weil sie authentischer und ehrlicher sind. Konflikte werden reduziert und die Beziehungsqualität wird widerstandsfähiger. Wir können Emotionen nie aus dem Spiel nehmen – auch nicht im Büroalltag (auch wenn wir es manchmal so gerne täten, und auch versuchen es zu tun). Emotionen beeinflussen wie wir unserer Umwelt gegenüber stehen und haben zusätzlich natürlich einen starken Einfluss auf unsere Botschaften – wie wir sie senden und wie wir sie empfangen. Also statt uns immer nur auf unsere Worte zu konzentrieren (oder die Botschaften, die wir senden möchten), können wir lernen uns auf die Emotionen zu konzentrieren und dadurch die jeweiligen Bedürfnisse der Beteiligten zu erkennen. Dies hilft uns feinfühliger, authentischer und offener zu sein. Emotionen zu erkennen und sein zu lassen, gibt uns Raum und Platz einfach zu sein und andere und uns selbst besser kennen zu lernen. Dieses “achten” auf das emotionale Umfeld macht es uns leichter auch die “richtigen” Worte zu finden, weil wir besser sehen können, wie die Situation für alle wirklich aussieht.

EW: Wo fängt Achtsamkeit im Unternehmenskontext an und wo hört sie auf?

LI: Sie beginnt bei jedem einzelnen. Achtsamkeit beeinflusst unsere Haltung und hinterfragt unsere Werte. Dies betrifft mein Handeln und führt somit zu einem besseren Ergebnis. Achtsamkeit ist die Basis jeder ethischen Haltung und dass muss eigentlich zentral sein sowohl im Unternehmenskontext, als natürlich auch im Kontext des gesamten Lebens. Achtsamkeit meint eine Art Respekt. Ich respektiere dich genug um achtsam zu sein wenn wir kommunizieren. Ich höre nicht nur auf deine Worte, sondern auf dich als Person. Ich bin nicht nur mit dem Gehirn sondern auch mit dem Geist dabei. Ich höre mit Herz, Geist und Seele zu. Es hat mit Spiritualität nichts zu tun, es hat mit Respekt, Ethik und Wertschätzung zu tun.

EW: Kommunikation soll wertschätzend, professionell, achtsam und noch vieles andere mehr sein. Packen wir hier nicht zu viel rein in das Thema?

LI: Achtsam zu sein hat mit Aufmerksamkeit und Ethik zu tun. Was wir tun, sollte bewusst geschehen, unabhängig von der Anzahl und Aussagekraft beschreibender Adjektive. Ich kann nur wiederholen: Achtsamkeit ist eine Art Respekt und Wertschätzung Ich respektiere den anderen genug um achtsam zu sein wenn wir kommunizieren. Ich höre zu und ich erwarte, dass der andere ebenfalls zuhört. Ich höre nicht nur auf den anderen, sondern auch auf mich selbst, damit ich mich vielleicht erstmals überhaupt wirklich kennen lernen kann – und dadurch auch authentischer sein kann. Ich höre nicht nur auf die Worte, sondern auf alle Botschaften, die geschickt werden. Ich höre auf die Emotionen, die involviert sind und lasse ihnen Raum.

EW: Lisa, wie sieht dein persönlicher Weg aus und wie bist du auf das Thema Achtsamkeit gekommen?

LI: Das Thema Achtsamkeit hat meine Haltung verändert. Sie erinnert mich immer wieder ins Jetzt zurückzukehren. Durch sie schaffe ich eine positive Lebensqualität. Durch Achtsamkeit habe ich mich selbst besser kennengelernt und habe die Geduld gefunden, auch andere besser kennenzulernen. Achtsame Kommunikation unterrichte ich jetzt als respektvoller Umgang mit sich selbst und anderen und diese Haltung hat mein Leben wesentlich interessanter und vielfältiger gemacht. Mein Weg geht weiter in diese Richtung.

EW: Danke Lisa für deinen Input und alles Gute!

==> zum Workshop “Achtsame Kommunikation”

Mit gegenseitiger Wertschätzung zu besseren Meetings

9. Mai 2014Wie man richtig gute Meetings abhält, darüber werden bekanntlich Bücher geschrieben. Effizient sollen sie sein, einen Rahmen bereitstellen, in dem möglichst alle Teilnehmer sich aktiv einbringen können und vor allem schnell wieder vorbei. Was gegenseitige Wertschätzung zu gelingenden Meetings beitragen kann, davon handeln die nächsten Zeilen.

Wohl jeder kennt Meetings, bei denen man sich miteinander irrsinnig schwer tut. Die unterschiedliche Wellenlänge der einzelnen Teilnehmer, die gemeinsame (Verletzungs-) Geschichten und andere Faktoren machen ein effizientes Meeting im Grunde unmöglich. Der Output folglich ist mau. Gemeinsam geht es in solchen Besprechungen dann um “die Sache”, also etwa den Ablauf eines Projektes, die nächsten Schritte, die gemeinsame Bewertung von diesem oder jenem. Man kennt das. Aber niemand zahlt wirklich ein und erweitert damit das Kommunikationsfeld der Teilnehmer.

Bestimmte Rechte vorbehalten / boellstiftung / flickr.com

Durch wertschätzende Kommunikation die Qualität von Meetings steigern.

Entweder fährt man nur mit 70% oder hält mit der eigenen Meinung hinter dem Berg. Es gibt noch viele andere Möglichkeiten, als Teilnehmer dabei und eben doch nicht dabei zu sein. Viel einfacher und damit für die Zusammenkunft effizienter wäre es, würde man auf der Beziehungsebene miteinander ins Gespräch kommen, diese Ebene zu reparieren und erst dann wieder auf die Sachebene zu gehen. Hört sich einfacher an als es letztlich ist, jedoch wird dann mit Sicherheit mehr raus kommen.

Gemeinsam ankommen
Die meisten Meetings gehen mit einem Räuspern des Vorgesetzten oder Chefs an. Vorher ein wenig Smalltalk und dann ab. Wie es den einzelnen Teilnehmern geht, was sie sozusagen zum Meeting mitbringen, dafür ist keine Zeit. Schließlich jagt ein Meeting das nächste und überhaupt sind wir doch alle professionell und brauchen diesen Gefühlskram doch alle gar nicht. Stimmt. Und aus diesem Grund ist die Meetingkultur in unseren Breiten vielfach eben auch wie sie ist.

Was ist gerade “Top of mind”?
“Wie geht es Ihnen?” kann eine tolle erste Frage sein. Vielfach wird sie jedoch als Aufforderung zum Smalltalk missverstanden. Schließlich will das mein Friseur auch wissen, sobald ich mich setze. Diese Frage kann aber noch viel mehr. Was wäre, würde diese Frage wirklich ernst gemeint sein und jedes Meeting standardisiert einbegleiten? Was wäre, würde es echte, ehrlich gemeinte Antworten geben auf diese Frage. Antworten, die dann aktiv und wertschätzend von allen am Tisch gehört würden und nicht im letzten hereinkommenden Telefonat oder im Leiseschalten des Telefons (Standard-Begleitmusik zum Start schlechter Meetings) untergehen? Alternativ könnte man auch fragen, “Wie geht es unserer Abteilung heute?” Eine andere Möglichkeit ist es, zu fragen, was im einzelnen jetzt gerade präsent ist bzw. was die einzelnen TeilnehmerInnen davon abhält, jetzt ganz hier zu sein.

Wenn Fragen überfordern
Machen die TeilnehmerInnen des Meetings angesichts solcher Fragen zuerst Mal große Augen, so kann dies ein guter Anfang sein. Es ist ein Beginn, eine Sensibilisierung auf das, was jetzt in jedem einzelnen präsent ist, ein Kontaktaufnehmen jedes Teilnehmers mit sich selbst. Je klarer es jedem einzelnen Teilnehmer bewusst ist, wie es ihm gerade geht, was jetzt in ihm präsent ist, was er sozusagen mitbringt zum Meeting, umso besser für ihn. Gelingt es nun den einzelnen dazu zu bringen, darüber in der Gruppe zu sprechen, dann gewinnen alle. Wenn sich im Zuge eines solchen Check-ins jeder in ausreichender Form gehört fühlt, lässt es sich über die kommenden total wichtigen Tagesordnungspunkte (Sachebene) viel einfacher, und ja!, effizienter, sprechen.

Das Danke zum Schluss
Tolle Möglichkeit, Wertschätzung zu üben, ja üben!, ist es, Teilnehmer zum Abschluss des Meetings aktiv dazu aufzufordern, sich zu bedanken. Hier gibts einen schönen Blogpost, zum Danke-Schön-Ende von Besprechungen, der mich inspiriert hat. Wichtig dabei. Sie müssen sich nicht gleich bei den Teilnehmerinnen des Meetings oder bei jemandem persönlich bedanken. Vielleicht passt das gar nicht für Danke-Anfänger. Lassen Sie sich ruhig Zeit mit dem Danke. Wenn ein Danke jedoch wirklich ernst gemeint ist, vom Herzen kommt und damit passt, so kann es in der Beziehung zwischen ArbeitskollegInnen wahre Wunder bewirken. Aber wir haben bereits auf so viele Art Dank annehmen “dürfen” oder besser müssen, dass wir nicht selten misstrauisch sind oder uns auf den Standpunkt “nix sagen ist Lob genug…” zurückziehen (und in unseren Beziehungen lustvoll gegen die fahren).

Sie halten das alles für unnütze Gefühlsduselei? Sie haben recht. Und glauben Sie davon bloß nichts. Wenn Sie mit dem Outcome des nächsten Meetings jedoch nicht zufrieden sein sollten, wenn Ihnen vorkommt, dass zuviel Zeit in unnützen Meetings verplempert wird, dann probieren sie das eine oder andere mal aus. Es könnte sein, dass Sie sich wundern, wenn Sie sehen, was mit derlei Methoden alles einfacher und schneller gehen kann.

==> Für alle an Wertschätzung Interessierten trage ich auf meinem Account auf Scoop.it! laufend Beiträge zu diesem Thema zusammen.

Wandel verstehen, unterstützen und wertschätzen

1. Januar 2014Das hässliche Entlein wird zum Schwan, das Aschenputtel zur Frau des Königs. Geschichten handeln immer vom Wandel und von der Veränderung ihrer Protagonisten. Hier ein paar persönliche Gedanken zum Thema Wandel.

Mir wurde vor ein paar Wochen gesagt, ich befände mich ganz offensichtlich in einem Prozess des Wandels. Na gut, dachte ich mir. Derjenige würde schon wissen wovon er spricht. Innerlich jedoch rollte ich mit den Augen über so viel Weisheit.

Der Wandel, die Veränderung spielt in Geschichten eine wichtige Rolle. Wie geht es uns selbst mit dem Wandel in uns und rund um uns herum?

Neulich war ich in einem Atelier. Die Bilder waren definitiv zu teuer für mich, das Gespräch mit dem Künstler jedoch sehr anregend. Bei einem Bier mit einem Bekannten erfuhr ich ein paar Tage später, wer der Künstler eigentlich sei oder besser gesagt in seinem vorigen Leben war. “Das ist doch der Unternehmer mit dem fetten Konkurs. Der malt jetzt Bilder..?” Dann gibt es noch den Literaten. Und wieder ein paar Wohlmeinende, die mich daran erinnern, dass dieser Literat ja wohl nicht ernst zu nehmen sei, zumal er vor wenigen Monaten noch eine Wiener Agentur geleitet hat, sich dann aber mit seinen Anteilpartnern überwarf und überhaupt und außerdem.

Was uns in der Welt der Sagen und Märchen (einer wahren Fundgrube für den Storytelling-Interessierten übrigens…) so leicht fällt, nämlich, den Wandel der Charaktere anzunehmen, geschehen zu lassen ohne daran herumkritteln, das fällt uns im täglichen Miteinander irrsinnig schwer. Ein Naturwissenschaftler erklärte mir vergangenen Sommer die Inkompetenz eines seiner Mitarbeiter wie folgt. “Der Herr Sowieso wird kommendes Jahr sein Bodenkultur-Studium abschließen. Fachlich ernst nehmen werde ich ihn aber auch dann nicht.” Gerade sein Ätschi-bätschi ist mir damals noch abgegangen…

Alle drei dieser kurz erzählten Begebenheiten haben eines gemeinsam. Wir tun uns mit dem Wandel anderer Menschen enorm schwer. Mehr noch: Nicht selten billigen wir unseren Mitmenschen diesen Wandel gar nicht erst zu. Das ist mehr als nur kurzsichtig, es ist niederträchtig und gemein.

Mit Geschichten zu arbeiten hat mich nicht nur gelehrt, das Stilelement des Wandels gezielt herauszuarbeiten und einzusetzen, da es uns beim Verstehen und Weitertragen von Geschichten enorm hilft. Es hat mir auch vor Augen geführt, wie schwer wir uns alle mit dem Wandel und der Veränderung unserer Mitmenschen tun, wie wenig wir dazu bereit sind, diesen Wandel nachzuvollziehen, anzuerkennen und wertzuschätzen.

So leicht es uns fällt, den Wandel des Helden in unseren Geschichten zu verstehen, so schwer fällt es uns, Menschen rund um uns herum im Wandel zu erkennen und sie in ihrem Tun aktiv zu unterstützen. Hier ein besseres Sensorium an den Tag zu legen, könnte eine schöne Sache sein für das kommende Jahr. Ich glaube, davon würden wir alle profitieren.

Möglich und machbar: Wertschätzende Online Kommunikation

22. April 2013Vor ein paar Wochen beendete ich ein Projekt, in dem es um Community-Management ging. Es ging darin um das, was Social Media in Wirklichkeit ausmacht, was Social Media sind und meinen: Um das online stattfindende Gespräch. People 2 People sozusagen. Das Unternehmen war gut aufgestellt, die Community-Managerinnen fit und wir konnten starten.

Im Rahmen des Coachings, es lief über zwei Monate, während denen insgesamt acht Einheiten zu verschiedenen Themen stattfanden, ging es recht bald um die Umgangsformen bzw. darum, wie sich das Unternehmen am Online-Dialog nun beteiligen sollte, was es sich gefallen lassen (Kritik) sollte und was nicht mehr. Eher früher als später, kamen wir auf das Thema Wertschätzung zu sprechen. Es ging um die Frage, wie sich Wertschätzung in Online-Dialogen ausdrücken lässt, wo sie einen Platz hat bzw. haben sollte und wie man es ganz konkret anstellt, mit der Wertschätzung unserer Gesprächspartner im Online-Dialog. Hierzu ein paar Gedanken:

Wertschätzung kommt viel zu kurz
Egal ob im “echten” Leben oder online. Wertschätzung ist kaum ein Thema oder kommt oft viel zu kurz. “Loben tut man nur die Deppen”, heißt es in einem Sprichwort, ein anderes sagt “Nichts gesagt, ist Lob genug”. Uns so sehen sie dann auch oft aus, unsere Dialog-und Kommunikationsbeziehungen. Leider! Und manche Online-Gespräche strotzen nur so vor gegenseitigen Verletzungen und rechthaberischem Getue. Da ist Wertschätzung überhaupt kein Thema mehr. Das Unternehmen, die Marke sollte sich jedoch fragen, ob es Gespräche dieser nicht-wertschätzenden Art führen möchte. Warum? Weil uns Gesprächssituationen, in denen wir uns nicht wertgeschätzt fühlen, bewusst oder unbewusst nicht gut tun. Wir nehmen daraus ein Gefühl mit, das nicht passt, das uns vielleicht sogar diffus bedrückt, von dem wir vielleicht nicht gleich wissen, woher es kommt. Fakt ist: Die Qualität unserer Gespräche macht unseren Tag! Und zwar egal ob es sich dabei um Online-Gespräche handelt oder nicht.

Online wertschätzende zu kommunizieren macht Sinn

Wertschätzung ist oft total schwer, manchmal aber auch einfacher als man denkt. Wertschätzende Online Kommunikation trägt jedoch Früchte, soviel steht fest! Wertschätzung schafft Beziehungsqualität und bringt ihre Kommunikation damit möglicherweise zum Blühen.

Wertschätzung muss ehrlich sein
Die Wertschätzung muss von der “richtigen” Person ausgehen, sie muss authentisch sein und darf keine versteckte Forderung enthalten. Wird Lob und Anerkennung ausgedrückt, geht es oft mehr um Strategie und Hintergedanken, als um ein echtes Danke, das hast du getan / gesagt, mit geht es damit so oder so (Gefühle) oder folgendes Bedürfnis erfüllt sich dadurch bei mir, etc. Es wir mit der einen Hand danke gesagt oder gelobt, aber das bloß aus dem Grund, weil man mit der anderen Hand die nächste Forderung erheben will. Auf solche Wertschätzung sind wir alle allergisch, weil sie nicht echt ist.

Wertschätzung schafft Vertrauen
Wenn Wertschätzung zum Ausdruck gebracht wird, die echt ist, dann kommt das beim Gegenüber gut an. Das Danke wird als ehrlich verstanden und kann in dieser Form angenommen werden. Dies auch deshalb, weil es keine versteckte Forderung enthält. Über solche “honest signals”, also kommunikative Akte des Vertrauens, stellen wir Gemeinsamkeiten her und schaffen die Voraussetzung dafür, dass man uns vertraut.

Wertschätzung kann Scham auslösen
In einem Seminar für Gewaltfreie Kommunikation nach Rosenberg (GfK) lernte ich neulich, dass offen zu Ausdruck gebrachte Wertschätzung von dem, der sie bekommt, oft abgetan wird. Im Italienischen kann man zu jemandem, der sich bedankt, sagen “Niente!” (Das ist nichts!) Und hier haben wir sie, die Scham, die sich rasch auftun kann, wenn sich jemand auf ehrliche Art wertschätzend verhält! Schließlich wissen wir seit langer Zeit, dass man sich nicht loben sollte oder dass “Eigenlob stinkt”, etc. Wenn wir uns jedoch schämen, weil sich jemand uns gegenüber im einem Online Dialog wertschätzend verhält, weil uns jemand für etwas, das wir getan oder gesagt hat, offen und ehrlich gemeint dankt, so ist dies sehr schade. Also sollten wir uns auf den Weg machen, die Mauer der Scham, die unsere wichtigsten und kostbarsten Bedürfnisse (etwa Zugehörigkeit, Verständnis, Vertrauen, Geborgenheit, Respekt, Liebe, Ehrlichkeit, Harmonie, Werte, Akzeptanz, etc.) umgibt, zu durchbrechen. Dafür heißt es aber, dem Thema Scham offensiv zu begegnen, d.h. sie im ersten Schritt zuzulassen und hineinzuspüren.

Wertschätzung kann Unternehmen helfen

Online oder offline. Wertschätzende Kommunikation erleichtert vieles. Sogar dann, wenn Menschen online z.B. auf Facebook über ein Thema sprechen und vielleicht nicht einer Meinung sind. Die Argumente des anderen anzuerkennen, sie wertzuschätzen, sich für die Teilnahme am Dialog, für die darin eingebrachten Ressourcen zu bedanken, das macht absolut Sinn. Leider wird es so gut wie immer vergessen. Und ich spreche hier absolut nicht davon, dass der Communtiy-Manager “Ja danke, wir haben ihren Kommentar gelesen und kümmern uns darum” sagt. Das hat mir Wertschätzung kaum etwas zu tun!

Beginnen sie jetzt wertschätzend zu kommunizieren!
Schauen Sie sich die Kommunikation der kommenden Stunden und Tage mal genauer an und fokussieren Sie dabei auf das Thema Wertschätzung. Was fällt Ihnen dabei auf, wofür könnten Sie einen Gesprächspartner danken, wofür ihn wertschätzen und ihm das dann natürlich auch sagen? Nicht deshalb, weil Sie von ihm im Gegenzug etwas haben wollen oder sich von der offen zur Schau gestellten Wertschätzung Vorteile erhoffen.

Wenn Sie ihren Gesprächspartnern online wie offline Wertschätzung entgegen bringen, dann weden sie zuerst einmal sehen, dass das viele verwundert, manche abschreckt, wieder andere dazu veranlasst, zu sagen, “ach was, das ist ja gar nichts…” weil sich das Schamgefühl meldet. Echte Wertschätzung jedoch hat eine unglaubliche Kraft und kann unsere Gespräche und unser tägliches Miteinander ungeheuer bereichern. Ob dies nun in der Kaffeeküche ist oder beim nächsten Facebook-Dialog.

Probieren Sie es aus!

 

Ist wertschätzende Online Kommunikation möglich?

19. Februar 2013Ich habe mich während der letzten Monate intensiv mit Online-Kommunikation beschäftigt. Dabei ging es weniger um Strukturen oder Strategien als vielmehr um die einzelnen Postings. Also diesmal die Mikro-Ebene. Mir ist dabei aufgefallen, dass es um die Wertschätzung in der Online-Kommunikation von Unternehmen oft nicht allzu gut bestellt ist.

Unternehmen und deren Community-Manager können ziemlich rasch, ziemlich zickig werden. In den Kommentarspalten zeigt sich dann, dass es mit dem Zuhören, dem Zulassen und dem Wertschätzen anderer Meinungen nicht allzu weit her ist. Vielen Community-Managern wird es irgendwann mal zu blöd. Sie ziehen sich dann entweder zurück oder agieren aggressiv, anstatt Kommunikation auszulösen oder weiterhin zu ermöglichen. Und dies auch bei Postings, die offensichtlich nicht gegen die Umgangsformen oder den guten Ton verstoßen. Es reicht vielfach, dass ein Fragesteller beharrlich bleibt, um einen Community-Manager zur Weissglut zu bringen.

Ich will hier nicht nach den Gründen dafür fragen. Ich möchte es einfach mal nur festhalten. Meine Beobachtung zeigt, dass viele Unternehmen ihre Facebook-Seite oder andere gebrandete Social Media Plätze dafür benutzen, andere zu überzeugen. Dagegen ist grundsätzlich ja nichts einzuwenden. Jedoch erfolgt diese Form der Überzeugung nicht selten mit aller Kraft und Gewalt. Hier geht es nicht mehr darum, ein gemeinsames Dialogfeld aufzubauen, Argumente für und wider zu sammeln, etc., sondern darum, recht zu behalten oder zu bekommen. So nach dem Motto “Das hier unsere Plätze, und hier haben nur wir recht!”

Solches Verhalten wundert mich, ist aber dennoch nachvollziehbar. Unternehmen sehen diese Orte und Plätze des Internets als “ihre” Orte an (auch wenn diese definitiv nicht ihnen gehören…), die man tunlichst sauber halten oder sauber bekommen muss.
Auf der Strecke bleibt das Zuhören, die gegenseitige Wertschätzung und auch eine Form der Kommunikation, die man im weitesten Sinn als gewaltfrei bezeichnen könnte. Geht es um die Gefühle und Bedürfnisse, die hinter einem aggressiven Verhalten (Angriff oder Rückzug) stehen bzw. darum, diese von seinem Gegenüber zu erfragen, so ist das persönliche Gespräch wohl die beste Wahl. Vielleicht kann man das eine oder andere dieses Ansatzes aber auch online anwenden.

CC flickr.com / Tanja FÖHR

Gewaltfreies Kommunizieren könnte für Community-Manager ein gewinnbringendes Thema sein oder werden. Diese Form des empathischen Miteinander-Sprechens könnte den Blick frei machen auf die Bedürfnisse des Gegenübers. Vorausgesetzt natürlich, dem Unternehmen ist an einem wertschätzenden Umgang mit seinen Fans und Followern auch wirklich gelegen. Geht es für das Unternehmen rein um Werbung, Marketing und PR und zwar im “Push-Modus”, so ist Wertschätzung, sind Miteinander und Dialog ohnehin nicht gewollt. Auch dies natürlich ist zu akzeptieren und ja, auch solche Unternehmen tummeln sich in sozialen Medien! Andererseits glaube ich, dass sich ein wertschätzender Umgang mit Kunden, Fans und Followern für Unternehmen auch zu einem echten USP auswachsen kann, weil ich dadurch die Beziehungs- und Bindungsqualität nach oben schraube und dann bei der nächsten Kaufentscheidung “näher liege” als die Konkurrenz.

Erfolgreich durch Empathie?

Wenn in unseren Online Dialogen aber Empathie und gegenseitige Wertschätzung eine Rolle spielen (sollen), wird es immer weniger darum gehen (können), recht zu behalten oder anderen die eigene Meinung aufzuzwingen. Ich vermute, dass mit einer solchen Online Kommunikation auch viele Probleme mit renitenten Fans oder gar Trollen weniger gravierend ausfallen würde. Die Frage ist, ob wir das wollen. Die Frage ist, ob wir bei uns selbst anfangen möchten, beim nächsten zickigen Facebook-Posting etwa.

Bessere Dialoge durch Wertschätzung

Die Frage ist für mich nicht zuletzt aber auch, ob wir das Miteinander, dieses “Dialogische”, das das Internet in den frühen 90er Jahren ausgemacht hat, diesen wunderbaren und chancenreichen Raum dafür benutzen wollen, anderen unsere Meinung aufzuoktroyieren oder dazu, bessere Dialoge zu führen, die in weiterer Folge zu einer schöneren Zeit (miteinander), zu besseren Entscheidungen oder Produkten, zufriedeneren Kunden und tragfähigeren Netzwerken führen. Ich denke, die Antwort darauf muss sich jedes Unternehmen selbst geben.

OnlinePR: Ein Begriff braucht unsere Hilfe!

5. Dezember 2012Hier ist mein eigener Beitrag zur Blogparade zum Thema Zukunft Online-PR. Es wird wohl nicht der letzte bleiben. Anstatt mich mit Zukünften zu beschäftigen, ging ich ein wenig tiefer und setzte mich mit der Entwicklung des Begriffes Online-PR auseinander. Mein Fazit: Der Begriff "OnlinePR" braucht Hilfe. Unsere Hilfe.

Der Begriff Online-PR hat es sehr schwer. Die vormals klassischen PR-Agenturen hatten ihn lange Zeit nicht am Radar, das heißt eigentlich, sie hatten die Veränderungen, die Blogs, Flickr, Bewertungsplattformen und Foren in der Zeit zwischen 2003 – 2008 für die Unternehmenskommunikation haben sollte, nur zum Teil auf dem Radar. Von der eigenen sich wandelnden Rolle erst gar nicht zu sprechen.

Credits: charliedees / flickr.com

Für einige war Online-PR nichts anderes als eine Mogelpackung oder alter Wein in neuen Schläuchen. So nach dem Motto „Uns ist der Medienkanal, in dem wir für unsere Kunden strategisch oder meinetwegen integriert kommunizieren völlig egal. Wenn es jetzt nicht mehr Tageszeitungs-, Publikums- oder Fachmedien sind, dann können wir jederzeit auch in Foren oder sonst wo Meinung machen. Alles kein Problem.“

Online-PR: Ein sperriges Thema

Noch eine weitere Entwicklung war oder besser ist zu bemerken. Der Begriff und die Tätigkeit „Online-PR“ bleibt vage, ist oft weder Fisch noch Fleisch. Heißt, der Begriff Online-PR wird unter seinem Wert geschlagen bzw. ist vielen nicht annähernd klar, wofür er denn eigentlich steht, nämlich für Dialogbeziehungen (Relations) zwischen einer Organisation und ihren Teilöffentlichkeiten und zwar online. Ja aber was heißt das? Bedeutet dies etwa, dass jede x-beliebige Facebook-Fanpage, jeder dahergelaufene Twitter-Kanal einer Agentur oder eines Unternehmens schon Online-PR bedeutet? Schwer zu sagen. Für mich ist das Online-PR im weitesten Sinn bzw. kommt dem, was Online-PR intendiert oder sein könnte schon mal recht nahe. Und zwar egal ob diesem Tun PR-Konzeption zugrunde liegt oder nicht.

Online-PR: Vieles bleibt unklar

Ich denke das Thema Online-PR hat es unheimlich schwer. Wir denken alle in Begriffen, brauchen die Vereinfachung, die uns hilft, besser zu verstehen. Der Begriff Online-PR ist so sperrig bzw. bietet so viele Sichtweisen und Interpretationsspielraum, dass er gegen gut eingeführte und zumindest auf den ersten Blick verstandene Begriffe wie „Online-Marketing“ (bring Klicks und Traffic) oder „Facebook-Marketing“ (bringt Fans und Interaktion) niemals anzukommen vermag.

PR-Praktiker sind gefordert!

Ich bin jedoch zutiefst davon überzeugt, dass der Begriff „Online-PR“ nicht nur seine Berechtigung hat sondern dass es ihn dingend braucht. Aber nicht nur das! Es braucht zudem PR-Praktiker die ihn verwenden und dazu in der Lage sind, zu erklären, was Online-PR macht und kann. PR-Treibende die dies schaffen könnten sich dadurch einen Vorteil verschaffen. Warum? Ich habe die Vermutung, dass es entweder schon vorbei ist mit dem Hype um Social Media, Facebook, und SoMe-Monitoring oder zumindest sehr bald damit vorbei sein wird. Die einen werden das früher bemerken, die anderen später.

Mehr Bewusstsein und Klarheit

Es könnten die PR-Treibenden und die PR-Branche sein, die mit der Akzentuierung auf das Thema Online-PR dafür sorgen, dass Unternehmen und Marken nach dem Tal der Tränen (Social Media sind Zeitverschwendung) zum Plateau der Produktivität gelangen (Social Business). Darüber hinaus würde ein solcher Fokus auf Online-PR dazu führen, dass sie sich von allen anderen Formen / Spielarten von Public Relations (Litigation PR, Change Communication, etc.) aber natürlich auch von allen Formen des Social Media Marketings klarer abhebt, was ich überaus wichtig fände. Andererseits würde ein klar umrissener Online-PR-Begriff, der nicht in der Marketing- und Kommunikations-Sauce untergeht, dazu führen, dass professionell ausgeführte Online-PR im Rahmen z. B. von Litigation-PR oder Change Kommunikation einen klareren und damit abgesicherteren Platz einnehmen würde. Es wäre dann etwa klarer, dass sich Online-PR im Rahmen der internen Kommunikation einen wesentlich bedeutenderen Platz verdient hätten, als sie es sehr häufig haben. Oder etwa auch, dass Online-PR einen Change-Prozess überaus sinnvoll begleiten kann und wohl auch in der Pressearbeit, der Krisenkommunikation oder der Kommunikation mit immer spezieller und überschaubareren Dialogpartnern ihren unbestreitbar fixen Platz haben muss.

Ohne PR-Background kann’s nicht funktionieren

Plattformen kommen und gehen. Die online stattfindenden Gespräch jedoch bleiben und ich gehe davon aus, dass sich an der Virtualisierung von Kommunikation in absehbarer Zeit nichts Wesentliches ändern wird. Für PR-Treibende heißt dies jedoch, dass am Thema Social Media keinen Weg mehr vorbei führt. Dies heißt nicht, dass PR-Agenturen mit all jenen in den Ring steigen müssen, die nun Facebook, Pinterest und GooglePlus für sich entdecken. Dies heißt jedoch sehr wohl, dass PR-Treibende ein viel klareres Bewusstsein dafür haben sollten, was sie und zwar nur sie mitbringen, wenn sie am Tisch sitzen und das Gespräch auf „Social Media“ kommt.

Mehr PR für Online-PR!

PR-Treibende müssen sich ihrer Rolle in diesem Thema viel stärker im Klaren sein und diese auch entsprechend trommeln. Es ist so wunderbar einfach geworden „auch“ in Sozialen Medien zu sein. Die Inhalte sind teilbar, also sind wir ein offenes Unternehmen, können mit Feedback umgehen und unsere Kommunikationsziele erreichen… Ist es wirklich so einfach? Nein und nochmals nein! Aber diesen Punkt muss die PR hinreichend erklären. Das kann und wird sonst niemand anderer für uns tun!

 

Die Unternehmensgeschichte als Living-Paper

12. Oktober 2012Das Storycamp Salzburg am 23. November 2012 naht. Viele meiner Gespräche derzeit haben deshalb mit Storytelling zu tun. Dabei kam mir jetzt ein Aspekt unter, den ich hier kurz besprechen möchte. Was kann getan werden, damit Mitarbeiter die Unternehmensgeschichte nicht nur kennen, sondern diese auch aktiv kommunizieren? Und zwar egal ob in beruflichen oder privaten Kontexten.

Was nämlich hilft die beste Firmengeschichte, wenn sie im Eingangsbereich der Firma hinter Glas hängen muss? Was, wenn sie sich auf der Wikipedia-Page der Seite oder auf einem Blog des Unternehmens befindet, jedoch bereits von so viel anderen Einträgen überlagert wurde, dass sich niemand mehr daran erinnert? Wie also die Geschichten, die jedes Unternehmen hat, laufend an der “Oberfläche” des Unternehmens bzw. im Blickfeld all seiner Mitarbeiter behalten? Wie den Stories so viel Leben einhauchen, dass sie für die Mitarbeiter abrufbar und damit erzählbar sind und bleiben?

Mitarbeiter als Teil der Unternehmensgeschichte

Nur wenn Mitarbeiter die Geschichte(n) des Unternehmens (z.B. Gründungsgeschichte) kennen und somit abrufbar haben, können sie diese auch einsetzen. Ist dieser Idealfall gegeben, befeuern diese Geschichten nicht nur Marketing und Werbung des Unternehmens, nein! Sie helfen dem Unternehmen auch dabei, über das “Warum” zu sprechen. Dieses “warum” produziert ihr eigentlich Flilter? Wie ist es dazu gekommen? Warum gibt es eure Firma überhaupt, wie seid ihr denn auf die Idee gekommen Filter zu produzieren, etc. All das sind Fragen, deren Antworten Menschen oft mehr interessieren als Technik, Strukturen oder Prozesse.

Storytelling: Zuhörer andocken lassen

Gute Geschichtenerzähler bieten ihren Zuhörern nicht selten die Möglichkeit, Teil der Handlung zu werden. Einfache Fragen des Storytellers wie “was meint ihr, werden die Freunde dem Mädchen ein drittes Mal helfen?” oder “was würdet ihr jetzt tun…?” führen die Zuhörer noch näher an die Story heran und bieten ihnen die Möglichkeit, Teil der Handlung zu werden, ja mehr noch, ihren weiteren Verlauf sogar mitzugestalten. Was heißt das nun umgelegt auf die Unternehmensgeschichte?

Die Firmengeschichte schreiben alle!

Gelingt es Unternehmen, ihrem Mitarbeitern glaubhaft zu vermitteln, dass sie täglich mitschreiben an der Geschichte des Unternehmens, dass sie den Verlauf oder Ausgang der Geschichte durch ihr tägliches Tun und Handeln entscheidend mitbestimmen, so kann dies positive Folgen für die Brand-Story bzw. die Unternehmensgeschichte als Gesamtheit haben. Unternehmen, denen es gelingt, Geschichten hervorzubringen, die die Vorstellungen ihrer Mitarbeiter über ihre eigene Zukunft bzw. die Zukunft des Unternehmens antizipieren oder zumindest reflektieren helfen, schaffen jene Verbundenheit aber auch jenes Vertrauen, das den Unterschied macht.

Das Resultat sind nicht nur “starke” Marken und Unternehmensnamen mit einer Geschichte. Das Resultat sind insbesondere Marken und Namen, die auf gemeinsamen und lebendige Geschichte(n) und Werten aufbauen. Die Unternehmensgeschichte wird lebendig weil an ihr sozusagen täglich weitergeschrieben wird. Die Unternehmensgeschichte wird damit zum Living-Paper.