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Der Kanzler als Pizzamann

20. April 2017Die nächsten Wahlen zum Österreichischen Nationalrat kommen bestimmt. Die Parteien bringen sich in Stellung und nutzen dafür natürlich auch Soziale Medien. SPÖ-Kanzler Christian Kern sorgt gerade mit einem unkonventionellen Video für Aufsehen.

Es ist schwer als Politiker. Was ich meine? Es ist schwer Dinge zu sagen und zu tun, die in sozialen Medien bestehen können. Dinge, die in Erinnerung bleiben, die möglicherweise berühren, mit denen man sich positiv abhebt, alle diese Sachen.

Politik ist nicht lustig. Politiker lachen selten, sind wenigen Leuten sympathisch. Es geht stets um die politische Sache, das politische Thema, den richtigen eigenen Standpunkt und natürlich um den falschen des Mitbewerbers. Politik bohrt dicke Bretter, und basta!

Politiker haben es schwer!

Ich möchte damit nicht sagen, dass mir Politiker leid tun. Zumindest solange man sie nicht auf Skiern die Piste hinunter schickt, wie geschehen im Präsidentschaftswahlkampf von Andreas Khol. Wir erinnern uns mit Schrecken. Aber schwer haben sie es dann schon wieder. Man traut ihnen nicht über den Weg und schätzt ihre Problemlösungskompetenz meist als niedrig bis sehr niedrig ein.

Wer vertraut Politikern?

Das Vertrauensbarometer für Politiker stark nach unten. Vor allem bei den Jüngeren ist es damit nicht allzu gut bestellt.

Die Kommunikation ist schuld, ausnahmslos immer

Und natürlich auch ihre Berater, Spindoktoren und Pressesprecher. Sie sollen müssen es dann richten. Im Wissen natürlich, dass die Kommunikation immer versagt, wenn es schlecht läuft. „Es ist uns nicht gelungen, den Leuten verständlich zu machen, dass…“ heißt es dann nach erfolglos geschlagener Wahl. Und dass natürlich die Kommunikation schlecht war… Ich warte jeden Wahlabend auf diese Wortspenden und sie kommen den Verlierern über die Lippen so wie das Amen im Gebet.

Politik tut sich schwer in sozialen Medien

Besonders schwierig für Politiker ist das Metier Sozialer Medien. Dass das aber nicht zwingend so sein muss, zeigt der amtierende Bundeskanzler Dr. Christian Kern.

Es geht darum, eine Kampagne, eine Bewegung zu starten, darum, mit den Menschen ins Gespräch zu kommen, ehrliche und authentische Bilder zu produzieren und zu vermarkten. Kern uns sein Team haben sich zu einen Zugang entschlossen, für den es vor allem drei Dinge braucht.

 

  • Mut bzw. die Fähigkeit über den Dingen zu stehen.
  • Die Fähigkeit, sich und das eigene Tun nicht zu ernst zu nehmen.
  • Hohe Frustrationstoleranz.

 

All diese Punkte bringen viele Politiker nicht mit. Leider. Vor diesem Hintergrund tun sie sich sehr schwer, wenn es darum geht, über Sozialen Medien zu kommunizieren und darin zu bestehen.

Kanzler Kern als Pizzamann

Was tut Kern? Sehen sie selbst! Er verkleidet sich einen Abend lang den Pizzaboten, kommt mit Menschen ins Gespräch und inszeniert sich damit als dialogbereit, sympathisch und offen. Nicht schlecht!

Verbreitet wird dieses Video über den Facebook Kanal des Kanzlers und den hauseigenen Kanal auf Youtube.

Natürlich ist das Berechnung! Natürlich geht es um die Bilder, den davon ausgehenden Buzz in Online Medien und Tageszeitungen. Und, ja klar, handelt es sich dabei um ein klassisches Pseudo-Ereignis. Andererseits, warum nicht!? Die anderen Politiker tun es schließlich auch oder werden sehr bald wieder damit beginnen. Babies küssen, Marktbesuche, Verteilaktionen. Man kennt das. Werden sie damit Online Gespräche auslösen können? Ich bin mir da nicht so sicher.

 

 

Kern löst eine ganze Menge dieser Online Gespräche aus. Nicht alle werden immer schmeichelhaft für ihn ausfallen. Aber das ist auch egal. Kern folgt seinen Beratern, er wagt sich hinaus auf dünnes Eis und er wird wohl auch das Durchhaltevermögen mitbringen, in seiner Online Kommunikation und dem daran anschließenden Transport social Media-gerechter Bilder weiter am Drücker zu bleiben.

Online Buzz als neue Währung?

Möglich auch, dass wir auch hierzulande sehr bald mehr von dieser Form politischer Kommunikation erleben werden. Mehr Inhalte also, die auf die Verbreitung in und über soziale Medien abzielen, die ganz bewusst für diesen Kanal ersonnen und umgesetzt wurden. Dass es dafür einen neuen Typus Politker braucht, der bereit ist, auch hier entsprechend mitzuspielen, sollte allen klar sein.

Online Marketing: Vor welchen Herausforderungen Unternehmen wirklich stehen

17. Juli 2015Neulich las ich den Vorschlag, weniger häufig, dafür besseren Content zu produzieren. Einleuchtend, dachte ich mir. Dabei liegen die Potenziale der Unternehmen im Content Marketing ganz wo anders.

Langsam aber sicher spricht es sich herum. Viel Inhalt zu produzieren und dabei zu wenig Augenmerk auf dessen Qualität zu legen, zahlt sich nicht aus. Dennoch, produzieren viele einfach weiter. Getreu dem Motto „Inhalt ist gut. Noch mehr Inhalt besser“.

Wo stehen Unternehmen im Bereich Content?

Wenn ich mir das Online Marketing bzw. die inhaltliche Qualität des Online Marketings diverser Unternehmen anschaue, so kommen mir meist diese drei Typen unter.

Typ 1: Marketing mit Inhalten? Wir haben doch eine Webseite!
Für Unternehmen vom Typ 1 war das Online Marketing mit der Fertigstellung der Webseite erledigt. Ein News-Bereich, der ursprünglich für aktuelle Infos aus dem Unternehmen gedacht war, ist zwar vorhanden, leider fühlt sich unter der Zeit aber keiner so richtig dafür verantwortlich.

Typ 2: Content Marketing? Wir tun eh…
Unternehmen vom Typ 2 produzieren mehr oder weniger laufend Inhalte, die sich in Newslettern, im News- oder Blogbereich auf der Webseite wiederfinden. Die Qualität dieser Inhalte ist manchmal höher, manchmal niedriger.

Und natürlich gibt es hier Phasen, in denen mehr Inhalte produziert werden, als in andren. Ein Beispiel hierfür sind Tourismusunternehmen, die mit der Erstellung von Inhalten erst wieder beginnen, wenn sie die Sonnenschirme aus dem Schuppen räumen.

Typ 3: Content Marketing? Leider keine Zeit!
Firmen vom Typ 3 können sich um ihre Webseiten, die darin enthaltenen News-und Blogbereiche leider nicht kümmern. Der Grund: Es werden so circa alle Social Media Kanäle bespielt, die das Mutmach-Web so bietet. Da bleibt dann einfach zu wenig Zeit.

So manches Unternehmen erschöpft sich in sozialen Medien und hat dadurch keine Ressourcen mehr für die Erstellung eigener Inhalte auf eigenen Kanälen frei.

Erschöpft von zu viel Social Media? Keine Ressourcen mehr frei für die Erstellung eigener Inhalte auf eigenen Kanälen wie Webseite und Blog?

Im Übrigen ein schwerer strategischer Fehler, alle Eier in einen Korb zu legen und sein Content Marketing ausschließlich auf jenen Plattformen stattfinden zu lassen, die außerhalb des eigenen Einflussbereichs liegen. Gemeint sind Facebook, Google Plus, Twitter und alle anderen.

Qualität im Content Marketing ist immer ein Thema und wird auch immer eines bleiben.

Auch wenn das Marketing, insbesondere das Online Marketing immer technischer wird, und diese Entwicklung zeichnet sich längst ab, werden Inhalte die entscheidende Rolle spielen.

Und hier wird es meiner Meinung nach um beides gehen. Also um Qualität und Quantität im gleichen Maße. Wer aber nicht in der Lage ist, eine gleichbleibende Qualität abzuliefern und zwar dauerhaft, hat keine Chance.

Content Marketing: Was ist Qualität?

Was ist jetzt wieder Qualität? Ich denke, das lässt sich einfach sagen. Wenn Unternehmen dazu in der Lage sind, in die Schuhe und Fragestellungen ihrer Zuhörer zu schlüpfen, wenn sie sich wirklich dafür interessieren, wo ihre Kunden, Gäste, Abnehmer thematisch gerade stehen und darauf Antworten liefern, dann liegen sie mit ihrem guten Content richtig.

Content Check Handlungsbedarf

Wenn Ihr Online Content einer genauen Prüfung nicht standhält, besteht Handlungsbedarf.

Wobei sich schon die Frage stellt, wie sehr Unternehmen und Firmen genau dieser Umstand interessiert. Schon möglich, dass hier manche uninteressiert mit den Achseln zucken. Aber die Inhalte, die sie online vermarkten wollen, wird niemand lesen, hören oder gar teilen wollen.

Quantität ist immer ein Thema

Es wird nicht ausreichen, ab und an etwas Hoch-Qualitatives über seine Webseite zu spannen, weil dort alle an den Lippen des Unternehmens hängen, und den Rest des Jahres zu schweigen.

Ich glaube, dass Unternehmen heute dauerhaft den Grund liefern müssen, warum es sie, warum es in ihrem Online Marketing gerade diese ihre Inhalte braucht.

Unternehmen die diesen Wahrheitsbeweis nur für einige Monate im Sommer antreten können oder wollen, fallen durch. Entweder sie sind dauerhaft relevant oder sie sind es nicht. In letzterem Fall treten andere, für das Publikum relevantere Absender an ihre Stelle.

Qualität und Quantität: Kein Entweder-Oder!

Meiner Meinung nach geht es im Content Marketing um Qualität und Quantität. Eines allein reicht nicht aus, soll das ganze Unterfangen von Erfolg gekrönt sein. Vor diesem Hintergrund halte ich den Tip, weniger Inhalte zu produzieren, dafür inhaltlich stärker auf Qualität zu setzen, für einen Luxus-Ratschlag.

Viele Unternehmen haben schlichtweg andere Sorgen. Sie liegen, wie oben ausgeführt, dort, wo es darum geht, den nächsten Post, den nächsten Newsartikel, den nächsten Newsletter-Text zu verfassen. Inhalte übrigens, die das Telefon klingeln lassen und in weiterer Folge Käufe und Neukunden nach sich ziehen sollen.

State of Storytelling 2014

23. Oktober 2014Ob Corporate Storytelling, Digital Storytelling oder bloß Storytelling. Das Thema erlebt derzeit eine echte Hochblüte. Längst rümpfen viele die Nase und meinen, die Methodik als leeres Marketing-Vokabel enttarnt zu haben. Ich will aber mehr. Ich will tiefer in die Materie hinein, bessere Fragen stellen und auf höherem Niveau scheitern. Deshalb diese Blogparade, an der sich jeder beteiligen kann, der zum Thema etwas beitragen will.

Diese Blogparade ist ein Stein, den ich ins Wasser werfe. Ich mache das von Zeit zu Zeit mit Themen, die mir am Herzen liegen. Ich komme jedoch nicht mit leeren Händen. So gibt es etwa auf Slideshare Folien, die ich in der  Workshop-Serie „Wer erzählt gewinnt – Mit Geschichten zu mehr Aufmerksamkeit und Weiterempfehlungen“ im Unternehmens-Gründungsprogramm verwendet habe. Auch gibt es hier am Blog in der Kategorie Corporate Storytelling einiges zu meiner persönlichen Sicht auf das Thema und darüber hinaus natürlich die Google Plus Community Storytelling Austria, die sich wirklich mehr Aufmerksamkeit (v.a. von meiner Seite…) verdient hätte. Ach ja, ein StoryCamp in Salzburg hat es 2012 auch mal gegeben…

Who cares?!
Jetzt also eine Blogparade zum Thema Storytelling und die bange Frage, Who cares!? Was ich in meinen Workshops sehe, ist, dass viele, um nicht zu sagen alle, mit Geschichten arbeiten. Wir verwenden sie dafür, für uns und unsere Anliegen zu sprechen, unseren Zuhörern ein besseres Verständnis zu ermöglichen oder aus vielerlei anderen Gründen. Und noch viel wichtiger: Jeder versteht unter Geschichten – ich möchte das Wort Storytelling hier erst gar nicht verwenden – etwas anderes.

Blogparade Storytelling

Storytelling kann vieles sein oder bedeuten. Um diese unterschiedlichen Aspekte geht es im Rahmen der vorliegenden Blogparade Storytelling.

Jeder setzt sie anders ein, erzählt anders und hat andere Erfahrungen damit gemacht. Was die einen im wahrsten Wortsinn narrativ, sprich erzählend im Dialog Angesicht zu Angesicht machen, das übersetzen andere in die Sphären des (Mitmach-) Internets.

Immer mehr Unternehmen erzählen Geschichten
Bedeutet, dass uns auch auf Webseiten, Blogs, auf Netzwerken wie Facebook oder Twitter immer häufiger Geschichten erzählt werden. Oder andere zumindest sagen, dass sie dies tun würden. Auch o.k. natürlich. Wie gesagt: Für jeden bedeuten Geschichten, ihre Anwendungen und Formen etwas anderes. Vor diesem Hintergrund soll der Betrachtungswinkel auf das Thema Storytelling im Rahmen dieser Blogparade so breit wie nur irgendwie möglich sein. Einige Fragen, sozusagen als Orientierung möchte ich den TeilnehmerInnen der Blogparade dennoch mit auf den Weg geben. Sie verstehen sich als Einladung, als Sprungbrett oder auch Inspirationsquelle, von der aus man dann gerne weitergehen kann

  • Wo setzen ich Geschichten ein und warum?
  • Wie sieht mein persönlicher Zugang zu Geschichten und zu Storytelling aus?
  • Worin sehe ich das Potential von Geschichten?
  • Welche Erfahrungen habe ich mit dem Einsatz von Geschichten bislang gemacht?
  • Was gefällt mir daran, wenn mit Unternehmen Geschichten erzählen?
  • Welche Möglichkeiten für Geschichten sehe ich in der internen Unternehmenskommunikation?
  • Welche weiteren Anwendungsbereiche für Geschichte gibt es und welche Erfahrungen habe ich damit gemacht?
  • Welche Möglichkeiten für Geschichten sehe ich in der Kommunikation von Unternehmen nach außen?
  • Was braucht es, damit digitales Storytelling gelingt?
  • Welche Chancen und Möglichkeiten bringt Storytelling im Mitmach-Internet?
  • Wo bin ich mit Geschichten bislang nicht weitergekommen oder gescheitert?
  • Wie oder wo scheitern Unternehmen die Storytelling als neue „Super-Methode“ betrachten
  • Vielleicht gibt es auch den einen oder anderen, der auf seinem Blog seine eigene Geschichte erzählt hat oder ausgelöst von dieser Blopgarade erzählen möchte?
  • Weitere Inspiration gibt die vor einem Jahr stattgefundene Blogparade zum Thema schön zusammengefasst auf Storify

Alle Einreichungen zur Blogparade Storytelling werden hier verlinkt.
Es wäre schön, würde eine rege Debatte zum Thema Storytelling in all seinen Facetten und Spielarten entstehen können. Hier und auf den Blogs der einreichenden BloggerInnen!

#stateofStorytelling
Zudem werden alle Einreichungen auch auf Storytelling Austria auf GooglePlus geteilt. Und einen schönen Hashtag gibt es natürlich auch. Er lautet #stateofstorytelling und kann die Einreichungen auf Facebook und Twitter sehr gerne „verzieren“ : )

Laufzeit und Einreichschluss
Die Blogparade beginnt ab sofort und läuft bis einschließlich Sonntag, den 30. November 2014. Glück auf!

Es grüßt euch,
Ed Wohlfahrt (der sich jetzt gleich an seinen eigenen Beitrag zur Blogparade Storytelling machen wird ; )

Facebook: Mit Hashtags Nutzen stiften

17. Juni 2013Facebook bringt jetzt also Hashtags. Kennen wir doch schon lange, werden die einen sagen. Die anderen fragen sich zu recht, was es damit jetzt wieder auf sich hat. Ich freue mich darüber, weil mir die Hashtags ermöglichen, Information schneller zu erfassen und wenn gewünscht weiter in die Tiefe zu gehen. Und vorweg: Facebook macht für mich mit Hashtags absolut mehr Sinn als ohne.

Hier geht es mal nicht um die Erklärung, was ein Hashtag kann und will, sondern darum, wie sich kleinere und mittlere Unternehmen die Funktionalität zunutze machen können. Große Unternehmen freuen sich jetzt natürlich über eine neue Möglichkeit, ihre Kampagnen zu begleiten, aber was hat die Marke Kärnten, der Edelkleider-Schuppen oder der Hersteller hochwertiger Mountainbike-Rahmen davon?

Unternehmen dieser Größer sind selten dazu in der Lage, Trends zu setzen oder so viel Werbe-Kohle in eine Kampagne zu pumpen, als dass es Sinn hätte, einen eigenen Hashtag hochzuziehen. Was also machen diese Unternehmen aus der neuen Hashtag-Funktion auf Facebook? Unternehmen dieser Größe bleibt meiner Einschätzung nach nur die Möglichkeit, auf bestehende Hashtags zu reagieren. Ähnlich wie auf Twitter werden sich möglicherweise auch auf Facebook sogenannte „trending Topics“ ausmachen lassen. Es handelt sich dabei um jene Hashtags, die zum aktuellen Zeitpunkt an häufigsten und/oder von vielen Usern benutzt werden.

Trending Topics auf Twitter

Unternehmen die nicht Nike oder BMW heißen können über "Trending Topics" vor relevanten Hashtags erfahren, einschätzen, ob sie zu diesem Hashtag ebenfalls etwas zu sagen haben und diese dann tun

Ok. Wenn ich diese Themen, rund um die sich zu einem gegebenen Zeitpunkt viele Gespräche ranken, kenne, so gibt mir diese die Möglichkeit, an diesen Gesprächen unter Verwendung des betreffenden Hashtags ebenfalls teilzunehmen und dadurch auf dieses Gespräch oder dieses Thema zu referenzieren. Was das voraussetzt ist zweierlei. a) Ich muss über das, was Hashtags sind und meinen bescheid wissen b) ich muss Hashtags beobachten und dann richtig entscheiden.

Auf Facebook nach Hashtags suchen
Nachdem ich eine „Trending Topics“-Funktion auf Facebook noch nicht kenne, bleibt vorerst nur, nach Hashtags klassisch zu suchen. Also oben im Suchfenster einen Begriff eingeben z.B. „Hashtag“ – ohne Gänsefüßchen natürlich 😉 und dann nicht auf „Enter“ sondern auf das Lupen-Symbol klicken. Dann rechts in der Seitenleiste auf „Öffentliche Beiträge“ und die Suche spuckt all jene Beiträge von Facebook-Nutzern aus, die diesen Hashtag verwendet haben. Praktisch!

Hashstags: Trittbrettfahren aber richtig
Jeder der schon mal ein BarCamp veranstaltet oder z.B. eine größere Tagung via soziale Medien begleitet hat, kennt folgendes Phänomen: Sobald es eine gewisse Anzahl an Tweets zu einem bestimmten Hashtag gibt, melden sich unter diesem auch schon Vertreter des schlüpfrigen Gewerbes, Multi Level Marketer oder andere Trittbrettfahrer. Ihre Postings haben dann natürlich keine thematische Relevanz, sondern promoten etwas anderes, landen aber dennoch am Schirm jener, die einen bestimmten Hashtag mitverfolgen.

Als Trittbrettfahrer also genau diesen Weg zu gehen, halte ich für widersinnig, verwerflich und doof, sagen wir einfach Spam dazu. Intelligenteres Trittbrettfahren über einen bestimmten (Facebook-) Hashtag könnte z.B. so aussehen, dass ein regionaler Anbieter für Daten- und Computersicherheit den Hashtag #PRISM benutzt, um auf einen für ihn wichtigen Punkt, möglicherweise auch auf ein besonders relevantes Produkt hinzuweisen. Ich denke, dass ein solches Trittbrettfahren wesentlich mehr Sinn haben kann, weil es ja den, einem bestimmten Hashtag zuhörenden Adressaten, und seine möglichen Bedürfnisse zumindest nicht ganz aus den Augen lässt.

Hier noch ein paar abschließende Tipps zum Umgang mit Hashtags:

1) Manfred Mustermann nicht überfordern!
Vielleicht wird nicht jeder Faneiner Seite sofort wissen, wie er mit Hashtags umgehen soll. Ich denke, dass Betreiber einer Facebook-Seite nichts falsch machen, wenn sie ihren Nutzern das Prinzip mal eingehend klar machen. „Hi Leute, wir verwenden für unsere Postings ab sofort Hashtags. Sieht so aus. Der Nutzen für euch liegt hier, hier und hier.

2) Die Hashtag-Kirche im Hastag-Dorf lassen
Toll, dass es jetzt Hashtags gibt. Aber lassen wir die Kirche doch lieber im Dorf. Pro Status-Update würde ich es bei zwei bis maximal drei Hashtags belassen. Weniger ist schließlich mehr und letztlich schickt man Besucher über einen Hashtag ja auch irgendwie fort. In einen separaten Frame zwar, den man einfach wieder schließen kann und so auf die ursprüngliche Seite zurückkehrt, aber immerhin.

3) Mit Hashtags Nutzen stiften
Ich würde Hashtags vor allem dann einsetzen, wenn ich meinen Fans dadurch nützlich sein kann, für Sie Information besser aufbereite, etc. Vielleicht kann ich als Unternehmen durch den Einsatz von Hashtags auch am Spaßfaktor meiner Fanpage drehen. Kreativität ist auch nicht verkehrt.

4) Bestehende Debatten nutzen
Zu sehen, was gerade läuft, welches Thema gerade diskutiert wird, ist clever. Noch cleverer ist der, der sich dann überlegt, ob und wenn ja, was genau er dazu zu sagen hat. Gibt es hier ein zündende Idee, gibt es hier etwas, mit dem man eine bestehende Debatte ergänzen oder gar bereichern kann, dann schnappe ich mir den betreffenden Hashtag und nutze ihn nach allen Regeln der Kunst.

5) Neue Hashtags einführen
Das werden jetzt viele Nutzer und Betreiber von Fanseiten tun. Weitergetragen bzw. von anderen genutzt werden diese eigenen Hashtags jedoch nur dann, wenn sie in den Augen anderer Sinn haben. Dann und nur dann, können auch die Hashtags kleinerer Unternehmen oder von Menschen wie du und ich massenwirksam sein. Wenn es also etwas gibt, was Sie bzw. Ihr Unternehmen sagenhaft einzigartig macht, warum diese Einzigartigkeit nicht auch durch einen Hashtag ausdrücken? Vielleicht kann auch die Core-Story Ihres Unternehmens auf einen Hashtag zugespitzt weden?

Hm… wer kann sich das vorstellen bzw. traut sich aus dem Schützengraben? Vorschläge, Wünsche, Beschwerden und Anregungen sehr gerne erbeten!

Möglich und machbar: Wertschätzende Online Kommunikation

22. April 2013Vor ein paar Wochen beendete ich ein Projekt, in dem es um Community-Management ging. Es ging darin um das, was Social Media in Wirklichkeit ausmacht, was Social Media sind und meinen: Um das online stattfindende Gespräch. People 2 People sozusagen. Das Unternehmen war gut aufgestellt, die Community-Managerinnen fit und wir konnten starten.

Im Rahmen des Coachings, es lief über zwei Monate, während denen insgesamt acht Einheiten zu verschiedenen Themen stattfanden, ging es recht bald um die Umgangsformen bzw. darum, wie sich das Unternehmen am Online-Dialog nun beteiligen sollte, was es sich gefallen lassen (Kritik) sollte und was nicht mehr. Eher früher als später, kamen wir auf das Thema Wertschätzung zu sprechen. Es ging um die Frage, wie sich Wertschätzung in Online-Dialogen ausdrücken lässt, wo sie einen Platz hat bzw. haben sollte und wie man es ganz konkret anstellt, mit der Wertschätzung unserer Gesprächspartner im Online-Dialog. Hierzu ein paar Gedanken:

Wertschätzung kommt viel zu kurz
Egal ob im „echten“ Leben oder online. Wertschätzung ist kaum ein Thema oder kommt oft viel zu kurz. „Loben tut man nur die Deppen“, heißt es in einem Sprichwort, ein anderes sagt „Nichts gesagt, ist Lob genug“. Uns so sehen sie dann auch oft aus, unsere Dialog-und Kommunikationsbeziehungen. Leider! Und manche Online-Gespräche strotzen nur so vor gegenseitigen Verletzungen und rechthaberischem Getue. Da ist Wertschätzung überhaupt kein Thema mehr. Das Unternehmen, die Marke sollte sich jedoch fragen, ob es Gespräche dieser nicht-wertschätzenden Art führen möchte. Warum? Weil uns Gesprächssituationen, in denen wir uns nicht wertgeschätzt fühlen, bewusst oder unbewusst nicht gut tun. Wir nehmen daraus ein Gefühl mit, das nicht passt, das uns vielleicht sogar diffus bedrückt, von dem wir vielleicht nicht gleich wissen, woher es kommt. Fakt ist: Die Qualität unserer Gespräche macht unseren Tag! Und zwar egal ob es sich dabei um Online-Gespräche handelt oder nicht.

Online wertschätzende zu kommunizieren macht Sinn

Wertschätzung ist oft total schwer, manchmal aber auch einfacher als man denkt. Wertschätzende Online Kommunikation trägt jedoch Früchte, soviel steht fest! Wertschätzung schafft Beziehungsqualität und bringt ihre Kommunikation damit möglicherweise zum Blühen.

Wertschätzung muss ehrlich sein
Die Wertschätzung muss von der „richtigen“ Person ausgehen, sie muss authentisch sein und darf keine versteckte Forderung enthalten. Wird Lob und Anerkennung ausgedrückt, geht es oft mehr um Strategie und Hintergedanken, als um ein echtes Danke, das hast du getan / gesagt, mit geht es damit so oder so (Gefühle) oder folgendes Bedürfnis erfüllt sich dadurch bei mir, etc. Es wir mit der einen Hand danke gesagt oder gelobt, aber das bloß aus dem Grund, weil man mit der anderen Hand die nächste Forderung erheben will. Auf solche Wertschätzung sind wir alle allergisch, weil sie nicht echt ist.

Wertschätzung schafft Vertrauen
Wenn Wertschätzung zum Ausdruck gebracht wird, die echt ist, dann kommt das beim Gegenüber gut an. Das Danke wird als ehrlich verstanden und kann in dieser Form angenommen werden. Dies auch deshalb, weil es keine versteckte Forderung enthält. Über solche „honest signals“, also kommunikative Akte des Vertrauens, stellen wir Gemeinsamkeiten her und schaffen die Voraussetzung dafür, dass man uns vertraut.

Wertschätzung kann Scham auslösen
In einem Seminar für Gewaltfreie Kommunikation nach Rosenberg (GfK) lernte ich neulich, dass offen zu Ausdruck gebrachte Wertschätzung von dem, der sie bekommt, oft abgetan wird. Im Italienischen kann man zu jemandem, der sich bedankt, sagen „Niente!“ (Das ist nichts!) Und hier haben wir sie, die Scham, die sich rasch auftun kann, wenn sich jemand auf ehrliche Art wertschätzend verhält! Schließlich wissen wir seit langer Zeit, dass man sich nicht loben sollte oder dass „Eigenlob stinkt“, etc. Wenn wir uns jedoch schämen, weil sich jemand uns gegenüber im einem Online Dialog wertschätzend verhält, weil uns jemand für etwas, das wir getan oder gesagt hat, offen und ehrlich gemeint dankt, so ist dies sehr schade. Also sollten wir uns auf den Weg machen, die Mauer der Scham, die unsere wichtigsten und kostbarsten Bedürfnisse (etwa Zugehörigkeit, Verständnis, Vertrauen, Geborgenheit, Respekt, Liebe, Ehrlichkeit, Harmonie, Werte, Akzeptanz, etc.) umgibt, zu durchbrechen. Dafür heißt es aber, dem Thema Scham offensiv zu begegnen, d.h. sie im ersten Schritt zuzulassen und hineinzuspüren.

Wertschätzung kann Unternehmen helfen

Online oder offline. Wertschätzende Kommunikation erleichtert vieles. Sogar dann, wenn Menschen online z.B. auf Facebook über ein Thema sprechen und vielleicht nicht einer Meinung sind. Die Argumente des anderen anzuerkennen, sie wertzuschätzen, sich für die Teilnahme am Dialog, für die darin eingebrachten Ressourcen zu bedanken, das macht absolut Sinn. Leider wird es so gut wie immer vergessen. Und ich spreche hier absolut nicht davon, dass der Communtiy-Manager „Ja danke, wir haben ihren Kommentar gelesen und kümmern uns darum“ sagt. Das hat mir Wertschätzung kaum etwas zu tun!

Beginnen sie jetzt wertschätzend zu kommunizieren!
Schauen Sie sich die Kommunikation der kommenden Stunden und Tage mal genauer an und fokussieren Sie dabei auf das Thema Wertschätzung. Was fällt Ihnen dabei auf, wofür könnten Sie einen Gesprächspartner danken, wofür ihn wertschätzen und ihm das dann natürlich auch sagen? Nicht deshalb, weil Sie von ihm im Gegenzug etwas haben wollen oder sich von der offen zur Schau gestellten Wertschätzung Vorteile erhoffen.

Wenn Sie ihren Gesprächspartnern online wie offline Wertschätzung entgegen bringen, dann weden sie zuerst einmal sehen, dass das viele verwundert, manche abschreckt, wieder andere dazu veranlasst, zu sagen, „ach was, das ist ja gar nichts…“ weil sich das Schamgefühl meldet. Echte Wertschätzung jedoch hat eine unglaubliche Kraft und kann unsere Gespräche und unser tägliches Miteinander ungeheuer bereichern. Ob dies nun in der Kaffeeküche ist oder beim nächsten Facebook-Dialog.

Probieren Sie es aus!

 

Glaubwürdig durch Soziale Medien? Denkste!

12. September 2012Nein, falsch! Wenn ich die Forsa-Studie im Auftrag von SAS Deutschland richtig deute, dann machen soziale Medien Unternehmen eben nicht (!) automatisch glaubwürdig. Wäre ja auch zu einfach, würden es Unternehmen glaubwürdig machen, wenn sie auf soziale Medien setzten. Es braucht mehr dazu, viel mehr.

Ledigich 17% der befragten Internetnutzer geben an, dass die Auftritte von Unternehmen in sozialen Medien diese ihrer Meinung nach dazu veranlassen, authentischer bzw. ehrlicher mit ihren Kunden zu kommunizieren.

Viel Aufwand – wenig Vertrauen

Dieser Wert sollte all jenen Unternehmen zu denken geben, die sich genau aus diesem Grund mit den sozialen Medien des Web x.0 herumschlagen, sich täglich abmühen, nicht unbeträchtliche Summen investieren. Dies alles unter anderem mit dem Ziel authentischer und ehrlicher, unmittelbarer und angreifbarer zu werden bzw. zumindest so gesehen zu werden. Und was bekommen sie am Ende des Tages dafür? Schlappe 17% die ihnen dieses ehrliche (?) Bemühen abnehmen. Ziemlich bitter würd‘ ich sagen.

Anderseits: Wie ehrlich ist es wirklich, dieses Bemühen? Wie viel von diesem Transparenz- und Augenhöhe-Blabla kommt an beim einzelnen Follower, beim einzelnen Fan? Wieviel kann er und sie davon spüren, wie davon profitieren? Jetzt nicht in Form von Gewinnspiel-Codes und Rabatt-Kupons. Inwieweit können Nutzer der Social Media Kanäle eines Unternehmens von den Informationen, von den Dialogen, von der jeweiligen Qualität der Ansprache des Unternehmens profitieren? Inwieweit finden sie über diesen Weg ein authentischeres, offeneres, zuhörenderes, und lösungsorientierteres Unternehmen vor? Ein Unternehmen möglicherweise, mit den sich wirklich reden lässt, das menschlich fühlt, reagiert und entscheidet. Nicht im gleichgeschalteten Corporate-Sprech „Abteilung XY wird sich um Ihr Anliegen kümmern…“

Es wird nicht vertraut – Was nun?

Nur 17% also… Was mit dieser Information anfangen? Alles Social Media Gedöns über den Haufen werfen, weil es eh nur marginal einzahlt auf das Ehrlichkeits- und Authentizitäts-Konto von Marken und Unternehmen? Oder Social Media überhaupt ganz anders sehen, also etwa noch viel stärker auf Absatz und Verkaufen setzen?
Oder doch mal kurz inne halten und sich fragen, warum nehmen es uns unsere Zuhörer eigentlich nicht ab, wenn wir sagen, wir kommunizieren mit ihnen auf Augenhöhe? Ob es wohl an den Online Inhalten hängt, die wir hier teilen, ob das Mindset unseres Unternehmen eine Rolle spielt, oder ob doch auch unsere Social Media Berater schuld sind, die anstatt auf die Qualität der online Gespräche auf immer neuere und buntere Tools setzen.

Wenn man sich ansieht, wie der überwiegende Teil der in Sozialen Medien vertretenen Marken und Unternehmen kommuniziert, wird schnell klar, dass die hier stattfindende Kommunikation bestenfalls eine Fortsetzung dessen ist, was das Unternehmen in seiner Marktkommunikation schon bislang gemacht hat. Erfolgsgeschichten, Unternehmenspräsentation im Stile von „das gemacht, diesen Etat gewonnen, hier eine Keynote gehalten“. Garniert natürlich ein wenig mit Dialogangeboten, schließlich ist Dialog ja wichtig.

Tools und Funktionen bedeuten nicht automatisch Dialog!

Aber mal im Ernst, wenn unser Vorstand sich zu einem Foto durchringen kann, das die Presseabteilung dann auf Facebook oder Google Plus „abdrucken“ darf, wo ist hier der Dialog, die Einladung zum Gespräch? Ist das sozusagen schon eingebaut, nur weil diese Inhalte auf Facebook und Co theoretisch zu kommentieren und zu liken sind? Mir wird immer mehr klar, dass es diese (Facebook-) Funktionen sind, die Unternehmen dazu verleiten, zu glauben, sie wären hier per se dialogisch. Falsch!

Kommunikation über und unter der Wasseroberfläche

Meiner Meinung nach braucht es mehr als diese eingebackenen Funktionalitäten, um mit Fug und Recht sagen zu können, wir sind hier auf einen Zugewinn an Vertrauen und Authentizität aus. Hierfür braucht es Inhalte. Sozusagen den oberen Teil des Eisberges. Hier braucht es die richtige Ansprache der Zuhörerschaft, das ehrliche Nachaußen-Kehren der eigenen Dialogbereitschaft. ABER, und hier wird es spannend, es braucht auch den Teil des Eisberges, der unter der Wasseroberfläche liegt.

Wertlos – Online Kommunikation ohne Werte

Es braucht das Committment, die Werte und die Unternehmenskultur. Erst durch diesen Unterbau kann die Außenkommunikation gelingen, können Botschaften so ankommen, wie sie ursprünglich intendiert waren. Erst durch dieses Tragwerk kommen Unternehmen in die Nähe davon, über soziale Medien ehrlich oder meinetwegen authentisch zu kommunizieren. Alles andere sind hohle Phrasen, ist Aktivität in sozialen Medien, die eben nicht als ehrlich und authentisch ankommt. Der Status Quo sozusagen!

Ich weiß natürlich, dass es Ausnahmen gibt. Und sie werden mehr. Dennoch ist ein Großteil des Social Media Engagements nicht auf Augenhöhe und Dialog ausgerichtet. Es geht hier um ganz andere Dinge aber sicher nicht um den Austausch, das voneinander lernen, das aktive Zuhören und die wertschätzende Kommunikation. Insofern sollte sich niemand wundern, dass viele nicht glauben, dass Soziale Unternehmen nahbarer, zuhörender und authentischer machen. Alle die das immer noch glauben, in ihrem Social Media Engagement jedoch keinerlei Akzente in diese Richtung zu setzen in der Lage sind, sollten langsam aber sicher aufwachen!

 

Further Reading: Gelingt der digitale Dialog? ==> Bloginterview mit Roland Brezina von SAS Deutschland zur Studie Konvergenz in der Kundenkommunikation – Der digitale Dialog aus Sicht des Konsumenten.

Bloginterview: Gelingt der digitale Dialog?

12. September 2012Vor mir liegt eine Forsa-Studie erstellt im Auftrag von SAS Deutschland. Sie hat den klingenden Titel "Konvergenz in der Kundenkommunikation - Der digitale Dialog aus Sicht des Konsumenten". Die Frage die sich nicht nur dem Autor sondern eigentlich uns allen stellt bzw. stellen solltet: Gelingt dieser Digitale Dialog überhaupt?

Das Vorwort zur Studie hat Roland Brezina, Manager Competence Center Customer Intelligence vei SAS Deutschalnd unter einen Titel gestellt, der mir gleich mal kräftig ins Auge sticht: „Gelingt der digitale Dialog?“, fragt er und nennt als Ziel dieses Dialoges die „nachhaltig positive Kundenerfahrung“. Klingt super spannend, dachte ich, und bat Brezina zum Blog-Interview.

Online Kommunikation gelingt nicht immer / Forsa Studie

Ed Wohlfahrt: In der Einleitung schreiben Sie „Das Ziel nachhaltig positiver Kundenerfahrungen, eines integrierten Customer Experience Management also, rückt bedeutend näher, wenn es möglich wird, mir der Geschwindigkeit der digitalen Medien Schritt zu halten – besser noch, frühzeitig zu antizipieren, welche Bedarfssituationen und Handlungsfelder im täglichen Kundendialog entstehen.“ Wie hoch schätzen sie den Anteil der Unternehmen, die Social Media nutzen, um genau diese positiven Kundenerfahrungen zu erreichen?

Roland Brezina: Noch zu gering. Aktuell sind die Angebote im Social Web meines Dafürhaltens eher vertriebsorientiert als dialogorientiert. Ausnahme ist da sicher der Service von Telekom oder der Deutschen Bahn bei Twitter – ist spannend und sollte man einmal selbst ausprobieren. Die größte Schwäche einmal mehr: Da ist wieder ein neues Silo für die Kundenkommunikation entstanden, denn die Kommunikationen mit Kunden über Social Media sind nahezu abgekoppelt von der allgemeinen Kommunikationstrategie.

EW: 61% der Befragten glauben nicht, dass SoMe-Engagement Unternehmen ehrlicher und authentischer macht. Worin liegen die Gründe dafür?

RB: Wahrscheinlich an dem zunehmend großen Widerspruch zwischen der Darstellung und der Wahrnehmung der Unternehmen. Viel zu häufig stellen Fans einen Beitrag auf einer Fanpage ein, warten auf den Austausch mit der Marke und verhallen mit ihrem Feedback ungehört. Natürlich kann bei Brandpages, die in Stoßzeiten locker 1.500 und mehr neue Fans pro Tag gewinnen, nicht jeder Beitrag kommentiert werden. Aber eben die wichtigsten sollte man herausfiltern und sicherstellen, dass eine adäquate Situation in angemessener Zeit erfolgt.

EW: Wie hoch schätzen Sie den Anteil jener Unternehmen, für die Ehrlichkeit und Authentizität festgeschriebene Kommunikationsziele darstellen?

RB: 100% aller Konzerne, die Wert auf ihre Marke legen und deren Markenwert eine betriebswirtschaftlich relevante Bedeutung hat, das wären dann mal mindestens alle im DAX. Ob die Theorie dann auch immer in die Praxis – zu jedem Zeitpunkt und effektiv – umgesetzt wird, steht auf einem anderen Blatt. Aber dann zeigt sich die Einstellung des Unternehmens wieder im Bemühen, um eine effektive und offene Krisenkommunikation. Das haben in der Vergangenheit einige Beispiele gezeigt, z.B. die Reaktion der INGDiba auf die Reaktionen zu „Nowitzki und die Wurst“.

EW: Ist Unternehmen ausreichend bewusst, dass ihnen in Sozialen Medien über 60% nicht vertrauen?

RB: Ich glaube, dass viele Marketingmanager nicht verinnerlicht haben, dass man sich Vertrauen 2.0 erst verdienen muss. Und das gelingt meines Ermessens nach am besten, wenn man sich treu bleibt. In der Regel passiert aber gerade das nicht: Statt die Content-Strategie in seiner Gesamtheit auf den Prüfstand zu stellen, geht die Schere hier weiter auseinander. Manchmal inhaltlich anspruchsvoll Above-the-line wird man dann trivial und populistisch in seinen Pinnwandeinträgen. Das muss der Zielgruppe auf kurz oder lang auffallen.

EW: Was tun bzw. können Unternehmen Ihrer Meinung nach tun, damit ihnen in sozialen Medien (wieder) stärker vertraut wird. Wo sehen Sie hier noch freiliegendes Potential?

RB: Ohne jetzt in die üblichen Phrasen abrutschen zu wollen: Es geht um tatsächlichen Dialog. Dieser hat optimalerweise zwei Seiten. Einerseits müssen die Unternehmen sicherstellen, dass sie schneller reagieren können, wenn sie angefragt oder kritisiert werden. Auf der anderen Seite sollten sie durchaus auch aktiv auf ihre Stakeholder zugehen, das müssen dann auch nicht nur Kunden sein, sondern auch Anwohner, die Familien der Mitarbeiter … Im Fall der Kunden gilt es, diese so anzusprechen, dass man auf deren Bedürfnisse auch tatsächlich eingeht – auch das ist ein Fazit der Studie. Darüber hinaus sollten die Unternehmen anfangen, positive Dinge mehr zu thematisieren, damit auch darüber „gesprochen“ wird. Die Kommunikation zu Reputation, Qualität, Kundenservice und Individualität in der Kundenansprache wird vernachlässigt. Sicher ist es auch ein probates Mittel, wenn Unternehmen nicht um den „Like“ ihrer Konsumenten bitten, sondern vor allem mal bei Meinungsführen aktiv zu deren „Followern“ werden und ihrerseits den Dialog suchen.

EW: Danke für das Gespräch!

==> Studie zum Download

Jetzt ist es nicht so, dass ich mir zur Studie wie auch zum Gesagten keine Gedanken mache… Ich gehe darauf im separaten Blogpost „Glaubwürdig durch Soziale Medien? Denkste!“ näher ein.

Online PR: Wer schläft verliert!

10. November 2010Wer bremst verliert, kann man auf der Heckscheibe aufgemotzter Autos gerne mal lesen. Hm… Halt auch eine Frage der Lebenserwartung. Im Bereich der Online-PR wird das Thema Speed auch immer …

Wer bremst verliert, kann man auf der Heckscheibe aufgemotzter Autos gerne mal lesen. Hm… Halt auch eine Frage der Lebenserwartung. Im Bereich der Online-PR wird das Thema Speed auch immer wichtiger. Wenn Leute zu mir kommen und sagen, ich habe gegoogelt und dieses vier Wochen alte Kommentar gefunden, was soll ich tun, rate ich meist dazu, dennoch zu reagieren. Ich meine, die Sachen liegen im Web ja bekanntlich gut ab. Schon alleine deshalb sollte ein Unternehmen – sofern das Gesagte relevant ist – dazu etwas sagen, es einfach nicht so stehen lassen. Schlanken Fuß macht das jedoch keinen wenn man Reaktionszeiten hat, die im Bereich eine Woche und aufwärts liegen. Wenn die Anrainer des Flughafens protestieren kann ich auch nicht sagen, danke, wir werden uns in drei Wochen darum kümmern. Kommunikatives Nogo sozusagen… Wie relevant es ist, mit seiner(hoffentlich richtigen…) Reaktion möglichst zeitnah zur Stelle zu sein, zeigt folgendes Beispiel.

Bildschirmfoto 2010-11-10 um 11.03.51

Vor ein paar Wochen wurde die Bilanzpressekonferenz eines deutschen weltweit tätigen Konzerns mittels Echtzeit-Monitoring beobachtet. Wichtig anzumerken ist, dass es seitens des Unternehmens vorab keinerlei Infos gab. Diese wurden erst zum Start des Pressegesprächs an die anwesenden Journalisten verteilt. In Print-Form wohlgemerkt. Das Echtzeit-Monitoring zeigte, dass der Twitter Traffic mit Beginn der Pressekonferenz stark anstieg. Ein Teil der anwesenden Medienvertreter nutzten nämlich Twitter als Teaser für die Veröffentlichung bereits vorbereiteter (!) Texte, die in Redaktionsblogs und Zeitungshomepages auf die Veröffentlichung warteten.

Auf Basis des Handouts wurden die vorbereiteten Texte lediglich gegengecheckt / ergänzt und dann – noch aus der Pressekonferenz heraus – freigeschaltet. Die Echtzeit-Sause ging aber noch weiter. Als man entdeckte, dass einige der veröffentlichten Berichte inhaltlich fehlerhaft waren, wurde dies dem Vorstand mittels Zettelchen mitgeteilt. Damit war er in der komfortablen Situation, die Dinge noch vom Podium der laufenden Presseveranstaltung herunter richtig stellen zu können. Wow. Da werden wohl die feuchten Träume jedes Unternehmenssprechers wahr…

Das Beispiel zeigt deutlich, wie sich Journalismus durch Twitter & Co verändert hat. Es zeigt aber auch, wie clever sich Unternehmen bereits anstellen, um am Meinungsmarkt entsprechend punkten zu können. 

Klar ist, dass sich derlei Aufwand nur dann lohnt, wenn das betreffende Unternehmen medial für einen entsprechenden Widerhall sorgen kann. Die Pressekonferenz von Landesrat XY wird sich dafür kaum eignen. Ach ja, und man benötigt dazu auch noch eine PR-Agentur, die weiß, dass es derlei Möglichkeiten gibt und dazu in der Lage ist, den Kunden von den Vorteilen zu überzeugen. Das geht natürlich nur sehr schwer, wenn ich von Social Media so überhaupt keine Ahnung hab'.Früher als ich Pressesprecher war, war SMS der Kommunikationskanal schlechthin. Natürlich nur für einen Teil der versammelten Medienvertreter. Manche gingen während der PK auch vor die Türe und gaben die wichtigsten Infos an die Kolleginnen am PC weiter. Mit vorbereiteten Texten die notfalls vom Laptop aus freigeschaltet werden können, mit Instant Messaging und Twitter läuft die Sache heute jedoch wesentlich geschmierter, wie sich zeigt. Und für PR-Treibende heißt das vor allem eines: Angeschnallt bleiben!

Online-PR unter der Lupe

28. Mai 2009Darauf, dass die PR-Zukunft maßgeblich digital geprägt sein wird, habe ich hier am Blog bereits mehrfach hingewiesen. Nun bekam ich von Philipp Weber-Diefenbach von der deutschen Agentur Index freundlicherweise die Index …

Darauf, dass die PR-Zukunft maßgeblich digital geprägt sein wird, habe ich hier am Blog bereits mehrfach hingewiesen. Nun bekam ich von Philipp Weber-Diefenbach von der deutschen Agentur Index freundlicherweise die Index Expertenbefragung 2009 zur Verfügung gestellt, die sich genau mit diesen Themen auseinandersetzt. Agenturleiterin Franziska Berge schreibt im Vorwort bezugnehmend auf die Ergebnisse der Untersuchung, dass

"Online-PR bereits heute ein selbstverständlicher und gewichtiger Bestandteil der Kommunikationsarbeit ist. In naher Zukunft wird wohl kaum ein Unternehmen ohne entsprechende Aktivitäten auskommen."

 
Sehen wir uns die Ergebnisse der Studie – deren für mich einziger, jedoch gravierender Wermutstropfen in der geringen Anzahl der Befragten (n=137) liegt – im Einzelnen an.

Online PR im daily business 1

Nach diesen Zahlen zu schließen, spielt die Online-PR in der täglichen Kommunikationsarbeit von PR Agenturen bereits jetzt eine überaus wichtige Rolle. Und darf man den Ergebnissen glauben, so wird die Bedeutung von Online-PR in der Kommunikationsarbeit der nächsten Zeit massiv zunehmen.Online-PR Wichtigste Kanäle
Die wichtigsten Kanäle für die Kommunikaitonsarbeit verwundern wenig. Wer kann mir sagen, was "Mobiles Internet" hier bedeuten könnte? Dass Micro Blogging – obwohl es derzeit so stark abgefeiert wird – von den PR-Verantwortlichen als Kanal eher nachrangig eingeschätzt wird, verwundert ein wenig. Gerade hier liegt imho nämlich irrsinnig großes Kommunikations-Potential. Nach der Studie zu schließen, liegt es derzeit (noch) brach. 

Interessant weiters auch die vorgenommene Unterscheidung zwischen "Unternehmens-Blogs" (als Kanal für 37% wichtig) und "Blogs von Dritten" (als Kanal für 21 % bedeutsam). Könnte man diesen Umstand dahingehend interpretieren, dass Blogs in den Augen der 37% ein wichtiger Kanal sein könnte, um die eigenen Messages bzw. die der Kunden raus zubringen? Kann es sein, dass wir alle immer tendenziell noch mehr an der Verlautbarung als dem nervenaufreibenden und ressourcenverschlingenden online Dialog auf Augenhöhe hängen? Gegen diese meine Einschätzung wiederum würde sprechen, dass der Social Media Release (von einigen Agenturen als Verlautbarungsmedium 2.0 missverstanden)als Kanal für bloß 15 Prozent der Befragen wichtig ist, eher weiter hinten rangiert.

Online-PR Vorteile

Dass Social Media Tools vom Kosten-Nutzen-Aspekt her gut abschneiden liegt auf der Hand. Natürlich nur dann, wenn sie entsprechend zielgerichtet in die Gesamtkommunikation Eingang finden.

Online PR Nachteile 

Dass die Wahrnehmbarkeit hier ganz oben rangiert wundert ich auch. Kann es sein, dass dieser Umstand damit zu tun hat, dass es für viele weniger darum geht, am Dialog teilzunehmen als statt dessen die Botschaften möglichst breit zu streuen (Stichwort: Eyeballs)? Auch der Unklare Nutzen scheint darauf hinzuweisen, dass vielen nicht hinreichend klar ist, dass die online Kommunikaiton, der hier stattfindende Aufbau von Dialogbeziehungen ja mit passion based audiences erfolgt, was eine möglichst breitflächige Wirkung im Sinne von Catch-all so gut wie ausschließt. Wie sehen das die hier versammelten PR-Auskenner?


Online PR Maßnahmen durchführung 6

Spannend last but not least auch die Frage, wer Online-PR Maßnahmen letztendlich durchführt. Nur 22 % der Befragten machen sich hier selbst "die Hände schmutzig". 22% sind imho ganz schön wenig. Dann nämlich, wenn wir uns nochmals vor Augen führen, wie wichtig die Branche Online-PR offenbar einschätzt. Meiner Meinung passt das irgendwie nicht zusammen. Ist das jetzt wichtig und will sich die PR nun damit selbst beschäftigen, weil PRler online PR Maßnahmen als notwendig, unabdingbar, etc. erachten, oder lassen wir dann, wenn es darauf ankommt doch die anderen machen? Fragen über Fragen. Schönes Wochenende!